Der neue Blog ist unter http://campodecriptanablog.apps-1and1.net erreichbar




19. August 2005

Tanz den Mussolini oder War die „Neue Deutsche Welle“ faschistisch?

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 18:50

Nun gibt es endlich – nach fast einem Vierteljahrhundert - eine neuillustrierte Version eines sehr alten TK-Textes.

Die folgende – nur leicht gekürzte - Ausarbeitung entstand für die Schülerzeitung der „Käthe-Kollwitz-Schule“, an der ich meine pädagogische Ausbildung absolvierte. Der Text wurde im Dezember 1981 geschrieben. Er fällt noch immer politische Urteile und löst die Ambivalenz der neuen Texte nicht auf. Dies ist sehr inkonsequent und nicht völlig überzeugend, da doch gerade ich, die sich ständig auf den Dadaismus bezieht, diesen Punkt hätte besser heraus arbeiten müssen. Die politische Barriere, der Zwang sich niemals mit Relativierern des Faschismus gemein zu machen, wirkt hier noch immer lähmend. Dabei ging es auch gar nicht um eine solche Gefahr, sondern vielmehr stand der Bruch mit einem Milieu kurz vor bevor.

Der Text jedoch entstand zu einer Zeit, in der ich noch immer revolutionäre Ideen mit Kunst unterschiedlichster Art verquicken wollte und so kann die gesamte Richtung einen gewissen Verbalradikalismus nicht verhehlen. Die Gruppe, an der ich meinen antifaschistischen Geist abmühte, DAF, schenkte der Welt (und mir) immerhin einige beachtliche Stücke

Nun also der Text, quasi eine frühe TK-Polemik – fast ein Vierteljahrhundert alt - noch ein bisschen spätpubertär, aber mit einigen brauchbaren Ansätzen.

Tanz den Mussolini oder Ist die NDW faschistisch?

In den vergangenen Wochen und Monaten, wurde eine sehr hitzige und kontroverse Diskussion über die Frage, ob es faschistische Tendenzen in der Neuen Deutschen Welle bzw. in der Punkbewegung gibt, geführt.

Die Kritiker der NDW zeichneten sich hierbei in erster Linie dadurch aus, dass sie ihre undialektische Herangehensweise an der Erörterung dieser Frage, nicht geschickt verbergen konnten. So scheint ihnen das Primärste bei der NDW, bzw. beim Punk, in nicht greifbaren geistigen Regionen zu liegen.

Auch die Polemik der selbsternannten Avantgarde der Rockmusikkritiker ist kaum noch zu erkennen oder sollte sie, mitsamt ihren dubiosen Inhalten, inzwischen gar gänzlich verschwunden sein? Jedenfalls scheint Phrasendrescherei die Diskussion zunehmend zu diktieren. So aber wollen wir uns doch zunächst einmal in sachlicher Form einige Fakten ansehen. Es folgt ein winziger Abriss der Geschichte des Punks:

Punk entstand in den Jahren 1976/77 vor dem Hintergrund einer erneuten Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Einer Krise mit Massenarbeitslosigkeit, die bis auf den heutigen Tag andauert. Aber nicht nur „das System“, auch die Musikszene befand sich in einem desolaten Zustand. Besonders deutlich waren die sozialen Gegensätze und die Erschlaffung der Rockmusik in England zu spüren. In dieser Phase begannen einige Jugendliche ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen. Durch Provokationen (buntgefärbte Haare, zerschlissene Kleidung und einer unkonventionellen Sprache) und einer Musik, die schnell, hart und aggressiv war, wurden die selbstzufriedenen Bürger einer bankrotten Gesellschaft geschockt. Aber dahinter war mehr als der Spaß Bürgerschreck zu spielen. Es war vielmehr, nach der langen Zeit der Frustrationen, das Signal eines Aufbruchs zur Selbstfindung, eine Rückbesinnung auf das eigene Ich.

Punk hatte (und hat) demnach zwei Seiten, eine politische (Auflehnung gegen die Gesellschaft) und eine private (Besinnung auf das eigene Individuum). Auf die Frage inwieweit das private und politische Leben eine Einheit bilden, kann ich aufgrund des beschränkten Raumes für meine Äußerungen nicht eingehen.

Jedenfalls kam es in England zu einem sprunghaften Ansteigen der Zahl der Punk orientierten Jugendlichen. Es gründeten sich hunderte neuer Bands, die begannen ganz spontan Musik zu machen und diese auf ebenfalls neugegründeten Plattenlabels, in kleiner Stückzahl, herausgaben. Die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten. Dennoch dauerte es eine Zeit, bis der britische Funke auf den Kontinent übersprang.

“Holidays In The Sun”

A Cheap holiday in other peoples misery!

I don’t wanna holiday in the sun
I wanna go to new Belsen
I wanna see some history
‘Cause now i got a reasonable economy

Now I got a reason, now I got a reason
Now I got a reason and I’m still waiting
Now I got a reason
Now I got reason to be waiting
The Berlin Wall

Sensurround sound in a two inch wall
Well I was waiting for the communist call
I didn’t ask for sunshine and I got World War three
I’m looking over the wall and they’re looking at me

Now I got a reason, Now I got a reason
Now I got a reason and I’m still waiting
Now I got a reason,
Now I got a reason to be waiting
The Berlin Wall

Well they’re staring all night and
They’re staring all day
I had no reason to be here at all
But now i gotta reason it’s no real reason
And I’m waiting at the Berlin Wall

Gotta go over the Berlin Wall
I don’t understand it….
I gotta go over the wall
I don’t understand this bit at all….

Claustropfobia there’s too much paranoia
There’s too many closets I went in before
And now I gotta reason,
It’s no real reason to be waiting
The Berlin Wall

Gotta go over the Berlin Wall
I don’t understand it….
I gotta go over the wall
I don’t understand this bit at all…

Please don’t be waiting for me

Was dann im Jahre 1978 erstmals der sogenannten breiten Öffentlichkeit als Punk verkauft wurde, war nicht mehr als Produkt smarter Musikmaker. Trotz dieses Versuches dem Punk die Spitze abzubrechen und ihn mediengerecht zu vermarkten, entwickelte sich die Bewegung ähnlich wie in England. Heute, an der Jahreswende 1981/82, stehen wir vor einer veränderten Situation in der festzustellen ist, dass der Punk sich zur Neuen Wellen hin entwickelte und einiges der Spontanität verloren ging. Aber davon später…

Kehren wir, mit Verlaub, zur Ausgangsfrage, ob es in der NDW bzw. beim Punk faschistische Tendenzen zurück. Anlass für diese Diskussion ist der Text einer Gruppe, die ihre erste Aufnahme in Gevelsberd-Silschede (im „Grün in“) einspielte, der Deutsch-Amerikanischen-Freundschaft (DAF). Der Text des Liedes „Tanz den Mussolini“ lautet:

Geh in die Knie
Und wackle mit den Hüften.
Klatsch in die Hände
Und tanz den Mussolini.
Tanz den Mussolini!

Und jetzt den Adolf Hitler.
Beweg Deinen Hintern
Und tanz den Jesus Christus.

Ist dies nun eine Neonazihymne, wie einige findige Leutchen heraus gefunden haben wollen? Oder gar ein Lied, welches den Faschismus verherrlicht? Was würde man sagen, wenn DAF singen würde: Tanz den Kommunismus! Wäre das eine Stellungsnahme für den Kommunismus? Was also wäre, wenn sie es singen würden? Nun, - sie tun es! Wo? Im gleichen Lied, muss die einfache und schlichte Antwort lauten!

Es ist also festzustellen, dass der Text des „körpermusikalischen Stückes“ „Tanz den Mussolini“, weder pro kommunistisch, noch faschistisch, sondern ganz einfach dämlich ist. Dämlich deshalb, weil dem Texter in den fünf Minuten Kotzzeit, die er wohl beim Erstellen seines „Werkes“ benötigte, irgendein grober Fehler in die Optik geraten zu sein scheint. Denn was mag sich Gabi Delgado Lopez, so heißt er, bei seiner unglückseligen Aneinanderreihung der Wörter Hitler, Mussolini, Jesus Christus und Kommunismus wohl gedacht haben? Wer einen Zusammenhang zwischen Hitler, Mussolini, Jesus Christus oder dem Kommunismus entdeckt, teile dieses bitte der Redaktion mit, wir werden und dann bemühen dies zu würdigen!

Also, für alle noch einmal ganz langsam und zum Mitdenken: Der Text ist eine Dummheit, aber ganz und gar keine Neonazihymne, auch wenn er dafür das geistige Niveau mitbringt.

Gabi Delgado Lopez, DAF

Ganz kluge Leute haben herausgefunden, dass selbst in den Namen der Gruppe der NDW ein latenter Faschismus durchklingt. So zeigte sich die ansonsten von mir geschätzte Moderatorin des „Kölner Treffs“, Elke Heidenreich, ein bisserle schockiert über Namen wie: Deutsch-Amerikanische Freundschaft, Nachdenkliche Wehrpflichtige, Einstürzende Neubauten, Freiwillige Selbstkontrolle, Wirtschaftswunder, ZK, Hass, Störtrupp, Kriminalitätsförderungsclub, Vrontal und andere. Die Annahme, hierbei könnte es ich um Ironie handeln, ließ sie durch eine genießerische, sorgenvolle Miene, gar nicht erst aufkommen.

Zu glauben, die Gruppe Deutsch-Amerikanische-Freundschaft könnte sich aufgrund ihrer besonderen Freude über das gleichnamige Bündnis einen derartigen Namen gegeben haben, muss unter der Rubrik „besonders absurder Gedanke“ zu den Akten gelegt werden. Mit der gleichen Logik könnte man annehmen, die am 12. April 1901 gegründete Kabarettistengruppe „Die elf Scharfrichter“, hätte aus Befürwortern der Todesstrafe bestanden. Erschwerend kommt bei diesen Herren noch dazu, dass sie sich z.B. folgende Namen gaben: Dionysos Tod, Kaspar Beil, Serapion Grab, Max Knax, Till Blut, Balthasar Starr oder Frigidus Strang! Was will ich damit sagen? Nun, es ist keineswegs neu etwas ironisch zu überzeichnen oder auch mit Worten zu spielen.

Wenden wir uns nun der Frage zu, wo wir die Wurzeln des besonders Humors des Punks suchen müssen? Denn der Humor, der in vielen Texten auftritt, wird, ebenso wie andere Artikulationen in Punk-Songs von simplen Kreisen als „unkonkret“ angesehen. So ist ihnen der Unverstand beim Lesen eines Fanzines (das sind kleine selbsterstellte Heftchen der Szene für die Szene, die in lockerer und witziger Form, in denen sich weitgehend die eigenen Erlebnissen widerspiegeln) anzusehen, um über sie bescheid zu wissen. Die Wurzeln des Humors jedenfalls, dies ist den Meisten jedoch nicht bewusst, liegt im Dadaismus.

Hans-A-Plast Textheft

Dada war eine revolutionäre Bewegung in Literatur und Kunst, die das Kunstwerk durch die Zerstörung der logisch gebundenen Formen in Frage zu stellen, und das Willkürliche ihm entgegenzusetzen beabsichtigte. Dada entstand 60 Jahre vor dem Punk 1916 und hatte kurz nach dem ersten Weltkrieg seine Blütezeit. Dada und Punk haben die Gemeinsamkeit mit Symbolen zu arbeiten und dabei provokative Zusammenstellungen zu erwirken.


Bürgerliche Kunstkritiker zeigten ihre Abscheu vor Dada und schrieben: „Diese Burschen (die Mitglieder der Dadabewegung) kommen daher und machen trostlose Trivialitäten aus Lumpen, Abfällen und Müll!“ Das klingt ja nun sehr aktuell. Eine Gerichtsverhandlung im Jahre 1921 gegen das KPD-Mitglied und Dadaisten Wieland Herzfelde brachte reaktionären Schreibern folgende Erkenntnis über den Dada-Humor: „…der Humor des Dadaismus…ließ Blicke tun in Welt und Lebensanschauungen, die der deutschen Wesensart vollkommen feindlich sind.“ Ein Grund wohl dafür, dass Dada in der Zeit des Faschismus zur „entarteten Kunst“ gerechnet und nicht mehr öffentlich ausgestellt werden durfte.

Ein Anklagepunkt der immer wieder gegen den Punk erhoben wird, ist der Vorwurf, die Lieder wären musikalisch nicht vielfältig genug. Außerdem mokiert man sich in den „besseren Kreisen“ darüber, dass die Punkmusiker in der Regel maximal drei Griffe beherrschen. Das sagen gerade jene Leute, die man wohl als die Zerstörer der Rockmusik der 50er und der Popmusik der 60er bezeichnen kann. Gruppen wie Deep Purple, Led Zeppelin oder andere dieses Schlages, die dem ursprünglichen Rock diametral entgegenstanden. Krachmacher, die nichts anderes machten als Kunst und Brutalrock! – mit ermüdenden, langatmigen und unspontanen Solis, die dazu brutal und humorlos vorgetragen wurden. Dabei verstanden es die „Rockgruppen“ einen beinahe einzigartigen Personen – und Gruppenkult aufzubauen.

Diesen ganzen Unfug fegte der Punk hinweg - er fing wieder beim Ursprünglichen an. Jeder der Lust hatte gründete eine Gruppe, trat auf oder produzierte eine Schallplatte (natürlich meistens in geringer Auflage). Jeder wurde sein eigener Star. Viele gründeten, wie schon erwähnt, neue Plattenlabels, welches sich in der Folgezeit nicht unerheblich auf die Umsatzzahlen bei den großen Plattenfirmen auswirkte. Dieses war (und ist) einer der großen Verdienste des Punks. Daily Terror -

Wir himmeln keinen an
Egal wie er heißt
Wir machen selbst was
Auch wenn jeder drauf scheißt
Wir wollen keine Führer
Und führt keiner an
Wir hab´n keine Idole
Bei uns gibt`s keinen Supermann.

Ein paar Kritiker des Punks aus dem Bereich der Folkmusik, zeigten sich nicht nur über die Musik entsetzt, sondern zudem über die ihnen angeblich zu unpolitischen Texte, was daran liegen mag, dass diese Leute außer „Tanz den Mussolini“ in der Regel keine anderen Texte kennen. Sehr verwunderlich ist es nur, diesen Einwand ausgerechnet von jenen Leuten zu hören, die im 1968er Geist den protestierenden Liedern Bob Dylans zuhörten, mit ihm aber auch die Entwicklung zum Jesus People mitmachten. Die gleichen Köpfe, die beim Konsumieren klassischer Musik der feudalistischen Soldschreiber (Mozart, Beethoven, Haydn u.a.) hinschmelzen und mit geschlossenen Augen der Götterdämmerung oder dem Nibelungenring des faschistoiden Wagners lauschen und sich dabei dem erquickenden Gedanken an kleine gehörnte Waldgeister hingeben. Es sind die gleichen Typen, die stinkende Räucherstäbchen schwingend, im bekifften Kopp „Was wollen wir trinken“ von den Bots, resp. Dieter Dehm siehe auch Dehmlich gelaufen gröhlen.

Gerade diese Gestalten, die mit einer nicht mehr zu vertretenen Arroganz auf die Punk und New Wave Musik herab blicken, gerade sie hören Musik, der man politisch anspruchsvolle Texte wie sie beim Punk vorkommen, einmal wünschen würde. Kein Bob Dylan, keine Joan Baez und keine Bots kommen in ihren oftmals tranig poetischen und pseudoreligiösen Texten zu einer derart konkreten Aussage, wie sie in vielen Punktexten zu finden ist. Einige kleine Textbeispiele zur Untermauerung meiner Thesen:

Über die Krieggefahr – Ihr Helden – Hass

Ihr baut Bomben und Kanonen
Wollt auf andren Sternen wohnen
Wollt totale Perfektion
Ich frag mich was bringst mir schon
Denn was macht ihr für mich – nichts!
Ihr baut Raketen und Kasernen
Ich soll sterben für den Sieg
Und was macht ihr für mich – nichts!
Über Neonazis – Hoffmann – Hass

Zucht und Ordnung, reine Rasse
So soll sie sein, die Arierklasse
Nazischweine!
Stramm marschieren, ganze Kerle
Nur gehorchen, nicht mehr denken
Hoffmannscheißer!

Über Deutschland – Deutschland – Slime

Wo Faschisten und Multis das Land regiern
Wo Leben und Umwelt keinen interessiern
Wo alle Menschen ihr ich verliern
Da kann eigentlich nur noch eins passiern:
Deutschland muss sterben, damit wir leben können!

Keine Eile - Vrontal

Angestellte dumm wie Brot
Deutschland, Deutschland über allen
Werkschutz sorgt für Hausverbot
Die alten Tricks, die neuen Fallen.

Wenden wir uns zuletzt dem wirklich vorhandenen Problem der Kommerzialisierung zu. Auch hierbei beweist sich das Duo (Disko-) DAF als Vorreiter. Gabi´s dummer, aber ernstgemeinter Ausspruch „Wir haben Bock auf Popularität“, zeigt die Gefahr der NDW dort zu landen, wo der Punk! niemals hin wollte. Auch scheint mit steigenden Verkaufszahlen der Anspruch der NDW-Gruppen zu sinken. Die Musik ist jedenfalls konplizierter geworden, die Elektronik hat schon lange Eingang in die Musik gefunden und die Texte sind nicht mehr so spielerisch und/oder aggressiv. Hat auch der Kommerz in der NDW die Oberhand gewonnen, so gibt es gottlob aber immer noch den Punk. Und so lange lebt die ursprüngliche Rockmusik weiter.

Ende des Aufsatzes vom Ende des Jahres 1981.

Zur äußeren Form mancher Darbietungen muss zuletzt noch angemerkt werden, dass viele Protagonisten der NDW-Szene und natürlich auch Leute wie ich, die versuchten der Herkunft der Erscheinungsformen auf die Spur zu kommen, unabhängig voneinander und ohne die Wurzeln zu kennen, eine Art Neodadaismus praktizierten. Ich sprach Wolfgang Luthe, der auch mit Rolf Möller (Extrabreit, Transparent) spielte, einmal nach einem Konzert an, ob er wüsste, wie sehr seine Texte und Vorträge an alte Dada-Schilderungen erinnerten. Ja, sagte er, aber er habe dies auch erst vor kurzem erfahren und hätte bis vor nicht langer Zeit überhaupt nichts von diesen Dingen gewusst. Luthe warf z.B. damals meterlange Spruchbänder von der Bühne: ,,Hagen im Loch. Wir finden Euch doch!“ Sie waren den von den Alliierten abgeworfenen Sprüchen nachempfunden, die das versteckt liegende Hagen im 2. Weltkrieg, ein wenig zusätzlich verbal unter Druck setzten.

Mein Pferd ist krank

Mein Pferd ist krank
Mein Pferd ist krank
Mein Pferd ist krank

Welches, welches, welches, welches?
Das liebe, das warme, das braune.

Wolfgang Luthe, 1981/1982
Siehe auch mein Interview mit Kai Hawaii von Extrabreit Die Verhältnisse in der populären Musik schienen Kopf zu stehen

Das Original

Meine Lieblingsfeinde waren schon damals, jene: Auszug


TK 1982

2001 vor dem „Hugenottenfriedhof“ zu Berlin

23 Kommentare »

  1. Off Topic

    Hi Tanja!

    Wenn du mal wirklich was bescheuertes sehen willst, schau mal hier rein

    http://www.hirony.net/cgi-bin/foren/messages.cgi?room=0017

    Gruß Ronja

    Kommentar von Ronja — 19. August 2005 @ 22:29

  2. Ein Vierteljahrhundert - es geht voran;)
    Das ist der erste (ja genau) Krienen-Text, mit dem ich mich halbwegs identifizieren kann. Hm. Angesichts von mir bekannten Leuten, die vor 25 Jahren auch so dachten und es heute noch tun stellt sich mir die Frage, was beunruhigender sein sollte: sich überhaupt nicht weiterzuentwickeln - oder sich weiterzuentwickeln und vom Punker zur CDU-Unterstützerin (inzwischen ja auch ganz offizielle “Kontaktperson”) zu werden.

    Kommentar von Anonymous — 20. August 2005 @ 00:15

  3. Unsinn: Es gibt viele Menschen, die einen Wandel vollzogen haben, und Punk war sicher und ganz bestimmt zuvorderst und am Anfang, keine linkssozialistische Kader-Bewegung. Das versuchen irgendwelche Politikhanseln und Toten Hosen heute daraus zu machen, aber das hat nichts mit Punk zu tun. Es kann keine Versöhnung mit dem Hippietum geben! „Never trust a hippie“, um mit den Sex Pistols zu sprechen! Hast du den Text über „Berlin wall“ in „Holidays in the sun“ nicht gelesen? Das fehlte noch: Punk und deutsch-links, diese Sozialarbeiter Haltung.

    Übrigens gibt es eine Reihe von Musikern, die eher konservativ dachten (interessant auch das neue Spiegel – Interview, wo ein erfrischend klarer Keith Richard sich doch von dem neuen –Anti-Bush-Unsinns Mick Jaggers absetzt und den Rock´n roll mitsamt seiner Anti-Hypochonder Philosophie der Ängstlichen beschreit.

    Kennst du Johnny Ramone, der im letzten Jahr starb? Er war auch ein Reagan-Fan und vielleicht DER Ur-Punk:
    http://66.249.93.104/search?q=cache:DeGa4C0FnU8J:www.laut.de/vorlaut/news/2004/09/16/10155/+Johnny+Ramone&hl=de

    Es gab auch mal einen ehemals lesbaren SPIEGEL-Artikel: „Punks für Bush“: http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,323902,00.html

    In diesem Sinne, TK

    Kommentar von Campo-News — 20. August 2005 @ 09:00

  4. Noch ein Nachtrag: TK, August 1981, Sylt

    Kommentar von Campo-News — 27. August 2005 @ 09:38

  5. Author : Phililp Comment:

    Noch was zum Zusammenhang zwischen Mussolini, Adolf Hitler, Jesus und Kommunismus ;). Das sind alles Dinge, über die große Menschenmassen (gerne bei Massenveranstaltungen) in fanatischer Weise begeistert waren bzw. sind…

    Kommentar von Recherche — 19. Dezember 2006 @ 10:39

  6. mussolini, hitler und jesus waren alles sozialisten und kommunismus nämlich auchr. “Der Mussolini” ist keine dummheit und auch nicht dämlich, es ist nähmlich gut, wahr und richtig!
    ansonsten ist der text auch gut und macht spaß.

    TK: Danke! Ja, ich würde den Text später auch gelassener, resp. positiver bewertet haben, aber damals gab es noch ein paar Distanzierungseffekte (obwohl ich die LP kaufte und auch unter dem Strich gut fand). Doch die leicht kritischen Passagen habe ich ja im Text der Anmoderation schon klargestellt. TK

    Kommentar von Achsenknopf — 2. Juli 2007 @ 11:47

  7. Irgendeiner aus der Band von Sting, wie heißt die gleich, ich glaub “Alice” oder so, hat immerhin etwas Richtiges jetzt im Spon-Interview gesagt:

    SPIEGEL ONLINE: Fühlt man sich da nicht alt?

    Copeland : Von wegen. Was die körperliche Fitness angeht, da hänge ich diese jungen Typen heute weit ab. Das gilt nicht nur für mich: Die ganze Generation der Mittfünfziger ist gesünder als je zuvor. Meine Eltern waren mit 56 uralt. Meine Söhne sind Mitte 20, und die können mir nicht das Wasser reichen.

    Kommentar von Campo-News — 7. August 2008 @ 15:02

  8. Leider ist der Unsinn überhaupt nicht vorbei, im Gegensatz zu dem hier gezogen Fazit. Der Artikel ist jedoch gut.

    Kommentar von Campo-News — 16. September 2008 @ 07:19

  9. Ein erstaunlich guter deutscher Musikfilm, der am 25. Januar noch einmal auf dem Sender “Anixe” zu sehen seien wird: Verschwende deine Jugend - die Geschichte um einen Auftritt der Gruppe DAF (siehe oben über den Song “Tanz den Mussolini”). Die Besetzung muss uns nicht interessieren, aber aus meiner Sicht gab es hier ein paar wirkliche originäre Sachverhalte zu sehen. Schön (über die Schwächen will ich jetzt nicht sprechen). Der Film zeigt die Umstände, die zu einem (fiktiven) Auftritt am 19.6.1981 in München führten. Tatsächlich aber schrieben Manche vom Begin des Durchbruchs der NDW nach einem Konzert am Natonalfeiertag den 17. Juni 1981 in Düsseldorf. Ich war damals in der Philippshalle, bei der tatsächlich DAF und z.B. Wirtschaftswunder auftraten. Wie heißt es im Film sinngemäß: Ein Jahr später war es vorbei. Genauso war es.

    Kommentar von Campo-News — 1. Januar 2009 @ 15:30

  10. Da wird der Film “Dorfpunks” so beschrieben, und: daran ist ALLES falsch, nicht nur, dass 1984 schon längst alles vorbei war und…ach meine Güte, dieser ganze Schmarrn mit den Wollpullis und so. Den Leuten kann man auch heute alles erzählen - das Fülleton machts möglich - und ALLE fühlen sich als Ex-Punks.

    “Waren wir nicht alle mal Dorfpunks? Sind in lila Schlaghosen und Wollpullis herumgerannt, haben uns dickes Anarchisten-A auf den Rücken der abgerissenen Jeansjacke geklebt und unseren Eltern den Stinkefinger gezeigt. Im neuen Film von Lars Jessen werden wir an die Wurzeln des deutschen Punks zurückgeführt: Der Buddy-Punkfilm spielt im Sommer 1984 in Schmalenstedt, mitten in der Holsteinischen Schweiz, direkt an der Ostsee. Eine Zeit, in der Punk noch nicht von Madonna und Co. zur Moderichtung degradiert wurde, sondern noch ein Lebensgefühl ausdrückte.”

    Kommentar von Campo-News — 24. April 2009 @ 06:14

  11. Tja, die Mädchen aus Hagen und Umgebung, etwas doof, aber niedlich

    Kommentar von Campo-News — 3. Dezember 2009 @ 10:14

  12. Der Räuber und der Prinz.

    Kommentar von Campo-News — 25. November 2010 @ 19:26

  13. Ein sehr interessantes Interview zur Pop-Musik -
    http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,781008,00.html

    Kommentar von Campo-News — 22. August 2011 @ 10:41

  14. In England ist die Unterhaltungsindustrie übermächtig, da werden keine Güter mehr produziert, nur noch Popkultur wird exportiert. Außer Entertainment bringt England nichts mehr zustande. Das ist die wahre Hölle.

    SPIEGEL ONLINE: Was ist so schlimm an Entertainment?

    Niven: Die Passivität der Konsumenten. Ich erinnere mich an meine Jugend, an jeden Samstagabend, an dem meine Eltern und meine Großeltern vor der Glotze hockten, um sich debile Gameshows anzuschauen. Punk Rock war für mich die Befreiung von der Kultur meiner Eltern, die Idee, selber etwas auf die Beine zu stellen, und ich schwor mir, nie Samstagabende vor dem Fernseher zu verbringen. Nun nehme ich mit Entsetzen zur Kenntnis, wie viele Freunde von mir ihre Zeit mit Castingmüll wie “Pop Idol” verplempern. Grauenhaft! Manchmal komme ich mir allerdings vor wie ein weltfremder Mönch, weil ich mich nicht für TV-Shows, ja nicht mal für Fußball interessiere. Taxifahrer wissen nie, worüber sie mit mir reden sollen. - http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,782134-2,00.html

    Kommentar von Campo-News — 31. August 2011 @ 07:30

  15. Klaus Theweleit sagt etwas Feines:
    “Aber heute werden die Charts fast ausschließlich von Altstars und Retro-Acts wie Adele, Duffy oder Aloe Blacc dominiert. Man könnte auch noch Amy Winehouse nennen. Doch die halte ich für ein reines PR-Phänomen. Ich habe mir ihre Platten angehört und kein einziges Stück gefunden, das auch nur im Entferntesten an die schlechtesten Sachen von Aretha Franklin heranreichen würde. Das ist Musik, die den Markt abräumen kann, weil die Produzenten, Manager und PR-Agenten gute Arbeit geleistet haben. Als ich in den Nachrufen von der „großartigen Musikerin“ las, hat sich mir der Magen umgedreht. Die Leute hören nicht richtig hin.”

    Kommentar von Campo-News — 12. November 2011 @ 13:01

  16. Zu Ulf Kubanke - Nun, ich war kein junger Punk, sondern so alt wie die meisten Protagonisten, nämlich 24 und damit ein Jahr älter als Gabi. Wer damals ohne Wertung derartige Reihungen von sich gab, wollte provozieren - das wollte er auch und seine politische Richtung war nicht so, wie er es heute retrospektiv darstellen will. Meine war ja auch anders…Aber Hitler oder Mussolini TANZEN zu wollen; also die Namen aufzunehmen und etwas Dynamisches zu empfinden, war und ist eine grenzwertige Aussage, die ich allerdings auch, mit Antikommunismus und Optionen, später besser nachempfinden konnte, als ich sie ehedem ablehnte. Auch nicht wahr: es war einfach geil das zu hören und zu tanzen, auch als DKP-Mitglied, aber nur in einer sehr komplizierten Dialektik, die, geschrieben, fast nur aus dem Zusammenhang zu reißende Missverständnisse dokumentieren hilft. Es ist wie bei Dali, man kann da nur mit Fiebermesser und clownesken Verhaltensweisen reagieren…

    Kommentar von Campo-News — 26. August 2014 @ 15:46

  17. DAF – Auf der zweiten DAF-Platte vom März 1980 (Cover: Sowjetische Athleten, alle drei Medaillen gewinnend) kann eines der besten, vielleicht DER beste Song überhaupt, gehört werden: NACHTARBEIT. Er steht weit über dem Sozialkitsch der Lindenzwergs und anderer teutschen Stümper –
    Nacht Arbeit.
    Erotik ist vorbei.
    Maschinen machen Spass.
    Sex ist verkrüppelt.
    Normales Leben in der neuen Zeit.
    Lebensstandardsteigerung.
    Schnelle Produktion für die schnelle Republik.
    Wer täglich stirbt lebt für den Augenblick.
    Das Leben ist langweilig.
    Es macht keinen Spass.
    Das Leben ist flach.
    Nachtarbeit ist Arbeit in der Nacht.
    Nachtarbeit ist Arbeit in der Nacht.
    Das Leben ist gut doch die Menschen sind schwach.
    Das Leben ist gut doch die Menschen sind schwach.

    Kommentar von Campo-News — 27. August 2014 @ 16:13

  18. Judith Butler ist als Erklärtier gänzlich ungeeignet und oft haut Wikipedia sowieso daneben, Beispiel: dieses ganze “Islamophobie”-Geschreische, als wären die Menschen, die benennen was sie sehen, krank. Wie gesagt: ich habe nur in dem Aufsatz für die Schülerzeitung anno 1981 eine eher mittlere Position eingenommen und das Gutmenschengerede der Elke Heidenreich kritisiert. An einen guten Text hatte ich jedoch 1981 andere Ansprüche und außerdem merkte man, dass der Punk durch eine Form abgelöst wurde, die man der Elektronikmusikwelle zuordnen konnte und die auch oft sehr langweilige Vorbilder hatte (ich halte von Kraftwerk gar nichts). Zudem war ich noch immer eine Linke (wenngleich schon stark schwankend) und meine Gedanken kreisten um andere Themen - dabei sage ich nochmal ganz klar, dass DAF sich mit keiner Nuance eine Art Antifaschismus oder Franco-Gegnerschaft hervortat, sondern: im Gegenteil. Sie waren in der Debatte wegen rechter Anspielungen und es ist schon merkwürdig, dass Gabi heute Bilder von Soldatenkolonnen aus ästhetisierenden Gründen verbieten lassen möchte. Diese heutige Mode aus allem noch ein Antifa-Bonmon zu kitzeln, ist schon nervend und auch in der Sache falsch.

    Kommentar von Campo-News — 29. August 2014 @ 06:45

  19. https://www.youtube.com/watch?v=j42vfCHdh9U

    Kommentar von Campo-News — 15. Juni 2015 @ 18:04

  20. An Linn Siebecke - Leider Linn, gehst du mit keinem Wort auf Einwände ein und versuchst nicht zu verstehen, dass Karat und das angeschlossene Milieu wie kein zweites für eine erstarrte DDR stand und Leute wie Biermann, Krug, Hagen und andere Mitte der 70er für den Versuch im westlichen und kulturoffenen, “modernen” Stil hier etwas aufzubrechen. Ich verstehe auch nicht, wie deine Vorliebe für die Onkelz mit Karat zusammenpasst. Die Zeiten, die du nicht vergessen kannst, hast du ja gar nicht wirklich erlebt, jedenfalls beziehe ICH MICH auf die VORWENDEZEIT der DDR. Karat macht nichts weiter als sämtliche vorhandenen naturalistischen Metaphern auszuschlachten, da lebt nichts, da wird die gesellschaftliche Realität weniger wiedergespiegelt als in einem xbeliebigen deutschen Schlager aus welcher Zeit auch immer. Im Übrigen waren Karat dadurch hochpolitisch, weil alles verdeckend, ablenkend und urbane Kultur vernichtend.

    Kommentar von Campo-News — 4. August 2015 @ 06:28

  21. Welche schwulen Astlöcher - http://genius.com/Egotronic-raven-gegen-deutschland-indiefresse-frittenbuden-remix-lyrics

    Idiot, als würden nicht Typen wie er und seine Bande uns vormachen, das alles gäbe es nicht - Delgado: Überall wird den Leuten so ein Horror gemacht. Vor Islamismus, vor Alltagsarmut, vor der Krise. Die Leute haben immer mehr Angst, sie werden vorsichtiger. Und sind dadurch auch immer leichter zu kontrollieren. Wenn du Angst hast, nimmt die Risikobereitschaft ab. Es sei denn, die Angst ist so groß, dass du verzweifelst, dann nimmt sie wieder zu. Aber so weit ist es noch nicht. http://www.spiegel.de/kultur/musik/gabi-delgado-und-frittenbude-im-doppelinterview-ueber-pop-und-politik-a-1047825.html

    Kommentar von Campo-News — 13. August 2015 @ 15:01

  22. Ein paar Bemerkungen zu Bob Dylan

    „Ich denke, dass die Fünfziger 1965 zu Ende gingen - und ich habe keine besonders angenehme Erinnerung an die Zeit danach. Ich war nie ein Teil dessen, was man später die Sixties nannte.“ So hört sich Dylans Urteil, obwohl er leider grad ab Mitte der 60er seine ursprünglichen Pfade verließ, über die neue Zeit in der Musik (und Politik) an. Tatsächlich begründe seine persönliche Elektrifizierung einen Bruch seines bisherigens Schaffens, obwohl er öfter auch zu seiner Wurzeln zurückkam. Doch die Verirrungen waren nicht gering, mal war er auf dem Jesus-Trip, mal verlor er sich in Pompösität. Seine urbane Zeit war die frühe. Als Pete Seeger ihm letztlich erfolglos das Stromkabel kappte, begann der Abstieg in den Aufstieg. Zuviel Heldenstatus schafft ungute Gefühle, Popmusiker sind keine Helden. Die jetzige Preisverleihung mag ein Kalkül sein, denn dem geschichtslosen Publikum kann man heute alles verkaufen wie man will, doch: warum nicht? Dass die Dichter der Klassik nicht sangen, wie kann man Dylan dieses ankreiden? Lyrik mit Musik darzubieten, kann niemanden disqualifizieren. Der Beste wäre, er hätte er das Startniveau gehalten.Verglichen mit den ganz großen der Branche, war seine Stimme eher dünn, sie passt zu einer gewissen schnodderigen, Konventionen brechenden Art, als Trägerin großer Darbietungen versagte sie, wirkte aus dem Rahmen gefallen. Ich besitze die Originalschallplatte “Nashville 1969″, Outtakes, Johnny Cash und Bob Dylan. Da sehen wir, dass die Stimme Dylans nicht richtig zum Country passt, sondern nur und ausschließlich zu eigenen Lieder. Lustig und einmalig die Interpretation des Jimmy Rodgers Songs “Blue Yodel No.5″. Dylan jodelt! Hier ein Beispiel, in der man ein gewisses Gefälle erkennen kann, auch wenn sich Dylan tapfer hält - es ist ja auch eine eigene Interpretation.

    http://www.dailymotion.com/video/x1qaym4_bob-dylan-johnny-cash-girl-from-the-north-country_music

    Kommentar von Campo-News — 15. Oktober 2016 @ 07:25

  23. Linke brechen Konzert ab, weil der Sänger kein Shirt trägt - https://jungefreiheit.de/kultur/2017/der-punk-starb-in-potsdam/

    Man hatte Kissen aufgeschlitzt, so dass es Daunen schneite auf Bühne und Publikum. Plötzlich aber flatterte ein lebendiges Huhn verstört über die Verstärker. Der Sänger packte es und schleuderte es in die Luft, als sei es flügge und frei. Sowie es aber in die Meute plumpste, macht sich diese, enthemmt offenbar durch die Musik, über das Federvieh her. Bald flogen Kopf, Schenkel, Flügel und Knochen zurück auf die Bühne. Und die Musiker starrten in die blutbefleckten Fratzen ihrer Fans.
    Horror-Zirkus

    Die Tötung des Huhns an einem Rockfestival im Herbst 1969 in Toronto war ein Skandal. Hatten sich in der Brutalität der Rocker jene teuflischen Kräfte gezeigt, die besorgte Stimmen im Rock’n’Roll vermuteten, seit Elvis unzüchtig mit den Hüften schlenkerte? Tierschutzorganisationen versuchten die Sache Alice Cooper anzulasten (damals der Name der ganzen Band, erst später machte sich ihn Bandleader Vincent Furnier zu eigen). Und obwohl selber keine Vogelmörder – das Huhn hatte man auf der Tournee als Streicheltier mitgeführt –, waren die Musiker froh über den Eklat. Er befeuerte den dämonischen Ruf ihrer Gruppe, die ihre Auftritte immer mehr als infernales Theater inszenierte. https://www.nzz.ch/feuilleton/ich-hasse-also-bin-ich-ld.1328862

    Kommentar von Campo-News — 7. August 2017 @ 18:28

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen

You must be logged in to post a comment.

kostenloser Counter

Weblog counter