Campo de Criptana




29. August 2005

New Orleans oder: Warum auf DIESEN Tsunami anderer Art die Welt stumm bleiben wird.

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 19:22

Nietzsche und das Mitleid.

Es wird kein Benefiz-Konzert Udo Lindenbergs, Grölemeyers, Gelddos´ oder sonstiger kalkulierter Leidensstifter geben, auch keine Modenschau Schiffers, gewidmet den Entwurzelten. Kein Schwuler wird sein Bedauern äußern, kein Kommentator morgen eurotauglich klagen: Nichts, nada, nothing. Warum?

Ach Freude, wisst ihr es immer noch nicht? Seid ihr noch immer verfangen in dem, was man euch andeutet, hoffend, eure Wahrnehmungsquote stiege um ein Zehntel des Quantums dessen, was ihr JETZT spürt?

Well, in eighteen and fourteen we took a little trip
along with Colonel Jackson down the mighty Mississip.
We took a little bacon and we took a little beans,
And we caught the bloody British near the town of New Orleans.

We fired our guns and the British kept a’comin.
There wasn’t nigh as many as there was a while ago.
We fired once more and they began to runnin’
down the Mississippi to the Gulf of Mexico.

Well, I see’d Mars Jackson walkin down the street
talkin’ to a pirate by the name of Jean Lafayette [pronounced La-feet]
He gave Jean a drink that he brung from Tennessee
and the pirate said he’d help us drive the British in the sea.

The French said Andrew, you’d better run,
for Packingham’s a comin’ with a bullet in his gun.
Old Hickory said he didn’t give a dang,
he’s gonna whip the britches off of Colonel Packingham.

We fired our guns and the British kept a’comin.
There wasn’t nigh as many as there was a while ago.
We fired once more and they began to runnin’
down the Mississippi to the Gulf of Mexico.

Well, we looked down the river and we see’d the British come,
and there must have been a hundred of ‘em beatin’ on the drum.
They stepped so high and they made their bugles ring
while we stood by our cotton bales and didn’t say a thing.

Old Hickory said we could take ‘em by surprise
if we didn’t fire a musket til we looked ‘em in the eyes.
We held our fire til we see’d their faces well,
then we opened up with squirrel guns and really gave a yell.

We fired our guns and the British kept a’comin.
There wasn’t nigh as many as there was a while ago.
We fired once more and they began to runnin’
down the Mississippi to the Gulf of Mexico.

Well, we fired our cannon til the barrel melted down,
so we grabbed an alligator and we fought another round.
We filled his head with cannon balls and powdered his behind,
and when they tetched the powder off, the gator lost his mind.

We’ll march back home but we’ll never be content
till we make Old Hickory the people’s President.
And every time we think about the bacon and the beans,
we’ll think about the fun we had way down in New Orleans.

We fired our guns and the British kept a’comin,
But there wasn’t nigh as many as there was a while ago.
We fired once more and they began to runnin’
down the Mississippi to the Gulf of Mexico.

Well, they ran through the briars and they ran through the brambles
And they ran through the bushes where a rabbit couldn’t go.
They ran so fast the hounds couldn’t catch ‘em
down the Mississippi to the Gulf of Mexico.

We fired our guns and the British kept a’comin.
But there wasn’t nigh as many as there was a while ago.
We fired once more and they began to runnin’
down the Mississippi to the Gulf of Mexico.

Über die Mitleidenden

Wie heißt es richtig auf einem sonst ab und zu irrenden Nietzsche-Portal?

War Nietzsche gegen Mitleid ?

Persönlich ist Nietzsche ein Mensch, der unter einem Übermaß von Mitleid und Mitgefühl leidet. Er sieht jedoch das Mitleid in scharfem Kontrast zum Mitgefühl. Mitleid (das nicht auf Mitgefühl basiert), erregt - vor allem, wo es als “Religion des Mitleids”1 gepredigt wird - seinen Verdacht. Dieses “Mitleid” ist ein christlich sanktioniertes Überlegenheitsgefühl, und die Forderung nach Mitleid eine Forderung nach dem Primat der Moral als der zentralen Lebensaufgabe des Menschen. Es ist verwandt mit dem Ressentiment: ein Selbstgenuss der Schwachen, der Kranken, der “Schlechtweggekommenen” und es verrät sich durch das Fehlen von “Mitfreude”

Da Nietzsche das Leiden in der Welt nicht als etwas sieht, das zu eliminieren ist oder eliminiert werden kann, sieht er im “Mitleiden” eher eine “Verdoppelung des Leids”3 als dessen Reduzierung.

Nietzsche über den falschen mitleidenen Charakter und das Mitleid in diesem Sinne

Im Grunde lag mir gerade damals etwas viel Wichtigeres am Herzen als eigenes oder fremdes Hypothesenwesen über den Ursprung der Moral (oder, genauer: letzteres allein um eines Zweckes willen, zu dem es eins unter vielen Mitteln ist). Es handelte sich für mich um den Wert der Moral—und darüber hatte ich mich fast allein mit meinem grossen Lehrer Schopenhauer auseinanderzusetzen, an den wie an einen Gegenwärtigen jenes Buch, die Leidenschaft und der geheime Widerspruch jenes Buchs sich wendet (—denn auch jenes Buch war eine “Streitschrift”). Es handelte sich insonderheit um den Wert des “Unegoistischen,” der Mitleids-, Selbstverleugnungs, Selbstopferungs-Instinkte, welche gerade Schopenhauer so lang vergoldet, vergöttlicht und verjenseitigt hatte, bis sie ihm schliesslich als die “Werte an sich” übrigblieben, auf Grund deren er zum Leben, auch zu sich selbst, nein sagte. Aber gerade gegen diese Instinkte redete aus mir ein immer grundsätzlicherer Argwohn, eine immer tiefer grabende Skepsis! Gerade hier sah ich die grosse Gefahr der Menschheit, ihre sublimste Lockung und Verführung wohin doch? ins Nichts?—, gerade hier sah ich den Anfang vom Ende, das Stehenbleiben, die zurückblickende Müdigkeit, den Willen gegen das Leben sich wendend, die letzte Krankheit sich zärtlich und schwermütig ankündigend: ich verstand die immer mehr um sich greifende Mitleids-Moral, welche selbst die Philosophen ergriff und krank Machte, als das unheimlichste Symptom unsrer unheimlich gewordnen europäischen Kultur, als ihren Umweg zu einem neuen Buddhismus? zu einem Europäer-Buddhismus? Zum—Nihilismus? . . . Diese moderne Philosophen-Bevorzugung und Überschätzung des Mitleidens ist nämlich etwas Neues: gerade über den Unwert des Mitleidens waren bisher die Philosophen übereingekommen. Ich nenne nur Plato, Spinoza, La Rochefoucauld und Kant, vier Geister so verschieden voneinander als möglich, aber in einem eins: in der Geringschätzung des Mitleidens.

Dies Problem vom Werte des Mitleids und der Mitleids-Moral (—ich bin ein Gegner der schändlichen modernen Gefühlsverweichlichung—) scheint zunächst nur etwas Vereinzeltes, ein Fragezeichen für sich; wer aber einmal hier hängenbleibt, hier fragen lernt, dem wird es gehn, wie es mir ergangen ist eine ungeheure neue Aussicht tut sich ihm auf, eine Möglichkeit fasst ihn wie ein Schwindel, jede Art Misstrauen, Argwohn, Furcht springt hervor, der Glaube an die Moral, an alle Moral wankt endlich wird eine neue Forderung laut. Sprechen wir sie aus, diese neue Forderung: wir haben eine Kritik der moralischen Werte nötig, der Wert dieser Werte ist selbst erst einmal in Frage zu stellen und dazu tut eine Kenntnis der Bedingungen und Umstände not, aus denen sie gewachsen, unter denen sie sich entwickelt und verschoben haben (Moral als Folge, als Symptom, als Maske, als Tartüfferie, als Krankheit, als Missverständnis; aber auch Moral als Ursache, als Heilmittel, als Stimulans, als Hemmung, als Gift), wie eine solche Kenntnis weder bis jetzt da war, noch auch nur begehrt worden ist. Man nahm den Wert dieser “Werte” als gegeben, als tatsächlich, als jenseits aller In-Frage-Stellung; man hat bisher auch nicht im entferntesten daran gezweifelt und geschwankt, “den Guten” für höherwertig als “den Bösen” anzusetzen, höherwertig im Sinne der Förderung, Nützlichkeit, Gedeihlichkeit in Hinsicht auf den Menschen überhaupt (die Zukunft des Menschen eingerechnet). Wie? wenn das Umgekehrte die Wahrheit wäre? Wie? wenn im “Guten” auch ein Rückgangssymptom läge, insgleichen eine Gefahr, eine Verführung, ein Gift, ein Narkotikum, durch das etwa die Gegenwart auf Kosten der Zukunft lebte? Vielleicht behaglicher, ungefährlicher, aber auch in kleinerem Stile, niedriger? . . . So dass gerade die Moral daran schuld wäre, wenn eine an sich mögliche höchste Mächtigkeit und Pracht des Typus Mensch niemals erreicht würde? So dass gerade die Moral die Gefahr der Gefahren wäre?

Gegen Mücken und Flöhe soll man kein Mitleid haben. Man thäte recht, die kleinen Diebe, die kleinen Verleumder und Ehrabschneider zu hängen.

Dies ist die crux der moralischen Pessimisten: wollten sie ernstlich den Nächsten in seiner Erlösung fördern, so müßten sie sich entschließen, ihm das Dasein zu verleiden, also sein Unglück [zu] sein; sie müßten aus Mitleid—böse werden!

Die Feinheit des Mitleids besteht darin, daß es erräth, ob der Leidende Mitleid wolle.

Daß ihr mitleidig seid setze ich voraus: ohne Mitleid sein heißt krank im Geiste und Leibe sein. Aber man soll viel Geist haben, um mitleidig sein zu dürfen! Denn euer Mitleid ist euch und Allen schädlich.

Mitleid eine Höllen-Empfindung: Mitleid ist selbst das Kreuz, an das der geschlagen wird, der die Menschen liebt.

Morden-Wollen, Hassen, Mißtrauen sind jetzt begleitende Phänomene körperlicher Erkrankung: so sehr sind die moralischen Urtheile uns einverleibt.— In wilden Zeitaltern erscheint vielleicht die Feigheit und das Mitleid als Symptom der Erkrankung. Vielleicht können auch Tugenden Symptome sein; — —

Und dass euer Mitleid dem “Geschöpf im Menschen” gilt, dem, was geformt, gebrochen, geschmiedet, gerissen, gebrannt, geglüht, geläutert werden muss,—dem, was nothwendig leiden muss und leiden soll? Und unser Mitleid—begreift ihr’s nicht, wem unser umgekehrtes Mitleid gilt, wenn es sich gegen euer Mitleid wehrt, als gegen die schlimmste aller Verzärtelungen und Schwächen?— Mitleid also gegen Mitleid!— Aber, nochmals gesagt, es giebt höhere Probleme als alle Lust- und Leid- und Mitleid-Probleme; und jede Philosophie, die nur auf diese hinausläuft, ist eine Naivität.

Man achte auf die kalkuliert Mitleidenden also: besonders scharf! Weil es ist so Live AIDS

TK

4 Kommentare »

  1. Nun ja, die Prognosen der Wettermenschen war ein wenig populistisch, die Warnsysteme haben funktioniert und die Bevölkerung hat diszipliniert reagiert. Dennoch ist es schlimm genug. Und Spenden - wie ich mutmaßte - wird niemand. Ganz sicher.

    TK

    Kommentar von Campo-News — 30. August 2005 @ 09:37

  2. …und wenn es keine Spenden gibt, dann liegt das natürlich am pöhsen pöhsen Antiamerikanismus, gelle? Vielleicht liegts auch nur daran, daß zuwenig leute tot sind. Wären in Indonesien, Burkina Faso oder Kaputtistan knapp 60 People umgekommen, hätte hier (und in Amiland) auch kein müdes Hähnchen danach gekräht, geschweige denn gespendet.

    Kommentar von Anonymous — 30. August 2005 @ 13:22

  3. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,372407,00.html

    Kommentar von Campo-News — 31. August 2005 @ 17:26

  4. Ich hatte das ja alles schon VORHER und zwar EXACT so kommentiert und auch im Nachhinein GENAU DIESE Gründe benannt. Jetzt weiß man es auch bei SPIEGEL-ONLINE:

    Uno befürchtet größere Schäden als nach Tsunami

    Hurrikan “Katrina” hat nach Einschätzung der Uno eine der schlimmsten Naturkatastrophen der Geschichte verursacht - die materiellen Schäden seien größer als nach dem Tsunami-Drama in Asien. Experten befürchten jetzt den Ausbruch von Seuchen in den Hurrikan-Gebieten.

    New York - Die gute Vorbereitung der Behörden und die rechtzeitige Evakuierung vor dem Wirbelsturm hätte zu einer weit geringeren Opferzahl als in Südostasien geführt, erklärte Uno-Hilfskoordinator Jan Egeland gestern in New York.

    “Gemessen an den zerstörten Häusern und den betroffenen Menschen ist dies eine der zerstörerischsten Naturkatastrophen, die je gemessen wurden”, sagte Egeland. Er lobte die Behörden für die “sehr effektiven Warnungen vor der Gefahr und für die sehr erfolgreichen Evakuierungen”. Nach Angaben des Bürgermeisters von New Orleans, Ray Nagin, kamen allein in seiner Stadt Tausende Menschen ums Leben. Auch in Mississippi werden Hunderte Opfer befürchtet. Die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember hatte 180.000 Menschen das Leben gekostet.

    Kommentar von Campo-News — 1. September 2005 @ 12:21

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