„Nu sagense mal: Was war denn eigentlich an der DDR so schlimm?!“ Gesellschaftlicher Zerfall 2009: Schaltergespräch bei der Deutschen Bahn in einer nordhessischen Stadt
Mittwoch, den 7. Oktober, 8.30 Uhr, an einem Bahnschalter in einer nordhessischen Stadt.
Bla bla ballaballa bla zum Kauf eines NRW-Tickets, dann, in etwa –
TK: (Einen 50 Euro-Schein in der Hand haltend) Dann könnte ich das ja auch, um nicht immer solange warten zu müssen, für 27 Euro am Automaten kaufen!
Schalterfrau, circa Ende der 50er: Das geht aber nicht, da müssen Sie das Geld passend haben, mindestens einen Zehner und einen Zwanzig-Euroschein. Scheine gibt der nicht heraus, nur Kleingeld.
TK: Wieso? Abgesehen davon, dass man ja auch am Bankschalter Scheine erhält, könnte er ja auch z.B. 5 Euro-Scheine heraus geben. Aber mir ist das egal: Wenn er mir 2 Euro-Stücke ausspuckt, bin ich auch zufrieden.
Schalterfrau: Nein nein, das macht der aber nicht! Wenn Sie einen 50 Euroschein eingeben, macht der Automat nichts (Keine Ahnung, ob das wirklich stimmt, aber sie behauptete das.)
TK: Wie? Wie gesagt, von mir aus kann der Automat mir auch 2 Eurostücke heraus geben. Aber ich habe doch nicht immer passendes Geld dabei! Und 50 Euro sind doch nicht sooo viel.
Schalterfrau: Aber das ist doch kein Wechselgeldautomat!!! (Schon der pikierte Ton, zudem mit einem gewissen Ostakzent, lassen bei mir die Nackenhaare sträuben, ich höre da immer noch durch, wie es früher (?) im Osten war, wo das öffentliche Leben durch die Bank als asozial bezeichnet werden musste, da es absolut unfreundlich zuging, wenn man z.B. kein passendes Toilettengeld hatte, ebenfalls ein Spruch kam, dergestalt, „Hier ist doch keine Wechselstube. Kommse, gehnse“
TK: Meine Güte. Das wird ja immer schlimmer bei der Deutschen Bahn. Was für ein Service. Die Zustände gleichen ja immer mehr der DDR!
Schalterfrau(nicht DDR anno 88, sondern auf dem Boden unserer guten alten Bundesrepublik, richtet sich auf): Nun sagen Sie mal: Was war denn eigentlich an der DDR schlimm?“
TK: (Schlucke leicht, Blut steigt ins Hirn) Zum Beispiel, dass es dort keine Meinungsfreiheit gab.
Schalterfrau: Ich habe dort immer alles sagen können!
TK: Naja, wenn Sie dazu gehört haben! Das haben Sie dann wahrscheinlich. Oder nehmen wir die Organisationsfreiheit!
Schalterfrau: Die gab es doch, ich war zum Beispiel im Sportverein aktiv.
TK: Das meine ich doch nicht. Ich rede für die Möglichkeit sich politisch zu engagieren, z.B. für den Kapitalismus zu sein oder überhaupt für andere Alternativen zur Gesellschaft. Oder die unflexible Bürokratie, die das Leben lähmte. Und wo konnten Sie die Bücher von Schopenhauer oder Nietzsche kaufen? Nur Marx und Verwandtes! Das wirkt übrigens auch heute noch nach!
Schweigen, sie gibt mir die Fahrkarte, die übrigens am Automaten 2 Euro preiswerter zu haben ist, worauf ich nie hingewiesen wurde. Beim nächsten Mal werde ich schauen, ob der Automat Geld ausspuckt, wenn ich einen 50er hinein stecke. So fuhr ich über das schöne Brilon-Wald nach Hagen.
Sölker dört vie Hignale
Ach ja, das habe ich fast vergessen. In Hagen angekommen, konnte ich den Bahnhof nicht auf regulärem Weg verlassen. Darum -
Kommentar von Campo-News — 10. Oktober 2009 @ 09:09
Es ist aber keine Frage ob russisch oder nicht russisch, sondern: die Erziehung im sozialistischen Nichtdienstleistungsbetrieb:
“Der russische Blick ist undurchsichtig, unfreundlich, unnahbar, unbewegt, vor allem ist er aber: lächellos. Lächeln, so vermute ich, ist in der Öffentlichkeit verboten, im Dienstleistungsgewerbe wird er sogar mit Höchststrafen geahndet. “Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir vielleicht sagen, wo die Trambahn Nr. 5 fährt?”, frage ich, aus dem Deutschen übersetzend, ich, die ich zwar hier geboren, aber in Deutschland lebe und meinen Petersburger Instinkt irgendwo dazwischen ein bisschen verloren habe. “Sind Sie dumm? Können Sie keine Schilder lesen? “, antwortet man mir russisch.”
Kommentar von Campo-News — 4. November 2009 @ 07:13