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13. März 2012

Die eiserne Lady und Hugo Cabret

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 15:14

Aus der tiefsten Provinz gelangt man nicht ohne Komplikationen in die große Stadt mit dem aktuellen Kinoprogramm, aber wenn ich dann schon einmal in Kassel bin, nutze ich die Gelegenheit um gleich zwei Filme zu schauen, dabei zwischen den „Palästen“ und öffentlichen Verkehrsmitteln hin und her sprintend, um rechtzeitig zum Start vor Ort zu sein.

Die eiserne Lady (Trailer)

Selten erkannte ich mich in einer Person so sehr wieder. Jeder Satz stimmt, (fast) alles passt. Als sie in der Eröffnungszene einen halben Liter Milch kauft, nicht nur wegen der Demenz die Welt nicht mehr erkennend, hinter sich an der Ladenkasse einen Negroiden wippend zum einfältigen Gewaltsound seines „musikalischen“ Gusto, vor sich die verschmuddelte Ladentheke, herumwankend durch die Stadt, die nicht mehr die ihre ist, da wird in der Figur der über 80jährigen Margaret Thatcher (geborene Roberts), gespielt durch die nie bessere, geniale und völlig unmanieristisch agierende Meryl Streep deutlich, dass hier sowohl die Kunst des Schauspieles, als auch die inhaltlichen Darstellung, zu einer selten erlebten Hochform finden. Noch dazu in einem politischen und völlig unkorrekten Film, im dem Liberalismus und Konservatismus in bestechender Einheit dem Publikum vorgeführt werden. Als sie sinngemäß sagt, das Böse greift um sich und wächst, wagte ich im roten Kassel laut zu applaudieren und war überrascht, das kein Mucks des Widerspruches der 15 weiteren Zuschauer zu vernehmen ward. Schon kurz zuvor, als sie ausrief: „Der Terrorismus muss bekämpft werden,“ zuckte ich kurz, verkniff mir aber einen Laut.

Der Lebensweg der aus einfachen, aber politischen Verhältnissen stammenden Thatcher, war gradlinig. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie im konservativen, methodistischen Elternhaus und ihr Vater, ein Ladenbetreiber, lehrte ihr die Zusammenhänge von Arbeit, Gewinn, Schulden, Investitionen und Redlichkeit. Sie wird sich seiner Worte immer weder erinnern.  Im 2. Krieg wird ihr bewusst, was es heißt, als Volk zusammenzustehen und durch einen Krieg den Feind abzuwehren. Sie studiert, obwohl aus „kleinen Verhältnissen“ stammend in Oxford, wird sich dann früh für die Ehe, aber auch für die Politik entscheiden. Emanzipation der Frauen wird von ihr nicht mit falschen Worten eingefordert, sondern aktiv gelebt – vor allem durch die Leistung. So wird sie die erste Regierungschefin eines westlichen Landes, führt erfolgreich 11 ½ Jahre die Geschicke Großbritanniens und 15 Jahre die der konservativen Partei. Sie saniert erfolgreich das Land, kämpft gegen den Terror und erreicht mit einer „Politik der Stärke“ auch Einsichten und Anerkennung, doch auch extremen Hass und Gewalt.

Wenn sie als alte Frau, die ständig mit ihrem verstorbenen Mann spricht, von einem Arzt über Halluzination befragt wird, setzt sie – im Gegensatz zur Erwartung – zu einer wunderbar klaren Analogie über Gefühle, Gedanken, Handlungen und Charakter an. Zuletzt, als sie, nachdem sie die Kleidung ihres Mannes aussortierte und somit (zumindest im Film) endgültig Abschied von ihm nahm, irrt sie geistesabwesend in ihrer (betreuten) Wohnung herum. Warum mich Mary Louise Streep zu Tränen, Marie Luise Marjan aber nur zur Wut reizen kann, macht den Unterschied zwischen einer Gesellschaft des Mutes und einer der dösigen Verzagtheit, einer geradezu geistigen Syphilis, aus.

Fazit: wer sich für liberal-konservativ hält, aber den Occupys oder Piratten huldigt, sollte in diesen Film gehen, um die Überzeugung einer wahren Konservativen mit liberalem Wirtschaftsprofil zu hören und zu sehen! Eine Diskussion erübrigt sich dann, resp. zeigt, wo die Grenze zwischen Unfug und Realität liegt.

Hugo Cabret (Trailer)

Der Eintrittpreis ist gesalzen, mit der 3D-Optik hat man eine neue Einnahmequelle gefunden, die – ich war zunächst skeptisch – wirklich besticht und zwar auch in Filmen, die eigentlich nicht auf superspezielle Effekte schielen. Aber selbst dieser Streifen mit relativ unspektakulärer, resp. nicht überborden aktionistischer Handlung (Regie Martin Scorsese), zeigt eine Reihe schöner Kamerafahrten und eine Optik, die mit dem neuen Medien interessant spielt.

Der 12jährige Junge Hugo Cabret lebt Anfang der 30er Jahre in einem Pariser Bahnhof (Montparnasse) und wartet die Uhren. Als sein Vater, ein Uhrmacher, stirbt, nimmt ihn sein Onkel auf, der als Uhrenwart im Bahnhof arbeitet und ein verstecktes Quartier inmitten der Uhrenanlage bewohnt. Als der Onkel eines Tages verschwindet, übt der Junge heimlich seine Arbeit aus, letztlich aus Angst, weil der Bahnhofsvorsteher Jagd auf herumlungernde und elternlose Kinder macht und sie ins Waisenhaus bringt. Selten verlässt Hugo deshalb sein Versteck. Bei einem seiner Ausflüge lernt er Georges Méliès (Ben Kingsley), einen der Filmpioniere (zuvor Zauberkünstler) kennen, der, gescheitert und heruntergekommen, einen Spielwarenladen (als Buchhändler in einer kleinen Rolle die fast 90jährige Kinolegende Christopher Lee) im Bahnhof betreibt. Hugo stiehlt sich durchs Leben, aber als er Méliès eine Spielzeugmaus entwenden will, weil er Ersatzteile benötigt, erwischt dieser ihn und nimmt ihm auch sein Notizbuch weg. Dieses Büchlein enthält Zeichnungen eines Schreibroboters, den Hugo versucht wieder in Gang zu setzen. Es gelingt ihm später und der Roboter zeichnet die Mondlandungszene aus dem Jahre 1902 des bekanntesten Filmes von Georges Méliès. Von da an nimmt alles seinen Lauf. Mehr soll hier nicht nacherzählt werden.

Der Film ist eine einzige Hommage an die Anfänge des Kinos, paart Melancholie und einen phantastischen Realismus mit einer etwas gewagten, aber doch schönen Story. Einzig die Darstellung des behinderten Ordnungshüters (natürlich ein Ex-Soldat) im Bahnhof (Sacha Baron Cohen) bleibt fragwürdig. Der Vorwurf, in Hollywood stünden Disziplin und Phantasie auf dem Kriegfuß, lässt sich an diesem Beispiel nicht ganz hinwegwischen. Fragwürdige Verhaltensweisen werden mitunter, zumindest hier, als Gegensatz zum wahren Leben gestellt. Das ist aber selbstredend blödsinnig.

Ein Kinderfilm ist dies nicht, trotz der Freigabe für 6jährige. Andererseits: wenn die infantile Realität die Lebenswelt von Erwachsenen abbildet, kann auch ein Kind in Handlungsstränge, die kaum 12jährige verstehen dürften, geschickt werden. Oder ein Schimpanse Bundeskanzler werden. Oder Peter Maffay eine Deutschprofessur erhalten.

 

11 Kommentare »

  1. Der lange Schatten der Eisernen Lady - http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,822883,00.html

    Kommentar von Campo-News — 21. März 2012 @ 19:23

  2. EF geifert -

    Konservativ-libertärer Bolschewismus: Transen und Bischöfe

    von Fritz Gstättner

    Mit falschen Titten

    In den letzten Jahren konnte ich immer öfter beobachten, dass sich Linksliberale einem schwerwiegenden, ja tragischen Eingriff unterzogen und das politische Geschlecht wechselten: Flocken von politischen Transen durchziehen seither den deutschen Wald. Aus jedem Gleichstellungsbüro dampfen einem die Konservativen entgegen, mit falschen Titten und erfundenen Ansichten, tausendprozentig christlich, militant leitkulturorientiert, auf die Ordnung aus und von sich selbst und der Sendung der kollektiven Geltung des eigenen Allerwertesten so überzeugt wie nur irgendein empörter Sozi.

    In einer solchen Transenkultur gehört das Misstrauen gegen alle und sich selbst zum Handwerkszeug; viele bringen aus der großen kommunistischen Tradition der elegant begründeten Selbstvernichtung dazu gute Voraussetzungen mit. Als alter Bolschewik habe ich mich trotzdem bis heute geweigert, mir konservative Titten aufpappen zu lassen, und nach wie vor verfüge ich über kein christliches Fundament, auf dem ich spazierengehen könnte. Das rote Gift dringt mir aus allen Poren; das Herz schlägt mir höher, wenn ich Bilder mordlustiger kommunistischer Funktionäre aus den 30er-Jahren sehe, und angesichts der Unterdrückung des konservativen Geschwätzes in der DDR bekomme ich ganz feuchte Augen. Ich kann nun einmal nichts dafür, ich bin ein Roter und sterbe als Roter, nur der Verstand hat mich zum Unternehmer gemacht und er leitet mich jeden Tag immer wieder neu dazu an, ein bisschen ernster über Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft nachzudenken und eigenverantwortlich zu leben. Ehrfurchtsvoll lese ich die kultivierte Prosa von Böhm-Bawerk.

    Konservativ müsste man sein! In den letzten Tagen haben sich umoperierte Linke zum Beispiel für Margaret Thatcher begeistert. Diese tolle, konservative Frau! Nur weil sie eine recht anständige Wirtschaftspolitik betrieben und der gemeinwohlschädigenden britischen Gewerkschaftsbewegung eins auf den Hintern gegeben hat; aber auch diese Titten ziehe ich mir nicht an. Nicht allein, weil ich ein alter Bolschewik bin, sondern auch, weil ich ein Gehirn habe. Diese Frau hat Geschichte geschrieben als die erste liberale bürgerliche Politikerin von Weltgeltung, aber sie war ein sehr beschränkter Mensch und entwickelte in ihrer Jugend Softeis, war vollkommen ungebildet und verbreitete einen unguten kulturpolitischen Mief (der dem Mief der heutigen Zeit in seiner „Fortschrittlichkeit“ auf gespenstische Weise ähnlich ist). Der Kniestrumpf-Drachen interessierte sich auch noch ernsthaft dafür, einzelnen Menschen zu schaden, die ihr Mann ihr gegenüber als nett hervorgehoben hatte. Grausig. Wer so etwas toll findet, ist ein echter Demokrat von Weltgeltung. - http://networkedblogs.com/vqWbh

    Kommentar von Campo-News — 22. März 2012 @ 09:39

  3. Nun ist sie tot - http://www.spiegel.de/politik/ausland/grossbritannien-ex-premierministerin-thatcher-gestorben-a-893138.html

    Kommentar von Campo-News — 8. April 2013 @ 13:09

  4. Die Milchdiebin *g*, ein gutes Beispiel für den Irrsinn. Der Focus ruft nach - http://www.focus.de/politik/ausland/tid-30487/stationen-im-leben-von-margaret-thatcher-die-anti-kommunistin-die-die-weltpolitik-aufmischte_aid_955878.html

    Kommentar von Campo-News — 8. April 2013 @ 16:29

  5. Als Margaret Thatcher an die Macht kam, gingen in England die Lichter aus und auf den Straßen häufte sich der Müll. Streik war Alltag. Die Bergarbeiterführer legten das Land lahm. England war der kranke Mann Europas. Die Frau in Downing Street hat damit radikal aufgeräumt. Sie brach die Macht der Gewerkschaften und verpasste dem Königreich eine knochenharte wirtschaftspolitische Modernisierungskur.

    Ich weiß noch, wie ich damals hin- und hergerissen war. Einerseits war klar: In dem Land musste etwas geschehen. So ging es einfach nicht weiter. Und keiner hat sich bis dahin getraut. Andererseits vertrug sich Thatchers radikales Vorgehen nur schwer mit meinem sozialen Gewissen. Tatsächlich aber hat die eiserne Lady ihr Land fit für das 21. Jahrhundert gemacht. - http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/margaret_und_angela

    Kommentar von Campo-News — 9. April 2013 @ 09:39

  6. Cora Stephan über Thatcher und die AfD http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/glueckliche_sklaven

    Kommentar von Campo-News — 17. April 2013 @ 06:52

  7. War sie eine Deutsche ? - http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/war_margaret_thatcher_eine_deutsche

    Kommentar von Campo-News — 2. Mai 2013 @ 18:02

  8. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/david_cameron_ein_wiedergeborener_tory

    Kommentar von Campo-News — 20. Oktober 2013 @ 06:37

  9. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/Sprachlos_in_Washington1

    Kommentar von Campo-News — 24. Januar 2015 @ 17:46

  10. Christoph Waltz, Aschloch - http://www.spiegel.de/panorama/leute/brexit-christoph-waltz-nennt-nigel-farage-oberratte-a-1101370.html

    Kommentar von Campo-News — 5. Juli 2016 @ 12:36

  11. “Das, was einem Jungen nie erzählt wird, war er tun sollte , wenn er möglichst lange Leben will - aber was er tun sollte - ist eine intelligente Frau zu heiraten”, erklärt Lawrence Whalley bei einem Vortrag mit dem Titel “Demenz, wie können wir uns schützen?”. Es gebe keinen “besseren Puffer (gegen Demenz, d. Red.) als Intelligenz”, zitiert der australische Rundfunkanstalt “SBS” den emeritierten Professor der Universität Aberdeen.

    Whalley kann sich dabei auf Forschungen berufen, wonach das Demenzrisiko bei Menschen sinkt, die sich bis ins hohe Alter mental fit halten. Carol Bennett, Geschäftsführerin der Vereinigung “Alzheimer’s Australia” pflichtete Whalley denn auch bei. Es sei wahr, dass ein intelligenter Partner dafür sorge, dass das Gehirn aktiv und beschäftigt bleibe. http://www.focus.de/gesundheit/news/usa-uni-professor-die-intelligenz-des-partners-ist-wichtig-fuer-die-lebenserwartung_id_5795709.html

    https://www.focus.de/finanzen/experten/beispiel-england-und-schweden-der-linken-traum-vom-demokratischen-sozialismus-hat-im-realitaetscheck-versagt_id_8620856.html

    Kommentar von Campo-News — 5. August 2016 @ 15:36

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