Der neue Blog ist unter http://campodecriptanablog.apps-1and1.net erreichbar




27. Juni 2005

Über das Verschwinden des Bürgerlichen Bewusstseins

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 08:28

Von Tanja Krienen

Aus aktuellem Anlass der Artikel aus dem „liberal“-Magazin - hier in der Printfassung: Über das Verschwinden des Bürgerlichen Bewusstseins

Kurt Tucholsky schrieb kurz vor seinem Tode im schwedischen Exil: „Die freiheitlichen Ideen des Bürgertums aber sind tot, niemand lässt sich dafür ohrfeigen. Hier ist etwas zu Ende gegangen. Daß auf dem Champs Elysées antisemitische Blätter verkauft werden, zeigt, dass niemand das als schändlich empfindet – achselzuckend, murrend und gleichgültig gehen die Leute daran vorbei, und die Juden sind ja auf Meilen nicht zu sehn. Nun, was sich nicht aggressiv verteidigt, das geht unter, und man soll es noch stoßen, denn es ist nicht mehr lebensfähig. Es ist für uns andere, die wir weder Faschisten noch Kommunisten sind, keinerlei Idee da, für die wir ein Opfer bringen könnten, keine, die uns befeuert, wir wissen nur, was wir nicht wollen.“ (Aus dem Beitrag von Fritz J. Raddatz)

Diese resignierenden Worte erreichen siebzig Jahre nach ihrer Entstehung ebenso wenig das Herz „der anderen“, erst recht nicht den Verstand, als sie es damals vermochten. Das Subjekt hatte sich schon fast aufgelöst. Heute fehlt daran beinahe jede Erinnerung.

Geblieben ist eine vage Vorstellung; eine Vorstellung der ökonomischen Wirkung, die beinahe ausschließlich negativ gesehen, „erlebt“ wird. Die kommunistische, „Dimitroffsche Doktrin“, nach dem „der Faschismus“ „die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals” sei, ward inzwischen selbst von konservativ-liberalen Personen so verinnerlicht, dass ideologischer Widerstand gegen diese infantilste aller Deutungen (die zudem den ambivalenten Faschismus mit dem Nationalsozialismus verwechselt, resp. gleichsetzt), nicht mehr stattfindet, oder nur von Einzelpersonen, die jedoch kaum noch Gehör finden. Das Bürgertum stellt keine politischen Vertreter mehr, schlimmer aber: Seine Herkunft, seine Entwicklung, seine Facetten, seine Verdienste, geraten ins Vergessen, sind vom linken Mainstream – der selber nicht mehr in der Tradition seiner Klassiker steht, sondern populistisch- lumpenproletarischen Phantasien anhängt – überzeichnet bis zur Unkenntlichkeit.

Ehedem war das anders, da wusste die Linke um die fortschrittliche, liberale Gesinnung der erwachenden Bürgertums, gab es eine weitgehende Gleichheit der Interessen, zumindest in so weit, als das die gemeinsam anerkannten Prinzipien Handelsfreiheit, Bürgerrechte und Forschungsfreiheit, als Ziele einer entwickelten, säkularen Gesellschaft unstrittig im Vordergrund standen. So schrieb Karl Marx im „Manifest der Kommunistischen Partei, 1848:

„Jede Entwicklungsstufe der Bourgeosie (der Bürgerklasse, Anm. TK) war begleitet von einem entsprechenden politischen Fortschritt. Die Bourgeosie hat durch die Exploitation (Nutzbarmachung) des Weltmarkts die Produktion und Komsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre (!) den nationalen Boden der Industrie den Boden unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren EINFÜHRUNG EINE LEBENSFRAGE FÜR ALLE ZIVILISIERTEN NATIONEN wird. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine ALLSEITIGE ABHÄNGIGKEIT DER NATIONEN VONEINANDER. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden GEMEINGUT. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine WELTLITERATUR. Die Bourgeosie reißt durch die rasche VERBESSERUNG aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich verbesserte Kommunikationen (!) alle, auch die barbarischten Nationen in die ZIVILISATION. DIE WOHLFEILEN PREISE IHRER WAREN SIND DIE SCHWERE ARTILLERIE, MIT DER SIE DEN HARTNÄCKIGSTEN FREMDENHAß DER BARBAREN ZUR KAPITULATION ZWINGT. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeosie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen.“

Heute herrscht das Bild eines Bürgertums vor, das für sämtliche Verbrechen aller Zeiten und Orte verantwortlich gemacht, dessen eigentliche Tätigkeiten gar – Herstellung und Handel – zur kriminellen Handlung stilisiert wird. Obwohl Maßregelungen, wie sie zur Zeit des NationalSOZIALISMUS herrschten, dem Geist der Freiheit des Wettbewerbs völlig widersprachen, und – im Gegenteil – aus den Untiefen der Regulationssüchtigen, der Angsterfüllten, der Unfreien und der Massenmenschen stammten, werden sie in groteskerweise denen unterstellt, dessen Prinzipien dadurch über Bord geworfen wurden. Auch heute gibt es gerade von der Seite der Wirtschaft kein Interesse an Kriegen oder Spannungen – verdient wird, dies ist eine alte Erkenntnis – nur dann, wenn Freiheit herrscht.

Dafür jedoch wird nicht mehr gekämpft, man geniert sich. Verschämt bekennen sich Politiker zu den Grundmotiven des schaffenden, unkonventionellen und unabhängig denkenden Menschen, werden Projekte wie die Gentechnologie entschuldigt, wird der Bevormundung – die selbst bis in den Ernährungsbereich neuer Frauenschaftlerinnen mit Schwarzbrot – Empfehlungen reicht – nicht mit dem nötigen Widerstand begegnet, wird der alltägliche Geschlechterrassismus durch Feministinnen, inklusive des Babymordes, stillschweigend aus der öffentlichen Debatte ausgeklammert. Fehlt jedoch die Möglichkeit zur Forschung, zur Wissensmehrung, sinkt der Grad der Freiheit eigenständiger und eigen williger Möglichkeiten zur Entscheidung in gleicher Qualität, wie die Ohnmacht und Desorientierung des Einzelnen steigt. Es bedurfte eines langen Kampfes, ehe die Menschheit aus dem Dunkel der Geschichte trat, den Ballast abwarf und sich neue Horizonte in einer sukzessiv offenen Gesellschaft eroberte.

Der Mensch wird zum Tabu erklärt, wer forschen will, muss sich erklären – das Trauma der Naziideologie wird als schlecht begründete Moralbremse auf alle Bereiche ausgedehnt. Selbst eindeutig und ausschließlich positive Optionen der Menschheitsforschung, sind mit dem Geruch der Manipulation behaftet. Die Gefahren, mit der herrschenden „Political Correctness“, Wissenschaft und Entscheidungsfreiheit einzuengen oder sogar zu ersticken, wachsen von Tag zu Tag, obwohl ohne sie der „relativ freie Wille“ – stärker denn je – zur bloßen Abstraktion wird. Es bedarf des Willens zur Aufklärung, um das Prinzip: „Ich will“ zu verteidigen, und das „Du sollst“ jenen zuzueignen, welche mit untauglichen Mitteln, Erkenntnisse verhindern möchten – als eine quasi Neuauflage der Erbsünde…

Aktuell dominiert eine laxe Haltung zur Verteidigung der Werte einer bürgerlichen Gesellschaft, eines nachvollziehbaren Rechtssystems und einer Eigenverantwortlichkeit, zuletzt gar die Aufgabe der eigenen Existenz durch allgemeine Postulierung der Wehrlosigkeit. Verteidiger des Status Quo werden mit plakativen Begriffen wie rassistisch oder faschistisch abgestraft, die politischen Vertreter bei jedem öffentlichen Auftritt beschimpft, verleumdet oder durch Krawalle in den Zustand der Mitteilungsunfähig gesetzt – die Versammlungsfreiheit besteht für das konservative Spektrum längst nicht mehr. Niemand wehrt sich dagegen; die liberal-konservative Jugend pflegt ihre Frisuren, schaut, ob die Krawatte sitzt und gibt sich zum Wochenende seinen wenig exklusiven Neigungen, die sich von anderen in so weit unterscheiden, als dass sie weniger lustig sind, in gleicher Decadence hin, wie es der Vorsitzende einer Spaßpartei auf dem CSD oder im Container bei den ausgesuchten Lumpenproletarierdarstellern macht.

Es herrscht Einigkeit darüber, man dürfe uns solle anderen „Kulturkreisen“ nicht vorschreiben, welche Lebensart man wählen solle, als würden „wir“ anderen unseren Willen aufzwingen, und nicht – im Gegenteil – die Herrschaft anderswo ihren Bürgern die freie Wahl ihres Lebensstiles untersagen. In Wirklichkeit spricht aus diesen Worten aber die Kapitulation. Der Kampf um die Werte der westlichen Welt wurde zugunsten eines auf Angst basierenden Rückzuges aufgegeben. Wie Tucholsky ja im eingangs zitierten Satz sinngemäß sagte, lässt sich niemand mehr für die „freiheitlichen Ideen des Bürgertums ohrfeigen“.

Wie schrieb ich jedoch schon direkt nach dem Attentat vom 11. Septembers 2001:
„Die Demokraten Deutschlands müssen den Gegnern der freiheitlichen Lebensweise, wesentlich entschiedener und offensiver entgegentreten als in der Vergangenheit, sonst haben wir den Kampf um die Aufklärung – den Prinzipien von Verstand und Vernunft, der Freiheit und der Demokratie – binnen kürzester Zeit endgültig verloren. Aber genau darum geht es: Die Früchte der französischen Revolution – auch ihres amerikanischen Vorläufers – und die von dort ausgehende Basis weiterer Verbesserungen, wären auf ewig verdorben, ja selbst die Erinnerung an ihren Geschmack, an ihre Schönheit, unrettbar im Menschheitsgedächtnis ausradiert.“

Doch Deutschland pausiert. Wie lange noch?

Tanja Krienen

19 Kommentare »

  1. Es sei hier noch auf ein wunderbares Interview der Jungen Freiheit mit dem deutschamerikanischen Professor Hans Herrmann Hoppe hingewiesen. Ich stelle mal den Link zum Forum des Magazins, welches sich seinen Ideen in nicht geringer Weise verpflichtet fühlt - Eigentümlich frei und zum Blog „Gegenstimme“, der dies auch erfreulicherwise aufgriff - Hoppe-Interview JF

    TK

    Kommentar von Campo-News — 27. Juni 2005 @ 09:34

  2. Gehört zum “Verschwinden bürgerlichen Bewußtseins” nicht auch jener kollektivistische Wahn, wie er sich in der generellen Identifikation von Offizieren der Deutschen Wehrmacht als vermeintlichen Handlangern Hitlers und Himmlers Ausdruck gibt, bei gleichzeitiger Entschuldung verfassungsfeindlicher Bestrebungen Nachkriegsdeutschlands, wie den von der westdeutschen SED-Schwesterorganisation ausgehenden, der - in den Augen (nicht nur) Hannes Heers - höchstwahrscheinlich die Tatsache, daß auf UZ-Pressefesten keine Ritualmorde an eritreischen, äthiopischen oder jüdischen Kindern begangen wurden, als Manifestation einer “Distanz” zu Mengistu und Arafat angerechnet werden kann?

    Kommentar von Digenis Akritas — 27. Juni 2005 @ 14:08

  3. Zum “Existieren bürgerlichen Bewusstseins” gehört “kollektiver Wahn”… ich würde das allerdings moderater ausdrücken und vielleicht mit Hilfe klassischer Logik diesen mehrheitlichen Anteil im “Denken”, der sich selbst “Moral” nennt, als ein mit unzulässigen Gründen Verallgemeinertes ansehen (Kant, Rousseau, auch Hegel, selbst Adorno haben jenes kultiviert), so etwas heißt dann immer “Menschenrecht” oder gar “Völkerrecht”. Beides durch und durch idealistische Konstrukte. Dass den ebensolchen Konstrukten der moralischen Pseudomarxisten dies ebenfalls vorzuwerfen ist, dazu genügt schon die auszugsweise Lektüre der Elaborate solcher Moraldeppen.

    Ich nun weiß beim “besten Willen” n icht, warum ich mich als der Besserwissende in Fragen der Konkurrenz einmischen sollte. Also: Einfach wieder vergessen.

    Oder erst bei der Verlängerung des Elfmeterschiessens einen Fehler machen. In den hiesiegen Wettbüros soll, so liess ich mich belehren, da ich schon vor dem Spiel meinte: “das gibt mindestens Elfmeterschiessen! Nein, sogar da Verlängerung!” eine ungeheure Quote zur Auszahlung auf diesen “Tip” angestanden haben… Nun ja, ich bin ja nicht so ein Spieler… ;-)

    Kommentar von hegelxx — 27. Juni 2005 @ 23:41

  4. Differenzieren möchte ich aber dennoch, meine Zustimmung zu dem wirklich fulminanten Interview, bezüglich der pauschalen Verurteilung der Französischen Revolution, denn es wies mich jemand auf die Widersprüchlichkeit zu meinen sonstigen Aussagen hin

    Sicher kann man ihr Gewaltpotenzial beklagen, doch das war zu dieser Zeit üblich, ebenso wie später. Dass es erstmals in der Geschichte zu einer friedlichen Revolution im Bereich der so genannten sozialistischen Staaten kam, könnten wir ja vielleicht doch als ein Ergebnis eines Erziehungsprozesses ansehen, eines kleinen Fortschritts hin zur Einsicht, dass die Herrschaft, entgegen eines Mehrheitswillens nicht möglich, resp. nicht legitimiert ist. Immerhin. Dies wäre auch ein Hinweis darauf, dass Demokratie das geringste Übel unter den menschlichen Organisations- und Artikulationsvarianten ist.

    Aber in der Tat darf man gegen die Pervertierung des “Demokratischen Prinzips” die Stimme erheben und durchaus eine polemisch-überspitzte Negierung dieser Ausrichtung vornehmen. Hier stoßen wir wieder auf Nietzsche, dessen Ambivalenz zur Aufklärung zur Kenntnis genommen werden muss. Wenn ich, oder andere, die Französische Revolution verteidigen, so ist nicht der gewaltsame Umsturz gemeint, sondern das Ergebnis: logisches Denken, vernünftiges Handeln, Berücksichtigung des Prinzips von Ursache und Wirkung, Abwesenheit von Willkür.

    Wenn diese Prinzipien z.T. unzureichend entwickelt sind, ist dieser Zustand noch nicht unmittelbar ein Argument gegen sie - grundsätzlich nämlich ist dies der Rahmen einer bürgerlichen, kapitalistischen Gesellschaft, siehe auch http://www.campodecriptana.de/blog/2005/06/27/198.html Über das Verschwinden des Bürgerlichen Bewusstseins

    Wo aber sind die Grenzen, wo liegen die grundsätzlichen Irrtümer? Vielleicht einfach in der Unzulänglichkeit des gesamten menschlichen Strebens, oder, wie es Brecht in der Dreigroschenoper in dem ebenso übertitelten Lied formulierte:

    Der Mensch ist gar nicht gut
    Drum hau ihn auf den Hut
    Hast du ihn auf den Hut gehaut
    Dann wird er vielleicht gut

    Nochmal zurück zu Nietzsche und zum Kern: Dort, wo das vernünftig Handeln umschlägt in eine Diktatur, wo es nicht zur Option, sondern zum radikalen Gebot, ja zum Befehl wird, da bedarf es des Widerspruchs, weil sonst das Leben an sich eliminiert wird. Ich schrieb neulich über die Nietzsche Krise, die das allgemeine Leben erst jetzt so richtig erfasst habe, und erwähnte Kleist´s Kant-Krise, die nichts anderes war, als die Erschütterung, die er angesichts der Umsetzung aufklärerischer Prinzipen erlebte: Die Gefahr des ausschließlich vernünftigen Handelns, mit der Folge einer Ermattung des individuellen Lebens und einer Verkümmerung sämtlicher Instinkte.

    Diese Rückbesinnung auf die Instinkte, die Auswilderung des Menschen, bildet den Kern des Widerspruchs, den Nietzsche gegen die Entnatürlichung vorzubringen wusste. Die positiven Folgen bzw. Begleiterscheinungen der Aufklärung, Forschungs – und Handelsfreiheit, Religionskritik, Entfaltung der Kunst – sie wurden von Nietzsche nicht grundsätzlich in Frage gestellt, dazu war viel zu sehr der „Fröhliche Wissenschafter“. Etwas anderes ist die Kultur und Gesellschaftskritik, die zwangsläufig dem postulierten Freiheitsideal folgt, denn wo Freiheit herrscht, gibt es u.U. mehr Fehlentwicklungen als dort, wo die Umstände verordnet werden.

    Die aggressive, zugespitzte Bejahung instinkthaften Verhaltens bei Nietzsche, bildet das große Regulativ der Aufklärung. Diesen Spagat gilt es auszuhalten. Erst durch die Bewusstwerdung dieser beiden Gegensätze und ihrer Auslotung, erschafft eine neue Lebensqualität, im wirklichen Wortsinn. Beides ist möglich: Die dialektische Auflösung beider Extreme, sowie ihre gleichzeitige, nebeneinander existierende Realität. Die Gleichzeitigkeit aller Dinge, ihre Vorstellung davon, die Anerkenntnis, dass es vernünftig sein kann, Unvernünftiges zu tun - sie ist der Schlüssel zum freiheitlichen und kritisch-vernünftigen Umgang mit sämtlichen Erscheinungsformen.

    Tanja Krienen

    Kommentar von Campo-News — 28. Juni 2005 @ 12:34

  5. Die Wochenzeitung “Junge Freiheit” darf nicht als “rechtsextremistisch” eingestuft und vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Dies verstoße gegen die Pressefreiheit, so lautet der heutige Beschluss des Bundesverfassungsgerichts.

    Karlsruhe - Die Berliner Wochenzeitung “Junge Freiheit” (JF) hatte mit einer Verfassungsbeschwerde auf die seit rund zehn Jahren andauernde Beobachtung durch den nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz reagiert. Das Bundesverfassungsgericht hob heute die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Düsseldorf und des Oberverwaltungsgerichts Münster auf, die die Aufnahme des Blattes in den Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen gebilligt hatten.

    Die Verwaltungsgerichte sahen in zahlreichen Beiträgen der als “rechtsextremistisch” eingestuften Zeitung Anhaltspunkte für die Zielsetzung, tragende Strukturprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu beseitigen oder außer Geltung zu setzen. Das Verfassungsgericht wies die Sache nun an das Verwaltungsgericht Düsseldorf zurück. Dieses muss jetzt “erneut prüfen, ob die tatsächlichen Anhaltspunkte für einen Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen” ausreichen.

    Zur Begründung des Beschlusses sagten die Bundesverfassungsrichter, dass durch die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht die Wirkungsmöglichkeiten der 1986 gegründeten “Junge Freiheit” nachteilig beeinflusst würden. Potenzielle Leser könnten davon abgehalten werden, die Zeitung zu erwerben. Es sei auch “nicht unwahrscheinlich”, dass Inserenten, Journalisten oder Leserbriefschreiber deshalb die Zeitung boykottieren.

    Auch der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz sei zu beachten, so die Richter. Es sei nur der Verdacht einer verfassungsfeindlichen Bestrebung festgestellt worden, gesicherte Erkenntnisse dafür - die die Aufnahme in den Verfassungsschutzbericht rechtfertigen würden - lägen aber nicht vor. “Die bloße Kritik an Verfassungswerten reicht nicht aus”, unterstrich der Erste Senat. Die Meinungs- und Pressefreiheit lasse auch eine kritische Auseinandersetzung mit Verfassungsgrundsätzen zu.

    Die Verfassungschützer sahen jedoch Anhaltspunkte für den Verdacht, dass die “Junge Freiheit” verfassungsfeindliche Bestrebungen verfolge, denn das Blatt habe rassistische, antisemitische und demokratiefeindliche Texte veröffentlicht, die teilweise von freien Mitarbeitern und Leserbriefschreibern stammten. Die Begründung der Fachgerichte aber, warum diese Texte Ausdruck der Verfassungsfeindlichkeit nicht nur ihrer Autoren, sondern gleichsam auch von JF-Verlag und -Redaktion sein sollen, genüge nicht den verfassungsrechtlichen Anforderungen, so das Bundesverfassungsgericht.

    Die Verwaltungsgerichte seien irrig davon ausgegangen, die “Junge Freiheit” könne allein deshalb nicht als “Markt der Meinungen” verstanden werden, weil sie nur für das rechte politische Spektrum offen stehe. Von der Pressefreiheit sei jedoch auch die Entscheidung erfasst, ein Forum nur für ein bestimmtes politisches Spektrum zu bieten, dort aber den Autoren große Freiräume zu gewähren.

    Die Verfassungsbeschwerde des “Junge Freiheit Verlags” war von dem zum national-liberalen Flügel der FDP gehörenden früheren Generalbundesanwalt Alexander von Stahl verfasst worden. Von Stahl hatte die Verfassungsschutzberichte in einem Interview Mitte April in der “Junge Freiheit” als “verfassungsfeindliche Verdachtsberichterstattung” bezeichnet und sich siegessicher gegeben: “Mein Glauben an den Rechtsstaat ist trotz der überlangen Verfahrensdauer von fast zehn Jahren nach wie vor ungebrochen. Am Ende werden wir gewinnen.”

    http://www.spiegel.de/kultur/gesell…,362682,00.html

    Kommentar von Campo-News — 28. Juni 2005 @ 14:38

  6. Nicht nur als “Betroffener” (Leserbriefschreiber und Autor) sehe ich in dem überfälligen BVG-Urteil einen ermutigenden Ausdruck der Wirkungsmächtigkeit rechtsstaatlicher Kontrollmechanismen gegenüber verfassungswidrigen Übergriffen, deren Opfer als (dauerhaft) der Verfassungsfeindlichkeit Verdächtige öffentlich stigmatisiert wurden.

    Kommentar von Digenis Akritas — 28. Juni 2005 @ 19:26

  7. ich gehöre nun nicht zu den Lesern der “jungen Freiheit”, obwohl, das sei angemerkt, man muss das Blatt ja nicht kaufen (in Cafés liegt es meines Wissens auch nicht aus) um dort geschriebenes in Erfahrung zu bringen. Manche Artikel, die ich auf andeen Wegen zu lesen bekam, klangen immerhin ganz vernünftig, wenn man mal von Hochhuth-Interviews absieht…und einige andere Artikel erschienen mir zumindesth dem “rechten Spektrum” sehr nahe…
    Nun halte ich mich nicht für einen Rechtsstaatsfetischisten, von daher nur ein bescheidener Einwand: soweit mir bekannt ist, stehen weiterhin durchaus akzeptable “linke” Presseerzeugnisse wie jungle world oder Bahamas unter Beobachtung. Selbstverständlich auch die Ostalgiepostille “junge Welt”. Es gilt also weiterhin bundesrepublikanische Tradition: Das “Böse” kann nur von “links” kommen…

    Kommentar von hegelxx — 29. Juni 2005 @ 10:13

  8. Der Westen, von dem in diesen Tagen so viel die Rede ist, existiert nicht mehr. http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13596916/Europa-hat-aus-den-Terroranschlaegen-nichts-gelernt.html

    Kommentar von Campo-News — 11. September 2011 @ 06:27

  9. Die bürgerliche Mehrheit bleibt zu Hause

    Günter Ederer - http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_buergerliche_mehrheit_bleibt_zu_hause/

    Mein Einwand: Die so denken, tendieren gegen 20%. Mehr nicht. Immerhin.

    Kommentar von Campo-News — 31. März 2012 @ 09:54

  10. Michael Klonovsky mit einem Pamphlet zur Gegenaufklärung - http://www.michael-klonovsky.de/content/view/162/42/

    Kommentar von Campo-News — 15. Juli 2012 @ 12:22

  11. Hier steht es quasi - http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/das_ende_der_aera_ludwig_erhard

    Kommentar von Campo-News — 24. Juni 2013 @ 12:47

  12. Die 12jährige Tochter einer affikanischen Familie (Vater, Bibihut und Silberketten, 2 weitere Frauen) hat die Feuerstelle in einem Wohnhaus in Brand gesetzt. Der Vermieter muss nun den Schaden zahlen, da eine siebenminütige Abwesenheit vom siedenen Öl und auch die unbeaufsichtigte Experimentiererei einer Minderjährigen nicht als “fahrlässiges Handeln” eingestuft wurde. Außerdem muss der Vermieter die Kürzung der Miete akzeptieren. Die Bürgerliche Gesellschaft zerfällt jeden Tag und die Täter sind nicht selten in der Justiz zu finden. Video - http://www.heute.de/bgh-urteil-mieter-steckt-kueche-in-brand-vermieter-muss-zahlen-35964354.html

    Kommentar von Campo-News — 20. November 2014 @ 11:55

  13. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_schoepferische_kraft_des_unternehmertums

    Kommentar von Campo-News — 10. Februar 2015 @ 09:00

  14. Alles Bürgerliche wird aber AUCH durch die Bürgerlichen selbst demontiert. Die nachfolgende dumme Brut, laut und partymachend, selber ulralinks und grünwählend, hedonistisch und heuchlerisch, ist doch das ureigendste Produkt der bürgerlichen Schichten.

    Kommentar von Campo-News — 2. März 2015 @ 18:37

  15. Kommunismus pur - http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/erbschaft-und-vermoegensteuer-julia-friedrich-ueber-die-last-mit-dem-erbe-a-1023477.html

    Kommentar von Campo-News — 14. März 2015 @ 17:36

  16. Der Focus stiftet zur Straftat an - http://www.focus.de/auto/blitzer-marathon-geblitzt-mit-diesen-sieben-tipps-vermeiden-sie-die-punkte_id_4616052.html

    Kommentar von Campo-News — 16. April 2015 @ 11:28

  17. Da jaulen sie - http://www.spiegel.de/schulspiegel/baden-wuerttemberg-fuehrt-wirtschaft-als-pflichtfach-ein-a-1049028.html

    Kommentar von Campo-News — 14. Oktober 2015 @ 14:47

  18. Die Ministerpräsidentin steht lächelnd daneben, als der Jusochef sein “Töte den Kapitalisten”-Shirt zeigt. Das ist normal, das wir nicht thematisiert - http://www.rolandtichy.de/daili-es-sentials/nur-linke-extremisten-sind-gute-extremisten/

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=982592545096930&set=p.982592545096930&type=3&theater

    Kommentar von Campo-News — 16. Oktober 2015 @ 14:46

  19. Die ehemalige Mauerschützenpartei gehört jetzt zum Club

    Obwohl die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin gezeigt haben, dass die AfD Wähler aus allen Parteien einfangen konnte, also weit davon entfernt ist, ein extremistisches Klientel zu bedienen, weigerten sich alle Redner am gestrigen Abend, sie als demokratische Partei anzuerkennen. Das zeugt von einem beunruhigend eingeschränkten Demokratieverständnis. Während die ehemalige Mauerschützenpartei nach viermaliger Umbenennung ohne Aufgabe ihrer programmatischer Positionen, die nach wie vor auf einen „Systemwechsel“ zielen, inzwischen problemlos zu den „demokratischen Kräften“ gezählt wird, werden die AfD-Wähler auf eine Weise ausgegrenzt, wie es bei den SED-PDS-Linkspartei-Linke-Wählern nie der Fall war.

    Natürlich gibt es in der AfD zwielichtige Gestalten und zweifelhafte Positionen. http://www.achgut.com/artikel/die_spd_und_die_unanstaendigen_berliner

    Kommentar von Campo-News — 20. September 2016 @ 10:31

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen

You must be logged in to post a comment.

kostenloser Counter

Weblog counter