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16. Juli 2010

Don Alphonso oder Ich, ich, ich, Biermann und die Beach Boys!

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 06:41


Don Alphonso oder „Ich, ich, ich, Biermann und die Beach Boys! https://www.riflemanconnors.com/jack_elam.htm

 

Die Dichter mit der feuchten Hand
Dichten zugrund´ das Vaterland
Das Ungereimte reimen sie
Die Wahrheitssucher leimen sie
Dies Pack ist käuflich und aalglatt
- die hab ich satt!

 

Wolf Biermann

 

Reiner Zufall, Reiner Unsinn, Rainer Meyer – schon kleine Wortkaskaden führen schnell zu jener Steigung, die dem FAZ-Blogger „Don Adolpho Alphonso“ als Tee-gern-Seher zu Eigen ist. Schon der Nickname stapelt schief. Pate will gelernt sein. In seiner Tätigkeit als Radiomacher für die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern hat er dafür sicher einen Grundstein gelegt und „die Sau rauslassen“ ist eine seiner verständlichsten, volksnahen Wünsche. „Don Paolo Pinkel“ wäre auch nicht schlecht gewesen. Aber er will ja nicht wie dieser oder Broder, sondern eher wie Biller sein. Doch ist man nicht mit dem Don Quijote wie auf dieser edlen Seite liiert, bleibt nur eine Assoziation der Mischung aus Menjou-Bärtchen- , und Gesichtsfotzenträger wie Don Jaime oder eines Bananenplantagen-Don Juano, dessen ölige Hände auch nicht gern gedrückt werden möchten „O prosito sito sito il finito nito“

 

Geboren wurde er auch. Biologische Frischware. 1967, weit hinter dem Berg der Erkenntnis also.Und nach uns wird kommen nichts Nennenswertes“, würde Brecht, ihn wahrnehmend, resigniert schmauchend granteln. Ipso facto - : „Infantes perhibent et stultos dicere verum“. Aber, das ist ein Vorurteil oder: ein falsches Urteil. Dabei kann er wachsen(d) schreiben. Wäre er ein Mensch und keine Schreibmaschine, könnte man ihn manchmal auch streicheln und in die Arme nehmen, die er sicher nötig hat; dann z.B., wenn er nicht die Ostalgie, sondern die Nostalgie anrührt. Sein Geschmack für Erlesenes, macht seine Auslese lesenswert. Er lässt auch manchmal den Pöbel zurecht nicht hinauf. Manchmal aber zieht grad der ihn hinunter. Die FAZ hudelt: „Ein schlechterer, nicht mehr ganz junger Sohn aus besserem Hause, der einige bürgerliche Werte wie Heirat, Kinder oder die 240-m²-Villa in der Vorstadt vehement ablehnt (ganz uneigennützig und heroisch selbstverständlich, Anm. TK) und andere wie Porzellan, Kulturgeschichte und gute Sitten schätzt.“

 

Nun hat er über die DDR geschrieben. Polemisch, politisch liberal-korrekt, so, wie man sich über eine Zeit oder einen Ort listig (her)macht, und die Unauthentizität an seinen Tisch holte. Die sagt immer: „Schreib, schreib, schreib, denk an das Moos Don Simon de Naranja!“ Doch gut gemeint, aber falsch gemacht, ist noch immer der größte Feind der Wahrheit.

 

In Ingolstadt, direkt am Strand

 

Wie gesagt, 1967 soll er geboren worden sein. In Ingolstadt, direkt am Strand, Ingolstrand, sozusagen. Diese Erfahrung posaunt er in der seinem FAZ – Beitrag bis nach Jericho: „Wir hörten und lebten Beach Boys.“ Wenn er es doch mal getan hätte! Aber wie? Als er an den Strand gespült wurde, hatten die Jungs ihre große Zeit längst hinter sich, gaben sich stattdessen mit Charles Manson ab und wurden fetter und fetter. Dennis und Carl Wilson starben. Rainer lebt. Obwohl zum „Beach boys leben“ 1. ein Surfbrett und 2. Mädchen gehörten, unser Don diese alles aber erst in den 80er kennen lernen konnte, so er überhaupt wollte, ist die vorgestellte Aussage aus jener Güteklasse, die wir auch von der Homöopathie kennen: Schütteln, bis der Arzt kommt.

 

Und jetzt kommt ´s richtig krank. Don, der Sandige, schreibt: „DDR, das war das Land, das diesen komisch aussehenden Biermann nicht mehr wollte, und der sang auch langweiliges Zeug.“ Ja, die DDR lag schon richtig, hören wir daraus und die Ambivalenz, die mitten in jener Unauthentizität verkehrt, stößt sich gesund. Zu verstehen ist: Wenn man so eine Eierschale vom Ingolstädter Strand ist, so ein wunderschöner, pfiffiger, feiner, echter, echt surfiger, wirklich hippiger, und natürlich auch hoppelnder, so ein natürlicher Hopper, so ein geschmeidiger Typ ist, dann weiß man instinktiv, was der Kreisler meinte, als er dichtete:

 

„Der Goldbaum schreit: „Ich klag Sie!“

Der Schwarz ruft rasch a Taxi,

der Rosenblatt ist längst nicht da,

der Grün ist einer Ohnmacht nah,

der Brauner schlägt den Opfermann,

der Levi spuckt den Meyer an,

der Pollak sagt zum Mandelschmidt:

„Ich kündige den Vertrag hiermit!“

 

Die Reimerei von Rainer Mey ist natürlich besser, so schrieb er 2006:

 

Willst Du mit Stadler und Waldorf konspirieren
sollst Du besser nicht photographieren.
Soll es Dir nicht Kopf und Kragen kosten
darfst Du nicht andrer Leute Bilder posten.
Der Krienen Leute invitierst Du besser nicht
sonst verbindet man damit Dein Gesicht.
Linke auch nicht auf die Chuzpe-Blogger
denn die Juden treten Dich vom Hocker.
Auch des Don Alphonso Truppe mach nicht an,
sonst bist Du baldigst selber peinlich dran.
Ach, die Blogosphäre ist gemein und rauh
niemand tröstet Dich ob Schmerz und Au.
Am besten gehst Du hin woanders spielen.
Dann braucht der Don nicht mit spitzen Worten auf Dich zielen.

 

Muss jetzt reichen das vom Don sein Schreiben weil wird mir schräg Tastatur die lange.

1 Kommentar »

  1. So hoch waren die Wellen damals und so hohe schlage ich noch heute.

    https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2018/selektive-meinungsvielfalt/

    Als ich jung war, war links die Freiheit, einen „Stoppt Strauss“ Button zu tragen. Heute prügeln angebliche Linke eine „Merkel muss weg“-Demo zusammen. Früher war der Gewerkschaftler links, der die Sorgen und Nöte der deutschen Arbeiter in den Mittelpunkt stellte. Heute gilt als links, wer die Folgen der deutschen Wirtschaft in Afrika als Postkolonialismus verleumdet, und die Schuld in uns allen sucht. Früher war links die Freiheit, ein Plakat mit einer halbnackten Frau in der Maximilianstrasse gegen den Willen der CSU aufzuhängen. Heute hängen solche Plakate am Marienplatz: SPD und Grüne fordern ihre Entfernung. Links war früher die Möglichkeit, ohne Vorzensur in der Schülerzeitung zu schreiben. Heute ist links, andere als Kartoffel und als rassistisch zu beschimpfen und Mitarbeiter dazu zu bringen, mir Tipps zu schicken, weil man das in der Prantlhausener Zeitung (Don Alphonso meint die Süddeutsche Zeitung mit ihrem leitenden Redakteur Heribert Prantl, Anm.d.Red.) nicht mehr schreiben kann. Früher war links die Einstellung der kleinen Leute, die ein Haus und zwei Kinder bezahlen wollten. Heute ist links eine 800mg Ibuprofen zum Frühstück nehmende Singlefrau, die drei prekäre Bildschirmjobs in Berlin macht und normale Menschen hasst, die gefälligst ihr BGE (BGE = Bedingungsloses Grundeinkommen, Anm.d.Red.) zahlen sollen, das sie dann mit dem Dealer an der S-Bahn teilt. Ich bin immer noch 1992-links. Jetzt bin ich nur ein alter, weißer Mann, der versucht, zu überleben – möglichst lang, möglichst viele der Gegenseite. http://meedia.de/2018/04/01/don-alphonso-wechselt-von-der-faz-zur-welt-man-kann-heute-keine-geschichte-mehr-erzaehlen-ohne-dass-sich-jemand-betroffen-fuehlt/

    Tanja Krienen Unerträglicher Lesestoff, weil er schlicht mit Klischees arbeitet, wie alle Linken, auch wenn er nur “liberal” ist. Reagan der böse, Kriegstreiber USA - der “Don” halt, wie er leibt und lebt und Meyer heißt - so hoch springe ich, wenn ich Wasser lasse http://www.faz.net/…/rainer-meyer-alias-don-1914989.html

    https://www.welt.de/kultur/deus-ex-machina/article179805516/Don-Alphonso-Argumente-statt-Hetze-im-Internet.html

    Jetzt erst entdeckt – Don Alphonso - „Boah, mit Tanja Krienen ist der #HuffpostDE aber ganz schön was durchgerutscht. Das kommt davon, wenn man nicht aufpasst.“ Ich: Durchgerutscht ist der Pseudokonservative und Gerneschöner einer Bewegung, die nicht weiß, wer sie und er wirklich ist.

    Kommentar von Campo-News — 17. Juli 2010 @ 07:15

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