Endlosschleife
Von Tanja Krienen
Niemand kann genau sagen, wie alles begann. Zuerst war…- nein doch nicht. Oder aber ja? Wenn der Wind erst richtig bläst, wenn es stürmt, wenn es tobt, dann. Dann weiß niemand weiter. Der große Horizont wirkt wie eine aufgemalte Kulisse. Fahr hin. Stürz über den Rand. Der Grenzmarkungsstein wurde verschoben. Damals ging das noch. Die Spürhunde aber warten hinter den Zäunen. Welpen waren auch sie.
Lose baumelt der Dolch an der Hose. Zeitig geht es den Berg hinauf. Und er rief in die Schlucht: Herr, weis mir den Sinn! Und die Schlucht rief zurück: Wegweiser nicht bin! Kein Friede davor, mehr Krieg noch danach. Gemach, was folgt ist die Schmach. Wer hatte schon und will nicht mehr? Und wer kennt die Legende von Prinz Olaf auf Olström? Eine Legende ohne Ende. Und ohne Anfang. Liebe Mutter, mir geht es gut, ich habe heute schon…
Nun tobt der Orkan. Der Minister geht steif. Er ist es. Rattatatt Rattatatt Rattatatt. Ein Zug? Ein Maschinengewehr? Ohne Gewähr, sagt der Wettermann zu seinem Frosch, ist nicht mal der gute Geschmack der Fliege. Hätten die Fliege keine Flügel hieße sie Laufe. Und doch heißt die Schnecke Schnecke und nicht Krieche. Teleprompter heißt der neue Eckermann. Ein fetter Mann sucht seine Haftschalen. Um 5.45 wird zurück gesendet. Kotzsport folgt.
Nie macht der Nachwuchs was man will. Der junge Strom der Solare geht nachts aus. Der Rotor sirrt sein Abendlied. Preisfrage: Um 9.00 Uhr zeigte das Thermometer 12 Grad, um 12.00 Uhr 22 Grad. Wieviel Grad haben wir um Mitternacht? Die Experimente mit Joghurtkulturen haben inzwischen ein nicht mehr akzeptables Ausmaß erreicht. Lebenslang ist die Höchststrafe für jeden Erdling. Die kleine Katze zuckt im Schlaf.
Apotheken und Anwälte haben Konjunktur. Nie war er so wertvoll wie heute. Nehmen Sie die Sättigungsbeilage und fragen Sie ihren Ergometer. Das Hamsterrad dreht sich. „Örrrg Örrrg Örrrrg“ – widersprich nicht, du bist schon groß. Mit sechs Monaten solltest du jetzt aber wirklich um Punkt 6 Uhr in die Krippe gehen können! Uneinsichtiges Ding! Die neue Rotenburg-Generation kommt jetzt gewaltig. Summ summ.
Murmeln springen übers Pflaster. Wertstofftonnen dösen fett. Anne, Bea und Laura wissen schon jetzt, wie es in 20 Jahren nicht sein wird. Mühselig sind die, die da fragen. Denn ihnen wird nicht gegeben werden. Doch wenn du groß bist, gehst du in die Leere. Phobie, Bee free, Froboes, Frisbee, Nirwanabe Harakiri. Der Optimismus ist nichts als die Realitätsverweigerung des Feiglings. Mut macht die Botschaft, das Leben tot macht.
Seht her: So viel war uns damals wichtig – und noch viel mehr
Dann erschien uns manches ein bisschen überflüssig
Erst weniger, aber dann immer mehr und mehr
Mehr und mehr wurden wir überdrüssig
Wir vermissten nichts, nicht wirklich
Wir atmeten dann viel kürzer
Gingen auch langsamer
Dachten dann nichts
Wollten auch nichts -
Lachen nicht mehr
Weinen nur sehr
Kein Wort mehr
Sterben schwer
Sehr gut Tanja, 1+.
Kommentar von Hundegezücht — 4. September 2007 @ 15:32
Danke!
Kommentar von Tanja Krienen — 4. September 2007 @ 16:23
Etwas Merkwürdiges war geschehen: Die ihrem Wesen nach antikapitalistische Haltung der 68er, ihr Individualismus und ihre Selbstfindungsorgien ließen sich ausgerechnet mit dem “Immer mehr, immer schneller” des Kapitalismus kombinieren. Buchautor Schrenk beschreibt das Phänomen so: “Wenn junge Banker oder Architekten heute über ihren Beruf reden, dann verwenden sie beinahe dieselben Wörter wie die Hippies in Woodstock: Selbstverwirklichung, besseres Leben, Glück, Veränderung und Spaß.” Love and Peace als Mittel zur Steigerung der Produktivität.
Kommentar von Campo-News — 26. Januar 2010 @ 11:40