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15. November 2006

Wolf Biermann: 30 Jahre Ausbuergerung, 70. Geburtstag

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 10:01

Von Tanja Krienen

Am 30. Oktober landete ich nach meiner Rückkehr aus Spanien in Holzwickede (Kreis Unna) und stöberte anschließend im Buchladen des Dortmunder Hauptbahnhofes. Dort entdeckte ich zu meiner Freude die Neuauflage des Buches „Die Ausbürgerung – Anfang vom Ende der DDR“ im Paperback-Format (List-Taschenbuch, ISBN - 13: 978-3548-60688-0; 8,95 Euro). Leider sind meine Scanner-Probleme noch nicht gelöst, sodass ich die neue Rückseitenbeschreibung nicht einstellen kann. Wolf Biermann feiert heute seinen 70. Geburtstag! Morgen jährt sich zum 30. Mal der Tag der Maßnahme: die Ausbürgerung aus der “Deutschen Demokratischen Republik”, kurz DDR.

Hier nun mein Buchbeitrag, so wie ich ihn schon einmal in diesen Blog stellte.

Die Zeit ist nicht passé

Nein, die Zeit ist ganz und gar nicht passé.

25 Jahre vergingen, nicht mehr, nicht weniger. Doch die Ereignisse, Abläufe, Erschütterungen, die traumatischen Einwirkungen, die den Lebenslauf vieler Menschen änderten, sie leben in der Erinnerung, brannten sich ein, sind unvergessen; holten sie doch die Erfahrung des Ungewissen, der trügerischen Ruhe, die schon morgen unerbittlich umschlagen kann in einen entrechteten Zustand, als intensives Erlebnis - mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft – anschaulich zurück.


Ullstein Berlin, Herausgeber: Fritz Pleitgen, 2001, ISBN 3-89834-044-9

Auch der Bezugsrahmen, das Ringen um Freiheit, die Abwehrung der Leidenstifter, die maßlosen lügnerischen Energien, mit denen kolossale politische Zyklopen, ihre degenerierte politische Einäugigkeit mittels lautstarkem Gebrüll – ersatzweise durch gesichtsverkrampfendes Grinsen – verdecken möchten, um vom verzerrten Antlitz abzulenken, - diese Monstren sind nicht tot, waren nie tot und ihre Zeit lief niemals ab. Die Zeit ist nicht passé !

Wir jungen, „links“ empfindenden Menschen, die beinahe noch so sehr in den Kinderschuhen steckten, dass sich die 1968er Storys, wie Erzählungen aus einer längst vergangenen Epoche anhörten, wir nahmen begierig, Legenden, Mythen und Histörchen auf, die mit der rebellischen Zeit des Aufbruchs verbunden waren.

Aus einem proletarischen Elternhaus stammend, Vater Maurer, Mutter Verkäuferin, waren mir lebende politische Vorbilder meiner Klasse – wie ich es damals einordnete - nicht präsent. Auf anderen Gebieten, z.B. der Rock - und Popmusik, gab es hingegen durchaus musterhafte Beispiele, geradezu revolutionäre Exemplare, die einen ganz neuen Typus, der Rebellion und Ethos legierte, hervorbrachten. All diese Elemente - Revolte, Kampf, proletarische Herkunft, Expressivität, Pop und ein bisschen liebenswerten Narzissmus, verkörperte nur einer, der überdies schon einen legendären Ruf genoss: Wolf Biermann !

Seine in der DDR manchmal unter obskuren Bedingungen aufgenommenen Tonbandlieder, listig und konspirativ an der taubenblaugrauen staatlichen Krake vorbei geschmuggelt, um uns dann frisch gepresst zersungene, hinaus geschrieene, partiell surreal anmutende Realitäten, in den Verstand, hinab ins Herz und wieder zurück einzuhämmern, verkörperten kongenial die Musik zu einer Lebenshaltung, welche die Zeit des respektlosen Punks, um mehr als ein halbes Jahrzehnt vorwegnahmen.


Chausseestr. 131, 1968

Warte nicht auf beßre Zeiten, 1973

Aah - ja!, 1974

Auch die Kenntnis der gemeinsamen Produktion mit Wolfgang Neuss, die 1965 während einer Westtournee in Frankfurt/Main entstand und zum Auftrittsverbot führte, gehörte zum unverzichtbaren Repertoire eines jeden Menschen, der sich mit den Texten Biermanns beschäftigte.


Aus Volker Kühn: Das Wolfgang Neuss – Buch

Die Aura des in der „kommunistischen DDR“ verbotenen Kommunisten, strahlte selbst in der Dunkelheit der mittleren 70er Jahre – trotz des schon zehn Jahre andauernden offiziellen Totschweigens – zu uns hinüber und so waren wir sehr enttäuscht, als ein erster Versuch durch die Offenbacher Veranstaltung im Jahre 1975, das Schweigen zu durchbrechen, zu beenden, scheiterte. Als jedoch die Gewerkschaften aus ihrem Schlaf kurzzeitig erwachten, das Haupt dösend erhoben und sich durchrungen, unter einem ihrer Namen – der IG METALL – eine Wolf-Biermann-Tournee zu organisieren, da waren wir wie elektrisiert und hofften endlich das Berufsverbot durchbrechen zu können. Dass nach diesem Verbot ein noch schlimmeres folgen sollte, eines, von dem sich die DDR selbst nie wieder erholte, ahnte auch ich nicht, damals, Mitte 1976, als sich die Nachricht verbreitete, Wolf Biermann dürfe - nach 11 Jahren Zwangspause – wieder in der Bundesrepublik Deutschland auftreten !

Ein üblicher Tourneeplan wurde veröffentlicht. Wohnhaft in Hagen, gab es für mich zwei naheliegende Termine, zum einen, gleich das erste Konzert in Köln und zum anderen, eine Veranstaltung – sechs Tage später – im nicht fernen Bochum. Ich entschied mich für die Bochumer Ruhrlandhalle und kaufte für 5 (!) DM eine Eintrittskarte.

Am Freitag den 13. November 1976, saß ich vor dem Radio und hörte die Live-Übertragung aus der Kölner Sporthalle. Ich konnte es nicht fassen – Wolf Biermann, der Underdog, der verfemte, der von vielen gehasste, aber auch geliebte, war live im Radio zu hören! Endlich konnte es raus, mussten es zudem andere hören, die lauen, dummen, böswilligen, wie auch jene luftleeren Hohlköpfe, die immer nur mit unverschämten Grinsen fragten: „Wem nützt das, Genossen?“


Kölner Konzert, 13. November 1976

Dem abgefeimten Grinsen folgten adäquate Taten, aber man sage nicht, sie wären gänzlich pietätlos und undurchdacht, denn erst einen Tag nach (!) dem 40. Geburtstag von Wolf Biermann, am 16. November, erfolgte die hinterhältige Ausbürgerung.

Unter den meisten Gewerkschaftern in den Betrieben, war das alles nicht das ganz große Thema. Zu links und zu laut sei der Biermann, die Lieder zu intellektuell und überhaupt wäre alles viel zu theoretisch usw… Diese Stimmung erfuhr ich direkt vor Ort, denn ich begann im Jahre 1975 in einem großen Betrieb (etwas über 1000 Belegschaftsmitglieder) der chemischen Industrie eine technische Ausbildung. Dort war ich die erste Jugendvertreterin, als solche assoziiertes Mitglied des Betriebsrates, Delegierte meiner Gewerkschaft im Kreisjugendausschuss des DGB und Mitglied des Bezirksjugendausschusses der IG Chemie Papier Keramik. Klar, das sozialdemokratische Arbeitermilieu lehnte die Maßnahmen spontan ab, nicht mit einer tiefen und ideologisch begründeten Theorie, aber doch durch ein Bekenntnis zur freien Meinungsäußerung und eines nicht verschütt gegangenen Restes des guten alten, gegen staatliche Willkür gerichteten Widerspruchsgeistes. Anders sah es schon bei den konservativen Mitgliedern unter den Betriebsräten und gewerkschaftlichen Vertrauensleute aus, die den Sozialausschüssen der Christlich Demokratischen Union nahe standen, jedwede Diskussion über eine Reformierbarkeit der „Ostzone“ ablehnten und deshalb auch ausschließlich den „linken Biermann“ sehen wollten, während ihnen die sprengende Kraft des radialdemokratischen Ansatzes, den dieser zuvorderst postulierte, gänzlich verborgen blieb.

In den Gremien der oben erwähnten DGB-Jugendlichen, wurden Diskussionen geführt, die denen der akademischen Jugend nicht unähnlich waren. Denn hier hatten viele radikale Linke Schlüsselpositionen „erkämpft“ (das ist buchstäblich zu nehmen), die sie mehr dem Bekenntnis zum „langen Marsch durch die Institutionen“ schuldeten, als ihrer Herkunft und ihrer Qualifikation. Vor allem maoistisch orientierte Kader orientierten ihre Mitglieder auf die Besetzung von wichtigen Funktionen im DGB, die in Konkurrenz zu den in der SPD eingegliederten trotzkistischen Theoretikern traten, welche wiederum im Streit mit DKPlern und die mit sich selbst befanden. Wie der Laie sieht – eine höchst kuriose, von außen kabarettistisch wirkende Gemengelage, die auch dementsprechend, einige in unseren Tagen höchst überzeugende „witzige“ Spezies hervorbrachte. Man stritt sich, vertrug sich und hielt am imaginären Ziel – Sozialismus – fest!

Auch die Autorin dieses Textes hatte keine Alternative zum postulierten politischen Ziel anzubieten, denn ein Wechsel ins Lager von Kohl und Strauß, hätte eine sich als „links“ definierende, sehr junge Gewerkschafterin, zu jener Zeit nur im Angesicht der Guillotine vollzogen.


Ich war neunzehn, als mich die Meldung über die Ausbürgerung vehement traf und dies nicht nur, weil ich den Spagat zwischen der grundsätzlichen Bejahung der DDR und dem Recht an dieser Kritik üben zu dürfen auf allen Ebenen infrage gestellt sah, nein, es war nach meiner Überzeugung eine anachronistische Maßnahme, die allerschlimmste und totgeglaubte Handlungsweisen – inszeniert durch eine zum Äußersten bereite Politclique – neu aufleben ließ und imgrunde die gesamte Linke diskreditierte.

Wie aber ging es nun in dieser historischen Situation weiter? Samstags erfolgte das „Kölner-Konzert“, dienstags die Ausbürgerung und freitags sollte in Bochum der nächste Auftritt erfolgen. Keineswegs könne Wolf Biermann auftreten lief es durch die Presse, eine Solidaritätsveranstaltung sei jetzt geplant, Rudi Dutschke, Mythen umwobener Ex-Studentenführer, Günter Wallraff, Schriftsteller und politischer Aktionist, Heinz Brandt, unbequemer Gewerkschafter in Ost und West und „die rote Heidi“, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Ex-Juso Vorsitzende und als Entwicklungsministerin heute aktuelles Mitglied der Regierung Schröder, würden eine Diskussion um die gesamten Vorgänge leiten.

Die Halle füllte sich schnell. Über der Bühne hing ein riesiges weißes Transparent, auf dem, mit roter Farbe geschrieben, die Forderung nach einer möglichen Rückkehr Wolf Biermanns in seine Heimat aufgestellt wurde. Die Stimmung war zunächst gedrückt, Ratlosigkeit herrschte vor, keiner der Besucher wusste, was zu erwarten war. Bis jemand rief: „Wolf Biermann ist da!“ ,,Wo?“ ,,Da vorne, an der Bühne!“ Die Überraschung war perfekt. Wolf Biermann hatte tatsächlich den ersten Schlag dieses Schurkenstückes soweit überwunden, dass es ihm möglich war, vor und mit einem tausendfachen Publikum zu sprechen, zu singen und zu streiten.

Inklusive meiner Super-Acht-Tonfilmkamera, ignorierte ich den mir zugewiesenen Platz, setzte mich direkt vor die Bühne, filmte und beobachtete eine anschwellende emotional aufgewühlte Szenerie, die sich anschickte – neben des Bekenntnisses zur Solidarität mit Wolf Biermann – sämtliche linken Streitereien vergangener Jahrzehnte, ausfechten zu wollen. Ähnlich war es einige Tage zuvor in Köln verlaufen.

Es war beinahe körperlich zu spüren, wie die Ereignisse der drei zurückliegende Tage, Wolf Biermann zugesetzt hatten. Der optimistisch frech befreite Habitus, den man in Köln noch wahrnehmen konnte, war einer resignierenden Haltung gewichen. Die persönliche Verunsicherung einer menschlichen Existenz, sichtbar werdend an langsamen Bewegungen, fragenden Gesten und erschöpften Blicken aus ermüdeten Augen unter zerzaustem Haar, war für jeden wachsamen Betrachter deutlich zu erkennen. Nur langsam fand er den Weg zurück ins Leben, taute auf, erwachte, peu á peu, - so wie man aus einem Halbschlaf mit bösartigen Traumsequenzen entstandene Verwirrungen abstreift - mit jedem Bekenntnis zur Solidarität, welches er von den anwesenden Menschen durch Applaus und den abgegebenen, demonstrativen Erklärungen der Podiumsteilnehmer empfing.

Vertreter der Bochumer Universität, die Gewerkschaft IG Metall, Heidemarie Wieczorek-Zeul für die SPD und weitere Organisationen fanden scharfe Worte für die im alten Geist angeordneten Maßnahmen eines brutal um sich schlagenden Staates. Sie alle reihten sich ein in die lange und mit vielen bekannten Namen gespickte Liste der “antikommunistischen Krakeeler“, wie sie das Zentralorgan der Vorläuferpartei der PDS “Neues Deutschland“ schimpfte. Verlor sich Heinz Brandt auch ein bisschen, so störten vor allem maoistische Kader immer wieder, in dem sie mit Zwischenrufen unterbrachen und in altbekannter Manier Diskussionen einforderten. Besonders als Günter Wallraff von der wachsenden innerparteilichen DKP-Opposition sprach, die er allerdings objektiv deutlich überschätze, kam es zu kleineren Tumulten. Es wiederholte sich, als Wolf Biermann die Solidaritätserklärung einer großen Anzahl von DKPlern aus Marburg erwähnte. Unter „Das sind Heuchler“ – Rufen, kippte die Veranstaltung kurz um und verzettelte sich durch Diskussionen, die in dieser Form, an diesem Ort und zu diesem Zweck, unproduktiv erschienen.

Doch Wolf Biermann geriet in Hochform, parlierte glänzend, rezitierte, schrie, weinte und lachte, fand, nicht ohne Selbstzweifel zu äußern, den Weg zur polemischen Abstrafung perfider und ruchloser Administratoren, welche töricht und dreist, ausgestattet mit krimineller Energie, einen Skandal verbrachen, der – bis zuletzt – auf ihrer Weste klebte, als der schmutzigste Fleck, direkt neben den blutigen.

Gut zwei Stunden der hitzigen Veranstaltung waren vorbei, da kam ER – Rudi Dutschke! Unter altbekannten „Rudi, Rudi“- Rufen, stürmte er auf die Bühne, unterbrach so das Programm und umarmte den Mann, der so dringend Schutz und Beistand benötigte. Dieses war die herzlichste und spontanste Szene des gesamten Abends und Dutschke brannte anschließend ein Feuerwerk in Form einer überaus polemischen – sarkastischen Rede ab. Rudi Dutschke war in seinem Element. Mit Hohn und Spott überzog er die tumben Machthaber der bürokratischen Arroganz, bissig und süffisant kommentierte er die Speichelleckereien, der sich anbiedernden, westlichen, schwesterlichen Parteigänger jener Schreibtischtäter. Er knüpfte nahtlos an seine Polemik an, die er an die Adresse Wolfgang Abendroths wenige Monate zuvor verfasste. Viele dieser großen Auftritte sollte Rudi Dutschke nicht mehr erleben, er starb drei Jahre später an den Folgen des Osterattentates von 1968, welches keiner so in Text und Musik umsetzte, wie Wolf Biermann selbst.

Die Bochumer Protestveranstaltung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, erreichte selbstredend nicht mehr, als alle anderen Resistenzbekundungen, die in Ost und West, im In – und Ausland, die Rücknahme der Maßnahme forderten.

In der DDR selbst, wurde nun die Zeit der Abrechnungen eingeläutet, begann eine schmutzige Jagd auf diejenigen, die sich trotz der Drohungen ihren Mund nicht verbieten lassen wollten, verhöhnt dabei von jenen Claqueuren im Westen, die dreizehn Jahre später als kümmerlich verbliebener Rest - noch immer ewige Treue schwörend - mit untergingen.

Alle, die diese historischen Abläufe nicht nur in den Medien verfolgten, sondern durch persönliche Erfahrungen miterlebten, wie ein Mensch zum Kampf um seine Existenz gezwungen und dabei mit politisch motiviertem Dreck beworfen wurde, behielten von nun an im Gedächtnis, was es heißt, einer Menschenmühle, einem Moloch ausgesetzt zu sein, der zuvor nun beinahe banalisiert und herab kodiert erscheinend, als Drache verharmlosend charakterisiert ward. Diese historische Lehrstunde nicht verpasst, sondern wachsam verfolgt zu haben, blieb mir als ein regulatives und unverzichtbares Element, zur Beurteilung politischer Entscheidungen, bis zum heutigen Tag erhalten.

Und so wäre diese Zeit nicht passé, denn viele tragen die damaligen Abläufe in ihren Herzen und im Verstand. Was aber ist mit denen, ohne Herz und ohne Verstand? Auch sie hörten, lasen und dachten – mit ihren begrenzten Mitteln – nach, fanden jedoch auffallend keinen Zugang zu dem tiefen psychologischen Charakter dieser Geschehnisse. Sind sie böse, dumm oder nur denkfaul? Vielleicht gar dreist, frech, unveränderlich und immer wieder zu allem entschlossen? Dass sich viele nicht geändert haben und auch der Nachwuchs mit den selben, nur oberflächlich gereinigten Westen durch die Welt stolpert, zeigen aktuelle Äußerungen aus dem Internetdiskussionsforum der umbenannten SED, der heutigen PDS, Zitat vom 4. August 2001 (!): „Wenn ich mir die Biografie von Biermann anschaue, war sein größter Verdienst wohl der, dass er es als einer der ersten geschafft hat, sich von der DDR rausschmeißen zu lassen, ohne den Weg durch den Todesstreifen zu wählen. Aber ich kann die DDR sogar verstehen, einen so schlechten Musikus kann man nur rausschmeißen!“

Nein, die Zeit ist nicht passé. Im Gegenteil.




15 Kommentare »

  1. Author : Stalker (IP: 193.175.73.207 , barrier-207.charite.de)

    Whois : http://ws.arin.net/cgi-bin/whois.pl?queryinput=193.175.73.207

    Comment:

    Komisch, ich habe die DDR nie befürwortet. Aber du bist ja angeblich viel weiter, so dass es wohl ein besonderes geheimnis ist, dass du in die PDS eintreten musstest. War wahrscheinlich eine Nacht zuviel der Lektüre von hegels Werken. Da kann sowas schon mal passieren.

    Author : Campo-News

    Comment:

    Na. Wenigstens habe ich Hegel gelesen - während du wohl die Schallplattentütenrückumschlagtexte der Puhdys kennst. Tatsächlich habe ich 1982 die DEMOKRATISCHEN SOZIALISTEN im Westen mitbegründet, bekam noch VOR der offiziellen Gründung meinen Parteiausweis. Damals war es ein pluralistischer Gegenentwurf zum Dogmatismus der DKP und bedeutet ein NEIN zu der herrschenden Spielart des “Realsozialismus”, den Leute wie ich als erledigt betrachteten - nicht zuletzt WB selbst.

    Kommentar von Recherche — 19. Dezember 2006 @ 09:39

  2. Oh jemi: nee http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=a3

    oder http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,458906,00.html SED

    Kommentar von Neues Deutschland — 11. Januar 2007 @ 08:56

  3. Dann baun wir uns ´ne Merkel-Allee
    Mensch Junge versteh´und die Zeit is´passé

    Kommentar von Tanja Krienen — 7. November 2007 @ 19:25

  4. Wie der FOCUS mit Biermann umgeht, ist wirklich skandalös, unbegreiflich.

    Kommentar von Campo-News — 18. November 2007 @ 09:39

  5. So geht es zu bei und in den deutschen Medien, der DDR light bis medium. Wie im obigen Link zu sehen, hat der FOCUS Wolf Biermann durch Anschuldigungen aus dem Lager der umbenannten, aber nie umgedachten SED beschmuddelt. Meine Einwände dazu wurden jedes Mal gelöscht. Beim ersten Mal schrieb ich: „Es ist skandalös, dass sich der FOCUS dieser “Zeitzeugen” bedient. Eine, die damals auch die Abläufe genau verfolgte, schrieb dies dazu - http://www.campodecriptana.de/blog/2006/11/15/621.html „ - und dachte, die habe man nicht eingestellt, weil der Link platziert war, doch weit gefehlt. Der nächste Versuch lautete – überlegt, sachlich und seriös: „Es ist unfassbar, dass sich der FOCUS auf derartig dubiose “Zeugen” beruft. Da wird im Nachhinein ausgerechnet der in die Schmuddelecke gestellt, welcher als einer der wenigen DDR-Bürger Mut, Geist und Witz bewies, um - durchaus von links - die Herrschenden dort zu entlarven, wo sie längst die Infamie offen zur Schau stellten.“ Und die Antwort war: „Sie wollen mit anderen Usern eine Diskussion führen, Argumente austauschen und kommunizieren bzw. führen Themen an, die weit über den Artikel-Inhalt hinausgehen.“

    Ich bin also zu schlau. Das weiß ich. Keine Minute in öffentlichen Medien würden sie live durchhalten. Keinen Punkt erzielten sie dabei. Während man also in den zunehmend unerträglichen Medien Biermann besuhlen darf, Zitat: „Zum Beleg zitiert der Autor drei gleich lautende Aussagen aus verschiedenen Quellen, darunter Sonja Honecker, die Tochter Margot und Erich Honeckers, sowie ein 2001 erschienenes, inzwischen vergriffenes Buch aus einem Leipziger Kleinverlag. Auch Diether Dehm, im Westen Biermanns Manager, will den Hergang direkt von Biermann gehört haben. Der Musiker habe sich am Abend vor einem Auftritt in Köln gebrüstet, „in dieser Nacht vor seiner Abreise in den Westen mit Margot Honecker im Bett gewesen zu sein, mit ihr geschlafen zu haben“, sind sachliche Erklärungen verpönt. DDR 2007.

    Was aber lässt man sonst noch dort stehen. Drei Beispiele

    Die DDR war froh
    dass sie Biermann los war und der Westen war daran schuld. Die Bundesrebublick hat dadurch zwar keinen Schaden genommen ein Gewinn war es aber auch nicht. Herrn Biermann sein ” Minnesang ” war sicher auch nicht fuer den Geschmack des Volkes.
    Stefan-52 | (17.11.2007 13:32)
    Bitte nicht…….
    übertreiben Herr Biermann. So toll waren sie auch nicht.
    Biermann taugt nichts!
    Er nimmt sich so wichtig. Wenn die Zeiten damals nicht so gewesen wären, wie sie waren, hätte sich kaum jemand für Biermann interessiert.

    Von rechtswegen sollte man dieses Land verlassen.

    Nachsatz 19.11. : Man hat die Kommentare nun erfreulicherweise eingestellt .

    Kommentar von Tanja Krienen — 18. November 2007 @ 14:40

  6. Mit-Autorin Bärbel Bohley ist tot.

    Kommentar von Campo-News — 11. September 2010 @ 20:12

  7. Widerspruch in 4 Akten.

    1. Die „Achse des Guten“ hat leider meine Klarstellung nicht eingestellt, deshalb geschieht es hier. Worum geht es? Die durchaus geschätzte Vera Lengsfeld hatte etwas geschichtsgeklittert: „Wolf Biermann hat ihn auf seinem berühmten Kölner Konzert 1976 einen „halb faschistischen, halb demokratischen“ Aufstand genannt und damit die DDR-Propaganda legitimiert.“ Ich schrieb daraufhin:

    2. „Widerspruch in puncto Biermann. Wer wie ich, die damaligen Vorgänge miterlebte und weiß, wie die Situation war, kann diesen moralischen Rigorismus nicht so ganz nachvollziehen. Wolf Biermann wusste, dass seine Rückkehr in die DDR nicht gesichert war und dass das Regime Anlässe suchte um ihn loszuwerden. Die hanebüchenden und jeder Vernunft widersprechende Gründe, die dann angeführt wurde um ihn auszuweisen, sprechen Bände.

    Aber man sollte schon richtig zitieren, weil auch das zum Geschäft gehört. Gottlob gibt es ja so alte Tanten wie mich, deren Gedächtnis noch funktioniert und die wissen, was andere nicht zu ahnen wagen. Biermann sagte also in einer erregten Diskussion bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach fast 12 Jahren Folgendes: “Denn dieser 17. Juni hatte durchaus einen gefährlichen Januskopf. Er hatte zwei Gesichter. Er war SCHON ein demokratischer Arbeiteraufstand, und NOCH eine faschistische Erhebung.” Besser wäre wohl gewesen, er hätte “revanchistische Erhebung” gesagt. Die war wohl auch kleiner, als der größere Teil, aber zumindest im Ansatz vorhanden. Die Gesamtgemengelage war aber so, dass er, selbst wenn er es besser wusste, nicht mehr sagte konnte, als es objektiv schon zuviel war - siehe oben.

    3. Vera Lengsfeld antwortete.

    4. Meine Antwort darauf: „Sowohl als auch. Natürlich waren uns zu dieser Zeit - ich rede von 1976(!!!) nicht von den fortgeschrittenen 80ern Jahren - manche “Einheitsbestrebungen” suspekt, aber der Wille war schon klar vorhanden auch über die Einheit nachzudenken. Das hat Wolf Biermann doch in einem anderen Lied ausgedrückt:
    Die deutsche Einheit wir dulden nicht
    Dass nur das braune Pack davon spricht
    Wir mischen uns, da bisschen ein -
    So soll es sein, so wird es sein.

    So passt es, so war es gemeint und natürlich hatte er sich noch nicht ganz - wie auch ich nicht, und wie auch Sie nicht, Frau Lengsfeld - von den Vorgaben der Parteisichtweisen komplett gelöst. Nochmal: wir reden von 1976! Später waren wir alle schlauer.

    Schöne Grüße, Tanja Krienen

    Kommentar von Campo-News — 19. Juni 2013 @ 10:01

  8. http://www.freitag.de/autoren/maxi-leinkauf/na-und

    Kommentar von Campo-News — 10. Juli 2014 @ 14:53

  9. Aber da gibt es schließlich auch noch die anderen, die Freunde von damals: Manfred Krug, Peter Schneider und Hans Christoph Buch (der für eine Novelle ebenfalls Anleihen bei Tallhover genommen hatte.) Bei der Lesung aus einem eigenen Südsee-Text – die Region spielt nicht zufällig auch eine Rolle in Schädlichs konzisem Prosastück “Tusitala” – konnte Christoph Buch kürzlich “die versammelte Familie Schädlich” begrüßen. Den Autor, seine ehemalige Frau und die beiden Töchter Susanne und Anna, beides inzwischen ebenfalls Schriftstellerinnen. Berührender, stiller Moment. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/einer_wie_er_schrieb_immer_gegen_die_macht

    Kommentar von Campo-News — 8. Oktober 2015 @ 11:37

  10. Das kannte ich noch gar nicht: Marcel Reich-Ranicki über Wolf Biermann - http://www.deutscheakademie.de/de/auszeichnungen/georg-buechner-preis/wolf-biermann/laudatio

    Kommentar von Campo-News — 26. November 2015 @ 09:25

  11. Der Deutsch-Irokese Sascha Lobo ist Deutschlands Klügster. Das hat er jetzt auf Spiegel-Online öffentlich gemacht.

    Für seiner Meinung nach so dümmliche Leute wie Wolf Biermann hat er auf Facebook nur übrig: „Er ist eine Egohupe“. AfD-Wähler bezeichnet er als “verbitterte Halb- bis Vollnazis” und “schmierige Egoisten ohne Empathie”. Sascha schreibt aber auch kluge Facebook-Posts: „Alle werden überwacht. Dahinter steht eine gefährliche Ideologie von Drohnenmord bis Marktradikalismus“. Und er meint: „Deutschland könnte etwas Armutszuwanderung vertragen“. So viel Spiegel-Intellekt ist schwer zu verdauen. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/sascha_und_die_dummheit_der_anderen

    Kommentar von Campo-News — 23. Januar 2016 @ 07:33

  12. http://www.spiegel.de/spiegel/wolf-biermann-legt-seine-autobiografie-vor-a-1114822.html

    Kommentar von Campo-News — 3. Oktober 2016 @ 15:27

  13. Das Jahr 1976 war ein Schicksalsjahr für die DDR gewesen. Nach einem kurzen politischen Tauwetter zu Beginn des Jahres, waren alle Hoffnungen auf Liberalisierung bereits im Sommer zunichte gemacht. Es war der Tod eines italienischen Kommunisten Anfang August, der das politische Zwischenhoch in der DDR beendete. Der Lastwagenfahrer Benito Corghi wurde an der DDR-Grenze erschossen. Mitte August folgte der Flammentod des Pfarrers Oskar Brüsewitz. Im November wurde Wolf Biermann nach seinem Auftritt in Köln die Rückkehr in die DDR verweigert.
    Mit den Folgen hatten die Machthaber nicht gerechnet

    Mit den Folgen hatten die Machthaber nicht gerechnet. Im Falle Brüsewitz lehnte sich die Kirche gegen die Verunglimpfung ihres Amtsbruders durch die offizielle Propaganda auf. In gewisser Weise öffnete dieser Protest die kirchlichen Räume für die Ende der siebziger Jahre entstehende Bürgerrechtsbewegung.

    Die Proteste gegen Biermanns Ausbürgerung erfassten weite Teile der kulturellen Elite der DDR, denen sich viele Bürger anschlossen. Fast über Nacht hatte es die Partei- und Staatsführung mit einer regelrechten Bewegung von Abweichlern zu tun. Ihr Umgang damit inspirierte Stefan Heym zu seiner Erzählung. http://www.achgut.com/artikel/zensur_ante_portas_es_ist_wie_ein_stromschlag

    Kommentar von Campo-News — 20. Dezember 2016 @ 06:41

  14. Wie Tintenstrolche, die “Journaille” und ihre angeschlossenen Medien “die Verwüstung des Staates durch die Presse-Maffia” (Karl Kraus) betreiben, sieht man vortrefflich in den ersten zehn Minuten des Filmes “Wir Kellerkinder” aus dem Jahre 1960, in dem Hakenkreuzschmierereien durch die damaligen Klebers und Momas selbst inszeniert wurden. Er gehört zu den “Wolfgang-Neuss”-Filmen, die einst in der Linken sehr bekannt und favorisiert waren. Nichts davon ist geblieben, alles wurde ausgemendelt, verschüttet oder wegzensiert. Wohl, weil in diesen Filmes soviel Vitalität und Ambivalenz liegt, soviele Charaktäre und Fakten nebeneinander stehen, sodass sie nicht eindeutig instrumentalisiert werden können. Eine medial inszenierte Hakenkreuzschmierereien, Hitlerparodien, aber auch politische Identitätenwechsel, sind viel zu unkorrekt und eine Zumutung für den angeleinten Mensch von heute. Die Rolle der Medien als Manipulator in dieser Form zu beschreiben, erbrächte heute noch stärkere Reaktionen als damals und auch die Medienlandschaft zeigt sich heute so konform wie vor 55 Jahren. Gänzlich “vergessen” hat man auch z.B. die kleine britische Serie “DAS SüßE LINKE LEBEN”, die Anfang der 80er im deutschen Fernsehen lief. Die Decadence des linken Studienbetriebs aufzeigend, in dem “rechte” Professoren zu Tode gehetzt und ansonsten heuchlerisch gelebt wurde, während der Protagonist am Ende zum ersten Mal sein Kreuzchen bei den Thatcher-Konservativen macht, stieß bei mir in ein Vakuum, nachdem ich gerade die DKP verlassen und argen Groll auf dieses Milieu hegte. Das linke studentische Milieu hielt ich immer für blasiert und kalt (was heute als “cool” seine ganze diffizitäre Charakterlichkeit offenbart). Aber so eine Milieustudie, die sich anschickt als Psychostudie das Verhalten von angeblich aus moralischen Gründen handelden Personen zu zerlegen, wäre heute nicht mehr möglich, nicht denkbar und würde keine Vorzensur passieren. Es gibt auch keine Regisseure, keine Schauspieler, keine Geldgeber, die aus dieser Motivation etwas auf die feigen Beine stellen würden. Undingt einmal die ersten Minuten ansehen https://www.youtube.com/watch?v=c-NsBzYUO4c

    Kommentar von Campo-News — 3. Mai 2017 @ 13:53

  15. Oje - http://www.spiegel.de/spiegel/wolf-biermann-ueber-hass-und-wut-in-ostdeutschland-a-1169747.html

    https://www.lr-online.de/nachrichten/kultur/der-einzige-vater-den-ich-je-hatte_aid-3897293

    Kommentar von Campo-News — 26. September 2017 @ 08:23

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