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20. August 2006

„Fresst Brecht!“, mit anschließendem Brechfest zum Brecht-Fest

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 11:45

Zum 50. Todestag Brechts deklassierten die Brecht-Adep(p)(t)en ihr Objekt endgültig zum Bestandteil der Augsburger Puppenkiste

Von Tanja Krienen

“Wenn ein 20jähriger mir sagt, ihr seid doch gar keine Punks mehr, denke ich oft, dass der noch nicht mal geboren war, als wir die Straßenlaternen eingehauen haben.”

„Campino“, der Nichtpunk - siehe auch meinen Diskussionsbeitrag hier

Haben Sie das auch gesehn?
Haben Sie das auch gesehn?
Nein, wie war das wunderschön.
Ach, wie war das wunderschön!
Oh, wie war das schön.
Ooooh wie war das schön!
Ooooh wie war das schön!
Sowas hamwa lange nicht gesehn!
So schön! So schön!

Kaum hatte ES in diesen großen, gernegroßen Zeiten, auf Plätzen, in Stadion, oder Pissoirs ausgegrölt, schwappte die nächste Welle aus der Kultur - Etablissement Rappelkiste über das deutsche Land, um dann inmitten der Theater und Kleinkunstbühnen über den Akteuren, Aktricen und Allerweltsexemplaren zusammen zu brechen; doch, anstatt abzukühlen, Hirn zu spülen, die Welt zu spüren, wurde totgeredet, sich entblödet, menetekelt, kurz: die Kultur gewürgt.

Der aktuellen Situation geschuldet, musste das große Opfer dieser Tage ausnahmsweise einmal schweigen: Günter Grass (von dem wir jetzt zumindest wissen, warum er das gedoppelte s im Namen trägt). Der einzige ernstzunehmende Brecht-Kritiker, Hellmuth Karasek, zeigte jedoch, dass, als er die angebliche Liaison von Punk und Brecht als „das passt“ charakterisierte, wenig von „Campino“ und seinen „Toten Hosen“, und schon gar nichts vom Punk in Erfahrung bringen konnte, allzumal eine Begründung originärer, oder origineller, partieller tatsächlich vorhandenen Schnittmengen, nicht stattfand.

„Campino“ (seine wirkliche Punkzeit endete bereits vor ziemlich lumpigen 25 Jahren mit dem Ende der Band „ZK“), der in der Brandauerschen Dreigroschen-Inszenierung – die der bislang als Brecht-Kenner unbekannte Conferencier und selbsternannte Komiker T. Herrmanns (Zitat Wikipedia: Thomas Hermanns ist Homosexueller und seit 14 Jahren mit seinem Freund zusammen. Seine Markenzeichen sind sein ungewöhnlich breiter Mund und großbezahnter Oberkiefer, die er von seiner Mutter geerbt hat), wohl eingedenk des Faktes, dass die (toten) Hosen der Akteure dieses Mal noch an blieben und mit ihrer kompletten Entblößung wohl nicht vor den 125. Brechts-Geburtstagstodfeierlichkeiten, wenn die deutsche Kultur ausschließlich vom schwulen Milieu repräsentiert wird, als brav bezeichnete - den Mackie Messer „abgibt“, hatte mit seinen Grimassierungen, die wohl „Zorn“ „symbolisieren“ sollen, wenn sie es schon nicht wirklich sind, auch bei dem (selbst eingestanden) alternden Karasek Eindruck geschunden.

Brecht, in Augsburg 1898 geboren, musste sich dieser Tage durch den Kreidekreis ziehen lassen, aufdass es ein Ekel war. Dieses, so ein paar Feuilletonnisten, die sich stets im Takt halbabsolvierter Dekaden echauffierend entweder über den Text-Klauer, Frauenfreund/feind oder Teilkommunisten äußern, soll Brecht nach ihrem Willen und ihren Vorstellungen selbst gewesen sein, so jedenfalls kicherten oder grimmten sie in den zur Verfügung gestellten Spalten ihrer mäßig bezahlenden Verwurster, über das, was sie selbst nicht haben: Ideen, Mut und Lebendigkeit!

Brechts Dialektik findet für die Helden der „schwarzen Kunst“ dort statt, wohin sie nie kommen: im weltberühmten böhmische Dorf! Seine Gedankenwelt bleibt ihnen graue Theorie, besser: ein Gräuel. Sie nehmen, was sie sehen, und das für die bare Münze, die sie öfter als erlaubt sein sollte selber stehlen, aber ausgerechnet Brecht, dem Schaffenden, beständig vorwerfen. Maßgeschneiderte Maolook-Anzüge, Zigarren, – pah! Dass hier die Punk-Dialektik greift, die Brecht in der Dreigroschenoper - welche eindeutig zu seiner vormarxistischen Phase zu rechnen ist - benennt, als er die „Elenden der Elendesten“ zunächst durch Pechums Laden gehen lässt, wo sie erst das „das Aussehen erhielten, das zu den immer verstockteren Herzen sprach“, sie also ihre Armut „verfeinern“ und zu spielen lernten (womit wir TATSÄCHLICH eine Punk-Attitüde beschreiben) - dies ist eine Interpretierung, die niemandem in den gesättigten, übersättigten, Verstand kommt. Wie denn auch, ohne ihn?!

Auch das Berliner Ensemble feierte ein, DAS, „Brecht-Fest“, welches im Untertitel für den geneigten „Genossen“ gleich mit der erstaunlichen und frohen Botschaft aufwartet: „Ermöglicht durch Mittel der Stiftung Deutsche Klassenlotterie“. Folgerrichtig waren bei dieser offensichtlichen Kultur-Klassen-Verlotterung auch allerlei adäquate Gestalten mit dabei, wie z.B. die weltbekannten Brecht-Interpreten Hannelore Hoger, Alice und Ellen Kessler und sogar jener formlose, aber dafür kettenrauchende Transvestit, der sich Georgette Dee nennt. Im Rahmenprogramm kamen auch noch die obligatorischen Allzweckwaffen der Sparte „Nostalgisch Nachdenkliches und Heiteres mit Gesang“, Dominique Hor(ror)WITZ und Max Raabe, sowie SED-Bürgermeister Wowereit zu Wort.

Aber dann: Milva! Fein, wie sehr sie sich quälte! Schön, wie sie uns in gewohnter Form zeigte, wie man Brecht NICHT spielt. Das rote Haar lang und ebenso breit nach hinten abgelegt, jedes noch so belanglose Wort dramatisch in den Saal schmetternd, jede noch so seit 1000 Jahren tote Pose dem letzten Brecht-Fan brüskierend auf die schon längst ermattenden Pupillen schleudernd, röhrend, heischend, polternd und „schön singend“ - strebend nach demselben Applaus, der mit dem WM-Endspiel auf den Straßen erstarb. Nur, dass sich die Kurzohren und Augenstieler - im Parkett, als auch im Rang - nicht die bunten Farben ins Gesicht drückten (die obligatorischen Alltagsmasken reichen für diese Aufgabenstellung locker aus). Bunt ist die Brecht-Welt - und laut ihre „Darsteller“. Endlos fließen Subventionen, siehe oben, auch von der Wetten-Mafia, gegen die der Räuber Mackie Messer, ein armseliger Probierer ist.


Lotte Lenya

Was ist eigentlich die Gründung der Deutschen Klassen-Lotterie gegen die Ausraubung einer Lotto-Filiale? Lacht jetzt die Brecht-Publik-Kummerer-Vereinigung? Eben noch, hatten sie kokettiert, Brecht sei modern, weil der Satz aus der „Threepennyopera“ „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ so sehr für Brecht stehen würde. Sowie: „Ich lass mir den Krieg von euch nicht madig machen“ (Mutter Courage)? Oder ist es nicht doch viel mehr so, dass Brechtsche Figuren nicht Brechts Meinung zwangsläufig wiedergeben, sondern die Äußerungen so dialektisch zu verstehen sind, wie es „die Genossen“ und die mit ihnen schwanger gehende „Kultur“-Schickeria, jener Bankett-Revoluzzer am Schweinshaxenbüfett, partout nicht kapieren wollen oder können?! Wenn die in jüngster Zeit viel zitierte Phrase von eben jenen Allesfressern „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ exact und 100% als Brechts korrekte Beschreibung, resp. Einschätzung der Weltphilosophie richtig wäre, ist es auch die immer wieder kehrende „Mahagonny-Losung“ „Erstens vergesst nicht kommt das Fressen, zweitens kommt der Liebesakt, drittens das Boxen nicht vergessen, viertens Saufen laut Kontrakt, vor allem aber achtet scharf, das man hier alles dürfen darf!“ - und wie bitte ist das zu verstehen? Dass die Welt aus Saufen, Boxen, Fressen und Ficken besteht, und jeder darauf achten soll, sogar scharf darauf achten soll, dass dies beständig geschehe? Wie ist hier die Dialektik? Rechtfertigt Brecht Bankeinbrüche, sämtliche Laster, Kriege im allgemeinen? Wenn der „Fressen ohne Moral-Satz“ richtig ist, ist es auch der nachfolgende aus der Dreigroschenoper, nach dem der Mensch den Menschen „auszieht, peinigt, abwürgt und frisst“? Und: Sollen wir das jetzt alle machen? Tausende Äußerungen erst ergeben den ganzen Brecht – nichts will eindimensional wörtlich genommen sein. Wer dies macht, karikiert Brecht. Wer nicht dialektisch denkt, begreift: nichts!

Sie haben also nichts begriffen. Karasek irrt jedoch mit freundlicher und grundsätzlich richtiger Haltung. Seine Wertung, zwar nicht im Focus, jedoch in einem Fernseh-Interview geäußerte Auffassung, der Galilei sei nicht mehr aktuell, weil man heute keinem Menschen mehr erklären müsse, dass die Erde sich um die Sonne drehe, ist jedoch falsch, nicht zuletzt, weil die alten Kämpfe der Aufklärung, wie man auch an dem Darwin-Disput (nicht nur in den USA) sieht, noch immer nicht endgültig entschieden sind. Vor allem aber, weil ein Lehrstück nicht an seiner Aktualität, sondern an seiner methodisch und didaktischen, sowie auch dialektischen Wirkung und Struktur gemessen werden muss. Karasek wies ja selber darauf hin: Wenn der Papst, während er seine Gewänder anlegt, seine Meinung verändert je „offizieller“ er wird, zeigt dieser Vorgang die Qualität der Darstellung des Begreifens – selbst wenn es um die Belehrung zu Belehrender über den banalen Fakt ginge, das Feuer existiert und dabei brennt und schmerzt, wenn man die Hand hineinhält.


Ernst Busch als Galileo Galilei

Brecht lebt, besser: sollte leben. Wenn die Faulheit und Denkfähigkeit von Schauspielern, Regisseuren und Publikumsdarstellern, die Lüge und Unzulänglichkeit in der Darstellung benötigt und hervorbringt, so ist dies schwer zu ändern. Ein Anfang ist gemacht, wenn wir diese Wahrheit benennen, auch wenn sie schon wie Asche in unserem Mund ist. Das gilt natürlich auch für den Weg zum Frieden, der weder – nach Brecht – ein rein pazifistischer, noch ein widerspruchsfreier sein kann. „Episches Theater“! – keine billige Katharsis, und die, werte Kessler-Zwillinge und Tuntenclowns, allerliebste und mir nur zu billige Feuilleton-Schreiber, hat nichts mit der im Folgenden erwähnten Stadt zu tun.

Das große Kathargo führte drei Kriege
Es war noch mächtig nach dem ersten
Noch bewohnbar nach dem zweiten
Es war nicht auffindbar nach dem dritten.

Bertolt Brecht

27 Kommentare »

  1. Hallo Tanja,

    Was erwartest du von einer Lukas Leuenberger Produktion?
    Innere Qualität?
    Der Fetischist der Originalschauplätze lies seinen Weimarer Tell auf dem Rütli von 2004 durch den SVP-Bundesrat Blocher sponsoren, ist doch klar, dass der Schützling des Rechtsbürgertum einen Brecht mit nem Pseudopunk wie Campino kastrieren würde.

    Willst du etwas über die finanziellen und künstlerischen Desaster von Lukas Leuenberger finden google unter Lukas Leuenberger, Schwarze Spinne (Keremias Gotthelf), Landesverräter Jeanmaire, Originalspielplätze und du wirst sehen, warum diese Adepten nicht anders konnten als zu versagen.

    Erik

    Kommentar von Erik — 21. August 2006 @ 08:56

  2. Hallo Erik!

    Normalerweise sind die Produzenten ja nicht diejenigen, die einem Werk die Spielweise aufdrücken. Aber ich habe das Stück ja nicht gesehen und würde es möglichwerweise sogar im Kern verteidigen, denn: Wenn Brandauer vorgeworfen wird, er habe zu betulich und brav ja sogar - böse, böse - “konventionell” inszeniert, so deute ich diesen Protest dahingehend, dass er recht “werktreu” geblieben ist - und wenn ich eines nicht abkann, dann sind das “moderne Theaterexperimente”.

    Meine Kritik bezieht sich auf den leeren Brecht-Kult besagter Philister, die immer wieder unterschiedlichste Alltagserscheinungen mit “die da oben sind schuld” und anderen Phrasen kommentieren, doch damit nur an der ihnen bekannten Oberfläche kratzen. Tiefer wollen sie nicht schauen. Sie sind deshalb flach und eindimensional.

    Brecht war das trotz politischer Fehler nicht, insofern ist deine Bemerkung sehr treffend, man habe ihn “kastriert”, geistig, wie man hinzufügen muss. Auch greift die Rechts-Links-Schablone nicht, denn Brecht hat nie wirklichen Sozialkitsch betrieben (seine Vereinfachungen sind meist der darstellerischen Kunst geschuldet), und ich wies ja auch z.B. auf die Bettler-Einkleidung in Pechums-Laden hin. Die Armut wird dort zur Travestie - fast so wie heute!

    Auch sind die anderen Figuren in der Dreigroschenoper gar keine, die der gemeine Linke so gern haben dürfte. Seit wann mag er Huren? Seit wann diese Art Jennys, “die Seeräuberbaut”? Aber gerade deshalb wurde Brecht ja auch nie von biederen Pseudomarxisten, den Parteileuten, geliebt, sondern eher von der “linken Opposition”. Brecht, Busch, Eisler und Co, waren nie Mainstream in der DDR - dies wurden die Oktoberclub-Pfeifen, und später diese überaus schäbigen, hässlichen, dumpfen, uninnovativen, überflüssigen, abschäumigen, selbst für Galeeren noch zu schmutzigen Schlagersusen und “Rock”bands, denen ich nur zu gerne auch noch ein Stigmatisierendes “ostzonal” aufzukleben gedenke. Eine schauderhafte Kultur, diese “realsozialistische”. Das wirkt nach - bis heute. TK

    Kommentar von Campo-News — 21. August 2006 @ 10:24

  3. Hallo Tanja,

    Lukas Leuenberger hat früher eben nicht nur produziert sondern auch gerade Regie geführt.
    Er ist ein typischer “Event”-Künstler, darum auch seine Wahl Brandauers und Campinos.
    Die Verisse in der Schweiz bezogen sich doch eher auf das Schultheaterhafte als auf Werktreue-mässiges.

    Die Kritik der NZZ ist momentan im Internet noch frei verfügbar, und es ist lustig, wie dem Campino eben gerade seine Manierlichkeit vorgeworfen wird, nicht seine sängerische Leistung etwa, sondern sein gar braves linkisches Auftreten, in der heutigen NZZ sind die enthsiastischen Publikumsmeinungen gemäss dam Produktionsbüro noch mal aufgelistet.

    Ja, ich halte Brecht auch nicht für einen orthodoxen Marxisten, trotzdem verstehe ich nicht, dass er nach Ostdeutschland ging, aber als Mitte-Linksler werde ich wohl immer ein Problem mit all den Sartres und wie sie alle hiessen, die an die Sowietunion glaubten.

    Erik

    Kommentar von Erik — 21. August 2006 @ 12:13

  4. Hallo Erik!

    Wenn er “linkisch” wirkte, liegt das halt vor allem daran, dass er ein “Laie”ist. Einem bemühten Amatuer würde ich dies z.B. im Rahmen einer Schulaufführung nicht vorwerfen. Schlimm ist dabei erstens, dass man so einen ungelernten Stümper - schon ein Beweis, wie ernst man Brecht nimmt - für eine derartige Rolle verpflichtete, und zweitens, dass dieser auch noch stolz darauf ist und auch nicht im Ansatz glaubt, er müsse an sich arbeiten, also nicht einmal die Rolle eines Lehrlings annimmt und denkt, er könne den Mack mit seiner bluffenden Punkfake-Attitüde verkaufen. Drittens aber, und das ist entscheidend, stört das Gehabe, das Gerede außerhalb des Bühnen-Arbeitsplatzes - er sollte seinen Mund halten und nicht etwa pseudorrrrevolutionäres Zeug in Texte hineinpretieren, die er nie geschmeckt hat, weil sie seinem Geschmack nicht wirklich entsprechen. Wer die historischen Besetzungen des Mackie Messer und die Rolle etwas kennt, weiß, dass er als “Gentlement-Räuber” angelegt ist - dem kommt man nicht durch “Rotzerei” bei und auch nicht, in dem man einen Streifenanzug anzieht und Melone - wie zum Hohne - aufsetzt.

    Warum mag ich Campino nicht? Nun, weil er, sowie auch “die Ärzte”, zwei Generationen nach Leben gierender Hohlköpfe mit einem Infantil-Punk-Verschnitt hinters Licht führte und dabei unendlich viel Unsinn daher redete - bis hin zu seiner Schmähung des FC Bayern, und seiner Parteinahme für Fortuna Düsseldorf (wenngleich dieser Klub nicht ganz so übel ist, wie der Nachbar, der ekelhafte, aus Köln).

    Sartre ist für mich aus anderen Gründen diskreditiert. Seine Entschuldung der RAF wiegt schwerer.

    Wohin sollte Brecht, mit dieser Biographie, gehen? Er glaubte wohl an den sozialistischen Neubeginn, aufbauend auf dem Intellekt der Verbannten, nicht der schnell die Farbe wechselnden und freigesprochenen, sowie der Apparatschiks mit hässlichem Kalkül. Naja, vieles wäre dazu einschränkend und widersprechend zu sagen. Wenn mich mein lexikalisch anmutendes Gedächtnis nicht trübt, war Brecht nie Staatsbürger der DDR. Sowie Eisler, der nie seinen österreichischen Pass abgab. Busch warf Ulbricht das vor die Füße, was mehr wert war, als ein Pass: Das Parteibuch! Die Partei hat immer die am meistes verachtet, die ihr kritisch nahestanden, nicht ihre wirklichen Gegner. Erstere hat sie ausgeschlossen, ausgewiesen, maltraitiert - mit Letzteren hat sie Geschäfte gemacht oder zum “Singen” eingeladen. TK

    Kommentar von Campo-News — 21. August 2006 @ 14:59

  5. War ja klar, dass nur in Spanien Brecht richtig geehrt werden würde und die ganze übrige Welt mal wieder voll in der Tonne sitzt, auf dass Krienen sie dort per verschubbeltem Nebensatz daraus befreie. Daneben - wie immer.

    Kommentar von Der fiese Stalker — 24. August 2006 @ 06:06

  6. Jaja, ist es doch bekannt, wie ich die spanische Hochkultur zu schätzen weiß, gell? Selbst meine Nebensätze, ja ein einziges Wort, und sei es “da”, beinhalten mehr Informationen, als alle deine öden und lügnerischen Pamphlete, Schmidt!

    Kommentar von Campo-News — 24. August 2006 @ 07:35

  7. Diesen Kommentar gibt der Hetzer nicht frei:

    “Besonders witzig ist das, Schmidt, weil ich den Text vor rund einer Woche während eines Regenschauers und 18 Grad Außentemperatur in meiner hessischen Zweitwohnung schrieb. Übrigens kritisierte ich nicht das, was auf den Suchenden prasselte und einigen wohl das schmale Hirn endgültig zerschmetterte, sondern, eine längst fündig gewordene kritisierte GANZ KONKRETE Erscheinungen, die selbstverständlich einem wie dir, Schmidt, nicht auffallen, denn: dazu bedarf es Antennen, Wissen und Gefühl, zuallerst aber die Fähigkeit dies im Kopf zu ordnen und jene so seltene Kunst, dies auch beschreiben zu können.” TK

    Kommentar von Campo-News — 25. August 2006 @ 10:41

  8. Na bitte: Schreibwn kannst du nicht.

    Kommentar von A.S. — 31. August 2006 @ 23:32

  9. Menschenkinds Schmidt, was bist du peinlich. Aber Göbbels hast du gelesen, weißt, wie man das macht, nicht wahr?

    Kommentar von Campo-News — 1. September 2006 @ 08:35

  10. Tanja, versuch es mal mit kürzeren Sätzen. Wer so schreibt, kann nichts verstanden haben.

    Kommentar von Rolf — 4. September 2006 @ 01:06

  11. Herr Rolf,

    In der Kürze fliegt die Würze in die Schürze.

    Mit solchen platten Behauptungen beweisen sie nur eines, dass sie zum Argumentieren zu faul sind.

    Erik

    Kommentar von Erik — 4. September 2006 @ 08:10

  12. Rolf - mit welchem Satz hast du Probleme? Ich kann nicht glauben, dass du das nicht verstehst! Eingeschobene Satzstücke, Klammern, Gedankenstriche - der heutige Tages-Journalismus, dem sich die Geschwader der BILD-Kopisten unterwerfen, braucht das alles nicht, und so gelten nur die mit dem Stil “kurz”, “prägnant” und “volksnah” als drucktauglich (Nischen nicht ausgeschlossen). Was also hätten die Kurz-Sätzler uns zu sagen? Nicht viel, so meine ich, verzichten sie doch auf die ganze Palette der Stilmöglichkeiten und erinnern mich an einen Künstler, der auf schwarz und weiß verzichtet, und also meint, allein “bunt” zu sein wäre irgendein Vorteil von Wert. Aber bitte konkret: welcher Satz macht dir Probleme, und worin glaubst du, manifestiert sich dadurch deine subjektive Einschätzung, ausgerechnet ich, die ich doch Sätze schreibe von denen du vorgibst sie nicht zu verstehen, hätte nichts verstanden, am Signifikantesten?

    Übrigens: Mit ihrem Hang zum Drei oder Fünf-Wort-Satz, machen diese Leute entscheidende Fehler, die schwerer wiegen als meine (die mir auch schon einmal unterlaufen), beenden sie doch oft Sätze dort, wo der Nebensatz beginnen müsste, aber ersichttlich fehlt, oder machen Sie einen Nebensatz zum Hauptsatz, in dem überhaupt der Bezug zum Subjekt nicht gegeben ist, weil das nämlich im drittletzten Kurzsatz stand, den der dumm geschulte Leser längst schon wieder vergaß. TK

    Kommentar von Campo-News — 4. September 2006 @ 13:10

  13. Ich hab’s nicht gesehen, obwohl ich doch gleich vor Ort wohne.

    Den Medienkrawall habe ich aber mitbekommen, und Eriks Anmerkung via NZZ, dass Campino so ein Anbiederer ist, das trifft es nebenbei ganz gut. Der war schon in den frühen 80ern so, als ich neben ihm im Düsseldorfer “Ratinger Hof” manchmal zu viele Biere vertilgt habe (immerhin Einbecker, das Alt war da nicht zu ertragen, war glaub ich Gatzweiler). Du solltest aber, werte Tanja, “Die Ärzte” und “Die toten Hosen” nicht auf eine Stufe stellen, das nur nebenbei. (Denn Dirk Felsenheimer ist eine andere Gewinnspielklasse als Campino).
    Jetzt noch mal zum Brechtrummel: Aus “gegebenem Anlass” kam im Fernseh so ein Film über Brechts letzten Sommer, so hiess das wohl, und da habe ich mich an einen Leserbrief erinnert, den du, Tanja, mal an die “konkret” geschickt hast, ja, der Brechtdarsteller war eine, ich muss dir Recht geben, gnadenlose Fehlbesetzung, na wer? der Bierbichler…

    Kaum zu ertragen, das Machwerk…

    Kommentar von hegelxx — 14. September 2006 @ 10:59

  14. Ich weiß nicht: Ich finde sogar die Hosen etwas besser als die Ärzte, die für mich überhaupt keine Substanz haben - ich weiß gar nicht was die wollen, was das soll…

    Hm, der Bierbichler macht den Brecht gar nicht schlecht, er sollte nur nicht soviel dummes Zeug quatschen, vor allem nicht über Georg Kreisler. TK

    Kommentar von Campo-News — 14. September 2006 @ 11:05

  15. Der Bierbichler ist viel zu korpulent, um den Brecht zu geben.

    Was er seinerzeit gegen Kreisler gekontert hat, war ebenfalls dummes Zeug.

    Aber vielleicht wäre es noch besser gewesen, Veronica Ferres hätte die Ruth Berlau gegeben… und Alfred Edel sel. die Gesamtstasi. Das wäre dann ein klasse Film! haha!

    Ich weiss ja, dass du auf vermeintlich “irres Zeug”, wie es “die Ärzte” verbreiten, mit Vorbehalten reagierst, irgendwie verständlich, ja, aber das hat mehr Qualität als “eisgekühlter Bommerlunder”, “Hier kommt Alex” und was weiss ich…

    Alleine “Geschwisterliebe” von den Ärzten, das könnte man heute, fast 20 Jahre später, gar nicht mehr bringen… sofort würde man weggesprengt (medial).

    Warum nur bist du seit etlicher Zeit so ernst, ich glaube das ist auf Dauer schädlich… Du kannst doch auch anders! Mach es!

    Kommentar von hegelxx — 14. September 2006 @ 11:22

  16. Brecht war zum Schluss recht füllig.

    Die Ferres soll besser ganz aufhören.

    Die Hosen waren anfangs noch halbwegs akzeptabel - siehe “Opel Gang” etc. - die Ärzte sind einfach nur infantil.

    Warum ich so ernst bin habe ich doch mit Kreislers Versen beantworten:

    Ich soll immer was Lustiges schreiben.
    Aber das lass ich vorläufig bleiben,
    weil ich nirgends, egal, wo ich gehe,
    auch nur irgendwas Lustiges sehe.
    Und da biegt sich mir die Feder nicht,
    es laufen meine Räder nicht.
    Was ich auch schreibe, schwemmt die Wahrheit fort,
    und jede Pointe verdorrt.
    Doch die anderen leben wie immer.
    Und sie schreiben wie immer, nur dümmer
    usw.

    Anstatt schon vormittags zu schreiben, habe ich heute schon wieder mehr als zehn Km absolviert - das ist besser.

    Kommentar von Campo-News — 14. September 2006 @ 11:27

  17. Was ich noch sagen wollte: “Fresst Brecht” oder die Bemerkungen zu Grass sind doch keineswegs staubtrocken, da hat sich nichts geändert. Auf das Spielerische nebenbei, sozusagen, habe ich jedoch derzeit keine Lust. TK

    Kommentar von Campo-News — 14. September 2006 @ 16:44

  18. Nun war die “Gala” gestern in 3 sat zu sehen - komischerweise fehlten einige angekündigten Darsteller.

    Prinzipiell war alles noch schlimmer, als ich es in dieser Polemik, ahnte (hatte zuvor ja nur einige, besser wenige, Ankündigungs-Werbeschnipsel gesehen).

    Ein paar Fragen drängen sich auf, z.B.:Warum untersagen die Erben Kurt Weills nicht die Interpretation seiner Lieder durch eine die Medusine Milva? Eine Kritik kann hier im Detail gar nicht erfolgen, weil: es ist ja auch nicht möglich die Mimik einer Vroni Verriss zu beschreiben (warum fehlte sie eigentlich bei dieser epochemachenden Aufführung)?

    Die Gipfel des Wahnsinns ganz am Anfang: Max Raabe und Dominique Horwitz. Wie der eine den Zuhälter MM wie einen bleich-flötenden Ballett-Eleven im Schwulen-Kabarett brachte (nur zwei Strophen sang, weil er die zweigeschlechtlich angelegte Ballade nicht zu interpretieren vermochte) und der andere Brecht so verrockte, dass es die Peinlichkeit nicht zu ertragen ward - das darf als Maßstab für Ermordungsversuche an Brecht gelten.

    Lichtblicke gab es, die zuvorderst durch die Texte Brechts entstanden. Hervorgehoben sei hier die Interpretation des “Kinderkreuzzugs” durch Therese Affolter:

     Auszug

    Ein kleiner Jude marschierte im Trupp
    Mit einem samtenen Kragen
    Der war das weißeste Brot gewohnt
    Und hat sich gut geschlagen.

    Da war auch eine Liebe.
    Sie war zwölf, er war fünfzehn Jahr.
    In einem zerschossenen Hofe
    Kämmte sie ihm sein Haar.

    Die Liebe konnte nicht bestehen
    Es kam zu große Kält:
    Wie sollen die Bäumchen blühen
    Wenn so viel Schnee drauf fällt?

    Da war auch ein Begräbnis
    Eines Jungen mit samtenen Kragen
    Der wurde von zwei Deutschen
    Und zwei Polen zu Grab getragen. –
     

    Protestant, Katholik und Nazi war da
    Ihn der Erde einzuhändigen.
    Und zum Schluß sprach ein kleiner Kommunist
    Von der Zukunft der Lebendigen.

     

    Kommentar von Campo-News — 21. Januar 2007 @ 09:03

  19. So ist es, das Tote Hosen-Milieu, diese Helden für die Dummen: Es gab Phasen, da rief er mehrmals am Tag an, weil ihm wieder etwas eingefallen war, zuletzt häufig aus irgendwelchen Emiraten am Golf, und es machte Spaß, ihm in seiner Begeisterung zuzuhören. - http://www.spiegel.de/kultur/musik/die-toten-hosen-manager-jochen-huelder-gestorben-a-1013276.html

    Kommentar von Campo-News — 16. Januar 2015 @ 14:10

  20. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/fotokopien_einer_ausstellung

    Kommentar von Campo-News — 6. Februar 2015 @ 08:51

  21. Bertolt Brecht - Kleines Lied

    Es war einmal ein Mann
    Der fing das Trinken an
    Mit achtzehn Jahren und -
    Daran ging er zugrund.
    Er starb mit achtzig Jahr
    Woran, ist sonnenklar.

    Es war einmal ein Kind
    Das starb viel zu geschwind
    Mit einem Jahr und -
    Daran ging es zugrund.
    Nie trank es: das ist klar
    Und starb mit einem Jahr.

    Daraus erkennt ihr wohl
    Wie harmlos Alkohol…

    Kommentar von Campo-News — 17. Februar 2015 @ 18:22

  22. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/lob-der-monarchie-kolumne-von-jan-fleischhauer-a-1028453.html

    Kommentar von Campo-News — 14. April 2015 @ 16:42

  23. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/salzburger-festspiele-mackie-messer-von-julian-crouch-a-1047736.html

    Kommentar von Campo-News — 12. August 2015 @ 13:54

  24. Text 1: Aufruf an die jungen Maler! (1920)

    Ich bin durch einige Ausstellungen durchgegangen und habe mir die Mühe gemacht, euer Elend auszuhalten, und habe mir gedacht: Es macht nichts, wenn die da verrecken, sie können noch einen Fußtritt haben. Aber dann fiel mir ein die große Menge derer, die von einer Leiche nicht fett wird, die gewaltig vielen Augen, die nicht gesättigt, die Gehirne, die nicht besänftigt oder erregt werden, wie es sich gehört, und ich überredete mich, euch zu verzeihen.

    Ich sehe euch auf einem kleinen Bezirk weiden, auf dem kein Halm mehr wächst, große dumme, muhende Kälber, und ihr seid eher bereit, eure Mägen und Darmsysteme umzuarbeiten, als den Bezirk neuem Gras zu überlassen, das eure viel zu vielen Hufe am Aufkeimen hindern. Ihr wollt lieber Luftfresser werden oder pflanzenartige Ungeheuer neuer Art als den Bezirk verlassen, auf dem eure Mütter gestorben sind, um ihn fürderhin mit ihrem Aasgeruch zu verpesten.

    Ich sage nicht, daß die alten Meister schlecht gearbeitet haben oder ihre Aufgabe nicht erfüllten. Ich glaube nur, daß sie ihre Aufgabe so vollständig erfüllten, daß ihr euch schämen sollt, auf die alten Fragen immer wieder eine andere Antwort finden zu wollen, anstatt neue Fragen zu stellen.

    Es ist gewiß peinlich, alle Wiesen immerzu grün sehen zu müssen, nur weil meine Eltern beschlossen haben, sie sollen grün sein. Es ist nett von euch, wenn ihr sie blau malt oder weiß, aber ich meine: es genügt nicht. (Faustschläge sind besser als Langeweile, weil Langeweile schlechter als alles übrige ist.) Ich empfehle euch das Gegenteil.

    Ihr sollt unsre Gewohnheiten malen. Ihr habt jahrhundertelang die Gewohnheiten derer gemalt, die ihr maltet. Eure letzte Mode war: eure eigenen Gewohnheiten zu malen. (Die Resultate waren für den Arzt und den Masochisten ergiebig!) Ich rate euch: die Gewohnheiten derer zu malen, die eure Bilder anschauen müssen.

    Ich weiß nicht, wer von euch nur sich selbst befriedigen will, nicht das Publikum oder nicht auch das Publikum. (Dem bringe ich das Evangelium.) Allen andern bringe ich (auch) das Evangelium: denn wenn man tut, was man nicht lassen kann, ist es anständig zu wissen, daß man es nicht lassen kann.

    Wenn ihr also das Herrische malt, ist es anständig für den Beschauer: zu wissen, daß er es nicht lassen kann, Brust herauszudrücken und den Kopf in den Nacken zu werfen.

    So schmeiße ich euch die Historie hin: Freßt sie, Kinder! Aber schluckt nicht eure eignen Zähne mit hinunter! http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/brecht01.htm

    Kommentar von Campo-News — 7. Juni 2016 @ 12:31

  25. Die Herosisierung des Asozialen - https://www.youtube.com/watch?v=2RsEOTC2cug

    Kommentar von Campo-News — 21. März 2017 @ 07:27

  26. https://www.pi-news.net/2017/03/tote-hose-campino-haette-pegida-teilnehmern-am-liebsten-auf-die-fresse-gehauen/

    Kommentar von Campo-News — 29. März 2017 @ 05:52

  27. Allerdings waren nicht alle restlos glücklich: Nach der Kritik von Satiriker Jan Böhmermann an der Echo-Verleihung erwiderte Toten-Hosen-Sänger Campino auf der Bühne: “Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das sich nicht konstruktiv einbringen kann”. Er sprach auch von “Böhmermannschem Zeitgeistgeplapper”.

    Böhmermann hatte kurz vor der Gala in seiner Sendung Neo Magazin Royale von “seelenloser Kommerzkacke” gesprochen, die der Echo immer wieder ehre. Dabei nahm er besonders den zweifach nominierten Sänger Max Giesinger aufs Korn. Bereits 2014 hatte Böhmermann sich auch über Campino lustig gemacht. http://www.spiegel.de/kultur/musik/echo-2017-campino-nennt-jan-boehmermann-arschloch-a-1142247.html

    http://www.express.de/news/promi-und-show/echo-2017-das-sagt-max-giesinger-zum-boehmermann-bashing-26675646

    Klasse Böhmermann! - https://www.youtube.com/watch?v=L-MRZReG7yo

    Eckh. Franke Rettet B.B.!

    X Nein, was Castorf da aus Bertolt Brechts Stück „Leben des Galileo Galilei“ auf die Bühne des Brecht-Theaters in Berlin gebracht hat, war für Viele nicht auszuhalten. Um uns herum lichteten sich die Plätze schon vor der Pause.

    Der geniale Galileo Galilei, um seinen Unterhalt kämpfend, verbessert ein Fernrohr. Mit diesem Instrument gelingen ihm 1610 Beweise, die das Weltbild widerlegen, in dem alles sich um Gott und seine Schöpfung, die Menschen, dreht. Die Kirchenfürsten drohen mit dem Scheiterhaufen, unerwartet widerruft Galilei. Er kann deshalb seine Forschungen fortsetzen und sie nach Holland schmuggeln lassen, wo sie veröffentlicht werden. Der moralisierende Kleinbürger Castorf kann diese List nur als Verrat empfinden und konfrontiert bewusst den Originaltext Brecht – hervorragend gespielt von Jürgen Holtz als Galileo – mit Schreierei, Kotzerei, Szenen des Wahnsinns des erklärten Anarchisten Artaud. Als Frau Sarti (Haushälterin Galileos) im wahrsten Sinne Scheiße frisst, verlassen die ersten Zuschauer das Theater. Dem wissenschaftlichen Theater von Brecht setzt Castorf bewusst das metaphysische und mystische des Herrn Artaud entgegen, dessen Kritik am Kapitalismus steckenbleibt im Blick zurück anstatt nach vorn. Unfähig zur Negation der Negation des Bestehenden, also nach vorne zum echten Sozialismus, sucht er Erlösung im Ritus der schwarzen Sonne der Tarahumara-Indianer Mexikos, die mit der Droge Peyote die Welt beschwören anstatt sie zu verändern.

    Es hätte noch ein Schuh draus werden können, hätte Castorf dem Publikum gezeigt, wie wir mit Brecht auf der Grundlage des dialektischen Materialismus den rückwärts gewandten Inhalt von Artaud überwinden können. Das wäre hilfreich gegen den heute grassierenden Irrweg der „spirituellen Revolution“, der viele fortschrittliche Menschen verwirrt. Nein: Das Stück erschlägt den revolutionären Inhalt des Originals. Es ist nicht nur Effekthascherei, sondern objektiv reaktionär.

    Der frühe Brecht – ein Nietzeaner

    Der frühe Brecht – ein Nietzscheaner

    Der Brechtabend auf ARTE, den ich nur halb durchhielt, befriedigte wenig. Zuviel Beziehungskram, zuviel Menschelndes, – und dann diese Sprechweise deutscher Schauspieler – leise, abgehackt, immer willig winzig, statt gewollt – die Schweighöferei, sie ist so deutsch wie mäßig. Der Brecht im Dreigroschenfilm aus dem letzten Jahr, gespielt von Lars Eidinger, traf um Längen besser. Tom Schilling fehlte es an allem: Bezug, Größe, Sprache, Verständnis.***

    Erfreulich waren die Nietzschebilder, die man zu unterschiedlichsten Zeiten an Brechts Wänden entdecken konnte. Da passte der Schuh, der mir in den frühen Stücken jedoch nicht passt. Komisch, verwirrend. Jedenfalls: Zu seinem 50. Todestag schrieb ich: „Brecht lebt, besser: sollte leben. Wenn die Faulheit und Denkfähigkeit von Schauspielern, Regisseuren und Publikumsdarstellern, die Lüge und Unzulänglichkeit in der Darstellung benötigt und hervorbringt, so ist dies schwer zu ändern. Ein Anfang ist gemacht, wenn wir diese Wahrheit benennen, auch wenn sie schon wie Asche in unserem Mund ist. Das gilt natürlich auch für den Weg zum Frieden, der weder – nach Brecht – ein rein pazifistischer, noch ein widerspruchsfreier sein kann.“

    *** Heute sah ich den 2. Teil via ARTEs Internetseite. Erheblich besser als der erste, verkörpern Burkhart Klaußner und die groartige Adele Neuhauser Brecht und die Weigel sehr nachvollziehbar. Der zweite Teil geht auch inhaltlich tiefer.
    https://www.youtube.com/watch?v=KgwqHrVgHBo. 23.3.19
    https://www.dwdl.de/meinungen/71538/brechtzweiteiler_am_unmoeglichen_gescheitert/

    Kommentar von Campo-News — 7. April 2017 @ 06:07

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