Campo de Criptana




10. Januar 2010

Neue Kultur oder: Ein Nazi ist immer dabei

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 09:38

Anknüpfend an mein Büchlein „2022- Schönes Grün – die nicht überleben wollen“, nun dies. Das Buch kann übrigens noch immer auch bei mir bestellt werden und kostet inklusive Versand 9 Euro – mail@tanjakrienen.de

Wer mir als erster mailt, welche Geschichte einen Fehler hat und nicht da hinein passt, der bekommt das Buch kostenlos.

Als ich in dieser Woche durch Dortmund spazierte, entdeckte ich in vielen Aushängekästchen der evangelischen Kirche einen Hinweis, man kämpfe nun gegen den Rechtsextremismus. Immerhin, meist meint ja nur „rechts“, also alles, was nicht explizit ultralinks, besonders trotzkistisch, ist. Da auch in den Medien eine Flut von allerlei Filmchen (meist mit der enorm ausdruckstarken V. Ferries) sich irgendwie mit Nazis befassen, quasi ohne diese nicht mehr denkbar sind, erscheint es möglich, dass die „größte aller Laien“, die ja bekanntlich 2022 Kanzlerin sein wird, ein Verbot sämtlicher Kulturerzeugnisse beschließt, die ohne Nazis auskommen. Um dabei zu helfen, habe ich einmal Grundschemata für alle Lebensbereiche in Literatur, Film und Gesellschaft entworfen.

 

1. Liebesroman/Liebesfilm

 

Hybrid Siffy liebt den schwulen Tiffy. Sein Nachbar, ein Nazi, bekommt Wind davon und tyrannisiert Siffy, in dem er ständig bunte Ballons aufbläst und diese vor dessen Fenster zum Platzen bringt. Daraufhin organisiert Pastor Bräsmann im Viertel einen „Handstand vom Randstand“, der aber auf Grund der polizeilichen Auflagen (auch der Polizeichef ist ein verdeckter Nazi), nicht stattfinden darf. Erst als Pastor Bräsmann durch ein Selbstmordattentat den Nazi beseitigt, steht der Liebe zwischen Siffy und Tiffy nichts mehr im Weg. (Die Verfilmung wurde beim „Festival der Aftershow“ in Köln-Nippes mit dem „Goldenen Stiel an der langen rosa Schleife“ ausgezeichnet. Der Hauptdarsteller konnte leider nicht anwesend sein, da er kurz zuvor an AIDS verstarb. Keiner weiß, wie rum.)

 

2. Abenteuerroman

 

Chantal und Cheyenne Savannah beschließen – natürlich völlig Co2 neutral – eine Weltreise im Zweierkajak zu absolvieren. In der Südsee entdecken sie eine einsame, sehr sehr kleine Insel. Dort fällt ihnen, ganz spontan ein, dass sie nicht mehr zurück wollen. Als sie gerade alles ausgepackt haben und ein schönes Buch lesen („Darüber lacht unsere Kanzlerin“, 4 Seiten, Keksverlag) entdecken sie, dass sie nicht allein auf der Insel sind: der Nazi ist selbstredend schon da! Der terrorisiert das Pärchen mit Rezitationen aus Gedichten der deutschen Klassik und mit Nazi-Regeln „Keinen Lärm nach 22.00 Uhr“, „Aufheben von Zigarrettenkippen“ usw.. Eines Tages schmieden Chantal und Cheyenne Savannah einen Plan und locken den Nazi in einen Hinterhalt. Dabei schlagen sie ihn mit dem zusammengerollten Greenpeace-Heftchen solange auf den Kopf, bis er sich nicht mehr rührt. Sie vergraben ihn während der nächsten Ebbephase und leben glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

 

3. Gesellschaftskritischer Film

 

Enzian und Tenzian betreiben einen Solarpark in Bremerhaven-Südwest. Da es aber immer kälter und regnerischer wird, gehen die Geschäfte immer schlechter. Neidvoll schauen sie auf den bösen alten Herrn Sturrkopf, einem stadtbekannter Nazi, der immer seine Meinung über die „Klimalüge“ herausschrie, wie Enzi und Tenzi, wie sie von ihren Freunde genannt werden, glaubhaft versichern. Der Nazi soll heimlich streng verbotenen Alkohol herstellen und verkaufen. Und das alles nur für eine Frau, munkelt man allenthalben. Alles in allem also ein übler Kerl, eine ganz schwere Nazi-Sau, der auch eines der letzten, benzinbetriebenen Mofas fährt. „Das sollte man einfach mal abfackeln“, denken sich Enzian und Tenzian. Gesagt – getan. Drei Tage später ist es soweit. Beim Versuch zu löschen, kommt Nazi Sturrkopf zwar um, aber das ist nicht schlimm, weil es ja jetzt weniger Feinstaub gibt. Der Höhepunkt des Filmes, ist gleichzeitig sein Ende: ein Öko-Gottesdienst unter dem Motto „Friere auf Erden! Und den Menschen ein Hohlgeknalle!“

 

4. Wissenschaftsroman

 

Im Mittelpunkt steht ein echter Nazi, einer, der sich Naturwissenschaftler nennt. Man bezeichnet ihn als „den Edison-Nazi“, denn er soll heimlich tüfteln und Verbotenes von Darwin, Freud und Einstein lesen. Das kann die staatliche Organisation „Verklärung jetzt“ nach jahrelanger Recherche herausfinden. Die anerkannte Erzählform „Spintisteliguisterei“ führt zu höchstinteressanten Sichten, schafft es doch der Autor Ota Trotl-Otl, in nie bekannter Weise, ein Rührstück epochaler Größe zu schaffen, indem er Nazitum und Aufklärung in grandiosen Bildern entlarvt. Die für das Ministerium „Auflösung der Familien, Seniorenabwrackung und Hybridförderung“ zuständige Ministerin K. Köhler, bekannte, nach dem Lesen des Buches, mache ihr der Kampf gegen jeden Extremismus noch mehr Spaß. Das „Kollektiv zur Bekämpfung der letzten Spaßreste“ stellte daraufhin einen Antrag zur sofortigen „Entstofflichung“ der Ministerin. Als der Nazi-Wissenschaftler gerade eine Versuchsanordnung zur Erprobung eines „Energie-Perpetuimmobil“ installierte, wurde er zwei Wachhybriden überrascht, eingescannt und nach Zentralchina versandt. Der Verband zur Dezentralisierung des Bibliothekswesen erklärte, es sei die allergrößte Pflicht, mit dem hier aufgezeigten wachen Verstand, selbigen endlich abzutöten. Der Autor wurde umgehend zum „Kulturminister für ehemalige Kultur“ ernannt.

 

5. Sexstories

 

Die beiden Transgender Schlaffi und Raffi möchten eine neue gemeinsame Wohnung, weil der alte Vermieter sich über die lauten Geräusche beschwert, die beide immer von sich geben, wenn sie sich hieben. Trotz ihrer Proteste und der Einschaltung des Großen Hybridrates wegen „Ungleichbehandlung“, mussten sie die Wohnung verlassen. „Alles fürn Arsch“ sagt Schlaffi. „Och, heute nicht“, meint Raffi. „Wie?“ fragt Schlaffi zurück. „Hä?“, ist Raffi überrascht. So geht das Stunden. Doch der Leiter des Wohnungsamtes will Ihnen keine neue Wohnung zuweisen, weil er ein Nazi ist. Kompliziert wird der Fall, als Schlaffi ein Verhältnis mit dem Schwein Yinyang eingeht, das biologisch aber eine Ziege ist. Das empfände er, sagt der Leiter des Wohnungsamtes, als nicht mehr zu tolerierenden Zustand. Doch da hat er die Rechnung ohne Raffi gemacht. In einer nächtlichen Aktion tötet er den Nazi. Dessen Nachfolger vom Großen Hybridrat bewertet die Situation völlig anders und so dürfen Schlaffi, Raffi und das Transgenderschwein in die gemeinsame Wohnung einziehen.

 

6. Ökothriller

 

Rasti und Spasti wohnen in einer Bielefelder Landesklinik. Dort überlegen sie, wie die Langeweile vertrieben werden könnte und kommen auf den Gedanken, Eisbären retten zu wollen, weil Schwester Peter ihnen neulich von der Not der Tiere erzählte. So machen sie sich zu Fuß auf den Weg, im Gepäck eine Zuckertüte und eine Packung Dr. Oetker-Eis. Doch sie kommen nur bis Osnabrück, weil sich ihnen dort ein Nazi in den Weg stellt, der sie in die Heilanstalt zurück bringen will. Eine spontane Demonstration des Ortsbündnisses „Kampf gegen rechts und für mehr lecker Wursthaare“, kann dem Nazi die beiden Eisbären-Freunde entreißen. Irgendwo im nördlichen Teuteburger Wald, hat man sie zuletzt gesehen. Ermittler gehen davon aus, dass sie das Speiseeis unterwegs gegessen haben müssen. Die leere Zuckertüte war alles, was man von ihnen fand.


7. Kriegsfilm

 

Günter Grass, Walter Jens, Siegfried Lenz, Helmut Schmidt, Karl Schiller, Dieter Hildebrandt und Egon Bahr liegen im Schützengraben; sagt der Bahr: „Das mir bloß keiner macht kaputt meinen Zarathustra in die Rucksack. Diese Wilden da auf die andere Seite aber auch. Wenn das wisst meine Mame oijoijoi…“

 

1 Kommentar »

  1. Dass ich die Wirklichkeit in meinen Satiren aber immer auch so unangenehm treffsicher vorwegnehmen muss.

    Kommentar von Campo-News — 13. März 2010 @ 14:52

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen

You must be logged in to post a comment.

kostenloser Counter

Weblog counter