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18. Juli 2008

Brecht, die Achsler

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 12:54

Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehlichen Gemahl:
“Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!”

Doch wie es kommt so öfter eben:
Die beiden blieben fröhlich leben.

Christian Morgenstern

Da streiten sich zwei ohne zu wissen, wie die Fische küssen, weil ohne Brecht zu lesen/sehen/hören begreift man nichts, und ihn lesen/sehen/hören will man nicht. Da bleibt dann nur der Wille zu spektakulieren und das Stück (das sicherlich Schwächen hat, weil dieser Kampf schon wegen seiner Ziele Schwächen haben muss) mit der Wirklichkeit so zu vermengen, dass die Kunst in den bodenlosen Zustand versinkt, der längst aufhörte Scham überhaupt zu kennen.

Helene Weigel hätte es als „Courage“ vielleicht so ausgedrückt: „Ja mei, kennens den Brecht nun oda nüch? Sie, Sie kennen den Brecht net, des is so klaor, wie der Fisch, den ich in die Tonn´ hab, vom Kopf her stinkt. Herns mal zu: - - -

Um es ins Hochdeutsche zu setzen: Es ist eine Wohltat, dass dem Brecht die Parteiarbeit nicht so wichtig und bekannt war, wie er vorgab sie zu kennen. Der „Fehler“ liegt darin, dass Brecht die „gute Seele“, die sich aufopfernde Heilsarmee Propagandistin Jeanne d´arc, nein Johanna Dark, für eine durchaus überzeugte Klassenkämpferin hält – nur, in der falschen, weil religiösen Organisation. Sie ist also „noch nicht fertig“.

Unterschlagen wird aber in der Kritik vor allem, dass hier dies in quasi illegale Strukturen und Zuständen passiert. Die „heilige Johanna“ erscheint den „Genossen“ - auf Grund ihres Ansehens in der Öffentlichkeit - als Trägerin der wichtigen Botschaften an die besagten Arbeiter geeignet. Sie soll einen Spitzeldienst erledigen. Das war bei der KPD üblich.

Es war überhaupt üblich Leute mit Aufträgen zu bedenken, die selber sehr unauffällig waren. Das durchzieht den gesamten Widerstand – inklusive seiner künstlerischen Umsetzungen. Das kann Herr Stein als „Kultur“-Springer nicht wissen. Bezahlt wird er dafür Brecht hinter her zurufen, was der schon vorher wusste (als er sich nichtmal in der “marxistische Phase” befand):

„Sturz des Pfundes!

Brasilien schüttet eine Jahresernte Kaffee ins Meer!

In Deutschland werden Börsen und Banken geschlossen!

Der größte europäische Trust verkracht!

Bankinstitute in den Vereinigten Staaten zusammengebrochen!

Bei Ford findet eine Schlacht zwischen Polizei und Arbeitern statt!

(alle Meldungen aus „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“, 1929)

Das Stück sah ich zuletzt im Juni 2003 im Berliner Ensemble mit einer grandiosen Hauptdarstellerin. George Tabori wankte noch durch die Flure, Peymann sprach. Und auch dies – http://www.campodecriptana.de/blog/2005/08/16/287.html

2 Kommentare »

  1. Siehe auch -
    http://www.campodecriptana.de/blog/2007/09/01/907.html

    Kommentar von Campo-News — 18. Juli 2008 @ 13:10

  2. Was sonst noch zu Brecht zu sagen wäre, steht in diesem Beitrag.

    Kommentar von Tanja Krienen — 19. Juli 2008 @ 08:48

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