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7. September 2005

Die Mucker

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 16:01

Warum die Bilder der „neokonservativen“ Blogger mir jene Visagen präsentierten, die ich schon immer hasste.

Von Tanja Krienen

Das Ganze ist also ein Fake, ein lächerliches Schauspiel und da ich schon einen Konservativen (der auch links sein kann – ich meine den Menschentyp) untrüglich an seiner Physiognomie erkenne, so denke ich, ist die Geschichte des kleinen Mucks - in modifizierter Form – brandaktuell. Wie pustelt sich meine Haut angesichts solcher Gestalten, wie ist die Welt doch voll von menschlichem Elend, wie schlecht sind die Aussichten auf Besserung, da doch der Geist, die Moral und vor allem der Verstand, epidemisch entschwand.Der kleine Muck

Inwieweit er etwas dafür kann, meistens schlechter auszusehen, als sein altersgemäßer Widerpart aus dem linken Lager, können wir letztlich nicht ergründen. Nähern wir uns deshalb seinem soziokulturellen Umfeld, mag sein, dass wir hier eine Teilantwort auf das Gesamtproblem finden.

Er, der jungliberalkonservative Muck, bürstet sich stolz, spreizt sich ob seiner Zukunft, die, davon ist er überzeugt, längst nicht so sein wird wie die Gegenwart, denn die ist doch: sehr mittelmäßig. Eher mäßig. So wie er. Doch er besitzt die feste Überzeugung, wenn er jetzt einige Jahre stillhält, nicht weiter auffällt, sich nicht erregt, nicht zu stark gegen etwas eintritt, und nur ab und zu für diese oder jene untergeordnete Kleinigkeit, dann wird es etwas werden - in der Jungen Union, im Liberalen Jugendverband oder in der Kirchengruppe.

Er pflegt seine Manierismen, meist sieht er – nach Loriot - eher grau, grüngrau, gar bräunlich, oder nach einer eine Art Braungrau, oder grün, oder wie Braungrüngrau aus, doch manchmal schlingt er auch den taubenblauen Schal um den Hals, schmückt sich mit farblich auffallend sehr gedeckten Krawatten, lässt aber auch schon einmal ein gewagtes Tüchlein blitzen. Seine Söckchen von „La Redoute“ halten die Füße gerade so umspannt, das die Schuhe von „Daniel Hechter“ so eben noch nicht den Straftatbestand des arrogantes Totschlags erfüllen; den Wert der früh erworbene Brille, Marke „Aristo“, unterstreicht er mit leichtem Blinzeln, wenn er etwas mit erlernten snobistischen Geste von sich weist, was er wissen sollte, aber jetzt nicht unbedingt wissen muss, denn: es könnte ihm ja schaden. Und schaden will er nicht, schon gar nicht sich selbst. Aber sonst geht’s ihm gut! Zumindest, momentan. Zumindest halbwegs. Das soll auch so bleiben, lächelt er verschmitzt, und sein ICH lächelt ebenso belustigt zurück: Ich bin doch ein deutscher Student!

Eigentlich versteht er sich als Kämpfer: gegen Rot-grün, gegen die Linken, gegen die Gleichmacherei. Eigentlich. Daneben aber weiß er, schickt es sich nicht, mit den Linken allzu heftig zu streiten, zumal: die machen ihn fertig! Und wovon die reden: ach Gott, da versteht er doch nur die Hälfte, und dann sind die auch noch lauter als er. Da spielt doch lieber seine eigene Geige, schaut beseelt ins Album „Große Deutsche, bunt bebildert“ und kichert, wenn er den Namen Dolly Buster hört, oder „Prostituierte“ oder „Transsexuelle“. Igitt, denkt er dann, und: Was ich Mama (mit deutlicher Betonung auf der zweiten Silbe) nur am nächsten Muttertag schenken soll, immer diese Narzissen….?

Die Welt ist sehr profan, zu profan für unseren Muck. Er widersteht im Geiste, manchmal auch im Hinterzimmer. Sein Vorbild ist Stauffenberg. Wie der damals war, ja so mutig möchte er auch mal sein. Wenn doch nur ein zweiter Hitler in Sicht wäre. Schade. So wartet er halt ab. Ästhetik ist ihm auch wichtig. Leni Riefenstahls Bilder - mit Beethoven untermalt - gilt ihm als höchstes Prinzip. Momentan ergötzt er sich an Wolfgang Joop und Guido Westerwelle. Er hat damit einen schweren Stand. Die Linken lachen ihn aus. Er schlägt die Augen zum Protest nach innen, nach unten. Er ist sogar zu arrogant, um sich zu schämen.

Er mag das Militär, doch nicht zu sehr, immer nur ein bisschen, so, dass es da ist, aber nicht unbedingt dort sein muss, wo es nicht hingehört. Auch Burschenschaften findet er nett, denn da knistert und knastert es zwischen den uniformierten Männern im bunten Wichs, da mauschelt und mieft es, da werden nicht nur die Salamander gerieben: Prost und dann der Stoß! Und wenn es dann eins auf das Schnütchen setzt, sodass es die halbe Wange zerfetzt, dann sinkt er zufrieden ins warme Bett: Heut´ war es mal wieder besonders nett! Die Mensur ist eine Tortur, doch aus manchem kleinen Fux, wurde schon bald ein echter Windhund.

Neulich, da hat er was ganz etwas Tolles entdeckt. Da geriet er in eine Versammlung von Leuten, die waren sehr patriotisch, doch nicht idiotisch (was er nicht auf Anhieb bemerkte), denn die sprachen von ihrem Land, von Sicherheit und Militär, von Feinden und einem Krieg. Und da sagte sich der Muck: Schau, das wäre doch etwas für mich, da kann ich endlich mal mein nationales Mütchen kühlen, kann mich ganz patriotisch fühlen, kann den Mund weit aufmachen, ohne das die Leute lachen, und ohne das jemand „Nazi“ schreit. So trat er der deutsch-israelischen Gesellschaft bei. Als die merkten, warum er zu ihnen gestoßen war, sprachen sie nicht mehr mit ihm. Da war enttäuscht und wurde wieder in der katholischen Kirchengruppe aktiver.

Dann engagierte er sich für die USA, doch Uuuiii! davon hat er eigentlich keine Ahnung, versteht nix minus Zwölfdreiviertel. Die US-Musik hasst er, die Freiheit dort eigentlich auch, Hollywoodprodukte findet er prinzipiell „total doof“ und er kann nie beim neuesten Film mitreden, den die Linken alle kennen (ist ja auch immer eine Demokratenhochburg gewesen, dieses Hollywood – bah pfui!) und im Großen und sehr Ganzen mag er auch Europa gar nicht, ist gegen den EU-Vertrag und sogar gegen Atatürk-Türken, denn und weil: Die Heimat und die heimatlichen Heimatabende sind doch das Beste!

Er ist für die wehrhafte Demokratie: unbedingt. Er glaubt Bush zu verstehen, schimpft, wenn einer sagt, so wie er es verstünde wäre es eine Karikatur, und seine Autorität nur den Autoritäten geschuldet, weil er selbst autoritär denkt. Wenn er aber einen Feind der Demokratie trifft, sagt er ihm ganz deutlich, warum er…nicht mit ihm streitet. Warum die Linken nur immer so gut aussehen, denkt er dann nur, und entschließt sich von nun an mehr Sport zu treiben und nicht mehr so viele Salamander zu reiben. „Pah, nicht mal eine Coleurdame hat er in Anspruch genommen“, raunt sein „Alter Herr“ ob des Teilrückzuges barsch in die gestählte Runde.

Nach dem 11.9 war er sehr entsetzt, politisch und menschlich. Seine Arbeitsgruppe „Kirche und Kopftuch“ war auch entsetzt. Sie vereinbarten einen weitreichenden Protest: eine Stunde abwägendes Schweigen. Sie saßen da, schweigend, abwägend, nacheinander, miteinander, an den Händen fassend, eine Stunde. Dann gingen sie wieder auseinander. Die eine mit Kopftuch, der andere ohne.

Es klopft unterirdisch, mal hier, mal dort; lauter und lauter. Doch kein Laut, der des Mucks Ohr heute erreicht, weil sein Panier „gestern“ heißt. Und leis´, ganz leis´, erklingt der Geige Ton - „fideldumm“. So geigt der kleine Muck unerschütterlich sein Lied vom Eichenlaub mit Schwertern, die er durch die Israel-Fahne und das Sternenbanner ergänzt, - denn er ist doch immer derselbe der Mucker, er, der zeitlose, er, der über die Welt geht, als Menetekel für die, die ihn immer wieder erkennen und sich entsetzen.

9 Kommentare »

  1. Warum hast Du meinen Kommentar gelöscht? Er entsprach der Wahrheit. Was soll das? Willst Du eine Diskussion oder nur eine Festlegung aller, damit irgendein Krieg hier ablaufen kann und muß?

    Kommentar von Alexander Schmidt — 7. September 2005 @ 17:36

  2. Nix hatte ich gelöscht, weil ich vorher gar nicht sah, da ich nun alle zwei Stunden ins Menü sehe. Dein Ton sagt aber alles: Ich bin ein Heerdenthier!

    Machs gut Alex, Dose zur Dose, Wertstoff zu Wertstoff, Ossis zu Ossis.

    TK

    Kommentar von Campo-News — 7. September 2005 @ 18:23

  3. RARARA! :-)

    Kommentar von ralph — 7. September 2005 @ 19:42

  4. Hm, meine im Schmidt-Blog geäußerte Vermutung, daß die deutsche Neocon-Bloggerszene dogmatisch erstarrt ist und auseinanderbricht wie einst die K-Gruppen, scheint sich zu bestätigen.
    Naja. Nicht so der ganz große Verlust.

    Kommentar von staarmie — 9. September 2005 @ 17:11

  5. Worauf führst du das zurück? Ich sehe die Szene im Wesentichen (noch) geschlossen, habe sie aber seit ein paar Tagen abgehakt und deshalb kaum noch nachgeschaut.

    TK

    Kommentar von Campo-News — 9. September 2005 @ 18:16

  6. Die Szene setzt sich m.E. aus einer Reihe eigentlich ziemlich verschiedener Personen zusammen, die lediglich den gemeinsamen Nenner eines “neoliberalen Wertekanons” haben. Dieser ist aber auf der einen Seite sehr beschränkt (im Prinzip sogar nur auf Negation bestimmter Meinungsströmungen wie Attac/Greenpeace/PDS/Nicht-Marktwirtschaft beschränkt, an gemeinsamem “Dafürsein” kommt allenfalls dir durchgängige Pro-USA-Haltung dazu, die sich aber auch eigentlich darin erschöpft, *gegen* etwas zu sein, nämlich gegen Antiamerikaner; dazu kommt das Gemeinschaftsgefühl “gegen den Mainstream” zu sein), auf der anderen Seite kommt aber zu diesem Grundkonsens ein jeweils persönlicher Dogmatismus der einzelnen Vertreter in Bezug auf verschiedene “Neocon”-Themen wie Israel, Bush, Globalisierung, Antifa, der sehr starr vertreten wird und wo, wenn der Deckmantel der Gemeinsamkeit mal verrutscht, jeder schnell dem anderen vorwerfen kann und wird, gar kein “richtiger” Neocon (Liberaler/Marktwirtschaftler/Pro-Amerikaner) zu sein. Die Neocon-Interessengebiete sind zusammengewürfelt (”antideutsch” sein, Bush toll finden und gegen Protektionismus sein hat inhaltlich wenig direkten Bezug), weil sie gar keine eigene Perspektive vertreten, sondern nur auf ein ebenfalls zusammengewürfeltes Feindbild reagieren (PDSler, ATTACler, Antisemiten etc.).
    Wir haben da also ein Grüppchen von Leuten (halt die, die in der “blogroll” von Campo, amigoboom, Schmidt usw. auftauchen), die allein dadurch zusammengehören, weil sie “gegen” etwas sind und das mittels Statements auf verschiedenen, nicht wirklich zusammengehörenden Themengebieten ausdrücken wollen. Dadurch entsteht Dogmatismus, und wenn der sich erst mal festgefressen hat, dann wird untereinander gefetzt. Das war bei den K-Gruppen exakt genau so.
    Noch ist die Szene vielleicht geschlossen, liegt aber auch nur daran, weil sie noch relativ jung ist. In spätestens einem Jahr wird man sich gegenseitig “Spalter” zurufen, und in zwei Jahren ist das Thema totgelaufen.
    Nur so ne Prognose.

    Kommentar von staarmie — 9. September 2005 @ 19:31

  7. Eine innere Logik gibt es in der Szene imho nicht, sagte ich ja. Es sind größtenteilos verkniffene Ideologen (egal ob sie Schmidt, Petersen, “Paul13″ oder sonstwie heißen), die sich gerne reden hören. Ich habe nichts gegen diese von ihnen scheinbar vertretene Denkrichtung, wenn sie denn tatsächlich eine wäre - wenn man sich aber mal Seiten wie liberalismus.at anschaut (die auch ihre Stärken und Schwächen hat - einerseits sehr informativ über die Methoden von M.Moore, andererseits etwas reichlich naiv bzgl. der Möglichkeiten des Liberalismus) sieht man schon Unterschiede. Die Schmidts & co. definieren sich in erster Linie durchs Dagegensein. Und tumber Anti-Antiamerikanismus ist nun mal ebenso dumm wie das, wogegen er sich scheinbar richtet.
    Man kann übrigens schon ganz gut gegen Attac und für den Zerfall der EU sein (bei mir ist es zb. genau umgekehrt: ich unterstütze Attac zum Teil, bin aber für eine starke EU), da diese Themen nicht unmittelbar zusammenhängen. Ebensowenig übrigens wie die Haltung zu USA/Israel: ich halte Bush nach wie vor für den schlechtesten Präsidenten, den die USA jemals hatten, begrüße aber das imho mutige und konstruktive Verhalten Scharons (auch wenn ich über frühere Entscheidungen von ihm nach wie vor anders denke) bei seiner Entscheidung, den Gazastreifen zu räumen.
    All das sind sehr unterschiedliche Themen. Das Problem der Neocon-Blogger ist, daß sie daraus eine homogene Ideologie zusammenzubacken vesuchen. Da deren einziger gemeinsamer Nenner das “Dagegensein” ist, kanns aber nicht gut gehen.

    Kommentar von staarmie — 10. September 2005 @ 13:08

  8. # TanjaKrienen meint:
    5.12.2008 um 21:08

    Hombre - das alles korrespondiert weniger bis nix mit den Gedanken der Libertären, wobei auch ich gestehen will, das dieses Konzept seit Jahren für mich erledigt ist (Stichworte: Schwule, Decadence, Spaßgesellschaft etc.)

    Aber das Heil in einer autokratisch-monarchistischen oder in einer postkommunistischen Gesellschaft zu suchen, karikiert den Ausgangspunkt auf das Verächtlichste. Und so geht man bei eifrei den wirklich entscheidenen Positionsbestimmungen aus dem Weg, kungelt groteskerweise mit der “Achse der Guten”, schließt die verachteten “Demokraten” aus, und bestimmt sich letztlich selbst als Mucker, die ich hier abschließend in einer historischen Situation verbal fotographierte - http://www.campodecriptana.de/blog/2005/09/07/329.html

    Kommentar von Campo-News — 5. Dezember 2008 @ 21:11

  9. Leider kommen zu dem Treffen auch zwei Leute, die sich nicht ideal verhalten: Ein Knipser, der unvorsichtigerweise all seine Bilder dieses Treffens mit lesbaren Namen im Internet veröffentlicht, und damit die Tarnung etlicher anonym agierender Blogger auffliegen lässt. Damit ist die geplante Vertraulichkeit des Treffens dahin. Und es kommt ein Vertreter von Campo de Criptina, einer Organisation, deren Gründerin Tanja Krienen durch allerlei Extravaganzen, um es höflich zu sagen, aufgefallen ist. Nach dem Treffen platzt deshalb die Bombe..Der pro-westliche Heimatabend löst sich in Streit und gegenseitigen Schuldzuweisungen auf http://blogs.faz.net/deus/2014/12/24/versagen-im-bett-mit-pegida-2287/

    Kommentar von Campo-News — 25. August 2017 @ 13:37

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