Zum 11. September: Krieg dem Krieg
Wer möchte, kann sich die vielen Presseartikel dazu heraus suchen -
und hier zum privaten Eklektizismus
Damals, im Holozän, so hatte man den Eindruck, im Untergeschoss des Quartärs, im Souterrain des Neozoikums sozusagen, tief im Plesbizitärium, vis-a-vis des Eskapismus, schräg unter dem Elitärzän, weit droben im Eklektizismus, schrieb ich
Krieg dem Kriege oder Warum wir, die wir den Krieg so sehr hassen, manchmal Krieg führen müssen!
Ja, wir hassen den Krieg. Wir sind aber nicht abgestumpft genug, um ihn zu akzeptieren. Deshalb empören wir uns. Unsere Empörung, unsere hohe Emotionalität angesichts bestialischer Vorgänge, lässt jedoch eine Verdrängung nicht zu, führt nicht zur Unfähigkeit, hilflose Appelle, an die Stelle notwendiger Analysen zu setzen. Deshalb lehnen wir den naiven Schrei nach Frieden, dessen Infantilität nicht selten einem ebensolchen Gemüt, öfter aber dem bewusst schuldlos vorgespielten, immergleichen und zielgerichtet desinformierendem Denken und Handeln entspringt, ab.
Haben uns die Toten der Kriege nichts gelehrt? Warum finden Kästners Leichen, die „Stimmen aus dem Massengrab“ kein Gehör, wieso nimmt sich niemand des „Totenbataillons“ Tucholskys an, ist Borcherts Beckmann, seine Last der „limonadenfleckigen Toten“ mit dem Knochenzylophon vergessen, warum die Wandlung Brechts Frau Carrar unreflektiert zu den pazifistischen Akten gelegt? Warum also, setzt sich die Erkenntnis, wie sehr der faule Frieden oder die Hinnahme kriegerischer Aggressionen, eine schändliche, ja menschenverachtende Haltung ist, nach den Erfahrungen der Geschichte, nicht durch?
Wie sagen „Nein“ zur feigen Haltung, Despoten und Kriminellen das Feld zu überlassen, wir finden uns mit der Passivität, die den Aggressiven nutzt, nicht ab. Uns ist bewusst, wie jederzeit das Grauen in die Realität einbrechen kann, das Grauen, dessen unterirdische Klopfzeichen manchmal Jahre brauchen, bis sie von lethargischen Menschen wahrgenommen werden; aber die Gefahr ist latent vorhanden, die bürgerliche Sicherheit nur eine Fassade, die zu jeder Zeit einbrechen kann.
Wehrlosigkeit als Selbstzweck des Scheiterns zu beweisen, käme einer Haltung nahe, die uns ein Religionsstifter am Kreuze zeigte. Wir jedoch lassen uns nicht kreuzigen. Kämpfen wir für die Prinzipien der Aufklärung, die selbst nur im Kampf durchgesetzt wurden – mit Kampf und Aufklärung!