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7. Juli 2005

Wahlumfrage

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 19:59

Der CAMPO fragte Autoren:

Welche Erwartungen verbinden Sie mit der Neuwahl des deutschen Bundestages? Diese Frage bezieht sich sowohl auf das konkrete Wahlergebnis und die mögliche Konstellation die sich daraus ergibt (wer sollte mit wem koalieren?), als auch auf die Entwicklung, die in den kommenden Jahren aus der Gesamtgemengelage resultiert, resp. resultieren könnte.

Leider befindet sich die halbe Republik derzeit im Urlaub, aber immerhin.

Ich Tanja Krienen fange mal an, alle anderen folgen dann in alphabetischer Reihenfolge.

Es wird knapp werden. Erst Recht nach dem heutigen Tag (Attentat in London), da die Deutschen wieder ängstlich wie Frau Carrar denken werden: „Aber wenn ich mich still verhalte und meine Heftigkeit bekämpfe, dann lassen sie uns vielleicht verschont.”

Erst später wird sie über das belehrt, was sie eigentlich schon immer wusste:
Aus der letzten Szene des Stückes „Die Gewehre der Frau Carrar“ –

Die Tür geht auf und herein kommen drei Frauen und durch die offen gebliebene Tür bringen zwei Fischer auf einem blutdurchtränkten Segel den toten Juan Carrar.

Ein Fischer: Es war einer von ihren Fischkuttern mit Maschinengewehren. Sie haben ihn im Vorbeifahren einfach abgeschossen.

Frau Carrar: Das kann nicht sein! Das ist ein Irrtum! Er ist doch fischen gegangen. Schuld war die Mütze. Seht her, sie ist schäbig.

Der Fischer: Aber sie können doch nicht jeden abknallen der eine schäbige Mütze aufhat.

Frau Carrar: Doch. Das können sie. Das sind keine Menschen. Das ist ein Aussatz, und das muß ausgebrannt werden wie ein Aussatz.

Dass damals die spanische Rechte – so wie die deutsche – mit Islamisten kooperierte, hat sich zumindest hierzulande, und damit meine ich meine spanische Wahlheimat, die ich verteidige wo immer sich der Feind zeigt, gottlob geändert. Die spanischen Konservativen gehören zu denjenigen, die so klar wie kaum eine andere Kraft die islamistische Gefahr sieht und richtig einschätzt. Sie ist das größte politische Opfer einer Politik, die noch immer aus Angst vor dem Feind verharmlost, und in Spanien unmittelbar von dieser Inkonsequenz, von der Lüge, profitierte.

Vermutlich wird es in Deutschland auf eine große Koalition hinauslaufen. Bisher hat die Union nur wenige Akzente gesetzt, es bleibt zu hoffen, dass sich das mit dem Wahlprogramm noch ändert.

Meine Prognose lautet CDU 39%, SPD 35%, Grüne 9%, FDP 7%, SED 6%, Andere: 4%

Jürgen Kessler, Deutsches Kabarett-Archiv - Deutsches Kabarett-Archiv

Mit dem aktuellen Procedere zur Auflösung des Bundestages und zur Anordnung von Neuwahlen verbinde ich dies:

Bundesverfassungsgericht gibt Einspruch gegen die Anordnung des Bundespräsidenten statt. So kommt es nicht zu Neuwahlen. Horst Köhler tritt zurück. Gerhard Schröder tritt zurück. Karl-Heinz Stracke wird auch im dritten Wahlgang nicht zum Kanzler gewählt. Jetzt wäre der Weg frei für die Anordnung von Neuwahlen, aber es gibt keinen Bundespräsidenten mehr. Die Bundesversammlung kann nicht einberufen werden. George Bush lacht sich kaputt und stirbt beinahe erneut an einer deutschen Brezel. Das deutsche Volk merkt langsam was und tritt auch zurück. Der ADAC beantragt Exil auf den Balearen. Spanien erklärt daraufhin der Bundesrepublik den Krieg. Die UNO verweigert Deutschland endgültig einen Sitz im Sicherheitsrat und verweist den deutschen Vertreter auf die Hinterbank. Die Welt wendet sich von den Deutschen ab. Damit ist die Globalisierung plötzlich kein Thema mehr. Oskar Lafontaine ruft die sozialistische Republik Germanien aus. Gysi stirbt an akuter Heiserkeit und bekommt ein Mausoleum in Wandlitz. Angela Merkel beteuert unter Lippenstift, sie wolle Deutschland dienen. Die FIFA erwägt, die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu canceln. Kirgisien und Armenien bewerben sich spontan. Loriot ernennt Helmut Schmidt zum Bundepräsidenten: Endlich gibt es kurz vor Weihnachten Neuwahlen und nach dem Wahlabend folgendes Bild:

CDU/CSU 42%, SPD 26%, Bündnis 90/Die Grünen 10%, Linkspartei 9%, FDP 8%, Sonstige 5%: Patt aus der Sicht von Schwarz/Gelb! Die Regierung wird gebildet aus CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen! Mit 52% hat Schwarz/Grün eine ausreichende bürgerliche Mehrheit! Angela Merkel und Joschka Fischer tanzen in der Kuppel des Reichstags. Sabine Christiansen schwärmt vom Traumpaar, das wie Phönix aus der Asche aufstieg. Müntefering fordert Lafontaine zum Duell. Gerhard Schröder schreibt auf Capri seine Memoiren. Joschka Fischer tritt an zu seinem wahren Ziel: der Marathon-Außenminister der Republik zu werden. Die Zukunft leuchtet. Die SPD geht unter.

André Lichtschlag, Herausgeber des Magazins „eigentümlich frei“ - ef

Ihre Frage stelle ich mir nun schon seit Wochen und ich bin noch zu keiner für mich befriedigenden Antwort gekommen. Damit meine ich jetzt gar nicht die formale kommende Rergierung, die wird ziemlich sicher schwarzgelb sein. Ob dadurch allerdings irgend etwas besser werden wird, da bin ich sehr unschlüssig und schwanke zwischen etwas Hoffnung (vielleicht überrascht uns doch eine Maggie Merkel?) und auf der anderen Seite der Vermutung, dass es unter Schwarzgelb weitergeht wie bisher - also in Richtung demokratischem Totalitarismus und Staatsbankrott.

Sollte auch die schwarzgelbe Regierung versagen, dann wird das Parteiensystem möglicherweise explodieren und die braunen und roten Sozialisten und Kommunisten werden stärker denn je werden. Auf der anderen Seite gibt es dann eigentlich nur noch die Libertären, die glaubhaft eine Alternative anbieten können.

Katharina Rutschky, Kolumnistin der WELT –
Katharina Rutschky 1
Katharina Rutschky 2

Ich bedaure es, dass die lange schon notwendigen Reformen, die Rot-Grün begonnen hat, weder bei den Wählern, noch in den Medien gut angekommen sind, obwohl jeder den Handlungsbedarf im allgemeinen gegeben sieht.

Es war richtig, dass Kanzler Schröder Neuwahlen initiiert hat. Ich gehe von einem CDU/CSU Sieg aus, glaube aber nicht an eine Koalition Schwarz-Gelb, sondern hoffe auf eine starke SPD und dann eine Grosse Koalition, in der die Reformen fortgesetzt werden können, unter einer Kanzlerin Merkel.

Personalaustausch und die Gewichtsverschiebung zwischen den grossen Parteien könnten im Moment hilfreich sein. Das ist mehr eine Sache der Psychologie als eine reale Erwartung an die CDU oder unsere erste Frau im Kanzleramt; denn deren Programmatik ist dürftig und Frau Merkel hat keinerlei Regierungserfahrung. Sie kann aber im Amt wachsen.

Mit Wahlprognosen und Augurenanalysen werden wir täglich gut versorgt. Ich halte mich an meine Meinungen und Hoffnungen und diskutiere sie mit Freunden, aber auch meiner Friseurin.Ich möchte mir nicht vorstellen, dass viele Wähler so dumm sind, einer von Lafontaine und Gysi gehypten Protestpartei so viele Stimmen zu geben, wie Umfragen grade behaupten. Das würde unserer Demokratie ein ebenso bedenkliches Zeugnis ausstellen, wie die Wahlerfolge populistischer rechter Parteien in den Ländern hie und da.

Es ist eine Sache, als Rächer der Enterbten, als Besserwisser und Umverteiler in Talkshows aufzutreten- eine andere , dicke Reform-Bretter zu bohren, und das auf hohem Niveau, wie Rot-Grün es gemacht hat. So viel kleinliche und kleinkarierte Kritik war nie, vielleicht, weil die Erwartungen an diese Koalition so übertrieben hoch waren, wie seit der sozialliberalen unter Brandt und Schmidt nicht mehr. Von der CDU/CSU wurde ja eigentlich immer nur die normale Geschäftsführung verlangt. Die Aufrechterhaltung des Status quo. Den gibts zwar nicht, aber von der Illusion haben die Konservativen immer profitiert. Die Linken, die Progressiven, die Roten und Grünen- sie sind beweispflichtig und das nicht zuletzt bei den eigenen Leuten, die kritischer als kritisch sind.

David Schah, Chefredaktuer des Satiremagazins „Gustloff“ und Afghanistan-Portal

Die CDU wird die absolute Mehrheit um einen Sitz verfehlen und auf den Abgeordneten der http://www.appd.de/website/action/sub/home/start.php APPD angewiesen sein, der in St. Pauli ein Direktmandat holen wird. Angie wird die Maggie in sich entdecken und eine anarchokapitalistische Revolution anzetteln, die zur totalen Balkanisierung Europas führen wird.”

Holger Uske, Schriftsteller
Zwielicht
Regenzeit
Abschiede

Ich würde es begrüßen, wenn wir in Deutschland eine Kanzlerin bekämen. Das könnte diesem Land nur gut tun. Eigentlich.

So hoffe ich, dass Frau Merkel in ihrer Kanzler-Stunde Null dann auch die richtigen Männer und Frauen bereit hält für eine Regierung, die mutig die Probleme des Landes anpackt. Meine Erwartungen allerdings, realistisch betrachtet, sind nicht ganz so: ich könnte mir denken, dass einige machtbesessene Herren ihrer Umgebung sie erstmal “machen” lassen, um dann nach zwei Jahren vielleicht zu sagen: seht ihr, wir haben’s ja gewusst, sie packt´s nicht, um dann selbst in den Ring zu steigen, vergleichbar vielleicht dem britischen Premier, der erst einen Europa-Gipfel platzen lässt, um dann unter seiner EU-Präsidentschaft alles zu regeln nach dem Motto: seht ihr, ich kann’s, ich bin der Größte.

Politik ist leider ein Schauplatz der Eitelkeiten und der Selbstdarstellungen geworden. Reformen, die diesen Namen verdienen, finden bislang nicht statt, weil beständig auf das Wahlvolk geschielt wird und permanent die Angst umgeht: was wird in vier Jahren aus mir? Schröder hatte seine Chance - er hat sie aus meiner Sicht nicht genutzt. Lafontaine saß an den Hebeln der Macht - er kniff, als es ernst wurde, wie übrigens Gysi auch. Und wer um der Macht willen mit Kommunisten paktiert, hat aus meiner Sicht sowieso jegliche Akzeptanz verspielt.

Was wir bräuchten im neuen Deutschen Bundestag und in der neuen Regierung, wären Frauen und Männer von Format, die zu ihren Idealen stehen, ihre Visionen durchsetzen und weder vor Demonstrationen (wer schickt wen?) oder vor den Medien (die Nachrichten verkaufen müssen - bedenkt das denn niemand?) kuschen.

Ob wir die allerdings bekommen? Ob das Wahlvolk nicht doch eher den einfachen Wahrheiten glauben will, den Plattitüden, die Populisten jeglicher Couleur von sich geben?

Zu DDR-Zeiten zitierte ein Freund von mir gern den Satz: Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. Das war damals schwer zu akzeptieren. Es könnte wieder so kommen. Aber das liegt - gottlob - auch an mir!

Antje Vollmer Vize-Präsidentin des deutschen Bundestages seit 1994, Die Grünen/Bündnis 90

Für mich war das ein bitterer Tag. Schon am Abend der Ankündigung schien mir: das ist kein erfolgreicher Befreiungsschlag, sondern eine Kapitulation, die im Gewande des Geniestreichs daherkommt.

Die ganze Erklärung wurde ja schon vorab veröffentlicht -
Harakiri

4 Kommentare »

  1. Ihre Umfrage über die Regierungszusammenstellung ist doch etwas eigenartig…
    SPD/GRÜNE/SED ist nicht richtig und das ist mit sicherheit absicht oder!?
    Die SED gibt es nicht mehr, zudem hat sich die BRD einschließlich der Partein verändert in über 15 Jahren Deutsche Einheit. Das ist Meinungsmache!

    Kommentar von Stefan — 2. August 2005 @ 21:14

  2. Was spricht gegen Meinungsmache? Solange die alte und die neue SED Meinungen machen dürfen, mache ich das auch. Nein, es ist ganz anders: Die PDS ist nunmal die alte SED, da sie ganz klar der Rechtsnachfolger ist und die neue SED ist auch ein Fakt, denn was wäre der quasi Zusammenschluss zwischen WASG und PDS sonst?

    TK

    Kommentar von Campo-News — 3. August 2005 @ 07:22

  3. DIE ZEIT fragt in der aktuellen Ausgabe 48 Intellektuelle, Schriftsteller und Künstler nach ihrer politischen Wahl-Empfehlung. Wie es so ist: mutig sind die, die ständig zum Mut aufrufen oder ihren Geist angeblich anstrengen, nicht. Die Mehrheit druckst, muckst und schweigt. Das Wahlergebnis derjenigen, die ihre Meinung deutlich sagen, sieht – wer es gedacht - so aus:

    SPD 38,1 %
    Grüne 28,6 %
    CDU 19,00%
    Linkspartei 14,3%
    Andere: 0%

    Eine Meinungsäußerung zitiere ich aber gern: Wolf Biermann, CDU: „Und mir imponiert, dass sie im April 1982, als die DDR noch ewig existierte, nicht nur den Mut hatte zum Begräbnis meines Freundes Robert Havemann zu gehen…Die Merkel ist ein gebranntes Kind der Diktatur, sie war weder Widerstandskämpferin noch Kanaille des Regimes….Dabei halte ich ihre Energiewende-Politik für einen Fehler. Aber diese AKW-Japanik erfasste die konkurrierenden Parteien noch panischer….Gewiss, die Merkel eifert nicht, sie droht nicht, sie jammert nicht, sie leugnet nicht – sie macht eben ohne macht-ideologisches Feuerwerk im globalen Bestiarium – und frei nach Brecht – „das Einfache, das schwer zu machen ist.“ Oder Laotse: „Die beste Regierung ist die, von der kein Mensch etwas merkt.“

    Kommentar von Campo-News — 10. September 2013 @ 13:44

  4. https://www.achgut.com/artikel/erinnern_sie_sich_an_horst_koehler_das_sollten_sie

    Kommentar von Campo-News — 4. Juni 2022 @ 17:36

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