Campo de Criptana




26. August 2007

Als die Toten auferstanden

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 13:28

colala.jpg

Er hatte eigentlich alles, was man zum Superstar braucht. Er war schwul, hörte nur Soul, trug komische Frisuren, lernte nie einen Beruf, hatte einen schwarzen Großvater, eine italienische Mutter, eine siamesische Katze, einen jüdischen Großonkel, eine Barbie-Puppe die „Pipi“ sagen konnte, und er sprach deutsch, dass man jedes Mal Untertitel einblenden musste, um ihn zu verstehen. Aber er hatte einen geilen Namen: „Colala Blackcock“ – das kam besonders gut an.

So ging er frohgemut zum Casting. Lang grübelte er, welches vortreffliche Lied er bringen könne? Etwas von James Brown? Von Diana Ross? Von Tina Turner gar? Ach nein, er hatte sich doch schon immer gewünscht, einen Song von Xavier Naidoo vor einem Publikum zu „singen“.

Und wie sich Colala Blackcock mühte! Er winselte, er stöhnte, er jammerte, er schrie, ja er nahm sich vor, die Scheinwerfer und das Original vor Neid zum Platzen zu bringen:

Ooohh und auf das Glück, dass ich erneut fand**
Was du verbargst in deiner Hand
Leg den Himmel über Deutschland
Du legst Feuer an den Goldrand
Die ganze Welt steht bald in Brand
Ich geb mein Herz in deine Hand
Leg den Himmel über Deutschland
Ooohh leg den Himmel über Deutschland
Uuuhh leg den Himmel über Deutschland

Doch zu seiner großen Überraschung reagierte die Jury nicht wie kalkuliert. Das sei….fürchterlich (es war noch das Harmloseste, was er sich anhören musste). Aber das Schlimmste war, dass der alles entscheidende „DJ Suppenkasper“ meinte, er müsse „aufpassen, dass er mit seinem Gesang nicht die Toten zur Geisterstunde aufwecke.“

Das war wirklich starker Tobak. Das ging im nicht aus dem Kopf. Betrübt schlich er heim, in das alte Haus, wo er mit seiner noch älteren Großmutter allein zusammenlebte. Er döste den ganzen Abend vor sich her, verzweifelte beinah. Er vergaß die Zeit. Von fern schlug die Turmuhr Mitternacht. Da packte ihn noch einmal der Mut. Ich muss es doch besser können, sagte er sich! Und er versuchte es, winselte, schrie, jammerte, jaulte:

Ooohh und auf das Glück, dass ich erneut fand
Was du verbargst in deiner Hand
Leg den Himmel über Deutschland
Du legst Feuer an den Goldrand
Die ganze Welt steht bald in Brand
Ich geb mein Herz in deine Hand
Leg den Himmel über Deutschland
Ooohh leg den Himmel über Deutschland
Uuuhh leg den Himmel über Deutschland

Doch was war das? Ein infernalisches Grollen. Rotes Leuchten. Dämpfe stiegen aus dem Fußboden, den Ritzen in der Wand, den Türangeln. Das Haus bebte. Und dann diese Töne! Ein Heulen, ein Wimmern, ein Klagen, ein gregorianischer Gesang! Es ging ihm, dem talentierten Sänger, dem hoffnungsvollen Winseler, Colala Blackcock, durch Mark und Bein!

Dann machte es „Wussssssscch“ und „Knall“ und „Sirr“ und „Bong“ und „Schnarr“ und dann standen fünf bleiche und altertümlich gekleidete, durchsichtige Gestalten vor ihm. Sie lachten laut, während er starr vor Schrecken mitten im Raum stand und an kein „Uuuhh leg den Himmel über Deutschland“ dachte. Die Uuhhuus standen ja jetzt vor ihm! Plötzlich verstummten sie. Gingen um ihn herum, betrachteten ihn.

„Gestatten! Wir sind die Toten des Hauses“ sagten sie wie aus einem Mund. Sie lachten wieder: „Aber wir sind inkognito“, fügte der Bleichste von allen hinzu. „Lange haben wir geschwiegen, aber nun haben wir einen höchstpersönlichen Auftrag erhalten. Von ihm!“ Er lächelte hintersinnig, während seine Kumpanen kurz abwechselnd aufkeckerten.

„Aba“, Colala Blackcock hatte endlich seine Sprache wieder gefunden, „wär zeid irr?“

„Schau in die Chronik des Hauses“, erwiderte der am grimmigsten dreinblickende Geist, „aber wie Lennon schon sagte, wir sind in Cognito. Ich bin Beethoven.“

„Und ich Gershwin“, sagte der Dritte.

„Ich heiße Holländer“, fügte der Vierte hinzu.

Der Fünfte legte ihm jedoch die Hand auf die Schultern, beugte sich vor, grinste und flüsterte: Hi, I am Johnny Cash! And now I kill you!“

„Huuuiiiii!“ riefen nun alle Toten. Sie drehten Colala Blackcock im Kreis herum bis im schwindlig wurde. „Buuuuuhhhh“ machten sie und hingen ihn kopfüber an die Lampe, nagelten ihn an die Wand, bespritzen ihn mit glibbrigen, klebenden, gelben Schleim und furzten ihm ins Gesicht. „Siehst du, das empfinden wir, wenn wir dich singen hören!“ höhnten die Geister. „Ist das nicht ein schauerliches Erlebnis?“

„Ärlich? Aba hött nun uff damitt.“

„Nei nei“, spöttelte Lennon“, dä Spass gett ers gätz loss!“

Und so trieben sie mit dem armen Colala Blackcock die ganze Nacht ihren gespenstischen Schabernack, auf das ihm Hören und Sehen verging. Sie rüttelten ihn, sie schüttelten ihn, sie kehrten ihr Inneres nach außen; sie durchbohrten ihn, sie rumorten in ihm, sie ließen sein Herz schlagen auch draußen. Sie schnitten ihn auf, tropften ihn aus und fügten ihn wieder ihn wieder zusammen; sie verwandelten ihn, schossen Granaten auf ihn, bis sie noch Schlimmres ersannen; so ward er geteilt, an Ratten verteilt, bis die ihn in Stücken erbrachen; dann wurd´ er gekocht, vielmals durchlocht – und noch ganz andere Sachen.

So ging das bis zum ersten Hahnenschrei. Halbtot lag Colala Blackcock nun auf dem Parkett. „Das sollte reichen“, meinte Lennon. „Und das du mit dem Unsinn aufhörst, sonst kommen wir morgen Nacht wieder!“ Colala Blackcock versprach es. Ganz fest sogar. Und er hielt sich tatsächlich bis zu seinem Lebensende daran. Nie wieder sang er, auch wenn es ihn noch so zwickte. Und wenn er nicht gestorben ist, so schweigt er heute noch…

*Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt oder gewollt. Bei Beschwerden fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

** Textauszug, Himmel über Deutschland, Xavier Naidoo

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4 Kommentare »

  1. Primitives deutsches Volk!

    http://akkaly.blogspot.com/2007/08/deutsche-sind-eine-beleidigung-fr-die.html
    http://akkaly3.googlepages.com

    Deutsche sind widerliche Hunde….
    Das ist eine Beleidigung für die widerlichen Hunde!
    Deutsche sind miserable Schweine….
    Das ist eine Beleidigung für die miserablen Schweine!
    Deutsche sind miese Ratten….
    Das ist eine Beleidigung für die miesen Ratten!
    Deutsche sind wilde Hyänen….
    Das ist eine Beleidigung für die wilden Hyänen!
    Deutsche sind feige Schakalen….
    Das ist eine Beleidigung für die feigen Schakalen!
    Deutsche sind ekelhafte Spinnen….
    Das ist eine Beleidigung für die ekelhaften Spinnen!
    Deutsche sind parasitäre Insekten….
    Das ist eine Beleidigung für die parasitären Insekten!
    Deutsche sind verwesender Müllabfall….
    Das ist eine Beleidigung für den verwesenden Müllabfall!
    Deutsche sind stinkende Fäkalien….
    Das ist eine Beleidigung für die stinkenden Fäkalien!
    Deutsche sind abscheuliche Faschisten….
    Das ist eine Beleidigung für die abscheulichen Faschisten!
    Deutsche sind………..
    Deutsche wollen meine hervorragende Person in ihre faschistische „Gesellschaft“ nicht einbürgern….
    Das ist aber ein großer Verlust für diese geisteskrankhafte idiotisch-faschistische „Gesellschaft“.
    Meine Einbürgerung wird eine kolossale Bereicherung für dieses primitive deutsche Volk!

    Der deutsche Fluchtsager
    Der deutsche Prophet
    Der deutsche Schriftsteller
    Der deutsche Dichter
    Der deutsche Künstler
    Der deutsche Publizist
    Der freie deutsche Journalist
    Der deutsche Philosoph
    Der deutsche Wissenschaftler
    Der GUS-Rechtsanwalt
    Der deutsche Steuerzahler
    Der Vollzeitarbeitsbeschäftigte beim Arbeitgeber die Stadt Köln: ARGE Köln-Mülheim, Nummer BG: 35702BG0090227, Dienstgebäude Wiener Platz 2a, 51065 Köln
    Der Kölner staatenlose Einbürgerungsbewerber bei der Einbürgerungsbehörde Köln
    Der heilige politische Freiheitskämpfer um das heilige deutsche Wahlrecht
    Der Märtyrer des rassistischen faschistischen deutschen Volkes
    Der mongolischstämmige Katholik
    Paul Wolf (akkaly)

    Kommentar von akkaly — 26. August 2007 @ 22:56

  2. Und wenn es stimmt, was du auf deinem Blog angibst, nämlich, dass du in der Psychiatrie lebst, so ist das eine Beleidigung für alle anderen Insassen dort! Bleib lieber da, wo du bist.

    Kommentar von Campo-News — 27. August 2007 @ 07:07

  3. Reinhard Mey machte aus dieser Thematik bereits im Jahre 1979 ein nicht überbietbares Lied.

    Daddy Blue

    Es ist Zeit, daß ich mir ein paar neue Freunde mach, und da dacht ich mir: Erzähl mal was von deinem Fach, also bitte, werfen wir zusammen einen Blick hinter die Kulissen, auf das schönste Beispiel, das man in der ganzen Branche kennt, auf den legendären Manager Carlo di Vidend, dessen finanzielle Lage war - mit einem Wort gesagt sehr kritisch. Aber grad, als er sich ganz und gar am Ende sah, war die Rettung und ein gütges Schicksal schon so nah, und dies Schicksal zeigte sich in Form des “Vorher”-Foto- Modells Detlef Kläglich. Der stand neben ihm zufällig auf dem Bahnhofsklo, und er trällerte “Es fährt ein Zug nach Irgendwo”. Da war er auch schon entdeckt, so ist das Leben. In diesem Job ist das alltäglich! Theres no business, like showbusiness.

    “Deine Stimme ist ja ungeheuer fotogen, Sapperlot! Dich bring ich ganz groß raus im Buntfernsehn”, und dann fügte er hinzu, weil Detlef offensichtlich nichts verstanden hatte: “Mir kommts nicht so auf das Intellektuelle an, mir reichts, wenn ein Sänger seinen Namen schreiben kann.” Und das konnte Detlef grad man so und unterschrieb für seine erste Platte. Nun begann an ihm die mühevolle Kleinarbeit, erstmal bastelte man ihm eine Persönlichkeit, richtete ihm seine Nase, stützte ihm den Bauch:und glättete die Ohren. Man teilte ihm eine neue, eigne Meinung zu, machte aus dem Namen Detlef Kläglich: DADDY BLUE. Es war noch kein Ton gesungen, aber schon stand fest, da war ein Star geboren! Theres no business, like showbusiness.

    Die Musikaufnahmen gingen nicht so flott von der Hand, obwohl Daddy keinerlei Bildung im Wege stand und die geistige Ebene seines Schlagers seiner glich, drohte die Katastrophe. Zwar war ihm, und das ist in diesem Job schon allerhand, der Unterschied zwischen Noten und Fliegendreck bekannt, doch trotz allem, nach zwei Wochen übte er noch immer an der 1. Strophe. Aber Gott sei Dank ist das ja nun nicht etwa so, daß ein Sänger auch noch singen können muß, denn wo wärn die Tänzer und die Boxer und die Schauspieler, die glauben, daß sie singen. Nein, der Daddy traf den Ton ab und zu mit viel Glück, daraus schusterte der Toningenieur Stück für Stück Daddys erste Single “Kopf hoch Baby, los, komm Boogie, die Bouzukis klingen”, theres no business, like showbusiness.

    Nun, der Text des Schlagers war die Art Lyrik, die man auch als Vollidiot noch mühelos erfassen kann. Dafür hieß es in der Werbung “Aus dem Text läßt sich manch Denkanstoß erfahren.” Die Musik lag zwischen Schuhplattler und Rockn Roll, was zum Mitklatschen natürlich, aber anspruchsvoll. Kurz und gut, ein Stück Musik für Leute, die ihr Hirn im Tanzbein aufbewahren. Bei so vielen guten Zutaten ist jedem klar, daß die Nummer bald in allen Hitparaden war. Und daß auch ein bißchen Schiebung mithalf, ist natürlich böswillig erfunden. Dank sei nur Daddys Talent, hob man gekränkt hervor, und die ganze Presse jubelte ihn hoch im Chor, und das Fernsehen gab ihm gleich die Samstagsabendshow von knapp zwei Stunden, theres no business, like showbusiness.

    Daddy hüpfte durch die Show, denn wenn man Dünnes singt, tut man gut dran, wenn man ab und zu die Hüften schwingt, und dann sang er auch noch “Yesterday”, um seine Vielseitigkeit zu beweisen. Seine Show errang beim Festival in Papendiek prompt die “Goldne Offne Hand” der Fernsehkritik, und eine Expertenjury krönte Daddy Blue mit zwei Schallplattenpreisen. Aber über alle Preise hatte man zuletzt uns, das dumme Publikum, ganz einfach unterschätzt, das sich doch hartnäckig weigerte, “Los, Kopf hoch, Baby” käuflich zu erwerben, denn einmal fühlt auch der letzte Trottel sich verkohlt, daraufhin hat man die Show noch zweimal wiederholt, und als es immer noch nicht klappen wollte, ließ man Daddy Blue ganz leise sterben, theres no business, like showbusiness.

    Der Manager macht längst neues Talent, neues Glück. Detlef Kläglich findet schwer zur Wirklichkeit zurück, und er tastet sich ganz langsam aus dem Scheinwerferlicht wieder in den Schatten. Und das Showgeschäft hat Detlef Kläglich gründlich satt, er hat jetzt nen Job als Journalist beim Tageblatt, als Musikkritiker, da schreibt er über Konzerte und neue Platten, theres no business, like showbusiness!

    Kommentar von Campo-News — 27. August 2007 @ 18:28

  4. Musikerist oder Journalist, was ist nun schlimmer?

    Etwa Musikjournalist?

    Kommentar von hegelxx — 28. August 2007 @ 22:59

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