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4. März 2005

Joschka Fischer

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 11:45

Da die Alt - 68er Ideologie vom Menschen, der sich überall und zu jedem Zeitpunkt aufhalten darf wo er es will, unbedingt durchgesetzt werden sollte, wurde das Visagesetz soweit geändert, dass es Manipulateuren und Schleußerbanden Tür und Tor öffnete. Der Verantwortliche ist der Ex-K-Gruppen Mann Ludger Volmer, Mitwisser Joschka Fischer - im Grunde die ganze Bundesregierung.

Besonders in der Ukraine wurde ein regelrechtes Geschäft mit vorgeblichen Kurzurlauben nach Deutschland aufgezogen - zwischen 1998 und 2004 wurden etwa 1 Millionen Visa ausgestellt! Unzählige dieser Leute blieben als illegale Schwarzarbeiter.

Es gab - laut SPIEGEL - Firmen, die von diesem Reise - und Bleibeverkehr lebten, auch wurden Drogenabhängigen und Obdachlosen 50 Euro gezahlt, wenn sie jemanden zu sich als Gast “einluden”. Die Einladungen waren natürlich Schwindel, aber wer eine solche erhielt, durfte im Grunde ungeprüft nach Deutschland einreisen (im völligen Gegensatz zum Schengen-Abkommen und besonders nach dem 11. September).

Ein interessantes Psychogramm Joschka Fischers schrieb für den CAMPO Nr. 4 Bettina Röhl -

Mittelalterlich: Gesslers Hut und Fischers Leinwand

„Verachtest du so deinen Kaiser, Tell,
Und mich, der hier an seiner Statt gebietet,
Dass du die Ehr’ versagst dem Hut, den ich
Zur Prüfung des Gehorsams aufgehangen?“

Dies ließ Friedrich Schiller den Landvogt Gessler Anno 1291 zu Altdorf im Schweizer Kanton Uri Wilhelm Tell fragen.

Dieses große Stück deutscher Weltliteratur mag den amtierenden deutschen Außenminister Joseph M. Fischer inspiriert haben nun seinerseits seinen grünen Parteihaufen zu testen.

Als sich seine Partei, die Partei der wortgewaltigen Sprechblasenproduzenten, jüngst in Dresden zu einem so genannten Parteitag versammelte, wurde für Fischer eine mehrere Meter große Fernsehleinwand im Veranstaltungsraum aufgestellt, auf die er sich per Videoübertragung projizieren ließ, um auf diese etwas unpersönliche Weise zu seinen Jüngern und Subalternen zum Thema Europa zu sprechen. Wohl auch eine „Prüfung des Gehorsams“, eine moderne Variante, zu dem die Grünen gegenüber ihrem un-heimlichen Vorsitzenden fähig sind.

Wie man im Fernsehen sehen konnte, haben ein paar Junggrüne wahrscheinlich in einer Mischung aus wahnhafter Verehrung des großen Vorsitzenden und zuvor einstudierter Verarschung desselben, choreographierte Verbeugungsgesten vor dem auf dem Parteitag erschienenen Cyber – Fischer vollführt: Fischer, der Guru. Ob diese doch etwas spöttische Geste bei Joschka gut ankam, darf bezweifelt werden. Da ist Fischer wie jeder Guru, eine Huldigung muss ernst gemeint sein. Scherz, Satire und Ironie sind ohnehin nicht Fischers Sache.

Ein grüner Delegierter, der die Leinwand an diesem Tag möglicherweise nicht innig frenetisch beklatschte, muss bei den Grünen – schließlich wird alles heutzutage auf Video festgehalten – über kurz oder lang mit Sanktionen oder schlimmer noch mit Liebesentzug von St. Joschka rechnen. Wilhelm Tell, der den leeren auf dem Marktplatz aufgehängten Hut des Landvogtes Geßler nicht grüßte, sollte bekanntlich für diese Majestätsbeleidigung sogar mit seinem und seines Sohnes Tod bezahlen.

Man muss sich die Geschichte genauer anschauen : Ohne jedes Problem wäre es möglich gewesen, dass der grüne Fürst und Patriarch der Öks die Sache so geschaukelt und terminiert hätte, dass er vom Tagungsort der europäischen Außenminister in Neapel kurz zu den Seinen nach Dresden gejettet wäre, seinen Speach abgelassen hätte und zum Absacker noch rechtzeitig wieder in Neapel zu denen gestoßen wäre, bei denen er sich offenbar lieber aufhalten möchte, als bei seinem Parteivolk.

Nur 1 ½ Flugstunden vom Tagungsort in Dresden entfernt, parlierte Fischer nun also aus dem Napolitanischen zu seinen „Untergebenen“, die sich wie Kinder riesig darüber freuten, dass Fischer sich wenigstens auf diese Weise aus dem Geschäft des Weltenlenkers kurz ausklinkte und zu ihnen sprach.

Fischer hätte sich stattdessen jedoch von seiner neapolitanischen Residenz mit Leichtigkeit Tür an Tür zu den Seinen pilotieren lassen können. Er hätte eine halbe Stunde irgendwas reden können – Inhalt ist bei Fischer egal, hauptsache es krächzt und kracht – Fischer hätte ganz normal, wie es sich gehört am Rednerpult gestanden. Das alles hätte ihn in Echtzeit - Flugstunden hin – und zurück eingerechnet - insgesamt 3 ½ höchstens 4 ½ Stunden gekostet.

Oder umgekehrt gefragt: Hat ihn sein Auftritt in Korrespondentenmanier entscheidend weniger Zeit gekostet, die nicht organisatorisch für die Lieben daheim heraus zuholen gewesen wäre ?

Wer Neapel ein wenig kennt, weiß, dass es auch seine Zeit dauert bis man von den offiziösen Tagungsorten auf den öffentlichen Platz der Stadt gelangt ist, den Fischer vor den symbolträchtigen Europafahnen für seinen virtuellen Auftritt bei seinen grünen Untertanen ausgewählt hatte.

Platz leer machen , Bodygards, Tontest, Lichttest unter freiem Himmel, und dann noch die berühmte Schalte herstellen, von dem Mikro, das Fischer artig zur Selbststabilisierung vor sich hin hielt bis zu den sonoren Boxen, aus denen Fischer zu den Grünen tönte – das alles kostete nicht nur viel Geld, sondern auch sehr viel Zeit und da Fischer perfekt aus dem Äther kommen sollte, kostete es in Wahrheit zum Teil auch seine Zeit.
Wie viel einfacher wäre es gewesen ganz konventionell bei den Grünen höchstpersönlich zu erscheinen. Ein Fischer zum Anfassen

Doch die Gelegenheit schien für den Testlauf perfekt. Und sie musste genutzt werden: wie kommt Fischer aus dem Kosmos via Satellit denn wohl so bei einem normalen irdischen Durchschnittsdelegierten an ? Irrsinnig wichtig, beschäftigt war dieser zweithöchste deutsche Administrator, der weder über Beruf noch Schulabschluss verfügt, aber nun die europäische Verfassung für uns alle und die Jahrtausende richten will.
Man muss sich das einmal richtig vorstellen: Wenn irgendeiner und sei es auch Fischer vor Publikum auftritt und Selbiges und sich selber in Rage redet, was bei Fischer laut Medien dann stets genial genannt wird, dann lässt sich die Gruppendynamik, das Wechselspiel zwischen Sprecher und Auditorium, noch einigermaßen verstehen. Wenn so ein einsamer Fischer indes in Neapel auf einem für ihn eigens leergefegten Platz sich nun selber echauffieren muss, um die Zurückgebliebenen in Dresden zu der gewohnten Standing Ovations - Reaktion aufzupeitschen, dann wird’s doch etwas peinlich.

Junge, das muss besser werden. Objektiv kann man nur sagen, der Auftritt war lau. Dass das emotionale Eigendoping Fischers auf dem Platz in Neapel trotzdem halbwegs durchging, lag weniger an Fischers Fähigkeiten - der mühte sich redlich eine seiner austauschbaren Nummern zu geben - als an der Hörigkeit seiner Jünger, die sich beim klatschen so verausgabten, ebenfalls durch emotionales Eigendoping, als sei er höchstpersönlich in ihrer Mitte erschienen.

Insofern kann Fischer diesen neuen Trick ruhig angehen lassen. Sympathisch an Fischer ist, dass ihm seine Grünen sichtbar im Innersten zuwider sind und er den Satellitengag eben in Wahrheit auch wählte, um sich nicht in diese Niederungen seiner Machtbasis hinab begeben zu müssen und um auch zukünftig einen solchen Abstieg vermeiden zu können. Die Grünen müssen eben an die Cybernummer langsam, aber mit harter Hand gewöhnt werden.

Das Thema EG – Beitritt der Türkei, über das Fischer aus der Leinwand heraus sich verbreitete, interessiert Fischer, aber auch die Grünen insgesamt kaum. Wenn es ihm allerdings Gelegenheit gibt von der dumpfen Stammtischtischelei von CDU und CSU reden zu können, dann kramt er dieses Thema gern hervor, welches schon Tage zuvor in den Medien mausetot war. Zu den anstehenden realen Problemen fällt Fischer ohnehin nie was ein.

Das Eigenartige des Häufleins namens grün ist, dass es aus einem ganzen Konglomerat wortgewaltiger, demagogisch geschulter, sich sympathisch und idealistisch gebender Kampfmaschinen besteht, die das unsäglich falsche Image der Grünen hegen und pflegen, dass es sich bei dieser Gruppierung um die Ökos, die Pazifisten, die Basisdemokraten, die Feministen, die Pädagogen und die Besserlinken handelte. Diese Chose in toto ist auf eine so absurde Weise ausbalanciert, dass die Resultierende in diesem grünen Parallelogramm ein einziger gewaltiger Liebespfeil ist, der immer wieder direkt auf Fischers Herz liebevoll und hündisch unterwürfig abgefeuert wird.

So kommt das Eigenartige zustande, dass die Grünen auf höchstem politischen Aktionsniveau und einem sich auf Null herunter kompensierenden Geisteslevel den angeblich beliebtesten Politiker seit Adolf Hitler auf den Schild heben. Der gängelt sie diktatorisch lässig in Geßler - Manier, geht selber nicht einmal mehr hin, sondern schickt seinen Hut moderner Weise in Gestalt des Bildschirms und die Grünen fressen es gierig. Sie saufen den Kakao durch den sie sich in ihrer Fischer – Hörigkeit selber ziehen, in vollen Zügen und können, statt sich zu emanzipieren, nicht genug davon kriegen. Artig wählen sie Fischers Faktotum Cohn – Bendit, der bei den französischen Grünen neuerdings wohl weniger gilt, auf den begehrtesten für einen Mann reservierten Listenplatz für die Wahl zum Europaparlament.

Fischer weiß, dass er am allerlässigsten ist, wenn er die Grünen da unten bunt, laut, spontan „demokratisch“ wurschteln lässt, und auch noch die duldet, die mit den Alles -Besserwisser – Gesichtern die Uraltphrasen der Sonneblumengrünen dreschen, und selbst ein paar grüne aufrechte Idealisten und selbst auch einen Ströbele lässt Fischer machen, hauptsache grün wirkt noch etwas grün und er hat seine Ruhe und muss sich mit diesem Kinderkram nicht wirklich beschäftigen.

Die Grünen sind angeblich die Partei, die behauptet, sich in erster Linie um die Sache, die Demokratie, den Sozialstaat und den Menschen zu kümmern. Dass in diesem grünen System Personenkult objektiv besonders deplatziert ist, liegt auf der Hand. Dass die Grünen mit ihrem Fischerkult in Wahrheit sich selbst verraten, liegt ebenfalls auf der Hand. Peinlich ist, dass die Grünen so in ihrem Personenkult verfangen sind, dass sie ihn nicht realisieren oder sich von ihm nicht befreien können. Die informellen Machtstrukturen Fischers in der Partei sind eben omnipotent. Da Fischer sich als Parteivorsitzender nicht förmlich wählen lässt, kann er überhaupt nicht abgewählt werden und erbärmlich ist die Tatsache, dass die Grünen sich selber korrumpieren, in dem sie es für ein Naturgesetz halten, dass sie nur mit Fischer weiterhin als eine einzige Partei existieren können, und auch nur mit Fischer die 5 % -Hürde sicher überspringen können.

Eine reine Schauspielernummer war es also, die Fischer einsam auf dem sonnigen Platz in Neapel trainierte. Es ging um keine Sache, keinen Inhalt. Tatsächlich ging es also nur um einen leeren Hut, um den Leinwandtest und die Fernkondititionierung der grünen Machtbasis.

Die Grünen sind zu einer duckmäuserischen Untertanenpartei verkommen, in der sich keiner mehr in Sachen innerparteilicher Demokratie traut das Maul aufzumachen. Die grüne Partei bewegt sich mit großen Schritten zurück ins Mittelalter, als es noch die klare Trennung zwischen Volk und dem Führer, dem Souverän gab, und Machtsymbole wie der Hut in Schillers Drama klare Herrschaftsinstrumente waren. Der grünen angeblichen Protest – und Freiheitspartei fehlt der Mut Wilhelm Tells. Der grünen Partei fehlt ein aufrechter, frecher und starker Wilhelm Tell, der sich der kaiserlichen Gewalt im Sinne der Freiheit entgegenstellt. Den Grünen fehlt der Rütlischwur, der die Schweizer, die sich fortan die Eidgenossen nannten, von der Herrschaft der Statthalter des Kaisers befreite und in Europa die älteste und stabilste Republik im Jahre 1290 schuf.

Bettina Röhl

4 Kommentare »

  1. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/mitschuld-an-anschlag-vorwuerfe-gegen-joschka-fischer-a-892435.html

    Kommentar von Campo-News — 4. April 2013 @ 13:30

  2. Zum 200. Jahrestag der Uraufführung von Schillers „Wilhelm Tell“ hielt Rolf Hochhuth eine glänzende Rede. Das Stück sei bestürzend aktuell, sagte er, wie Tell handelten die Tschechen, als sie Hitlers Landvogt in Prag, Reinhard Heydrich, ermordeten, wie Tell handelten auch die Ostdeutschen, als sie den sogenannten Treuhand-Präsidenten Rohwedder beseitigten, den der Kohl-Staat - federführend Wolfgang Schäuble - zur totalen Ausbeutung der 17 Millionen Ostdeutschen inthronisiert hatte. Und auch heute lebten wir in einer Diktatur, erklärt Hochhuth, nämlich in der Diktatur der Wirtschaft. Er zitierte den Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt, der schon 1890 voraussagte: „Einmal werden der entsetzliche Kapitalismus von oben und das begehrliche Treiben von unten, wie zwei Schnellzüge auf denselben Gleisen gegeneinander prallen.“

    Dem muß jeder vernünftige Mensch zustimmen, wenn er die steigende Arbeitslosigkeit in Europa sieht, die immer tiefer werdende Kluft zwischen Arm und Reich, das zunehmende Elend in der Dritten Welt. Und wenn er sich dann fragt, wer daran schuld sei, kann die Antwort nur lauten: Die Wirtschaftbosse und ihre Marionetten, die Politiker. Denn sie bestimmen die Bedingungen eines sogenannten „Vereinten Europas“, sie bestimmen, wem es gut gehen darf und wem nicht, und sie bestimmen letztlich auch, welche Politiker das Volk wählen darf.

    In der Nazizeit war die Aufführung von „Wilhelm Tell“ verboten. Die heutigen Wirtschaftdiktaturen sind klüger, sie verbieten nicht, sondern lassen verharmlosen. Das heißt, sie bestellen Theatermacher, die ihnen zu Diensten sind, subventionieren sie, geben ihnen ein bisschen Macht, und schon sind sie korrumpierbar. Noch einmal Jacob Burckhardt: „Macht an sich ist böse, gleichviel, wer sie ausübt. Sie ist kein beharren, sondern eine Gier.“ Und auch Theatermacher nützen ihre Macht, um kritisches Theater, das dass Missfallen ihrer Subventionsgeber verursachen könnte, zu vermeiden. Lieber sprechen sie von „Modernisierung“, statt zu bedenken, dass ein wirklich zeitkritisches Theater keinerlei Modernisierung bedarf, denn ein Publikum, das sich angesprochen fühlt, kümmert sich nicht um die Profilierung des Regisseurs.

    In der Basler Zeitung hat man Schweizer Theatermacher, die hauptsächlich in Deutschland arbeiten, zu ihrer Meinung über Schillers „Wilhelm Tell“ befragt. Ihre durchwegs arroganten und überheblichen Antworten sind entlarvend, arrogant und überheblich, weil man sich doch einem Klassiker wie Schiller und einem Theaterstück, das immerhin 200 Jahre lang Millionen von Menschen begeistert und beflügelt hat, nur mit Demut näher kann, vor allem, wenn man selbst versucht Künstler zu sein. Ich zitiere auszugsweise, aber nicht sinnentstellend:

    „Konservativer Terrorist“, „Legende“, „Nationalistische Ikone“ oder „Freiheitsheld“

    Urs Bircher, Intendant des Stadttheaters Hildesheim: „Wilhelm Tell ist eine unangenehme nationalistische Ikone. Ein konservativer Terrorist, der sich der fortschrittlichen Entwicklung der Zeit (Habsburger) entgegenstellte, sozusagen ein früher Europagegner.“ Da fällt einem doch nur die Kinnlade herunter! Dieser Herr unterschlägt nicht nur, dass die Schweiz, laut Schiller, erst durch Wilhelm Tell zu einer Art von Demokratie gefunden hat, er behauptet auch, dass die Habsburger, die viele Jahre lang die unmenschlichsten Gesetze erließen, die ihre Länder immer wieder mit Kriegen überzogen, die jeden Widerstand durch Hinrichtungen im Keime erstickten, dass diese blutigen Herrscher eigentlich fortschrittliche Entwicklungshelfer waren. Und gleichzeitig betont er rasch seine Treue zur EU. All das in zwei Sätzen, nicht schlecht für einen braven Mitläufer!

    Tobias Richter, Generalintendant der deutschen Oper am Rhein: „Mich interessiert Wilhelm Tell eher als Oper, die hat einen wunderschön romantischen Stoff.“ Aha! Dieser Herr ist vorsichtiger, er hält sich an Rossinis schöne Musik und hat lieber keine eigene Meinung. So wird man Generalintendant.

    Jossie Wieler, Regisseur: „Wie Schiller die Figuren idealisiert, auch die Jungfrau von Orléans, damit habe ich meine Schwierigkeiten. Würde mich jemand fragen, ob ich den „Tell“ inszenieren möchte, dem würde ich ganz glatt sagen: Nein.“ Also da Herr Wieler offensichtlich nicht zu Schiller hinaufsteigen kann oder will. Da würde ich Herrn Wieler eher einen Berufswechsel vorschlagen, Politiker zum Beispiel. Da darf er Schwierigkeiten mit Schiller, Goethe, Shakespeare und Lessing haben und kann trotzdem Karriere machen.

    Cathérine Miville, Intendantin des Stadttheaters Gießen: „Als Volksheld ist Tell für mich nicht wichtig. Die jungen Leute von heute interessieren sich für parodistische Tell-Inszenierungen, nicht für die Auseinandersetzung mit der Tyrannei.. Für den notwendigen Bewusstseinswandel hin zu einem offenem Europa ist einer wie Wilhelm Tell nicht hilfreich.“ Daß Revolutionäre oder gar Tyrannenattentäter bei einem Glaubensbekenntnis zur EU „nicht hilfreich“ sind, damit hat die Dame recht. Es ist auch im Sinn ihrer Subventionsgeber, dass junge Leute im Theater lachen sollen, um wenigstens vorübergehend ihre Arbeitslosigkeit zu vergessen. Es ist nur schade um das schöne Stadttheater in Gießen.

    Res Bosshart, Intendant des Meiniger Theaters: „Tell ist ein Feigling, ein Menschenverächter. Er schießt, weil ihm befohlen wird. Und weil Tell dem Gessler gehorcht, lockt er ihn danach in einen Hinterhalt, um ihn von hinten zu erschießen.“ Jawohl, Diktatoren soll man womöglich von vorn erschießen, dann ist man kein Menschenverächter. Hat der Mann das Stück überhaupt gelesen? Weiß er nicht, dass Gessler den „Feigling“ Tell verhaften lässt, ohne daß der das Geringste getan hat? Und dass Tell den Gessler in einen Hinterhalt lockt - wo steht das? Na ja, Hauptsache, man lehnt solche Revolutionsstücke ab, dann kann einem nichts passieren.

    Barbara Frey, Regisseuse: „Daß eine Figur, die es nie gegeben hat, eine solche Bedeutung für uns besitzen, ist für mich schwer nachvollziehbar. Das ist schon unfreiwillig komisch. Eigentlich ist der Tell eine mythomanische Muppet-Show, eine Art Kasperle-Theater, das man nicht ernst nehmen kann.“ Also wenn es für die Dame „schwer nachvollziehbar“ ist, dass auf dem Theater jemand Bedeutung hat, den es nie geben hat - auch das ist strittig - dann muß man sie fragen: Was ist mit Hamlet? Othello? Mephisto? Und so weiter. Aber es hätte auch keinen Sinn, sie zu fragen, warum jemand, der sein Leben aufs Spiel setzt, um sein Land von einem Diktator zu befreien, für sie ein Kasperle ist - nein, da gibt man lieber auf. Abschließend Ruedi Häusermann, Regisseur: Wilhelm Tell ist jemand, der mich wenig angeht.“ Nun, ich glaube, hier irrt Herr Häusermann. Eines Tages wird er schon draufkommen, dass ihn Menschen wie Wilhelm Tell sehr viel angehen.

    Im zweiten Weltkrieg war ich amerikanischer Soldat und als solcher auch als Dolmetscher in Deutschland tätig. Dabei hatte ich Gelegenheit, einige Spitzennazis wie Göring, Streicher und Kaltenbrunner, die amerikanische Gefangene waren, aus nächster Nähe kennenzulernen. Alle erklärten sich für unschuldig, es wäre die Zeit gewesen und man hätte nicht anders handeln können, behaupteten sie. Und kürzlich wurde ich von einem Journalisten gefragt, ob ich diese Verbrecher, die so unverschämt viel Leid verursacht hatten, gehaßt hätte. Nein, antwortete ich, ich habe sie nicht gehaßt, es hat mich nur furchtbar vor ihnen geekelt. Seltsamerweise und ohne Vergleiche ziehen zu wollen, befällt mich ein ähnlicher Ekel, wenn ich an die meisten dieser heutigen Theatermacher denke. Haben sie Georg Elser vergessen, der seinen Attentatsversuch auf Hitler mit dem Leben bezahlte? Haben sie den 20. Juli und seine Folgen vergessen? Den 17. Juni? Das Ende von Mussolini oder Ceaucescu?

    Nicht nur das, ich glaube, sie haben auch die Zukunft vergessen, und das ist im Theater eine Todsünde. In seiner Rede meinte Rolf Hochhuth, nur ein Narr könne hoffen, daß die nächste Revolution nicht auch mit Attentaten verbunden sein würde.

    Georg Kreisler

    Kommentar von Campo-News — 11. Februar 2014 @ 12:39

  3. https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2015/polizeiakte-von-joschka-fischer-wieder-aufgetaucht/

    Kommentar von Campo-News — 11. September 2015 @ 16:05

  4. Jetzt haben sie den Skandal institutionalisiert - http://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-buerger-bejubeln-eu-visumsfreiheit-a-1151597.html

    SPIEGEL: Herr Fischer, schon im Jahr 2005 war Jamaika rechnerisch möglich. Als Sie damals danach gefragt wurden, mussten Sie an Angela Merkel und Guido Westerwelle mit Dreadlocks und einem Joint in der Hand denken und lachten nur: “Wie soll das gehen, im Ernst, ich meine, bitte.” Und heute?

    Fischer: Es gilt der alte Bob-Dylan-Song: “The times they are a-changin’”, die Zeiten ändern sich. Wir sind ein paar Jahre weiter, und das, was ich damals - vielleicht auch nur mangels Fantasie - für unmöglich hielt, ist heute eine Notwendigkeit geworden. So kann’s gehen.

    SPIEGEL: Was hat sich denn so grundlegend geändert?

    Fischer: Spätestens seit 2015 und dem Ankommen der Flüchtlinge ist klar, dass die Zeit des sich immer mehrenden Sonnenscheins über unserem lieben Vaterland zu Ende geht. Die großen Probleme des 21. Jahrhunderts klopfen an unsere Tür. Das gilt auch für die dramatischen Veränderungen, die wir global unter anderem beim Brexit und bei der Wahl von Donald Trump sehen. Man kann die Menschen nicht gewinnen, indem man schweigt und abwartet, wie Angela Merkel es versucht hat. Die Menschen wollen - im besten Sinne des Wortes - Führung. Focus 21.10.17

    Kommentar von Campo-News — 11. Juni 2017 @ 11:26

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