Brrrrrrrrrrrr
BILD-Chefredakteur Kai Diekmann: „Wir sind sehr stolz, unseren Freund Bob Geldof begrüßen zu können, der ein großartiger Unterstützer Afrikas ist. Er pflegt eine Tradition von BILD: denen zu helfen, die keine Stimme haben. Ich gehe jetzt. Danke für die Freizeit.“
BILD 1. Juni 2007
Angela Merkel, die sich auf dem „G8 Gipfel“ NICHT über die ihrer Meinung nach feststehenden Erkenntnisse der Klimaforschung unterhalten will, unterhielt sich dann über das Gegenteil – konsequenterweise - vorzüglich. Ein Dialog, ich schwörs, der nicht von mir erfunden wurde, obwohl er so klingt, sondern die Quintessenz eines Interviews aus der BILD vom 1.6. darstellt:
Bob Geldof: „Werden auch Sie für Afrika weinen, Frau Bundeskanzlerin?“
A. Merkel: „Ich glaube nicht, dass das ein erfolgversprechender Weg wäre.“
Bob Geldof: „Politiker sollten die Größe haben, auch einmal zu weinen.“
A. Merkel: „Ich lache lieber, aber auch Tränen sind keine Schande.“
Bob Geldof: „Ist es anders als Frau mitzureden?“
A. Merkel: „Da ich nie ein Mann war, kann ich nicht vergleichen, ob es als Frau anders ist.“
Die Macher von Springers BILD hatten also in der vergangenen Woche eine gute PR-Idee und schlossen die Lücke, die sie längst in den Verstand des Volkes rissen, in dem sie den bekannten Herrn Geldoof (”Deutschland kann es schaffen! Ihr wurdet vom Bösen versklavt. Ihr habt es überwunden. All das in 60 Jahren“) einen Tag zum Cheftörichten erklärten, auf dass er ein Sammelsurium von Infoschnipseln rund um „Afrika, AIDS und Alarmismus“ zusammenstoppeln und jeden Gimpel, jede Landpommeranze, jeden Kretin im Umkreis des deutschen Kulturdreiecks von schwulen Medienfritzen, weiblichen Echauffeusen und politischen Sprechautomaten zu Wort kommen lassen durfte, wobei man ab und zu hinein interpretieren konnte, dass die Antwortengeber klüger waren als das, was man von ihnen gedruckt übrig ließ.
Mit dem offenen Wechsel der BILD in das Lager der Irrationalität, der Staatsfeinde und des esoterischen Obskurantismus, steht nun die Front, und hat auch der letzte verzweifelte Fingerzeig der Ewiggestrigen auf das Schweinesystem von BILD bis WELT nur insofern noch einen Wahrheitscharakter, als dass es jenes tatsächlich zu sein scheint. Nun ist der Weg frei für die Behandlung der Afrikaner als unmündige Kinder, denen man gleichzeitig generös alles verzeiht: Sie haben wenig selbst verschuldet, weshalb Kritik nicht stattfinden darf – das pure antiautoritäre Konzept der 68er Pädagogik, frei nach dem auch sonst herrschenden Motto: Es ist eine Schande, dass der Staat uns nicht randalieren lässt, wo wir doch nur randalieren, weil der Staat uns so provoziert. Schuld ist also der Staat, der nicht randalieren lässt, nicht wir, die wir zwar ursächlich randalieren wollen und gern dazu provoziert werden möchten, aber nicht können, wie wir wollen, weshalb wir randalieren müssen.
Immerhin vernahmen in der „Afrika-Ausgabe“ der BILD (”Schluss damit! Jetzt! 30 000 Menschen sterben in Afrika jeden Tag an Armut“, illustriert mit einem schreienden „Babyskelett“, das - der neueste Trend - geschlechtslos feilgeboten wurde „Sterbende Kinder haben kein Geschlecht“, aufdass man sich wirklich ob der feilgebotenen journalistischen Schamlosigkeit schämen musste), dass George Clooney nun andersherum tickt „Du blickst zum Himmel und betest um Kampfjets“, Elefantenbabys gut drauf sind „Trööööt, ich bin Afriknut“, Claudia Schiffer immerhin auch Fleisch empfiehlt „Afrikas Models sind einfach wunderbar“, „Campino“ eine Hütte besucht in der schon die politisch korrekten Plakate hängen - „Mein Leiden ist eure Fröhlichkeit“ – aber nicht sagt, was er sonst so singt, Ralph Giordano mutig fordert „Agrarlobby bekämpfen!“, Bill Gates im „Kampf gegen AIDS“ lamentiert „Die Frauen sind der Schlüssel“ (obwohl es sich eher umgekehrt verhält *g*) und auch Bambi-Kaulitzchen schon weiß, dass „Wir alle Verantwortung tragen.“
Während wir sehen, wie George Bush ein vierjähriges Kind „Sohn einer HIV verseuchten Mutter“, das mit schwarzen Ärmchen auf ihn zufliegt, strahlenden Gesichts, auffängt und Bill Clinton erfreulicherweise keine Ratschläge zu Sexualpraktiken gibt, was so lustig wäre, als wenn Michel Friedmann Doping bei Radlern verurteilte, trotzdem er aber gerade das dieser Tage tat, erfahren wir, dass sich BMW-Chef Reithofer, wie die gesamte rotorsymbolische „BMW-Group“ gegen AIDS engagiert, sowie auch Puma-Chef Reitz, den der Kontinent „mit seinen unterschiedlichen Kulturen fasziniert“, was seinerzeit vielleicht auch die erfrischend unkorrekte Fürstin Gloria meinte, als sie sagte, Schwarze würden wohl gern schnackseln, dies aber sofort als „rassistisch“ von z.B. gern schnackselnden Osthuren-Bestellern gewertet worden war.
Doch den Vogel schießt Steuerflüchtling Bono ab (siehe dazu diesen Beitrag Punkt 1), der das schauderhafteste Bild des frischen neuen Jahrhundert als Hauptperson ziert. Er erzählt, als er zum ersten Male in Afrika gewesen sei, hätten sie ihn wegen seiner langen Haare und der Ohrringe „Mädchen mit dem Bart genannt“ genannt, was nur der witzig finden kann, der wirklich meint, in Afrika lebe man partiell nicht im Dschungel, sondern auf dem Mond und habe noch nie, trotz unzähliger wilder Neger-Stämme, einen Krieger wie ihn vom Kopf bis zur Schwanzspitze buntbemalt, mit Ringen oder gestochenen Lippen, oder wie auch bei den anderen Bonos, mit viel Fell auf dem Körper, gesehen. Und dann greift er sich das Kind, reißt hinter seiner Rocky-Brille den grünen Schnabel auf, blabbert und blökt in Richtung des leidgeprüften Models (wahrscheinlich „Ich fress dich!“), das sich staunend wehrt und wir, denen uns das peinliche Gefühl drauf Ohren und Seele erröten lässt, fragen uns: ist es nicht logisch, dass sich dieses Kind künftig vor dem weißen Mann fürchtet?

Nicht schlecht
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,486464,00.html
Und der beste aller Kanzler sagt
http://www.rheinpfalz.de/perl/cms/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=ronMsg.html&path=/ron/welt&id=TOPTHEMEN070604081837.hlb39uzm
Kommentar von Campo-News — 4. Juni 2007 @ 15:43
Nachtrag
In einem Lied Gerhard Bronners, Gesang Helmut Qualtinger und Al “Fats” Edwards aus den frühen 60er Jahren, heißt es über die Korrespondenz von unterentwickelten Regionen, die auch angesichts der EU-Debatten unangenehm aktuell sind (Auszug):
Negerkral und Alpental
Vereint jetzt ein Choral:
Einziger Trost ist für uns bei dem Ganzen
Ist das sich wildfremde Menschen ihre Nerven zerfransen
Weil wir unterentwickelt san.
Neger:
Wir machen Schwierigkeiten
Allen weißen Leuten
Trotzdem solln sie zahlen,
Das ist ihre Pflicht
Alpentäler:
Wenn man uns nicht den Milchpreis stützt
Und uns vor den Konkurrenten beschütz
Wen man uns die Subventionen entzieht
Spiel ma net mit.
Neger:
Der Hauptpunkt des Programmes
Meines Heimatstammes
Ist: Wie lernen schreien
Aber schreiben nicht.
Alpentäler:
Wenn uns die Banken Gelder leihn
Ists an Tropfen auf an heißen Stein
Aber damit ists noch nicht genug:
Sie wollns auch zurück!
Beide:
Überall ist Konjunktur
Was können mir dafur
Denn bei uns ist halt alles so arm so klein
Und so unterentwickelt, unterentwickelt
Kraalbauern, Pfahlbauern laden zum Spenden euch ein
Wenn statt zu arbeiten wir uns bedauern
Könn´ wir viel eher auf Unterstützungen lauern
Es macht munter und prickelnd
Unterentwickelt zu sein
Ja wir sind ja so schwach und so arm und so klein
Und so unterentwickelt, unterentwickelt
Durch diesen uralten Schmäh geht man uns auf den Leim
Wenn wir was lernen wären wir zwar gescheiter
Aber heut´ kommen wir mit der Blödheit viel weiter
Wenn wir unterwickelt, unterentwickelt bleib.
Mir san bedient.
Kommentar von Campo-News — 7. Juni 2007 @ 06:18
Große Klasse: Wer hat nicht alles Blood Diamonds gesehen oder unsägliche ZDF-Schnulzen mit Iris Berben? Tierdramen. Daktari. Madonna in Malawi und George Clooney in Darfur und Katja Riemann im Kongo. weiter - http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,487746,00.html
Kommentar von Campo-News — 11. Juni 2007 @ 08:19
Hallo Tanja,
Dann sags halt Du uns: Ist es anders als Frau saudumm daherzureden?
Liebe Grüsse, Beni
TK: Ja, meist schlimmer. Aber es wäre gut, wenn du in diesem gänzlich unbegründeten Fall konkret sagen würdest, was da falsch sein soll!? Ich habe doch außerdem fast nur zitiert! Grüße, TK
Kommentar von beni — 25. Juni 2007 @ 19:12
Genau so sind sie: “Der britische Popstar Sting und seine Gattin müssen laut einem Gerichtsurteil wegen sexueller Diskriminierung rund 37.000 Euro an ihre frühere Köchin zahlen. Die Frau hatte geklagt, weil sie im achten Schwangerschaftsmonat entlassen worden war.”
Kommentar von Campo-News — 18. Juli 2007 @ 06:12
Heute las ich einen netten Leserbrief im SPIEGEL, in dem ein Leser etwas rethorisch fragte, was ich bislang nicht zu denken vermochte, sinngemäß: Warum haben die reichen Schwarzen in den USA eigentlich noch keine Initiative gegründet, um ihren “Brüder und Schwester” in den “Heimatländern” zu helfen?
Nochmal, Schuld an der Misere haben die negroiden Stämme selbst und zwar deshalb -
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,497476,00.html
Kommentar von Campo-News — 31. Juli 2007 @ 17:14
Die ultralinkspopulistisch-zyonistische BILD-Blatt, das ja längst das Sprachrohr des Plebs wurde, was es wohl auch immer war, sprang mir heute überall in der Fußgängerzone entgegen. Wenn auch die Erklärungen noch halbwegs im Lot sind, so ist die Thematisierung dieses Unfugs schon allein ein Politikum -
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2007/08/27/strahlenangst/handymasten-tatort-erklaerung,geo=2386770.html
Kommentar von Campo-News — 27. August 2007 @ 18:05
Aber aber
Kommentar von Campo-News — 15. Dezember 2007 @ 14:19
Weine, oh großer Gelddoof
Kommentar von Campo-News — 25. Oktober 2008 @ 13:57
Und wenn sie St. Pauli-Fahnen hissen, so schliesst sich der Kreis.
Kommentar von Campo-News — 26. Oktober 2008 @ 13:44
Bestimmt wieder “Rassismus”.
Kommentar von Campo-News — 29. Juni 2009 @ 16:33