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22. März 2005

Genozide

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 17:10

Darf man Massenmorde in einem Atemzug benennen? Die Frage wird unterschiedlich bewertet.

(ots) - Yehuda Bauer, Jahrgang 1926 und von 1996 bis 2000 Leiter des
International Center for Holocaust Studies am Yad Vaschem, kritisiert
in der ZEIT eine Hierarchisierung von Genozid-Opfern: “Jeder Genozid
ist verschieden, aber es gibt Gemeinsamkeiten.” Da seien zunächst die
Leiden der Opfer. “Es gibt keinen besseren oder schlimmeren Genozid
… Juden, Armenier, Polen, die gepeinigt, geschändet und ermordet
wurden, litten dasselbe.” Es sei an der Zeit, dass “die so genannte
zivilisierte Menschheit, darunter auch ganz prominent die EU”
genozidale Ideologien wie den Antisemitismus endlich als Bedrohung
für alle Menschen anerkenne, um Massenmorde, wie sie nach der Schoah
etwa in Ruanda oder im Sudan geschehen seien, zu verhindern. “Das ist
eigentlich die Warnung, die das neue Museum an seine Besucher
richtet.”

Anläßlich der Eröffnung des neuen Schoah-Museums am Yad-Vaschem-
Mahnmal in Jerusalem schreibt der israelische Historiker Bauer, einer
der bedeutendsten Schoah-Forscher, über den Genozid als universelles
Phänomen: “Jeder Genozid ist immer gegen eine spezifische Gruppe von
Menschen gerichtet, und wenn man ihn verstehen will, muss man sich
notgedrungen mit dieser Menschengruppe befassen.” Deshalb zeige die
neue Ausstellung die von den Nazis ermordeten Juden nicht nur als
passive Opfer, sondern auch als Vertreter eines lebendigen
Kulturvolks. “Nicht nur als Objekte des Massenmordes … sondern als
Orthodoxe, Atheisten, Liberale, Kommunisten, Zionisten, Sozialisten.”

Quelle: Die ZEIT

5 Kommentare »

  1. Daß Yehuda Bauer (soweit er korrekt zitiert wurde) die (im Kern durchaus nicht unberechtigte) Polemik gegen eine “Hierarchisierung der Opfer” terroristischer Gewaltherrschaft mit einer ostentativen Identifikation verschiedenartiger Leidensgeschichten verknüpft, erscheint im Hinblick auf den auch und gerade im “neuen Europa” grassierenden Geschichtsrevisionismus als außerordentlich bedauerlich. Der Satz, daß (nichtjüdisch-)polnische NS- oder Kommunismus-Opfer, wenngleich sie keinem Genozid-Verbrechen ausgesetzt wurden, “dasselbe” gelitten hätten, wie armenische oder jüdische Opfer des jungtürkischen resp. des Hitlerschen Völkermordes, trägt recht wenig zur Erfassung des totalitaristischen Zivilisationsbruchs bei, wie er mit guten Gründen im Besonderen mit dem Phänomen genozidaler Gewaltanwendung identifiziert wird - ebenso wenig, wie seine Abstraktion, daß JEDES Opfer irgend eines dessen Tod verursachenden Gewaltverbrechens seines individuellen Rechtes auf Leben und körperliche Unversehrtheit beraubt wird. Zweifelsohne legte eine Infragestellung dieser Erkenntnis eine zivilisationsfeindliche Haltung offen, wie sie selbst die größten Verbrechen der Menschheit zu begünstigen geeignet ist. Insofern gilt Bauer meine Sympathie, wenn er auf das gesamteuropäische Odium des Gewährenlassens der genozidalen Greuel der nordsudanesischen Islamisten gegen die Bevölkerungen des Südsudans und Darfurs verweist.

    Kommentar von Digenis Akritas — 22. März 2005 @ 17:45

  2. der Hinweis auf den ‘grassierenden Geschichtsrevisionismus’ ist Dogmatismus pur. Abweichungen vom Wort werden sofort und unmittelbar verurteilt, so wie damals, als der Hinweis auf kulakische, trotzkistische, hitlerfaschistische, kosmopolitische und weisskittelische Revisionisten den Grund lieferte, jemand zu diffamieren, verhaften verurteilen, und schliesslich zu exekutieren: Stalinismus pur. Ich glaube meine lieber Daniel, sie haben etwas gründlich falsch verstanden. Die Hexenjagd ist nämlich längst vorbei. Wir leben in einer freiheitlchen Demokratie.

    Dabai klingt doch gut, genozidale Ideologien endlich als Bedrohung für alle Menschen anerzukennen. Wenn ich da nur an China denke, den Massenmord an Uyghuren, Tibeter, und Mongolen. Haben sie vielleicht etwas gegen die Thematisierung der Verbrechen des kommunistischen China?

    Interessanter scheint mir doch die Authentizität der Quelle erst einmal zu überprüfen zu sein. Sie dagegen scheinen das einfach hinzunehmen. Wirklich erstaunlich für einen Historiker. ‘Die Zeit’ ist doch viel zu allgemein, da fehlen Ausgabe und Seitenangabe, und am besten ein Web Link. Darf es bitteschön vielleicht dieser sein:

    http://www.zeit.de/2005/13/Yad_Vashem

    Nun wird es spannend, wehrter Herr Historiker. Wurde die Quelle korrekt zusammengefasst? Oder etwas tendenziös? Gibt es Auslassungen? Liegt die Quelle der Zusammenfassung überhaupt zugrunde?

    Kommentar von nfreimann — 23. März 2005 @ 22:32

  3. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/antisemitismus_doch_nicht_in_deutschland

    Kommentar von Campo-News — 2. März 2015 @ 08:00

  4. Er habe es nicht für sich getan, beteuerte Hirt. Er habe sich nicht wichtigmachen wollen. Vielmehr habe er ein Bewusstsein schaffen wollen für die Probleme der Holocaust-Überlebenden. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/holocaust-angeblicher-auschwitz-ueberlebender-outet-sich-als-luegner-a-1099807.html

    Kommentar von Campo-News — 25. Juni 2016 @ 19:04

  5. http://www.pi-news.net/arte-und-wdr-halten-antisemitismus-film-zurueck/

    Kommentar von Campo-News — 8. Juni 2017 @ 09:14

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