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7. Oktober 2008

Hoppenheim

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 09:51

Hoppenheim

SAP-Gründer und Milliardär Dietmar Hopp, geboren in Heidelberg, gilt dem Pöbel (Pueblo/Volk) als Inbegriff des bösen Kapitalisten, der Traditionen und alte Gesetze bricht (als Verbrecher also), weil er den Fußballverein Hoffenheim (heute ein Stadtteil von Simsheim) durch den Einsatz seines privaten Vermögens bis in die Bundesliga führte.

Wer geschichtslos dahin lebt – nach diesem Prinzip funktionieren rund 90% der „aufgeklärten und demokratischen Mitmenschen“ – der meint, Fußball sei durch die Historie nichts als ein Sport, um die Verproletarisierung der Gesellschaft zu verfeinern und deshalb nichts als gut, kennt die Geschichte nicht (siehe auch Fußball ist unser Leben).

Ob die Nazischergen und Arisierungsgewinner Szepan und Kuzorra bei dem Verein, der noch heute den größten Ekel imstande ist auszulösen, oder die mit flatternden Fahnen schneller als der Führerbefehl erfolgte, die neue Ordnung begrüßte wie der Hamburger SV, oder – wie die alle anderen – allzu still hinnahmen, was nur den Spielbetrieb sicherte, der gesamte Fußball, mehr noch, der Sport an sich, waren immer Spielball der Politik und meist im Sinne einer Gleichschaltung von Typen, Spielarten und Finanzen. Einer, der wie Uli Hoeness das Leistungskriterium ins Spiel bringt und zudem unternehmerisch tätig ist, gilt ebenfalls als Paria.

Heute „vergisst“ man gern, dass Bayer Leverkusen nicht nur ein von einem Großkonzern finanzierter Werksklub ist, sondern als solcher Teilerbe der IG Farben. Dass zur selben Zeit, da ein redlicher Mann wie Dietmar Hopp, der übrigens nicht nur eine beachtenswerte Stiftung, sondern auch „Pro Justitia“ zum Zwecke der Vermeidung von Justizskandalen ins Leben rief, einen Verein so sponsert, wie in wohl jeder Fußballfan sich gern selbst zusammenzustellen wünschte, geschmäht und bedroht wird, aber ein russischer blutiger Balg namens Gazprom als Finanzier einer abgehalfterten Ruhrgebietsvorstadttruppe („Das gibt es nur bei uns Gelsenkirchen, herrliche Stadt der Großdeutschenkohlenbergwerksindustrie“, Georg Kreisler) freudig begrüßt und ohne Widerspruch herzlich willkommen geheißen wird, offenbart den geistigen Zustand des gemeinen Fans. Genommen wird, was „Kohle“ bringt und „unter Tage“ fühlt man sich noch immer bestens aufgehoben.

Weist Kollege Liza wieder zugespitzt auf angeblich antisemitische Tendenzen hin, die sich bei ihr/ihm wegen der deckungsgleichen Argumentation hin ergeben soll, so ist diese Auffassung als latent antisemitische zurückzuweisen, denn: weder waren die deutschen Unternehmer mehrheitlich jüdisch, noch haben Juden den Fußball finanziert, noch ist Hopp einer – aber was man festhalten darf: verfolgt wird der, der besitzt und so frei ist, seine Pläne umsetzen zu können.

Tatsächlich gibt es Tendenzen Vereine „einfach so“ zu kaufen und Ihnen ein Konzept überstülpen zu wollen, sie zudem ihrer Identität berauben zu wollen. Dem wäre, wie es meist im Ausland geschieht, zu widersprechen. Ebenso der für jeden Fan fürchterlichen Praxis, Spielorte, wie zum Beispiel das Westfalenstadion, mal an diesen, mal an jenen werbewirksam zu verkaufen und mit einem Namen auszustaffieren, den man nicht einmal im Alptraum aussprechen möchte. Als Jägermeister die Trikotwerbung bei Eintracht Braunschweig begann, brachen die Dämme. Diese gesamte Entwicklung ist infrage zu stellen, aber wenn jemand als Sponsor in einem System, das längst tatsächliche Übel akzeptiert, durch Unterstützung in vielfältigster Art erfolgreich ist, so hat das einen ähnlich Charakter, wie das, was auf Kreis - und Bezirksebene so mancher Fleischermeister, Anstreicherfachgeschäftsbesitzer oder Tabakwarenhändler praktiziert.

Während ein Verein wie Borussia Dortmund groteskerweise an die Börse ging und Fondsgesellschaften bei anderen Klubs in der Debatte sind, wird jeder, der persönlich als ein Besitzender auftritt abgestraft und sein Kopf, den er über das Mittelmaß erhebt, abgeschlagen. Zumindest wird es öffentlich gefordert. Dass Hopp hiergegen vorgeht, ist ausdrücklich positiv zu würdigen. Nur so kann die Zivilgesellschaft zur Einhaltung ihrer Maßstäbe gebracht werden. Zudem er den Schmähern Wochen Zeit zur Entschuldigung ließ. Doch wer sich nicht entschuldigt, MUSS bestraft werden, ansonsten ist diese Gesellschaft, die ihre Decadence nur unschwer verbergen kann, gänzlich gescheitert.

1 Kommentar »

  1. Streich hat fast Recht, aaaaber: Hopp ist ein Fußballfan und eine Ausnahme, man muss genau hinschauen - http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/625120/artikel_schuetzt-das-spiel-vor-der-vollstaendigen-kommerzialisierung.html

    https://www.bild.de/sport/fussball/fussball/hopp-wehrt-sich-kann-ich-jetzt-jede-stadion-beleidigung-anzeigen-57378314.bild.html

    https://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/borussia-dortmund/article181614100/Hoffenheim-Streit-zwischen-BVB-Fans-und-Dietmar-Hopp-eskaliert.html

    Dortmunds Fans packen das Skandal-Plakat mit Hoffenheim-Mäzen Hopp im Fadenkreuz wieder aus https://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/bundesliga-im-live-ticker-bvb-muss-sich-in-hoffenheim-beweisen-top-duell-zwischen-hertha-und-gladbach_id_9639784.html

    http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/732371/artikel_nach-hausverbot_bvb-fans-beleidigen-hopp-erneut.html

    Kommentar von Campo-News — 16. April 2015 @ 11:03

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