Campo de Criptana




9. März 2005

Das schwarze Gesicht des Feminismus

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 14:23

„In der Sahara-Stadt Biskra lebt eine Zeit lang jedes Mädchen der benachbarten Völker von der Prostitution, um sich durch sie zu bereichern; der Erwerb wird dann den Eltern überbracht und es würde als unmoralisch, ja als unverzeihlich gelten, wenn Jemand nicht auf diese Weise seine Pietät ausdrückte.”

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Frau Alice Schwarzer grollt wieder einmal. Im SPIEGEL verbindet sie die Vorgänge des Visa-Skandals mit sexualfeindlichen Obsessionen. Ihr Eintreten gegen den Islamismus erscheint so als kalkulierte Haltung, um über die Kritik an politisch überkommenen Gesellschaften, in Wirklichkeit ihre alles erdrückendes Lieblingsthemen besser verkaufen zu können: Die angebliche Unterdrückung der Frau durch den Mann, und: Die Frau als ausgebeutetes Opfer einer männlichen dominierten Welt. Frau Schwarzer hat im Islamismus einen einseitigen Grund gefunden, um gegen Männer unverstellt agieren zu können. Die Taten der Frauen in den afrikanischen oder islamistischen Ländern - es sind dort vor allem die Frauen, die Beschneidungen gutheißen und durchführen – spielen aus propagandistischen Gründen keine Rolle. Gerade konservative Islamfrauen in Deutschland propagieren zudem das Kopftuch – wer sah schon einmal einen Mann dafür in aggressiver Weise eintreten?

Im SPIEGEL sagt sie, das Gesetz zur Liberalisierung der Prostitution aus dem Jahre 2002, sei für sie nichts als eines, von dem „Zuhälter und Menschhändler“ profitieren. Sie wehrt sich gegen die Einstufung der Prostitution als „sittenwidrig“ und „anerkannter Dienstleistung“. Ihr sind die „selbstbestimmten Prostituierten“ des „Wirtschaftzweiges Sexindustrie“ ein Gräuel. Aus der Prostitution einen „Beruf wie jeden anderen“ machen zu wollen, ist für sie eine „Frage der Menschenwürde“. Diese freie Bestimmung – für andere der Kern der Menschenwürde - lehnt sie ab.

Im Focus stehen die Reduzierung der Frauenrechte und die Postulierung anderer rechtlicher Standards als für den normalen ausländischen Inhaber eines Arbeitsplatzes. Das irritiert. Auch sind meist nicht die spanischen, italienischen oder niederländischen Prostituierten Gegenstand der Empörung, sondern - oh Schauder - die polnischen, russischen und jetzt auch die ukrainischen! Da sind dann alle Klischees hübsch beieinander, denn jedes Herkunftsland der Eindringlinge trifft als Faustschlag ins verschreckt-angeekelte vorurteilsbehaftete Allgemeingesicht; politische Anschauungen spielen dabei keine Rolle – hier darf sich auch die Linke entrüsten! Haben Sie auch von der Geschichte gehört: da soll doch ein Serbe mit seinem russischen Kumpanen, einer türkischen Prostituierten, die ein Kind von einem rumänischen Zigeuner im Bauch hatte, mit Hilfe eines ukrainischen Frauenhändler bei lebendigem Leib… Nein?!

…glaubt einer nicht, daß Geilheit ein stärkeres Agens ist als Sozialpolitik?…
Denn grauenerregend und weit grauenerregender als die entgeltliche Hingabe des weiblichen Körpers an mehrere Männer ist seine schlecht bezahlte Hingabe an den Dienst in einer Zündhölzchenfabrik…Und die Moralbestie exzediert in den Versammlungen der heiligen Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels und der sonstigen Vereine der von der Frauennatur emanzipierten Weiber genau so, wie auf Kongressen, wo der bekannte ,,Blitzmajor“ die Forderung stellen darf, man solle die Mädchen schlechter bezahlen, damit sie sich die Prostitution abgewöhnen. Unbefriedigte Weiber, denen Hysterie längst die Traube ihres Geschlechts sauer gemacht hat, entrüsten sich über die Lebenshaltung der Prostituierten….Wenn es sich um den Schutz prostituierter Mädchen gegen Bedrückung handelt, so hat nicht eine ,,allgemeine zugängliche Frauenversamnmlung“ das Wort zu nehmen, sondern eine Versammlung allgemein zugänglicher Frauen! Karl Kraus, 1906 – Sittlichkeit und Kriminalität

“Die Techniken der Razzien; die Schließung der Bordelle, welche die Prostitution erst zu dem Ärgernis erniedrigt, das man ihr vorwirft; der Eifer, der irgendwelche Viertel für besonders bedroht erklärt, um dann über das Überhandnehmen der Huren dort sich zu entrüsten, wohin sie flüchten müssen – wie die Juden sollen sie keine Bleibe haben, - all das bezeugt eine Gesinnung, die zwar über die Entwürdigung des Eros zetert, aber alles tut, um ihn noch mal zu entwürdigen: zur Glücklosigkeit zu verurteilen…der Schaden den sie stifteten, der Anstoß, den sie erregten, ist nichtig, keiner brauchte sich bei ihnen aufzuhalten, der sie nicht sehen will, vollends nicht, wenn die Bordelle toleriert würden. Wem von den Jugendlichen, denen die Zeitungskioske gewidmet sind, der Anblick eines Straßenmädchens viel Neues bietet, ist ungewiss, das Unheil, das er anrichten könnte, fiktiv.” Theodor Adorno

Tanja Krienen

5 Kommentare »

  1. Ich muss gestehen, hier bekomme ich einige Probleme. Dass es ein Kennzeichen von gelebter Menschenwürde sein soll, sich für Geld mit jedem Schmierlappen einlassen zu müssen, kann ich nicht nachvollziehen. Von der Elendsprostituion der Drogenabhängigen mal ganz zu schweigen.
    Ich finde auch nicht, dass man eine Kulturbegründete Prostitution (Tempelmädchen) hier als Vergleich nutzen kann. Geht es um uneingeschränkte Prostitution? Was machen wir dann mit den Zuhältern? Wo werden die Preise hinschmelzen, wenn jede Frau von wo immer auch sich bei uns prostituieren können soll? Oder habe ich alles vollständig falsch verstanden?
    gruss ecc

    Kommentar von Ecclesiastes — 15. März 2005 @ 01:42

  2. Drogenabhängigkeit ist doch nicht die Folge der Prostituion, sondern existiert unabhängig davon. Man solte es aber doch positiv sehen, dass sich viele Frauen nicht auf die Sozialhilfe verlassen, sondern eigenständig arbeiten gehen.

    Mit der Minderheit der problematischen Bereiche dieses Gesamtkomplexes kann jedoch nicht die gesamte - meist unspektakulär verlaufenen - Prostitution diskreditiert werden. Schon mal gar nicht von Frau Schwarzer!

    Bitte lesen die Äußerungen von Karl Kraus und Theodor Wiesengrund Adorno noch einmal nach.

    Gruß, Tanja Krienen

    Kommentar von Campo-News — 15. März 2005 @ 09:21

  3. Hab’ ich getan. Gelesen, mein’ ich. Zwischen der Äusserung des Karl Kraus und den Angelegenheiten, die wir hier besprechen, ist ja schon einige Zeit vergangen. Und was Adorno betrifft : Man(n) kann nicht immer auf der höhe der Theorie sein, q.e.d.
    Erinnert mich ein bisschen (vom Gehalt her)an Einsteins Gotteserklärung. Auch so ein ärmliches Sätzchen.
    Nene, es zahlt sich immer aus, wenn man versteht, wovon man redet.
    Ausserdem - lang, lang ist’s her…
    Heute sehen wir uns eher der Problematik des modernen Sklavenhandels ausgesetzt, da kann ich die grüne Position eines laisser faire nicht teilen. Dass Drogenabhängigkeit die Folge der Prostitution ist, liegt mir fern zu behaupten. Sehr oft ist es aber andersherum.
    Dass es da hifreich sein kann, wenn jetzt auch noch osteuropäische Importe hier die Preise versauen, wage ich zu bezweifeln.
    gruss ecc

    Kommentar von Ecclesiastes — 15. März 2005 @ 16:32

  4. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Visa-Politik der Grünen halte ich für sehr schädlich, wie ich ja auch in diesem Blog in einem Beitrag schrieb. Jedoch sollte man die Prostitution von dem Fakt der unrechtmäßigen Einreise trennen, sondern sie so bewerten, als gäbe es diese - auf einem ganz anderen Gebiet spielenden - Überschreitungen des Rechts nicht.

    Ich denke, dass sie den “Frauenhandel” weit überbewerten und es sind ja gerade die ungeklärten Verhältnisse, die so etwas ermöglichen. Die normale Prostitution läuft zu mehr als 80% unspektakulär ab. Nochmal: Wenn eine Drogenabhängige “anschaffen” geht, so sollte man das auch insoweit positiv bewerten, als dass sie für ihren Lebensunterhalt versucht geradezustehen. Gäbe es die Prostitution nicht, würden die Betroffenen wahrscheinlich Diebstähle begehen. Natürlich wäre es schön, wenn diese Menschen nicht abhängig wären und sicher schädigen sie auch das Bild der Prostitution, aber gerade deshalb dürfen wir hier nicht alles vermengen. Wer seinen Kopf oben behält, kann in wenigen Jahren sehr viel Geld zur Seite legen.

    Die Äußerungen Adornos sind absolut auf unsere Zeit zutreffend und Karl Kraus hat exakt die richtigen Bemerkungen gemacht, nämlich, warum sich Frauen a la Schwarzer so sehr über das “Gewerbe” echauffieren, während sie anderswo, wo es weniger “anregend” zugeht, wegschauen.

    Gruß, Tanja Krienen

    Kommentar von Campo-News — 15. März 2005 @ 18:16

  5. Bernhard Lassahns wunderbare Abrechnung - http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_tag_an_dem_ich_die_frauen_verstehe/

    Kommentar von Campo-News — 8. März 2011 @ 07:40

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