Der unbekannte FC Bayern und “Katzentod”
Von Tanja Krienen
Hier die Print - und Schreibfassungen
Der unbekannte FC Bayern München
Wenn man – wie ich – aus dem Ruhrgebiet stammt, bekommt man den Hass auf den FC Bayern München mit dem erwachenden Interesse für den Fußballsport gleich mit eingeimpft. Der Verein ist für den durchschnittlichen Rhein/Ruhr-Nordrhein-Westfalen nichts anderes als der Fußball-Teufel in Person: glatt, unangenehm erfolgreich und aus einem Landstrich stammend, der im krassen Gegensatz zur eigenen Mentalität zu stehen scheint. Doch schaut man sich die Sache näher an, wird klar, dass sich das Wesen des FC Bayern nicht versimpelt auf die oben genannte Sichtweise verengen lässt, war er doch immer eher ein progressiver, offener Verein, der auch durch seine wirtschaftsliberale und demokratische Führung Hass auf sich zog und zieht. Während z.B. im Ruhrgebiet „Auf Schalke“, die NSDAP-Mitglieder Szepan und Kuzorra zu Helden wurden, war der Bayern München Repressalien ausgesetzt und widerstand zumindest partiell.
Erfolgsorientiert
Uli Hoeneß, streitbarer Manager des Vereins und erfolgreicher Unternehmer, für andere, verkürzt Wertende, manchmal nassforsch erscheinend, steht für die wirtschaftliberale Tradition. Nicht Prämienkürzung ist der Erfolgsgarant für das „Unternehmen FC Bayern“, sondern die Kopplung des Verdienstes an den Erfolgen – das Gegenteil von dem, was derzeit in Neiddebatten in Deutschland opportun ist.
Eine der Ursachen für den permanenten Erfolg der Münchner, ist die konsequente Beherzigung dieser Prinzipien. Obwohl viele westdeutsche Clubs, z.B. jener in der „heimlichen Hauptstadt der SPD“, Dortmund, ähnliche Bedingungen haben, stehen sie kurz vor der Liquidität (leider, weil es „mein“ Verein ist). Man möchte hier gerne Parallelen zwischen sozialistischem Misswirtschaft und modernem, kapitalistischen Management ziehen.
Frühzeitig knüpfte der Verein Kontakte ins Ausland, besaß ein modernes Management und ließ Individualismus zu – eine Gemengelage, die heute noch immer als „FC Hollywood“ spöttisch gebrandmarkt wird. An der positiven Entwicklung hatte der seit 1920 als Präsident fungierende Kurt Landauer einen großen Anteil. 1932 wurde Bayern München zum ersten Male deutscher Fußballmeister (2:0 gegen Eintracht Frankfurt) – es war das letzte Endspiel vor dem Beginn der Diktatur. Mit dieser gab es ein Break der Bayernerfolge, denn: Landauer war Jude, der Club selbst ohnehin als „Judenclub“ verschrien.
Die Historie
Heike Faller schrieb im Mai 2003 dazu in der „ZEIT“ über die Situation nach dem ersten Titelgewinn: „Hätte Kurt Landauer oder sonst irgendjemand der Tausenden, die ihm an diesem Sommertag von den Straßenrändern zugejubelt haben, ahnen können, dass ein Jahr später der Cousin seines Schwagers von der SA durch dieselben Straßen geführt werden würde? Dem armen Mann, einem Rechtsanwalt, hatten sie die Hosenbeine abgeschnitten und ein Schild umgehängt, auf dem stand: „Ich bin Jude und will mich nicht gegen die Polizei beschweren“, nachdem dieser sich für einen Mandanten eingesetzt hatte. Und hätte sich jemand vorstellen können, dass Landauer selbst, im Jahr nach der deutschen Meisterschaft, erst seinen Arbeitsplatz verlieren würde und dann als Bayern-Präsident würde zurücktreten müssen, ohne dass das beim Verein jemand so gewollt hätte? Kurt Landauer wurde später nach Dachau verschleppt und kam nach zwei Monaten wieder frei. 1939 flüchtete er nach Genf. Vier seiner Geschwister würden dem „Dritten Reich“ nicht entkommen: Eine Schwester wurde nach Polen deportiert, ein Bruder kam in Majdanek um, einer in Litauen, einer im Konzentrationslager Westerbork. Sollte Hitler einen Münchner Lieblingsverein gehabt haben, so muss man davon ausgehen, dass es der Lokalrivale 1860 war, der so genannte Arbeiterverein, der schon von 1934 an SA-Männer an der Führungsspitze hatte. Bei den Bayern konnte erst 1942 ein Parteimitglied im Präsidentenamt durchgesetzt werden. Bis dahin galt der Verein als „Judenclub“, auch wenn er längst keine jüdischen Mitglieder mehr hatte. Bei den Bayern in der ersten Mannschaft zu spielen konnte trotzdem lebensgefährlich sein: Die „Roten“ landeten häufiger an der Front, während „Sechziger“ eher zum Arbeitsdienst in München eingesetzt wurden. Dementsprechend gingen zu der Zeit die Lokalderbys aus.“
Die Düsseldorfer Punk-Imitatoren „Die toten Hosen“ schrieben ein Schmäh-Lied gegen den FC Bayern und meinten, man könne sich bei diesem Verein “seinen Charakter versauen”, tatsächlich aber sieht es historisch so aus, dass ab 1933 die Dominanz vor allem des westfälischen Club Schalke 04 begann, der zwischen 1933 und 1942 lediglich einmal nicht das Endspiel erreichte.
Carl Zeland, alias Karl Selent, schrieb über den FC Bayern, der „keine Rassen halluzinierte“, und der „nie so recht bodenständig in der Region wurzeln wollte, sondern als erster Verein um Mitglieder und Fan-Clubs in ganz Deutschland warb und der heute der einzig wenigstens halbwegs europäische und internationale Club in Deutschland ist“, habe viele jüdische Mitglieder in seinen Reihen gezählt, „wie Jugendleiter Otto Beer, Stadtrat Dr. Karl Scharnagl, den “Halbjuden” Walther Bensemann (Gründer des „Kicker“, Anm. Tanja Krienen) und Meistertrainer Richard “Little” Dombi, einem Verein, der nicht nur heute der internationalste Club in Deutschland ist, sondern schon in den 20ern ausschließlich internationale Trainer verpflichtete, bevorzugt Spiele gegen internationale Mannschaften veranstaltete, einem Verein eben, der sich “lange seiner Nazifizierung widersetzt hatte”. (Schulze-Marmeling).“ Auch habe Bayern München nach dem Ende des 2. Weltkriegs den alten jüdischen Präsidenten wieder in sein Amt eingesetzt, und, nochmal Selent: „Bei einem Gastspiel 1940 in der Schweiz hatte die komplette Bayern-Manschaft ihren jüdischen Präsidenten besucht und dafür zu Hause schweren Ärger mit den Nazis eingesteckt (Fischer/Lindner). Oskar Rohr ging als einer der ersten Bayernspieler 1933 als Profi ins Ausland nach Frankreich. Kaum, daß die Nazis 1940 auch da waren, sperrten sie Rohr, weil sie den Profifußball als jüdisch verfemten, ins KZ.“
Das Schicksal der jüdischen Fußballer ist ein Kapitel für sich, so überlebte der Nationalspieler Gottfried Fuchs, der bis heute den Torrekord mit zehn Treffern in einem Spiel hält (1912 während des Olympia-Match gegen Russland) in der kanadischen Emigration und verstarb 1972 in Montreal. Sein Nationalmannschaftskollege, der Frontkämpfer des 1. Weltkrieges Julius Hirsch aus Karlsruhe, wurde in Auschwitz ermordet. Walther Bensemann verstarb nach der „Arisierung” des „Kicker“ schon 1934 in der Schweiz.
Vorbildwirkung
Der neue DFB-Präsident Theo Zwanziger zog vor nicht langer Zeit das treffende Fazit: „Der FC Bayern hat versucht, dem schleichenden Gift entgegenzuwirken. Dieser Geist wirkt bis heute.”
In der Tat, Individualisten wie Effenberg, Kahn, Scholl, Basler und viele andere, hatten anderswo meist große Schwierigkeiten – beim FC Bayern München wurden sie geschätzt und gut in die Mannschaft integriert. Ein vorbildlicher Verein! Oder etwa nicht?
Katzentod
Ich kannte dich nur kurz, – ein Jahr,
Du warst ein bisschen unscheinbar.
Grau, streifig, zart und artig, - klein
Hauskatzig, rochst nicht immer fein.
Stets untreu und versessen,
Im Kopf nur die Intressen:
Spielen, kratzen, und viel fressen!
Letzten Frühling wars im Mai
Kamst du aus dem Nichts herbei.
Tobtest mit dem Brüderlein
Auf den Hof zu uns herein.
Winzig, witzig, putzig, flink,
Bis zum Morgen nichts mehr ging.
Doch Mama kein Mäuschen fing
Oft pfiff sie dich barsch zurück
Und es war zu deinem Glück
Maunzte viel so laut sie konnte
Sogar dann, wenn sie sich sonnte.
Drohte Gefahr war sie dir nah,
Dir Tollpatsch mit dem Strubbelhaar:
So wunder – und so sonderbar.
Die erste Liebe kam im März
Kein richtger Sex, mehr so im Scherz,
Mit diesem jungen, feschen Kater,
Und hattet gar denselben Vater!
Ihr wart so ungelenkt und dumm,
Und keiner wusste wie herum
(Der Kater hatte nichtmal Mumm).
Erst gestern sprach ich: Fehlt da eine?
Die merkwürdig gefärbte kleine?
Das sogar namenlose Tier?
(Verzeiht, es gibt so viele hier).
Denn wer des Nachts viel jagt und streut,
Der kommt dann gern und ist erfreut
Um sieben Uhr zur Frühstückszeit.
Am nahen Teich fanden wir dich,
Und sahen gleich – du rührst dich nicht.
Du wurdest selbst nun schon zur Speise,
Der aggressiven Feldameise.
Noch einmal schlepptest du dich weg,
Ganz still und sehr bedeckt mit Dreck.
Du kamst kaum noch von jenem Fleck.
Grad wurd´ es hell, suchten wir dich,
Du starbst im ersten Morgenlicht.
Begraben liegst du kleine Milde,
Ein Stückchen weit vom Kafka-Schilde.
Kein Grund, kein Wink und keine Botschaft,
Es ist das Leben, das den Tod schafft:
Und dich, wie mich, uns alle, fort rafft.
Tanja Krienen
So fürchterlich spielt das Leben. Die im Gedicht als “Brüderlein” vorkommende Katze, verschwand an dem Tage, da das Gedicht in der Zeitung erschien. Vorhin haben wir es ca. 300 Meter von unserem Haus im Straßengraben, schon angefressen von Kleintieren, gefunden. Der Kopf war zum Teil zerschmettert, auf dem Asphalt waren Blutspuren zu sehen. Unser “Käterchen” ist auch nicht mehr…
TK
Kommentar von Campo-News — 30. Oktober 2005 @ 12:04
Och menno,
:(
ganz-lieb-umarm
Kommentar von TanjaJ — 30. Oktober 2005 @ 12:48
Vielen lieben Dank, Tanja. Es war zwar „nur“ eines, von einem Dutzend derer, die wir immer füttern, aber sie sind mir doch alle ans Herz gewachsen und dieses überdurchschnittlich mehr, weil es immer wie an einer Schnur gezogen auf mich zulief und dann kurios mit einem langgezogenen hellen Fiepen um Futter bettelte. „Käterchen“ war der älteste Kater (aber nicht mal zwei Jahre alt) nach „Mimi“, letzterer, der Alpha-Kater der ganzen Sippe, hatte ihn oft extrem gejagt. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass er immer wieder den Hof verlassen und „draußen“ Unterschlupf und Futter suchen musste. Dieses ist ihm wohl jetzt zum Verhängnis geworden.
Hier ist der alte “Katzentod”-Thread - http://www.campodecriptana.de/blog/2005/05/31/167.html
Kommentar von Campo-News — 30. Oktober 2005 @ 13:06
glückwunsch! gut gemacht
Kommentar von roman libbertz — 30. Oktober 2005 @ 15:04
Hallo Tanja. War lieb von Dir mir das zu schicken. Den FCB kannst Du nicht mit anderen Vereinen vergleichen. Das Gedicht kannte ich noch nicht, musste es ein paar mal lesen. Beste FCB Grüsse an alle, auch wenn es manchmal schwer fällt.
fcbguenni
Kommentar von fcbguenni — 30. Oktober 2005 @ 18:55
Nun, über die Vergangenheit des FCB haben wir schon einmal ansatzweise diskutiert, und dein Wissen darüber ist erstaunlich. Deine Beurteilung des in NRW aufgewachsenen stimmt auch, was aber die Beurteilung des Vereins Schalke 04 angeht, da bleiben wir wohl unterschiedlicher Meinung. Die Angeführten sind im Schalkezusammenhang (welch ein Wort) doch eher die schleimerischen Ausnahmen. Und wenn ich, im Blick auf die Vereinsführung, heutzutage zwischen Hoeneß und Assauer wählen sollte, so ist das wie bei der Bundestagswahl… Eben Pest vs. Cholera.
(Ich habe dann doch Moritz Reichelt von “Der Plan” gewählt…den kennst du auch.)
Und jetzt zu den Katzen: wie sagte mein Kurzer (6) gestern zu einem Bekannten: “Wir hatten auch mal Katzen, da war ich noch ganz klein. Und einmal ist eine Katze gestorben, das war gar nicht so schlecht, da habe ich mich zum ersten mal getraut, sie zu streicheln. Die hatte damals immer auf meinem Bett gesessen, vielleicht hat sie auf mich aufgepasst. Ich hatte aber Angst vor der…
Kommentar von hegelxx — 4. November 2005 @ 17:16
Heute haben wir unseren “Steinmeier” verloren - das schwärze Kätzchen mit dem trüben schrägen Blick lag überfahren fast an der gleichen Stelle, wo einst “Käterchen” lag - ca. 300 Meter von unserem Haus entfernt. Einmal im Quartal heißt es “Abschied nehmen”.
Nachtrag 17.30 Uhr: Ein Wunder: Steinmeier ist wieder da! Ich habe das falsche Kätzchen begraben…ich meine…ein anderes…ein anderes totes….Steinmeier lebt ja….
Kommentar von Campo-News — 19. Juni 2006 @ 11:25