UZ-Pressefest 2007
Die DKP feiert (sich) auch in diesem Jahr
Von Tanja Krienen
Kleinkinder, so hat man festgestellt, scheinen von Natur aus ein Gefühl für Metaphysisches zu besitzen. Kommen später Erklärungen hinzu, sodass die Gefühlswelt eine andere verbale und semantische Unterfütterung erhält, die sich in Symbolen, Chiffren und Allegorien sublimiert manifestiert, so schwingt sich das Gefühlte zur nächsten (systemastisch geordneten) Stufe empor, die man dann „Glauben“, intellektuell verbrämt, Religion nennt. Gegen dieses Bauchgefühl, welches in Abstufungen jeder besitzt, anzukämpfen, und Erklärungsmuster der Welt zu suchen, finden oder gar für sich zu adaptieren, die dem Bewusstseinstand der ursächlichen Ebene widersprechen, macht eine Person schließlich zum Atheisten oder zum Agnostiker.
Nicht anders verläuft nicht selten die politische Entwicklung. Dabei scheint es gleichgültig in welcher Richtung dies geschieht – das Phänomen tritt überall auf. Sollten wir also uns sogar zu der Auffassung versteigen können, dass derjenige, der sich nie von seinen ursprünglichen Gefühlen und den etwas später einsetzenden Erfahrungen entfernte, auf ewig dem infantilen Glücksgefühl einer unentwickelten Epoche assoziiert bleibt und also nie erwachsen wurde, weil er seine genomen „Sentiments“ zu pflegen gedenkt, um mit ebenda verwurzelten „Ressentiments“ den „Common sense“ zu absorbieren? Gewagt diese These, zudem die Träger dieses Verhaltens meist aussehen wie Söder oder Bartsch, mögen sie auch noch so Richtiges sagen – das Eingeweide, dazu im nächsten Absatz, schreit.
Wie dem auch sei. Wenn ich die drei Buchstaben DKP (immer groß und ohne Punkte oder sonstigen Schnickschnack geschrieben, fest stehend scheinend) erblicke, so fühle ich „Heimat“, „zu Haus“, „Mutterbrust“, „Erstes Licht“. Es ist eine Konstante. Ja, das ist sie. Mein Verstand verursacht mir sodann Bauchschmerzen und es drückt und zwickt dort, wo der Unterleib beginnt, zieht sich hoch zum immer stärker pochenden Herz, verkrampft, sticht bis zu dem Punkt, wo sich die Seele zuckend und pulsend hin und her auf ihrem imaginären Lager schwitzend im Fieberalbtraum wälzt, ehe sich die Lungen blähen, der Kopf putert und die Zähne - wohl bis Havanna vernehmlich - knirschen.
Im Zweijahrestakt findet das Spektakel der reifesten aller linken Parteien statt, so auch in diesem Jahr (wie ich heute erfuhr) vom 22. – 24. Juni. Ach, wie schlimm war es Anfang der 90er - und dann noch bei garstigem Regenwetter! Die Bewegung geschrumpft, so wie das kleine, putzige Miniatur-Ulbricht-Buch, das ich mir damals kaufte. Nun aber lacht partiell wieder die Sonne, die Bücher werden größer – gelesen werden sie nicht. Zuletzt war ich bei einem UZ-Pressefest im Jahre 2003 zugegen; verkaufte an meinem Stand die bis dahin erschienenen CAMPOs und das Biermann-Ausbürgerungsbuch! Eine liberale Atmosphäre (abgesehen von´ paar individuellen Anmachereien von letztlich Sprachlosen), die im Kontrast zu manch anderen Vorgängen stand!
Hier finden sich hier die bisherigen Infos und es werden sicher immer mehr (wie einst die Partei). Hoffentlich werden wir noch einmal Dietrich Kittner und Franz Josef Degenhardt sehen können – Konstantin Wecker ist wohl zum ersten Mal dabei. Es wird sicher interessant. Das sei der Papstbesuch in Regensburg auch gewesen, werfen die Schlaumeier sicher ein. Ei gewiss, das war er. Womit wir wieder am Anfang wären, denn: am Anfang war nicht das Wort…
Und das Walter Ulbrichtstadion
und der erste Mai
und wenn Ernst Busch singt -
Wärt ihr nur dabei!
Bertolt Brecht
Sie hat uns alles gegeben,
Sonne und Wind und sie geizte nie.
Wo sie war, war das Leben,
Was wir sind, sind wir durch sie.
Sie hat uns niemals verlassen,
Fror auch die Welt, uns war warm.
Uns schützt die Mutter der Massen,
Uns trägt ihr mächtiger Arm.
Sie hat uns niemals geschmeichelt.
Sank uns im Kampfe auch manchmal der Mut,
Hat sie uns leis nur gestreichelt:
“Zagt nicht!” und gleich war uns gut.
Zählt denn noch Schmerz und Beschwerde,
Wenn uns das Gute gelingt,
Wenn man den Ärmsten der Erde,
Freiheit und Frieden erzwingt?
Sie hat uns alles gegeben,
Ziegel zum Bau und den großen Plan.
Sie sprach: “Meistert das Leben,
Vorwärts Genossen, packt an.”
Hetzen Hyänen zum Kriege,
Bricht euer Bau ihre Macht.
Zimmert das Haus und die Wiege,
Bauleute, seid auf der Wacht!
Nach jeder Strophe zu singen:
Die Partei, die Partei,
Sie hat immer recht
Und Genossen es bleibe dabei,
Wer da kämpft für das Recht,
Der hat immer recht
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Lenin’schem Geist
Wird von Stalin geschweißt
Die Partei, die Partei, die Partei.
Lubomir Fynberg/Louis Fürnberg
Der rote Stern und die biblische Geschichte vom selben Dichter verquickt

Ach ja, dieses Bild - mit vielen Tauben und einem Hammer mit dazu gehörender Sichel (zum Tauben schlagen oder um - und abmähen?) - bekam ich von einem Künstler dort während des Pressefestes 2003 geschenkt, der es der “schönen Tanja” widmete. Das (er)freut doch und ist doch sooo wahr *g*.
Kommentar von Campo-News — 3. Februar 2007 @ 10:51
Meine Güte soviel Worte für eine einfache Info … Deine mit pseudopsychologischen/-pädagogischen Analysen über Dein Bauchgefühl sprechen ehe Bände, da scheint wohl jemand etwas noch nicht ganz verarbeitet zu haben - Dein Problem!
Es ist nur ärgerlich, wenn sich jemand in Wohlgefallen suhlt und über Menschen urteilt die wenigstens den Mut haben gegen die allgemeine Strömung zu schwimmen. Wenn Du schon den Mainstream gewählt hast, dann schütte doch bitte nicht Dein Frust auf die Leute die jeden Tag arbeiten damit Du deinen Hintern schön trocken und wohlbehutet auf Dein Sofa pflanzen kannst - dies schuldest du denen nämlich! Übrigens, Konstantin Wecker war schon das letzte Mal! Scheint also gar nicht so schlimm zu sein bei den Phösen Phösen Kommunisten (!!!)
Wenn Du glaubst das es nicht mehr weiter geht … versuch doch einfach Dich zu bewegen!
Kommentar von Leonard — 1. Mai 2007 @ 22:05
Och Mensch, das ist aber sauertöpfisch. Und: Den Mainstream dürfte ich wohl weniger gewählt haben als jener Teil der Linken, der nicht über das linke Einerlei hinweg kommt. Es gibt ja immerhin ein paar Leute bei der DKP, die da gottlob anders sind. Ich bewege mich übrigens ständig!
Kommentar von Campo-News — 2. Mai 2007 @ 05:53
Nix mit sauertöpfisch, aber wenn Du Dich “bewegst” wie Du es sagst, dann komm doch einfach zum UZ-Pressefest nach Dortmund!
Vielleicht sieht man sich dann dort und spricht über dieses “Bauchgefühl” :-)))))
Kommentar von Leonard — 2. Mai 2007 @ 19:20
Ja gerne! Mach ich doch IMMER. Hast du denn nicht meine Schilderung des vorletzten Festes gelesen (zur Zeit des letzten lebte ich leider in diesem gottverdammten und verlassenen Spanien), und schließlich bekam ich da doch dieses hübsche Bild geschenkt, das du oben siehst. TK
Nachtrag: “Peterchens Mondfahrt” guck ich mir auch immer an, wenn es mal wieder gezeigt wird…
Kommentar von Campo-News — 3. Mai 2007 @ 06:25
Ach ja, das Pressefest anno 1997 war auch nett. Leider finde ich das Bild von der Gremliza-Lesung nicht (wahrscheinlich ist es noch in Spanien), aber und er übernahm die Mitverantwortung war auch eine nette Geschichte.So ging es damals nach Dortmund, ist schon wieder zehn Jahre her.
Und dann war da noch eine Autorin mit einem neuen Buch, in dem solche Sachen standen wie:
„Christian konnte sich in der Gruppe nicht durchsetzen, fühlte sich im Kollektiv nicht sicher.“
„Die Erschießung Schleyers als Antwort auf den Tod der Gefangenen in Stammheim war für uns damals eine folgerichtige Entscheidung.“
„An Ulrike Meinhof wurde die `weiße Folter` erprobt.“
„Shit und Marihuana gehörten zu unserem Alltag.“
“Gestern ist der Revolutionär Holger Meins dem Justizmord zum Opfer gefallen. Er ist unter der kaltblütigen Aufsicht der Justiz verhungert. Das letzte Foto von ihm zeigt einen bsi auf das Skelett abgemagerten Toten. In Buchenwald, Auschwitz, Ravensbrück, Sachsenhausen und den anderen Kzs sahen die Toten so aus.”
„Wir bekommen arabische Namen. Das ist so üblich, Ich heiße Intissar…An den Nachtübungen dürfen wir Frauen nicht teilnehmen. Wir sind sauer und verübeln es den Genossen…Gewöhnlich sind in der arabischen Welt die Dächer eine Domäne der Frauen. Im Camp ist das anders.“
„Peter Lorenz wird verhört werden. Als CDU-Chef hat er sich zum Propagandisten des Zionismus…gemacht. Genauso hat er Anteil am blutigen Militärputsch…in Chile.“
„Eine Bank zu überfallen ist nicht leicht. Schon gar nicht, wenn alle Beteiligten keine Ahnung davon haben…“
„Zwei Monate strippte ich in Gerd´s Bar, zusammen mit sechs weiteren Frauen.“
„Er (Rosa von Praunheim) rauschte oft mit einer Truppe ausgeflippter, exaltierter Schauspieler und Freaks herein. An ihm hat mir imponiert, wie radikal und direkt er Tabus benannte und brach…“
„Wir hatten alle vier schon die eine oder andere Ausbildung in den palästinensischen Camps hinter uns, aber die Professionalität in der DDR war außerordentlich attraktiv.“
„Dann trifft es Susanne Albrecht. …Am Abend bin ich bei einer Bekannten. Mein Fahndungsfoto erscheint groß in den Nachrichten.“
Kommentar von Campo-News — 4. Mai 2007 @ 16:32
Da lese ich viel Unsinn und nicht nur, weil die DKP seinerzeit etwa 50 000 und heute etwa 6000 Mitglieder hat. Wahrscheinlich ist das von Wikipädia abgeschrieben. Noch eins: Es gab keine “paramilitärische Truppe” in der DKP, das bestreite ich entschieden. Das hätte ich gewusst. Kaum jemand hätte einst (1975/79) *ahem* mehr getan, wenn es möglich gewesen wäre, als ich. Aber die Partei enttäuschte *g*…
P.S. Da aber auch in Mörfelden-Walldorf jene Cds auch die Lieder Ernst Buschs enthalten, ist davon auszugehen, dass die Partei dort immer noch mehr Kultur unter das Volk bringt, als die SPD.
Kommentar von Campo-News — 23. Februar 2008 @ 19:14