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19. März 2005

Der Straps-Paps

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 15:41

Die Definitionen der Transsexualität werden immer absurder und schriller und ausgerechnet von denen getätigt, die es meist nicht sind. Es sei deshalb hier ein klassisches Exemplar dieser Spezies näher beleuchtet.

Wenn ich eine Frau wäre“, so einer von Steve Martins Film-Jokes, „säße ich den ganzen Tag auf dem Sofa und würde mit meinen Brüsten spielen.“ Was Martin als groteskesten aller nur denkbaren Witze aussprach, bildet den Kern des Begehrens der meisten Männer, die einen so genannten Geschlechtswechsel vollziehen, doch nicht nur nach einem Drittel des Weges hängen bleiben, sondern von Beginn an nichts weiter wollen, als eine kurios anmutende „Feminisierung“, die in dieser Form ein viel schlechterer, als der von Steve Martin erzählte Witz ist.

Er war ein ganzer Kerl – das Motorrad steht noch immer in der Garage und wie immer braust er damit gerne durch die Landschaft. Er hatte Frauen ohne Zahl – als er einmal in der Jugendzeit von einem Schwulen angebaggert wurde, schlug er erbarmungslos zu. Er trainierte seinen Körper hart und erbarmungslos – seine Schultern sind so breit, dass sie in keine seidenweiche Bluse passen. Er war immer auf seine stattlichen 1, 88 Meter stolz gewesen – er ist noch immer ein richtiger Mann.

Doch eines Tages wurde er depressiv. Seine Frau wollte nicht mehr so, wie er wollte. Die Kinder, drei Stück an der Zahl, auf die er als Vater mächtig stolz war, gingen schon längst zur Schule, der Alltag war langweilig zu nennen. Im Alter von 40 Jahren hatte er bemerkt, dass ihm die schwarze Wäsche am immer dicker werdenden Hinterteil seiner Frau fehlte, die er ihr doch so gerne über die plump gewordenen Beine streifte, wenn sie seine unbändige Lust wieder allzu lustlos über sich ergehen ließ. Es ging solange gut, bis es ihm zum Bewusstsein kam, wie sehr er auch ohne den Körper seiner Frau auskommen konnte, wenn er nur die schwarze Wäsche zwischen den Finger gleiten ließ. Hatte er sie früher immer mal wieder gebeten, halterlose Strümpfe, Strapse und schwarze Unterwäsche anzuziehen, fand er nun, diese stünden ihm auch sehr gut - und geil war es auch.

Er hörte davon, dass diese Perversion auch andere Kerle wie ihn erfreute. So machte er sich eines Tages auf den Weg in die große Stadt, wo er mit anderen seiner Sorte bei Kaffee und Kuchen zusammen hockte, während sie sich dabei gegenseitig die stämmigen Waden mit schwarzen Strümpfen zeigten. Weil sie alle wirkliche Transsexuelle unheimlich toll fanden, erfanden sie eine Menge ulkiger Sätze, mit denen sie begründeten, warum auch sie „Frauen“ wären. So entstand die Gattung des „Straps-Paps“, der in unserem Fall nach den Treffen mit den „Kolleginnen“, die sich „Chantal“, „Gina“, „Gloria“ oder „Fee“ nannten – während sie doch eigentlich Karl-Heinz, Detlef, Gerd oder Walter hießen – und auch so aussahen! - doch sehr beklommen nach Hause schlich, wo schon seine Kinder und seine brave Frau warteten.

Als er ihnen am Heiligabend, den er extra dafür erwählte, weil er ihm passend schien, eröffnete, er wolle demnächst „Michelle“ genannt werden, empfand er die unerwartete Heftigkeit der Ablehnung seines Wunsches als Ansporn, sich seiner alten Tugenden wieder zu erinnern und so zu werden wie damals, als er seine zwölf Jahre bei der Bundeswehr absolvierte, in der er als „harter Hund“, als „echtes Kommandoschwein“ galt – wie er selbst immer gerne stolz erzählte. Dabei hatte er sich doch schön heraus geputzt, ein Kotztüm mit blauer Schmusebluse angezogen, die an den Schultern bei jeder Bewegung knackte; sein kurzes Röckchen gab die Sicht auf die krummen Beine breit, welche er mit verzierten Strümpfen zu verdecken glaubte, mit Strümpfen, die von unvermeidlichen Strapsen gehalten wurde, die so weit herunter hingen, dass man seine unrasierten Oberschenkel sah, die 20 cm unter dem schwarzen Höschen hervor blitzten. Sein ältester Sohn nannte ihn „krank“, seine Tochter heulte nur, sein jüngster lachte laut und wieherte: „Ich nenne dich nur noch Straps-Paps!“ Seine Frau blieb eisig kühl an diesem Abend, ehe sie in der Nacht in ihr Kissen weinte und selbst der Hund pinkelte ihm auf die glitzernden Pumps, Schuhgröße 47.

Doch Straps-Paps ging nun seinen Weg, schließlich war er ein Schmetterling, ein Falter – ein schwerer und großer zwar, aber doch ein buntes Viech mit Ambitionen, den Gesetzen dieser Welt zickig seine große Nase zu drehen, egal was auch passiert. Als er eines Abends wieder zu seinen „Kolleginnen“ ging, sprach ihn ein Mann auf der Straße an und bat ihn um Feuer. Straps-Papas fühlte sich gedemütigt, weil er glaubte, dieser Mann wolle ihn als Frau umwerben (was ein Irrtum war, denn niemand wird mit echten Absichten einen Straps-Paps ansprechen) und weil sein Bild von der Sexualität des Mannes dem entsprach, was er selbst 30 Jahre lebte, schlug er wieder zu, so wie damals, als sich ihm die „schwule Sau“ näherte. Er war doch ein Frauenfreund, verstand auch gut, wenn seine Frau vom Haushalt genug hatte, doch er machte seinen Job als LKW-Fahrer wirklich gerne. Seinen Kollegen erzählte er nichts von seinem zweiten Leben – er ging zwar ab und zu seinem Therapeuten (für den die Krankenkassen Unsummen bezahlte) doch niemand kontrollierte, ob er am Arbeitsplatz, im Bekanntenkreis usw. als Frau auftrat, ja, es war möglich, dass er sich operieren ließ, und weiter ohne irgendwelche Änderungen so lebte, wie immer - aber Straps-Paps würde das nie machen, er war doch gerne ein Mann und diese andere Sache machte er doch nur, weil sein Leben so langweilig war und er – das war sein Standardsatz – „seine Grenzen testen wollte“. „Ich bin, wie ich bin“, sagte er immer mit seiner tiefen Stimme, die jeden erzittern ließ und seine Kolleginnen nickten dann immer mit dem Kopf, ballten die Fäuste dabei, wenn sie an Transsexuelle dachten, die darüber nur laut lachen konnten (besonders die eine, deren Namen öffentlich zu nennen bei Strafe verboten war).

Natürlich blieb er ein Frauenversteher, ein Frauenverehrer – und seine schönsten Auftritte waren die, wenn er sich schick machen konnte und in die Lesbengruppe ging. Doch sie hatten da schon sehr gelacht und ihm ein bittres, hartes Lesbenlachen entgegen geworfen, weil sie doch gerade dort keine Strapse mögen. Aber das bekräftigte ihn nur noch mehr in seinem Entschluss, denn er konnte nicht verhehlen, gern von Frauen gedemütigt zu werden. Immer öfter besuchte er schon seit mehreren Jahren ein Sadomaso-Studio und ließ sich – natürlich wenn er die schönsten Strapse anhatte – richtig auspeitschen, bis es ihm kam. Aber diese Lesben lehnten ihn ab. Sie wollten keinen Kerl unter sich, sagten sie ihm schneidig schneidend direkt auf den Kopf zu. Straps-Paps war enttäuscht. Jetzt blieben erstmal nur die Kolleginnen in der Straps-Paps-Kaffeegruppe und vielleicht war ja etwas darunter, das ihn mal so richtig erziehen könnte.

Straps-Paps richtete sich jetzt erst recht in der gemeinsamen Wohnung mit seiner Frau ein. Sie müsse das gefälligst akzeptieren und: Sie akzeptierte es auch, was blieb ihr anderes übrig? Sollte sie mit den Kindern allein klarkommen? Sollte sie noch als Frau über 40 auf Single-Partys herum stehen und sich anderen Männern anbieten? Was hatte sie vorzuweisen? Drei Kinder und eine gescheiterte Ehe – ja nicht ein eigenes Bankkonto, geschweige denn Geld.

Während Straps-Paps jetzt immer häufiger mit den Kolleginnen Partys besuchte, auf denen sie sich in ihren grellen Outfits anderen „Freundinnen“ zeigten, welche sich jedes Mal mit spitzen Schreien und Bussis über die bunten Figuren freudig erregten, begann seine Frau zu trinken, die Leistung der Kinder sank in der Schule beträchtlich. Doch Straps-Paps wusste, dass sein Entschluss richtig war. Seine kleine Brust, die er sowieso schon hatte, weil er etwas fett geworden war, wurde ein wenig größer, doch setze er die Hormone wieder ab, als es in anderen Bereichen nicht mehr so klappte, wie Straps-Paps es wollte und gewohnt war.

Als er nach fünf Jahren genug von diesem Spiel hatte – seine Frau kam gerade von der zweiten Entziehungskur - seinen Namen wieder zu „Manfred“ ändern ließ, begann er wieder seine Frau zu lieben. Es klappte alles wie zuvor und sie hatten einander wieder gefallen gefunden. Lange noch schämte sich Manfred für seine Zeit als Straps-Paps, und seine Kinder schauten ihn nicht mehr an, aber er war auch ein bisschen stolz auf sich, hatte er doch bewiesen, dass er in einer Gesellschaft – die er ansonsten tief verachtete – jeden Unsinn ungebremst machen konnte, den Spaß noch bezahlt bekam und dennoch kein Risiko eingehen musste, denn das war doch klar: Ein Straps-Paps bleibt was er ist, für immer und ewig….

1 Kommentar »

  1. Ja, so sehen sie aus, und solche Geschichten produzieren sie - leider passte nicht alles in den Scanner -

    Kommentar von Campo-News — 18. November 2005 @ 08:18

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