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1. Januar 2008

Ein rohes scheues Jahr 2008

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 09:18

…aber als ich meine Mutter noch einmal ansah, sagte sie ihrer sanften Stimme: “Du wirst doch einsehen, dass jeder das Seinige tun muss, die jüdischen Yankees von unserer heiligen deutschen Erde wieder zu vertreiben. Unsere heilige deutsche Erde“, sagte sie, und sie sind schon tief in der Eifel drin.“

Meine Mutter ist inzwischen schon seit Jahren Präsidentin des Zentralkomitees der Gesellschaften zur Versöhnung rassischer Gegensätze; sie fährt zum Anne-Frank-Haus, gelegentlich sogar nach Amerika und hält vor amerikanischen Frauenklubs Reden über die Reue der deutschen Jugend, immer noch mit ihrer sanften, harmlosen Stimme…“Hast Du etwas gegen das Komitee?“

„Nein, sagte ich, „es ist sehr gut, dass die rassischen Gegensätze versöhnt werden, aber ich habe eine andere Auffassung von Rasse als das Komitee. Neger zum Beispiel sind ja geradezu der letzte Schrei – ich wollte Mutter schon einen Neger, den ich kenne, als Krippenfigur anbieten, und wenn man bedenkt, dass es einige hundert Negerrassen gibt. Das Komitee wird nie arbeitslos. „Oder Zigeuner“, sagte ich, „Mutter sollte einmal welche zum Tee einladen. Direkt von der Straße. Es gibt noch Aufgaben genug.“

Aus Heinrich Bölls ,,Ansichten eines Clowns“; zu Hause, bei den „Braunkohlen Schniers“ in Bonn.

Ein rohes scheues Jahr 2008

Die Affen sind nervös: Vorsicht! Menschen kommen!

Sie fletschen feindselig ihre Zähne, die Menschen, meinen die Affen.

Dabei wollen sie doch nur lachen, die Menschen, denken die Menschen.

Sie sind so feindlich, diese Menschen, so empfinden´s die Affen und fletschen zurück.

Sie wissen nichts von der Zivilisation, die Affen, glauben die Menschen.

Wie unnatürlich und bedrohlich sie sind, die Affenmenschen, sagen sich die Menschenaffen und wenden sich ab, den weißen Hintern zeigend.

Jetzt lachen sie noch mehr, die Affenmenschen hinter dem Gehege der Menschenaffen fletschen ohn´ Unterlass.

Derweil lausen die Affen ihren Nachwuchs, schlürfen Früchte, futtern Insekten, erzählen sich Geschichten und zählen ihre Vorräte, schneller, als jeder fuselbärtige Studiosi hinter dem Graben.

5, 7, 10, 15, 20, 30, 50, 99 von Hundert! Wer fletscht besser? Quotengrinser. Aus dem Kasten springen sie dich an. Die Spaßgesellschaft überbietet sich. Dekadenalte Floskeln peitschen das Volk, wo man Politik camoufliert. Das Lachen vergeht, geht: „Vor 2158 komm ich nicht zurück.“ „Nimm den Schirm mit, wer weiß, ob es nicht doch zu laut wird!?“ „Rudolf Sifft im Seniorenstift trifft mit dem Stift die Nonne aus dem Treppenlift“, murmelnd er unterbrechungslos vor sich hin. 150 Jahre lang. Ohne Erlaubnisschein.

Sie lachen. Und lachen. Über dich. Über andere. Du lachst mit. Und noch ein Witz. Und noch eine Grimasse. Masse. Gasse. Die letzte Flasche. Gut wirken lassen. Carmen Thomas gibt Tipps für Eigenharnbehandlung. Sie kommt ja auch aus Düsseldorf. Ach so. Ja dann. Wer dem lachenden Gesicht entgegenlacht, blickt nicht zurück im Zorn. Das hat manchen Vorteil. Den Nachteil, das zweite Gesicht nicht zu kennen, erfährt man im Tod. So ist das Leben, wenn man nur den Vorteil sehen will.

Die neuen Gesetze stehen nicht an den Wänden. Doch sie werden nicht enden. Sie werden dich ändern. Die Frauen ohne Kinder finden sie gut. Familienglück in Afrika und Asia, ja sogar in Phantasia. Doch hier? Fa-fa-fa-fa-schisssmus, schreien die Frauen ohne Kinder. Und die Herren ohne Frauen schreien mit. Wer hat Angst vor der blonden Frau? Blondinenwitze reißen sie. Ausgerechnet sie. Schäbbich sehen sie aus, die Frauen unter den Reißern. Nebbich, sagt der kleine Mann, ein Schlemihl wer sich etwas dabei denkt.

Sie schreiben, was Ihnen zuerst einfallen muss. Sie denken zuvor, was man meint. Sie haben den Standpunkt, vor dem sie umfallen. Ihre Neurosen ähneln violetten Narzissen. Ihr mobiles Telefon spielt die Melodie ihres schlechten Geschmacks. („Seine Frau sieht so aus wie ein Mann sie erwählt, dem jeglicher Sinn für schöne Dinge fehlt“, Wader) Die Kinder fehlen momentan peinlichst an allen notwendigen Ecken und Enden, die sie später einmal bilden. Wer wissen will, wie es um uns bestellt ist, stelle sich eine halbe Stunde vor ein Einkaufszentrum und nehme all das wahr, was ihm die Ideologen sublimiert austreiben wollten.

Immer mehr treiben deshalb jetzt postnatal ab. Wen wundert´s? Dass nicht jeden Tag irgendwo ein Amoklauf geschieht, verwundert mehr. Aber wir sind doch menschlich. Nicht im Leben. Im Fernsehen. Von fern darfst du sehen, was sie im Leben unnahbar macht. Kandidaten, die sich im Gossenjargon von Personen, die in anderen Zeiten Kessel flickten, changieren lassen. Medienstricher, ganz ohne Fähigkeit auf selbigem gradeaus zu gehen. Papperlapplapperprinzesschen und Schweinehirten, die sich nicht einmal mehr heterosexuell hochschlafen können.

Man riecht das Fleisch. Ringsum lodern die Flammen. Jede Lobby sorgt für ihr Massaker. Kein Kind kennt Lassie. Fury nur aus dem Slaughterhouse. Die erdnussbuttergestählten Hängebrüste über der Tastatur ballert der 12jährige Kevin tausend Krieger pro Stund´ in die Kanäle seines Haribo-Bärchen-Frohsinn - und Verglibberungshirn bis zu den großporigen Schwämmen seiner Endstampfer die später in Stiefel steckend ihn unbeweglich werdend „Mama“ schreien lassen. Die Dämme sind längst gebrochen. Ging jener, der so roh, dem Feuer aus dem Weg?

Es wird auch scheuer, hauptsächlich bescheuerter. Computeranimationssimulierte Trickfilme sind das Nonplusultra. Bullyshit. Schon stehen Robodronen Schlange. Sie werden dich später hegen und pflegen. Worauf du dich, wenn schon auf sonst nichts, sehr verlassen kannst. Schöne neue Welt. Hauptsache: es geht uns gut. Es wird menschlicher.

Vorschläge, damit es uns noch menschlicher wird:

Adoptieren Sie Eulen!

Legen Sie unter ihrer Zahnbrücke einen Fischteich an!

Hängen Sie ihren Teppich nur mit verbunden Augen auf, bevor Sie die Klappe öffnen!

Sagen Sie dem alten Mann vor Ihnen im Bus einmal in aller Deutlichkeit, dass Sie zwar verstehen, warum er als Nachfahre dieser komische Hüte tragenden Generation, diese komischen Hüte nicht mehr tragen will, doch dass das Tragen von Baseballmützen auf einem derartig alten Kopf, so was von ekelhaft aussieht!

Schicken Sie der Kanzlerin eine Tüte Essig!

Beseitigen Sie vor allen Häusern mit ungraden Ziffern alle zufällig herumstehenden Werbetafeln für Michael Mittermeier oder Mario Barth-Veranstaltungen!

Sagen Sie ihrer Nachbarin mit der Art Kurzhaarschnitt, den man nicht mal einer Hecke empfiehlt, sie solle sich zu dem scheren, der sie…ach was: Zum Teufel Sie…Sie…Sie… - in den Grünschnitt mit Ihnen!

Finden Sie einen lustigeren Namen als Ypsilanti!

Sagen Sie nur eine halbe Stunde pro Monat grad heraus was Sie denken!

Fangen Sie im nächsten Herbst Blätter!

Zählen sie öfter mal bis drei!

Bestellen Sie ihre Zeitung ab!

Spucken Sie der Welt kräftig ins Gesicht!

Oder: Bleiben Sie einfach im Bett!

Arbeitsteilung?! Entfremdung?! I wo leben wir denn?! Melancholerikerin!

Fürchtet Euch nicht. Oder doch?

P.S., zur freundlichen Erinnerung: Ein TK-Text aus der ersten Jahreshälfte 2005:

Das Land bleibt stumm – der Protest kommt ja von „links“. Für die Soziale Marktwirtschaft setzt sich keiner offensiv ein. Mit Begründungen schon gar nicht – Ideologie findet nicht statt. Keiner weiß warum. Im doppelten Sinne.

Der Kanzler und der blass-blonde Russe (den wir alle zu kennen glauben, denn in den abendlichen Zügen gen Stadtzentrum begegnen sie uns zuhauf – die Wodkaflasche kaum verborgen in der Tasche, das Messer ebenfalls) spricht auf den Boden. Der Kanzler nickt dazu. Nein, eine Grenzüberschreitung hat die Sowjetarmee nie begangen. Frieden hat sie gebracht. Stalin war gut, vielleicht ein bisschen barsch. Der Kanzler lächelt. Er kann auch barsch werden, das weiß er.

Der Russe ist heute beliebter als der Ami. Der kann in Deutschland nicht frei herumlaufen, der Russe schon. Wenn der Ami neben dem Russen steht, vergeht letzterem das Lachen. Die Knie wackeln dann wie bei 14jährigen Heimzöglingen. Sein Heim ist Russland. Da herrscht Friede. Die Deutschen feiern den Frieden. Nicht alle, aber immer mehr. Sie schlagen die Schlachten jetzt an Bierständen, in den Innenstädten, in den Stadien: immer öfter schlagen sie. Der Neid regiert. Und reagiert. Agiert.

Die DDR hat gesiegt. Sie sickert durch die Wände, steht plötzlich vor dir und lacht: „Das hättet ihr nicht gedacht?!“ Nicht nur der Teich lauscht draußen im Wald mit offenem Mund. Freibier! Luftschlangen gegen Nazis. Nicht mal ein Argument gegen Kommunisten. Mach mit: „Heut´ wird Rabatz gemacht solange bis die ganze Bude kracht, und wenn die anderen zur Arbeit gehen sagen wir „Gut Nacht“.

„Lachen Sie doch mal! Ach Tucholsky. Hören Sie Frau K.! Das ist vorbei.“

„Nein sage ich, das fängt erst gerade an. Hören Sie: >He Republik - ! Sie fährt empor, nickt, döst und schlummert wieder ein. Zwo, drei: „Denn wir leben, denn wir leben - in einer Übergangszeit, denn wir leben, denn wir leben - einer Übergangszeit - !< “

„Hören Sie auf, Sie sind ein Einzelidiot, Frau Krienen. Gehen Sie weg, die Geschichte hat längst ein neues Kapitel aufgeschlagen.“

„Irgendwie haben Sie Recht. Ich werde darüber nachdenken. Danke für die Blumen. Wie ist doch gleich ihr Name.“

„Mein Name tut nichts zur Sache. Nennen sie mich wie sie wollen. Jeder hat einen anderen Namen für mich.“

„Wie praktisch. Ja, ich bin ein „Einzelidiot“ und habe zuviel Phantasien um ihnen nur einen Namen zu geben. Doch hören Sie:

Dass nimmer mehr die Sonne scheine
Und auch der Himmel täglich weine

Das alles wünsch´ ich diesem Land -
Und gerade dir, wenn es so ist:
Dass du einer von denen bist

Und noch ein „uralter“ TK-Text:

Sie werden kommen - und ich gehe jetzt

Wenn der Regen in Schnee umschlägt, Kälte und Nässe dein Feuer löschen, wirst du dich fragen: Warum und wann wird das sein? Doch ich sage dir: Ich weiß es nicht, doch: Sie werden kommen - und ich gehe jetzt.

Aber was ist mit der Decke, dem sicheren Unterstand und der warme Suppe, wirst du dann fragen, doch ich sage dir: Sie werden dir die Decke wegnehmen, den Unterstand in Trümmern zerschlagen und die warme Suppe ins Gesicht kippen. Ich weiß es: Sie werden kommen - aber ich gehe jetzt.

Ich gehe jetzt und ich sage dir: Mir ist es gleichgültig, ob bei dir der Regen niederprasselt oder in Schnee umschlagen wird, ob die Nässe und die Kälte dein Feuer löschen werden, ob sie dir die Decke wegnehmen oder den Unterstand zertrümmern, meinetwegen sollen sie dir auch die warme Suppe ins Gesicht schütten so kräftig sie können, denn: Auch du bist schuld! Und weil das so ist, gehe ich jetzt.

Ja: Sie werden kommen - und ich gehe jetzt.

13 Kommentare »

  1. Ebenfalls ein Gutes Neues!
    Gruss Kewil

    Kommentar von kewil — 4. Januar 2008 @ 21:13

  2. Richtig “Scheiß-Privatfernsehen“, dazu könnte man doch fast die gesamte Pop”kultur” (vor allem Rap, Reggae und Hardrock) nennen und eine auf Infantilisierungsniveau liegende Politik machen es unmöglich gegen irgendetwas anzuschreiben. Es hat keinen Sinn mehr, es geht nicht mehr. Der Schwachsinn hat gesiegt und dieser Sieg ist beinahe irreversibel. Punktum.

    Kommentar von Campo-News — 12. Januar 2008 @ 11:45

  3. Linker Liberalismus: der tatsächliche Abschaum schäumt.

    Kommentar von Campo-News — 10. April 2008 @ 07:29

  4. Die Welt, wie wir sie kennen, geht unter.

    Kommentar von Campo-News — 18. September 2008 @ 08:26

  5. Dass man quasi gemeinsam mit diesem Mob Demokraten bekämpft, ist ein Punkt, der von keinem Politiker angemessen theatisiert wird. Der Schlusspunkt des Jahres.

    Kommentar von Campo-News — 12. Dezember 2008 @ 08:21

  6. Sehr schön von Sybille Berg - http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,757364,00.html

    Kommentar von Campo-News — 16. April 2011 @ 09:19

  7. Tanja Krienen schreibt: 30 Tage Sperre für ein Gedankenverbrechen. Das stellt fast “1984″ in den Schatten. Ein Text aus Heinrich Bölls “Ansichten eines Clowns”, den ich postete, weil darin sehr schön die Heuchelei des sich schuldig fühlenden Bürgertums in Form seiner gelangweilten Hausdamen in der Flüchlingspolitik charakterisiert wurde, fällt der Zensur zum Opfer,.wahrschinlich weil es ein N-Wort enthielt (es ist nur zu vermuten, denn der Große Bruder kommuniziert ja nicht wirklich und diskutiert schon gar nicht).Es scheint jedenfalls der Anlass für eine Denunziation des üblichen Milieus gewesen zu sein, dem Pluralismus soviel bedeutet wie seinem leninstisch-stalinistischem Vorbild. Fakten dürfen nur noch äthrisch angedeutet werden, Literatur älterer Prägung wird verboten. Man glaubt es kaum: der polemische Text des linken Demokraten, des kritischen Katholiks Böll wird hier entfernt und die Posterin zu 30 Tage Kerker verurteilt, weil Gutmenschen weder etwas mit politischer Literatur und ihrer psychologischen Fährtensuche zu schaffen haben, geschweige sie überhaupt verstehen. Oder doch grad deshalb? Unfassbar, skandalös, eklig.

    Kommentar von Campo-News — 29. April 2015 @ 17:06

  8. Da ist die Berg wieder prima - http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kampf-gegen-die-einsamkeit-kolumne-a-1041825.html#ref=meinunghp

    Kommentar von Campo-News — 5. Juli 2015 @ 10:35

  9. “Ich liebe die Menschen.” So ein gern benutzter, nichtiger Nicht-Satz, gern von Halbprominenten in halbblöden Zeitschriften abgesondert. Okay, Mann - aber die lieben dich nicht zurück. Die lieben dich nicht! Das schaffen sie nicht, dazu sind sie nicht geboren. Die Menschen, die man - auch so eine Quatsch-Aussage - “in der Masse nicht erträgt”.

    Tja, schade, denn sie kommen in keiner anderen Darreichungsform. Die Menschen sind Säugetiere, Raubtiere - und zwar nicht die freundlichsten. Darum haben die meisten so eine Rührung angesichts eines Kinderbildes, wohlgemerkt. Selten beim Betrachten eines real existierenden Kindes, wie eingangs erwähnt.

    Das Kinderbild erinnert viele an die Idee, die man einmal von sich selbst hatte. Ein gut riechender, reiner, liebender Mensch wollte man werden. Aber leider kam bei fast allen was dazwischen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/hass-auf-erwachsenen-und-mitleid-mit-kindern-kolumne-a-1060224.html

    Leider ist die Polemik nicht immer schlüssig, dennoch - - -

    Kommentar von Campo-News — 1. November 2015 @ 06:59

  10. Mal so, mal so, wie immer bei Frau Berg http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sibylle-berg-ueber-den-terror-der-minderheit-a-1066240.html

    Kommentar von Campo-News — 6. Dezember 2015 @ 07:34

  11. 2016
    Es war ein gutes Jahr.
    Es war das Jahr des reinigenden Gewitters.
    Es war das Jahr des warmen Regens der alles reinigt.
    Es war das Jahr der Wende, der großen Hoffnung, der vielen kleinen Siege.
    Es war das Jahr, das dem großen Tiefpunkt folgte, das Jahr, das wir loben sollten.

    Kommentar von Campo-News — 29. Dezember 2016 @ 08:33

  12. http://www.focus.de/kultur/kino_tv/ich-verachte-alles-rechte-und-rassistische-mario-barth-erzaehlt-erstmals-seine-traurige-familiengeschichte_id_7439566.html

    Geschrieben Ende 2007 -
    Aus „Ein rohes scheues Jahr 2008“
    Aus dem Kasten springen sie dich an. Die Gesellschaft überbietet sich. Dekadenalte Floskeln peitschen das Volk, wo man Politik camoufliert. Das Lachen vergeht, geht: „Vor 2158 komm ich nicht zurück.“ „Nimm den Schirm mit, wer weiß, ob es nicht doch zu laut wird!?“ „Rudolf Sifft im Seniorenstift trifft mit dem Stift die Nonne aus dem Treppenlift“, murmelnd er unterbrechungslos vor sich hin. 150 Jahre lang. Ohne Erlaubnisschein.
    Die neuen Gesetze stehen nicht an den Wänden. Doch sie werden nicht enden. Sie werden dich ändern. Sie schreiben, was Ihnen zuerst einfallen muss. Sie denken zuvor, was man meint. Sie haben den Standpunkt, vor dem sie umfallen. Ihre Neurosen ähneln violetten Narzissen. Ihr mobiles Telefon spielt die Melodie ihres schlechten Geschmacks. Die Kinder fehlen momentan peinlichst an allen notwendigen Ecken und Enden, die sie später einmal bilden. Wer wissen will, wie es um uns bestellt ist, stelle sich eine halbe Stunde vor ein Einkaufszentrum und nehme all das wahr, was ihm die Ideologen sublimiert austreiben wollten.
    Dass nicht jeden Tag irgendwo ein Amoklauf geschieht, verwundert. Aber wir sind doch menschlich. Nicht im Leben. Im Fernsehen. Von fern darfst du sehen, was sie im Leben unnahbar macht. Kandidaten, die sich im Gossenjargon von Personen, die in anderen Zeiten Kessel flickten, changieren lassen. Medienstricher, ganz ohne Fähigkeit auf selbigem gradeaus zu gehen. Papperlapplapperprinzesschen und Schweinehirten, die sich nicht einmal mehr heterosexuell hochschlafen können. Man riecht das Fleisch. Ringsum lodern die Flammen. Jede Lobby sorgt für ihr Massaker.
    Kein Kind kennt Lassie. Fury nur aus dem Slaughterhouse. Die erdnussbuttergestählten Hängebrüste über der Tastatur ballert der 12jährige Kevin tausend Krieger pro Stund´ in die Kanäle seines Haribo-Bärchen-Frohsinn - und Verglibberungshirn bis zu den großporigen Schwämmen seiner Endstampfer die später in Stiefel steckend ihn unbeweglich werdend „Mama“ schreien lassen. Die Dämme sind längst gebrochen. Ging jener, der so roh, dem Feuer aus dem Weg?
    Es wird auch scheuer, hauptsächlich bescheuerter. Computeranimationssimulierte Trickfilme sind das Nonplusultra. Bullyshit. Schon stehen Robodronen Schlange. Sie werden dich später hegen und pflegen. Worauf du dich, wenn schon auf sonst nichts, sehr verlassen kannst. Schöne neue Welt. Hauptsache: es geht uns gut. Es wird menschlicher.
    Vorschläge, damit es uns noch menschlicher wird:
    Schicken Sie der Kanzlerin eine Tüte Essig!
    Sagen Sie nur eine halbe Stunde pro Monat grad heraus was Sie denken!
    Bestellen Sie ihre Zeitung ab!
    Spucken Sie der Welt kräftig ins Gesicht! Oder: Bleiben Sie einfach im Bett!
    Fürchtet Euch nicht. Oder doch?

    Kommentar von Campo-News — 6. August 2017 @ 07:12

  13. https://www.achgut.com/artikel/unter_dem_vulkan_vor_dem_ausbruch

    Kommentar von Campo-News — 1. Juli 2022 @ 06:42

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