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1. Februar 2009

Irrationalität und Freiheit

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 12:38

Da hock ich dann mit einem Transparent
Das man in eingeweihten Kreisen kennt
Es steht nichts drauf es ist nicht rot
Es ist schneeweiß und mancher droht
Seht da der alte Einzelidiot.

Hanns Dieter Hüsch

Wenn der Istzustand bedenklich, das Lösungsangebot unerträglich, die Gesamtgemengelage deshalb kaum Hoffnung zulässt, so ist man geneigt, der Misantrophie verstärkt das Wort zu reden.

Allenthalben verblödet die Umwelt. Es scheint das einzige Gesetz zu sein, auf das beständig Verlass ist. Nicht zuletzt deshalb flieht man voreinander, setzt die persönlichen Debatten aus. Parteien verlegen ihre Kämpfe konsequenterweise ins Internet, sie wissen, dass an öffentlichen Ständen Messer blitzen könnten.

Der Widerspruch zwischen der „Moderne“ und der daraus gebärenden Decadence, tobt überall dort, wo sich noch etwas regt. Doch regen sich die Richtigen? Die Antithesen auf die gesellschaftlichen Zustände sind ähnlich grotesk, wie die Basis der Realität. Ausgerechnet die Verstandesmenschen, die nicht mit den „Vernünftigen“ zu verwechseln sind, kommen nicht zu Wort. Ihre Ration wird bekämpft. Ihr gleichzeitiges Nichtabgleiten in die vorherrschende Decadence, ihre Wahrung des alten aufklärerischen Anspruches, wird ignoriert.

Ein neues religiöses Zeitalter wollen stattdessen die konservativen Gegner der jetzigen Decadence heraufbeschwören, in erster Linie durch einen Rückgriff auf die katholische Lehre. Sie, die traditionell aus dem rheinischen Raum stammen, verkennen, dass sich die jetzigen Zustände gerade WEGEN unterschiedlichster religiöser Spielarten zementierten.

Religion, wohin man schaut: furchtbar fruchtbar

Es wäre dumm, in den Zeiten des Niedergangs auf die katholische Kirche einzuprügeln und sicher gibt es ihr Tendenzen der Bewahrung und eines positiven Menschenbildes. Doch ist sie als Religion der Versöhnung, als Deuter der Lehre Jesus, auch Sinnstifter für den Boden, auf dem ihre, ein besseres Management pflegenden Nachfolger, aufbauen. Besonders die evangelische Theologie hat hier Pfeiler eingerammt, die jene unausgegorenen Lehren, geboren aus der Mitte einer vorzivilisierten Sklavenhalterordnung, ins Unermessliche als moralische Richtschnur etablierte.

Neue, aber ihr durchaus verwandte „Lehren“, die besser mit einem doppelten „e“ geschrieben würden, fanden einen furchtbar fruchtbaren Boden für ihre weitergehenden Relativierungen des tatsächlichen Lebens, seiner Moral, seiner Herkunft – seiner gesamten Existenz. Esoterische und einen versimpelten, vulgärbuddhistischen Hokuspocus verkündende Gruppen, verheerten systematisch das Denken.

In Wirklichkeit aber korrespondieren die religiösen Erneuerer direkt mit den Anhängern jener gutmenschlichen evangelischen Mischpoke und ihren Brüdern, den Esoterikern. Wenn z.B. Harry Potter als gemeinsame Basis angenommen wird, zeigt dies, welche Grundlagen wirken. Außen steht der Nichtverzückte.

Eine Divergenz gibt es nur dort, wo ökonomische Interessen ins Spiel kommen. Ist die „Klimakatastrophe“ in geradezu vorbildhafter Weise ein Exempel für die herrschende Irrationalität und ein kaum verschleierter Religionsersatz, so widersprechen die Neukatholen nur, weil sie ein Bürgertum vertreten, dass möglicherweise ökonomische Schäden davon trägt. Dieser Widerspruch schwächt sich ab, wenn die von ihr vertretene „Mittelschicht“, diesen Religionsersatz nicht mehr als Bedrohung erlebt und für sie die wirtschaftlichen Chancen, jene Risiken übersteigen.

Fast überflüssig bleibt zu erwähnen, dass die sich ihrer Ratio selbstversichernden Mainstream-Demokraten, nicht weniger von unhinterfragt übernommenen „Lehrsätzen“ dominiert werden. Die gesellschaftliche Irrationalität ist fast universal.

Wer die Metaphysik an sich heran lässt, aber nicht religiös wird, bleibt unverstanden. Man will Sentiments vereinnahmen und sei es, durch die Postulierung von Ressentiments.

Keine Aufklärung, kein Nietzsche, aber viel Katholizismus und Russland

Eigentümlich frei wollte man sein – und landete als Gefolgstruppe einer Wiederbelebung des Katholismus und der schamhaften Anbetung des Neuen Putin-Russlands. Der heutige „konservativ-liberale“ Anarchokapitalist liest die Bibel, aber nicht Nietzsche! Der aufklärerische Aspekt ging verlustig, wurde geradezu als Symptom des Niedergangs gekennzeichnet und ward durch neue Glaubensinhalte ersetzt.

Die ehemals an fehlgeleiteten, „demokratischer“ Erscheinungsformen, in frischer philosophischer Überwindung Kritik Übenden, bleiben als missgebildetes Monster zurück, mit sich und ihrer selbstverliebten, infantilen Freude, über die eigene Theorielosigkeit. Als man den Antiintellektualismus ausrief, war das Ende der Utopie sichtbar.

Katholizismus statt Nietzsche, Religion contra Darwin, Medien-Spaß statt Sigmund Freud - mit einem Freiheitsgewinn hat dies nichts zu tun. Kein Kulturansatz ist zu erkennen, der die gesellschaftliche Kritik, durch den Beweis der Praxis belegen könnte. Sie haben keine Lieder, keine Gedichte, keine Belletristik – ja nicht einmal Fahnen.

Dass sich eine kämpferischere Aufklärung ohne Decadence in den letzten Jahren nicht durchsetzte, hat zur Folge, nun zwischen Pest und Cholera wählen zu können.

8 Kommentare »

  1. Es ist schon kurios, da, in dem historischen Moment, da alles auf eine Partei rechts der abgewrackten Mitte wartete, eine weitere links davon entsteht. Und untergeht, denn: so dumm sind die Deutschen nun auch wieder nicht, nicht?

    Das Grundproblem der “Libertären” ist ihre schwankende Existenz jenseits allerorten. Sie plädieren für die Verantwortung des Einzelnen ebenso rigoros, wie sie im selben Moment, diese von sich weisen, wenn ihr persönlicher Einsatz gefordert ist. Sie streiten für eine Zuspitzung des individuellster Besitzdefinitionen, aber duellieren möchten sie sich nicht. Für das eigenen Eigentum tritt man gern, aber doch nicht soviel ein, um es zu verteidigen, wenn auch andere partizipieren.

    Mehr Akkrobatik kann ich jetzt nicht, denn: Fußball will geschaut werden.

    Kommentar von Campo-News — 17. September 2009 @ 20:09

  2. Welche Nutzungsbedingungen erfülle ICH nicht?

    Etwa die “Aus Gründen der Höflichkeit bitten wir alle Diskussionsteilnehmer um die Angabe ihres richtigen Namens.”

    ICH bin doch eine der Wenigen, die das Internet, das die Verbrecherpartei “Piraten” zu dem umfunktionieren will, was andere schon außerhalb schafften, zu einem zivilisatorischen Raum erst einmal umfunktionieren wollen!

    Wo also wäre MEIN Verstoß gegen irgendwelche Regeln rechtsstaatlich handelnder Menschen? Was darf man hier nicht sagen? “FDP-Swuli”? - obwohl das so ist? “Nichtbesitzende Ups-Köpfe” Es ist doch sooo! Und deshalb ist das hier, wie auch bei kewil, alles eine Fakekerei!

    “Ich wollte Schäuble und Zensursula verhindern und dazu habe einen - wenn auch kleinen Beitrag - geleistet. Fast 2,2 % Piratten haben den Herz Jesu- und restlichen Politfaschisten, so auch den Möchtegernliberalen geschadet. Das wollte ich. Denn jede Stimme zählt.”

    Leider! Wenn Sie MEINEN Test, den ich vor Jahren schon vorstellte, hätten durchführen müssen, wären Sie mit einem sehr geringen Faktor zur Wahl zugelassen worden. Sie sind schlicht nicht qualifiziert!!!

    Aber es ist typisch, das einer, der nicht qualifiziert ist, und der “Liberalität” das Wort redet, laut schreit, wenn andere gesperrt werden sollen, die dafür eintreten, dass die gesperrt werden sollten, die nicht qualifiziert sind.

    Vier Jahre konservativ blinken, aber zuletzt das Linkeste wählen, das überhaupt möglich ist - die Verbrecherpartei “Piraten” - das ist schlicht widerlich!

    Es geht überhaupt nicht gegen Westerwelle, sondern widersprechend gegen eine Partei, die längst den Motor der Mainstream Gender-Anmaßungen betreibt und ALLE diskriminierenden Gesetze gegen Transsexuelle mitbefeuerte, aber auch Schwule an den fatalen Rand der Existenz lächerlicher Erscheinungen drängte (wo immer der kritische Blick sie trifft), den die “liberale” Linke einst wies. Es ist schlicht grotesk! Jeder kritische Ansatz wurde zugunsten eines diffusen Mainstream-Daseins aufgegen. Die FDP steht nicht in der Mitte - gesellschaftlich steht sie ultralinks, monetär selbstbezogen, sozial unverantwortlich. Sie ist FÜR Abtreibungen, gegen die verstandesgemäßen Betrachtungen, für die Kultur der Masse, für “Kitas”, für die Ökonomisierung der Frau, für die “Freiheit der Internetuser gegen die Produzenten” - also für alles, für das ef formal bis vor drei Monaten noch nicht war!

    Kommentar von Campo-News — 27. September 2009 @ 20:58

  3. Na selbstverständlich, denn da und vor allem aus der Esoterik kommt es ja her: “Die Bibel, so scheint es, ist so aktuell, dass sie geradewegs ins Grüne Parteiprogramm passt.” Zu Künast - http://www.tagesspiegel.de/berlin/mit-der-bibel-in-den-wahlkampf/4247056.html

    Kommentar von Campo-News — 3. Juni 2011 @ 07:34

  4. Focus: “Inzwischen sieht ein Liberaler bei der Kirche nun Liberalität und Ausgewogenheit den Bach hinunter gehen. „Die evangelische Kirche arbeitet inzwischen fast wie eine Partei“, kritisiert Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow und schiebt nach: „Wir wissen jetzt bei so vielen grünen Parteifunktionären im Kirchengewand auch warum.“ Selbst im Kirchensprengel wird das Ergrünen mit Argwohn beobachtet. „Die Grünen sind nicht nur in Baden-Württemberg und Bremen auf dem Vormarsch, sondern auch auf dem Kirchentag in Dresden“, hat der sächsische Superintendent Arno Liebers aus Leisnig festgestellt. Der frühere DDR-Bürgerrechtler Arnold Vaatz geht mit seiner evangelischen Kirche noch strenger ins Gericht. „Der Kirchentag ist fast eine rein grüne Veranstaltung“, urteilt Vaatz, der heute als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag wirkt. Vaatz konstatiert sogar einen Linksruck: „Meinungen, die dem rot-grünen Milieu fremd sind, werden in der evangelischen Kirche immer mehr stigmatisiert.“ Andersdenkende hätten es schwer.”

    Irrationalität mit Heidegger? - http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13404286/Die-Kinder-von-Heidegger-und-Bionade.html

    Kommentar von Campo-News — 3. Juni 2011 @ 12:12

  5. “Frankfurt, am 9. Juni 2011

    KarmaKonsum Konferenz 2011 ist mit ClimatePartner klimaneutral

    Die KarmaKonsum Konferenz, ein führendes deutsches LOHAS Branchentreffen und Networking-Event, wird auch dieses Jahr durch eine Kooperation mit der Klimaschutzberatung ClimatePartner klimaneutral durchgeführt. Die unvermeidbaren CO2-Emissionen der Veranstaltungen werden durch die Unterstützung von anerkannten Klimaschutzprojekten ausgeglichen.

    Die fünfte KarmaKonsum Konferenz, die am 9. und 10. Juni 2011 in Frankfurt am Main stattfindet, steht unter dem Motto „Empowering a new Spirit in Business beyond Green“. Dabei werden insbesondere soziale, geistige und kulturelle Nachhaltigkeitskriterien und deren Einfluss auf Unternehmens- und Konsumentenseite diskutiert. Die Themen des LOHAS (Personen mit einem Lifestyle of Health & Sustainability) Branchenevents sind gegliedert in die vier Kategorien „Wisdom & Spirit“, „Marketing“, „Lifestyles“ und „Economy & Finance“.

    Durch eine umweltgerechte Gestaltung können die CO2-Emissionen einer Veranstaltung deutlich reduziert werden. Für die restlichen Emissionen, die nicht vermieden oder reduziert werden können, greift der Mechanismus des CO2-Ausgleichs, welcher zur sogenannten Klimaneutralität führt. Dieser bietet die Möglichkeit, anfallende Emissionen durch Zertifikate aus anerkannten Klimaschutzprojekten auszugleichen.

    Klimaschutzprojekte sind Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarer Energie (z.B. durch Windkraft) oder zur CO2-Speicherung (z.B. durch Aufforstung), die durch Emissionsminderungszertifikate finanziert wurden. Durch den Kauf dieser Zertifikate wird die Einsparung einer bestimmten Menge CO2 gewährleistet. Somit reduzieren Klimaschutzprojekte effektiv Treibhausgasemissionen und leisten einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen ökonomischen und ökologischen Entwicklung in Schwellen- und Entwicklungsländern. ClimatePartner ermöglicht die CO2-Kompensation über die Bereitstellung entsprechender Emissionsminderungszertifikate.

    „Die CO2-Emissionen werden bei der KarmaKonsum Konferenz möglichst niedrig gehalten. Beispielsweise besteht das Catering aus vegetarischem Öko-Food und wir bitten die Teilnehmer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Die restlichen Emissionen, die bei unserer Konferenz anfallen, werden mit ClimatePartner klimaneutral gestellt“ erläutert Christoph Harrach, Gründer der KarmaKonsum.

    Kontakt:

    KarmaKonsum
    ÖKO-Lifestyle Marketingberatung

    Kommentar von Campo-News — 9. Juni 2011 @ 14:09

  6. Darum u.a. - http://www.theeuropean.de/christoph-giesa/8972-die-wahren-wurzeln-der-afd

    Kommentar von Campo-News — 10. September 2014 @ 13:36

  7. Verbrecher - http://ef-magazin.de/2014/11/03/5916-terror-islamische-und-vereinigte-staaten

    Kommentar von Campo-News — 4. November 2014 @ 17:20

  8. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_wuetenden_kinder_des_mainstreams_6

    Kommentar von Campo-News — 31. März 2015 @ 09:56

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