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23. Dezember 2006

Lichtspiel, Rampenlicht und Beleuchtungen III

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 14:39

Von Tanja Krienen

1 Iris, die Berberin, kam neulich arg in Bedrängnis. Lücken büßend, doch nicht einmal die ausfüllend, saß sie in Thomas Gottschalks „Wetten, dass“ unruhig das Sofa ein, während Herr Waalkes neben ihr zeigte, was „deutsche Kultur“ seit Jahren in ihrer Spitze bedeutet, nämlich „Zwerge sein“ – als ihr Puls höher und höher schlug, denn: Jussuf kam! Cat Stevens, der sich seit Jahren „Jussuf Islam“ nennt und jetzt kompromissreich als „Jussuf“ nach 20 Jahren wieder durch die Land tourt, trat zum ersten Mal wieder vor ein internationales Publikum.

Nach dem Vortrag seines schlecht arrangierten Songs ging er schnurstracks auf die anderen Gäste zu, die auch allesamt von ihrem Sofa aufstanden. Bis auf die Berben. Jussufs Charme – Offensive überraschte, zumal er auch den Frauen – sogar zuerst – die Hand reichte. Damit hatte sie wohl nicht gerechnet. Aber irgendwann war dann auch die Berben dran. Langsam quälte sie ihren kleinen Hintern ein Stückchen in die Luft, erreichte eine leicht unverbindliche Hockstellung-als-ob-, blickte süßsauer den freundlichen Mann von tief unten an, und reichte ihm – schwupps – das Händchen: geschafft. Sie ließ sich auf das Sofa zurückplumpsen und beobachtete von nun an mit unbewegter Miene und scheinbar total gelangweilt, das Interview des mehr als ulkig gekleideten Moderators mit dem bescheiden-zurückhaltenden bösen Josef. Die Schöne und das Biest, so hätte sie es gern, aber da fällt einem doch nur Kreisler ein:
Er beobachtet mich
Ganz genau wie ich ihn
Schau ich durch schaut er fort
Schau ich fort ist er dort
Und blickt wachsam zu mir hin
Er ist sehr interessant
Und doch was fang ich mit ihm an
Wenn man zwischen uns keinen Unterschied merken kann

2 „Solidarität - das ist der Kitt, der unser Zusammenleben ausmacht.“ Wer sagte das? Margot Honecker? Der Vorsitzende der „Roten Hilfe“? Der Pressesprecher der Fenster-Verfugungsindustrie? Nein, es war die Bundeskanzlerin, die auch ihr ganzes Mädchenwissen aus dem „theologischen Kreis für angewandte Barmherzigkeit, MeckPomm“ aus den 70er Jahren heerscharengemäß ausposaunte: „Dieser Kitt ist die Substanz aus 2500 Jahren Geschichte von griechisch-römischer Antike über Christentum und Aufklärung bis heute.“

Soso. Der Kitt ist das. Vielleicht auch die „Solidarität als Zärtlichkeit der Völker“, nicht wahr? Und wir dachten, das Dasein sei eine Abfolge von Klassenkämpfen (Marx) oder das Wesen des Lebens sei „Not, Tod und als Köder die Wollust“ (Schopenhauer) und was Kant, Nietzsche oder Heidegger usw. usf. dazu sagten, will ich besser gar nicht zitieren, schließlich steht Weinnachten vor der Tür.

Hier also, dachten wir, mit Brecht, steht sie mit dem Kitt der Solidarität, bis an die Zähne bewaffnet, die unverwüstliche Gläubige vieler Jahrtausende, sie, mit der Geschichte gemacht wurde, sie, die alle diese großen Taten der Alexander, Cäsar, Napoleon nicht denkt, von denen wir in den Schullesebüchern lesen. Das ist sie. Sie zuckt nicht mit der Wimper. Ignoriert den Bogenschützen des Cyrus, den Sichelwagenlenker des Kambyses, den der Sand der Wüste nicht endgültig begraben konnte, den Legionär Caesars, den Lanzenreiter des Dschingis - Khan, den Schweizer des XIV. Ludwig und des I. Napoleon Grenadier. Sie besitzt die eben doch nicht so ungewöhnliche Fähigkeit, sich nichts anmerken zu lassen, wenn alle erdenklichen Werkzeuge der Vernichtung an ihr ausprobiert werden. Wie ein Stein, fühllos (sagt sie), verharre sie, wenn man ihn in den Tod schicke. Durchlöchert von Lanzen der verschiedensten Zeitalter, steinernen, bronzenen, eisernen, angefahrenvon Streitwagen, denen des Artaxerxes und denen des Generals Ludendorff, zertrampelt von den Elefanten des Hannibal und den Reitergeschwadern des Attila, zerschmettert von den fliegenden Erzstücken der immer vollkommeneren Geschütze mehrerer Jahrhunderte, aber auch den fliegenden Steinen der Katapulte, zerrissen von Gewehrkugeln, groß wie Taubeneier und klein wie Bienen, steht sie unverwüstlich, immer von neuem, kommandiert in vielerlei Sprachen, aber immer unwissend, warum und wofür. Die Ländereien, die sie eroberte, nahm nicht sie in Besitz, so wie der Maurer nicht das Haus bewohnt, das er gebaut hat. Noch gehörte ihr etwa das Land, das sie verteidigt. Aber sie steht, über sich den Todesregen der Flugzeuge und das brennende Pech der Stadtmauern, unter sich Mine und Fallgrube, um sich Pest und Gelbkreuzgas, fleischerner Köcher für Wurfspieß und Pfeil, Zielpunkt, Tankmatsch, Gaskocher, vor sich den Feind und hinter sich den General! Unzählige Hände, die ihr das Wams webten, den Harnisch klopften, die Stiefel schnitten! Unzählbare Taschen, die sich durch sie füllten! Unermessliches Geschrei in allen Sprachen der Welt, das sie anfeuerte! Kein Gott, der sie nicht segnete! Sie, die behaftet ist mit dem entsetzlichen Aussatz der Geduld, ausgehöhlt von der unheilbaren Krankheit der Unempfindlichkeit. Was für eine Verschüttung, dachten wir, ist das, der sie diese Krankheit verdankt, diese furchtbare, ungeheuerliche, so überaus ansteckende Krankheit? Sollte sie, fragten wir uns, nicht doch heilbar sein?

Denn das ist der Kitt, der täglich mehr die Hirne verkleistert. Denn sein ist das Reich, und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Erbarmen.

3 „Wenn es etwas gibt, was ich zutiefst bedaure, dann, dass ich zu wenigen Leuten in die Fresse gehauen habe“, sagt Johnny Depp. Ich meine: Er ist doch noch jung, warum fängt er damit nicht sofort an? Jedenfalls: dito. „Ich habe sieben Narben an meinen Handflächen. Für jedes bedeutende Ereignis, das in meinem Leben geschieht, mache ich mir mit einem Messer einen tiefen Schnitt.“ Hm, ich habe zwanzig davon und mitten drin einen Nagel. Und: „Zertrümmertes Hotelzimmer? Ich hab eine Küchenschabe verfolgt. Die Jagd geriet außer Kontrolle.“ Nett, wirklich nett. Er ist auf dem Wege der Besserung, der Depp.

4 TV-Nachrichtenszene: Ein Kind wurde ermordet. Es wird hinaus getragen. Im weißen Sarg. Den kann beinahe nur erahnen, da ein Mensch der Abholkommission „Abteilung Pietät“ mit einem Schirm versucht das Särglein abzudecken, auf das niemand es erblicken soll. Der Umgang mit dem Tod an der Jahreswende 2006/07. So wächst der Klamauk, mit denen der Zustand danach, den Menschen nur noch verklärend, mystifiziert und metaphysisch nahe gebracht wird. Der Spuk nimmt zu. Die Zahl der Engel wächst ins Unermessliche. Die Kinder werden sie brauchen, wenn ihnen schon die Chance genommen wird zu wissen, wer sie sind und wohin sie gehen.

5 Alice Schwarzer landete einen Treffer. Das muss man neidlos eingestehen. Es war ungefähr der erste ihrer Karriere, aber immerhin. Wenn sie doch immer so pfiffig ihre vulvaren Thesen unters Volk brächte. Jedenfalls hat sie mit der medialen Präsentation (eine ganze Seite im SPIEGEL und FOCUS) des angeblich neuen Männermagazins BENNO, einen hübschen Coup gelandet. Zwar hatte die Fake-Zeitschrift mit Überschriften aufgewartet, die selbst, da schnell als Satire erkannt, mehr über die Vorurteile der Erfinderinnen, denn der parodierten Männer aussagte, aber für einen Moment kam man doch ins Grübeln. Nett, unter dem Strich. Schade aber, dass es ein Männermagazin mit ernsten und richtigen Themen nicht gibt. Notwendig wäre es.

6 Jacob Zuma, ANC-Vice und potenzieller Kandidat für das Amt des Staatpräsidenten von Südafrika ist ein Mann des Fortschritts. Er überstand jüngst ein Gerichtsverfahren (Vergewaltigungs-Vorwurf), über das der SPIEGEL schreibt: „Zuma räumte ein, mit der HIV-positiven Frau Sex gehabt zu haben (TK: Wie herrlich diese Spiegel-Leute die Sprache hand zu haben ist wirklich beachtlich), doch seine Anklägerin habe das selbst gewollt. Es sei eines Zulu-Mannes unwürdig, eine willige Frau nicht zu befriedigen, so Zuma im Prozess. Und gegen die AIDS-Gefahr habe er gleich heiß geduscht.“ Und ich dachte immer, die AIDS-Industrie-Vertreter hierzulande hätten zu heiß geduscht…

7 Wie auch die heimische Presse nach Sensationen heischt, die sie selbst nicht durch Recherchier-Kunst, sondern nur durch die Gier nach dem Kick für das Gesäß im Kopf (im Gegensatz zum Herz im Kopf, das die meisten für sich reklamieren, weil sie beides nicht haben) bestimmt ist, ging vor wenigen Wochen eine Meldung durch die Medien, die eher ein Gefühl des „Ha-ha-so-etwas-aber-auch-diese-dumme-Alte“ schenkelklopfend auslöste, da doch eine 92jährige Pistolenschüsse auf Polizisten abgab, die wiederum ihrerseits zurückschossen und die Frau töteten.

In Wirklichkeit, und jeder, der nicht nur liest und dabei Kaffe trinkt, sondern auch mitdenkt, konnte sich ausmalen, was dahinter steckte, offenbarte die Schilderung des wahren Falles eine große Tragik, hatte die Polizei doch alles falsch gemacht was man machen konnte und die Frau, die als notorisch ängstliche Person sehr zurück gezogen in ihrem Haus wohnte, auf Grund falscher Informationen quasi überfallen. Wir kennen das. Auch hierzulande will niemand wissen, was tagtäglich passiert, welche Übergriffe stattfinden, welche absurden Handlungen durch die verschiedensten Institutionen (für Ostdeutsche „Organe“) durchgeführt werden. Politik wird heutzutage mehr durch Auslassungen, denn durch Beschreibungen gemacht.

8 Wobei wir bei den Amokläufen wären. Ich sagte es ja unlängst schon: Mich überraschen nicht die gelegentlichen Amokläufe, mich wundert, dass sie nicht täglich stattfinden. Das ist wohl auch der Grund, warum offizielle Schreiben immer erst am Freitagmittag oder sogar am Samstag, wenn die Behörden geschlossen haben, zugestellt werden. Man hofft, der Zornige würde es sich über das Wochenende überlegen und fährt damit anscheinend meistens gut. Nicht anders ist die heuchlerische Begründung angesiedelt, man würde einem Krebskranken aus „humanitären Gründen“ nicht die völlige Wahrheit sagen. In Wirklichkeit macht man dies, weil davon auszugehen ist, dass es eine Reihe von Leuten gibt, die dann ihre Abrechnungsliste hervorholen. Aber so hoffen diese erst, dann werden sie schwächer, dann wollen sie einen “guten” Abgang und nicht den „bösen“, schließlich ist man doch Egoist, und will nicht, dass ein „schlechtes“ Bild zurück bleibt.

9 War Heinrich Lübke wirklich der kurioseste Präsident der Bundesrepublik? Also , -

10 Wo der deutsche Journalismus steht, lässt sich am besten abseits der alltäglichen Gebresten seiner Zunft ab(lesen). Nun kann man natürlich auch gegen Eva Herman ein paar kleinere Dinge einwenden, z.B. die Heroisierung des großen Mutterkuchens, der doch meisten gar nicht gut schmeckt, oder den umgekehrten Unvereinbarkeitsbeschluss von Diesem und Jenem, aber wenn die ZEIT, ausgerechnet in ihrem Segment „Wissen“, nicht nur die Genderfrage krampfhennig und vulgär beschreibt, sondern auch noch die „Hochschuldozentin für Moralphilosophie“ Thea Dorn, einen Vergleich zwischen Hitler und Hermann ziehen lässt, dann purzelt auch der letzte Rest „Lust auf lesen“ den Berg hinab wie der Stein des armen Verrichters unnützer Arbeit, den wir jetzt nur noch Sissy-Phos nennen wollen. Dorn jedenfalls vergleicht zwei Textstellen von Hitler und Herman und raunt: „Das ist nicht so weit weg.“ Und was hatte Frau Hermann an dieser Stelle „Faschistisch“ gesagt? Nun, dasselbe wie ich *g*, nämlich, es könne „das segensreiche Prinzip der menschlichen Zweigeschlechtlichkeit förderlich für uns und unsere Gesellschaft wirken.“ Aha, so ein Schlingel, dieser Hitler, man sieht ihn plötzlich mit ganz anderen Augen, dank Thea Dorn, der „Hochschuldozentin für Moralphilosophie“.

11 Aus dem Focus: „12 Prozent der Mädchen, die bereits mit 14 Sex hatten, kannten den Jungen kaum oder gar nicht. Ältere wählen ihren Partner sorgfältiger aus.“ Ja, ich denke auch, dass sie mit 15 absolut treffsicher sind, vorausgesetzt natürlich, siehe Meldung, sie fangen mit 14 oder so an.

12 Günter Grass hat dem FOCUS verraten, was seine Übersetzer und innen wollen: „Sie wollen es genau wissen. Sie penetrieren den Autor.“ Ich dachte es wäre umgekehrt, aber bis er die Zwiebel gehäutet hat, ist ja eh Mitternacht bei der Waffen-SS.

13 Anna R. von Rosenstolz sagt: „…aber wenn wir so etwas wie eine zentrale Aussage haben (TK: Nein, niemand hätte auch nur entfernt daran gedacht), dann ist es das (jetzt kommts) Plädoyer für Toleranz. (und wo bekommt man die?) Wir haben unseren Erfolg der Schwulen-Community zu verdanken, die uns überhaupt die Möglichkeit gab, live aufzutreten (was zuzulassen sicher der Toleranz höchsten Gipfel, wenn nicht Wipfel oder sogar Zipfel, darstellt). Peter Plate, die andere Hälfte von Rosenstolz, ist bekennender Homosexueller….wenn es hart auf hart kommt, halten wir Deutschen doch zusammen.“ Das hätte selbst Ernst Röhm nicht im Traume erwartet, selbst wenn er mal ganz hart kam…

14 Gestern lief der Film „Billy Elliot – I will dance“. Ein feiner Tanz-Film über einen 11jährigen, der den Tanz, dem Boxen vorzieht, vor dem Hintergrund des Kampfes der ruhmreichen, aber in Thatcher-England gebeutelten, doch nicht unbelehrbaren, Arbeiterklasse. Nur an Details gäbe es etwas zu mäkeln, aber das spare ich mir. Besonders glänzte der Film durch die Ergänzung mit Tyrannosaurus Rex-Liedern und Anspielungen auf den guten alten Fred Astaire (leider nicht auf Gene Kelly). Schön auch, wie der Knabe sich alles, was ihm schwul kam – notfalls mit Fäusten – vom Leibe hielt. Dass einer der Knaben vom ansehnlichen Jungen zuletzt zur manieristischen Dutt-Tunte mutierte und auch die Wandlung des Titelhelden zum großen Schwan mit Kriegsbemalung in der Schlussszene zu sehen war (in der damit auch das ganze Leid abseits der Glorifizierung erkennbar wurde für den, der erkennen kann), da er also latent doch aufging in der großen Versuchung der artifiziellen Parallelgesellschaft, zeigt nicht nur was der Knaben Vorteil, sondern auch, was des Erwachsenen tragische Mittelmäßigkeit und Vergänglichkeit bedeutet.

15 Zum Weihnachtsfest habe ich noch drei Gedichte, die ich für diejenigen, die nicht zählen können, mit drei Buchstaben versehen habe (mit Bildern wäre es viel zu aufwendig). Sie sind von Ingo Insterburg von Insterburg & Co.

A
Die Kälbchen werden im Sommer geboren
Mit langen Beinen und weichen Ohren
Doch weil die Hausfrau auf Kalbfleisch geil
Zerhackt sie der Fleischer mit dem Beil

B
Wollen die Schweine im Himmel rumfliegen
Fallen sie runter und bleiben liegen
Protestanten wie Katholiken
Tun ständig die Schweine totpieken
Und vergessen darüber das Schwein
Dem dann später die Flügel zu klein

TK: Natürlich kann man bei „Schwein“ auch Huhn, Schaf, Rind, Ziege, Igel oder „Energie Cottbus“ einsetzten.

C
Neulich hat man mir gesacht
Wie die Würste wärn gemacht
Fängt man ganz von vorne an
Ist da erst der Bauersmann
Kauft sich ein klein Ferkelein
Daraus wird ein großes Schwein
Fütterst mit Kartoffelschalen
Größer wird’s von Mal zu malen
Wiegt das Schwein zwei Zentner
Wird es nie ein Rentner
Bevor es danach trachtet
Wird es flugs geschlachtet
Man schlägt es auf den Schädel
Das Fleisch bleibt dadurch edel.
Ins Schälchen fließt das Blut
Das ist für Wurst so gut

Am Haken hängt die Sau
Nun kommt die Bauersfrau
Damit es geht noch besser
Schleift sie vorher das Messer.
Erst schneid´ sie raus die Leber
Als Vitaminegeber
Dann zieht sie raus die Schwärme
Der viel gewundnen Därme
Gereinigt von dem Kot
Kommt Wurst rein für das Brot
Die schönen runden Schinken
Die rechten wie die linken
Hängt man dann in den Rauch
Das schmeckt dem Menschenbauch

Ihr lieben süßen Schweine
Der Mensch ist unterschiedlich
Ich esse lieber keine
Ich finde euch sehr niedlich

(aus dem Jahre 1969)

Frohes Fresst! Und ein rohes und rundes Jahr 2007!

11 Kommentare »

  1. Hallo Tanja,

    Es soll ja auch in der Natur männliche Schwäne geben.
    Das Ballet-Tänzer heute als potentiell Homosexuell wahrgenommen werden, ist genauso eine List der Geschichte, wie das Tragen von Stiefeln mit hohen Absätzen heute den Frauen vorbehalten ist (zu Zeiten von T. Rex war das noch anders).

    Ballettanzen und das Tragen von Reitstiefeln (der hohe Absatz verlieh besseren Halt im Steigbügel) war nähmlich zu Zeiten des Sonnenkönigs Louis Quatorze für Frauen verpönt.

    Erik

    Kommentar von Erik — 23. Dezember 2006 @ 21:31

  2. Hallo Erik!

    1 Sicher, aber es geht hier nicht um weiblich oder männliche Schwäne, sondern um den Schwan als solches. Dieser wurde ohnehin verklärt. Ãœbrigens geht es im besagten T. Rex-Lied (es gab an anderen Stelle weitere) welches mit dem Schluss des Films anhob nicht darum ein Schwan ZU SEIN, sondern ihn zu REITEN: “Ride a white swan”.

    2 Ja, es ist “listig”, liegt aber nicht nur an bestimmten Fakten, sondern an dem “klassischen Ballet”. Die Amerikaner haben dagegen gehalten, resp., es hat sich ein Typ Tänzer entwickelt, der diesen Rahmen sprengte. Deshalb fand ich es ganz gut, dass der Film dieses transportierte und die “Verzuckerung” nicht so deutlich wurde. Dass man letztlich doch dort landete und es nicht konsequent bekämpfte, ist sicher eine kleine Schwäche des Films - oder er war “listig”, weil - wie man hört - doch einige Jungen in Britannien in die Falle tappten.

    3 Och, es gibt doch noch immer eine Reihe Männer - hauptsächlich ältere - die “Cowboystiefel” tragen, oder auch andere Schuhe mit hohen Absätzen. Ich würde es öfter empfehlen, allzumal ich mit immer neben den Flachbesohlten so groß vorkomme *g*.

    4 Ballettanzen war Frauen einst nicht gestattet? Hm. Gar nicht so falsch, früher durften sie auch nicht schauspielern. Keine Katja Riemann, keine Veronica Ferres, keine Iris Berben - ach, was waren das noch Zeiten, die guten alten.

    TK




    Gene Kelly in “Singin´in the rain”


    Son of jewish parents: Marc Bolan
    Well she’s my woman of gold
    And she’s not very old - a ha ha

    Hot Love, 1971

    Whatever happened to the Teenage Dream

    Surprise surprise, the boys are home
    My guardian angel’s rung down my telephone
    The heat’s on mister, can’t you hear them scream
    Whatever happened to the Teenage Dream

    The curfew comes at the crack of light
    The sad old wino aches to dissipate the fright
    The jet junk jiver speeds past in his machine
    Whatever happened to the Teenage Dream

    A broken god from a musty world
    Sweetly mouthed touched an onyx girl
    His prison bars were very hard to clean
    Whatever happened to the Teenage Dream -Yeah

    The Wizard of Oz and the bronzen thief
    Ruled my girl with teutonic teeth
    But all was lost when her mouth turned green
    Whatever happened to the Teenage Dream

    Silver Surfer and the Ragged Kid
    Are all sad and rusted boy, they don’t have a gig
    Believe me Pope Paul my toes are clean
    Whatever happened to the Teenage Dream

    Black is black and white is white
    Some go to Heaven and some get it light
    Nobody disapproves but his wicked screams
    Whatever happened to the Teenage Dream -Yeah

    Kommentar von eCampo-News — 24. Dezember 2006 @ 08:31

  3. Hallo Tanja,

    Soweit ich weiss, gehörte es früher zum guten Ton, Jungs aus dem Bildungsbürgertum auch ein paar Stunden im “Klassischen Ballet” angedeihen zu lassen.

    Erst nach dem 2. Weltkriege wurde das “Klassische Ballet” immer mehr mit Homosexuellen Männern assoziiert.

    Auch andere Kleidung die früher als Männerbekleidung betrachtet wurde, ist heute nur noch Frauen vorbehalten.

    Marc Bolan lernte ich eigentlich erst mit seiner letzten LP so richtig schätzen, leider verstarb er dann früh.

    Er war wohl zu sehr mit Glam-Rock identifiziert, um ausserhalb Englands ernst genommen zu werden.

    John Zorn hat auf seinem Label Tzadik
    http://www.tzadik.com/index.php?catalog=7126
    eine Hommage an Marc Bolan veranlasst.

    Obwohl ich nichts gegen Homosexuelle Männer habe, war Bill Elliots Erstauftritt als proffessionelle Tänzer am Ende des Films tatsächlich stark an Homosexuelle Ästhetik gemahnend.
    Weiss der Geier warum?

    Erik

    Kommentar von Erik — 24. Dezember 2006 @ 14:07

  4. Hi Erik!

    Noch eben auf die Schnelle: Dann hast du den Film auch gesehen!? Ja, diese Szene ist die verstörenste, weil man sich dann doch fragt, ob die Macher nicht den Film unterschwellig auf die Akzeptanz dieser Paralellgesellschaft führen wollten. Für das schwule Publikum wahrscheinlich eine Art Katharsis, für mich ehe ein Ärgernis. Schade, irgendwie.

    Marc Bolan hat für mich auch erst retrospektiv dazu gewonnen, weil ich ja seinerzeit im Dreierstreit zwischen T. Rex - Slade und Sweet - zu letzteren neigte, und der Glamrock ohnehin nicht zu meinen ganz großen Vorlieben gehört. Aber man kommt halt nicht ganz daran vorbei, wenn man in der ersten Hälfte der 70er Jahre Musik hörte und sammelte. Bolan neigte mir bis heute ein wenig zu sehr zur Pose, dass fiel mir auch heute wieder auf, als ich während des Einscannes obiger Bilder ein paar Lieder hörte: Zu viel Schmalz, zu unklar, zu viele vielstimmige Gesang, zu viel Rockpoesie und “Rock-Oper”. Aber ihm passierte mit 30 halt das, was mir mit 28 geschah - fast.

    Tanz war ursprünglich keine Sache der Schwulen, sondern aller. Leider hat “die Zeit” zu dem bekannten Ergebnis geführt und wie in vielen Punkten keine positive Entwicklung genommen. Nachwuchs für die Nurejews gibt es genug, für die Astaires und Kellys nicht. So sieht es aus. Leider.

    Beste Grüße, TK

    Kommentar von Campo-News — 24. Dezember 2006 @ 14:17

  5. Hallo Tanja.

    Bei mir waren es auch Sweet aber Jahre später waren es dann doch Slade, die mich mit ihrer der Vorklassik entlehnten Formensprache, der Mannheimer-Walze, nämlich laut zu beginnen, und noch viel lauter aufzuhören am meisten plätteten.

    Vor allen auch lustig, weil man Heavy Metall Freaks der 8Oer Jahre mit Teenie-Pop der 70er zeigen konnte, was echte Härte ist.

    Nurejew kann man natürlich keinen Vorwurf machen, da er wohl weder seine Orientierung noch sein Riesentalent selbst verschuldet hat.

    Erik

    Kommentar von Erik — 24. Dezember 2006 @ 15:12

  6. Hallo Erik!

    Der Film wird übrigens auf RTL II gleich noch einmal gezeigt.

    Nein, ich mache Nurejew auch keinen Vorwurf - ich mag das Ganze drum und dran halt nicht. Diese Strumpfhosen-Hüpfdolerei, dieses Verzuckerte, diesen Körper-Drill. Ich kann das nicht ausklammern.

    Slade waren ehrlich gesagt immer zu laut, weshalb ich mir auch nur eine Single zu der damaligen Zeit kaufte (später natürlich die ganze Sammlung als Ergänzung auf LP), nämlich “My friend Stan” - ein Song, der eher langsam und gar nicht so laut, fast balladenhaft (für Slade-Verhältnisse) daher kam. Auch bei T. Rex gefielen mir eher die weniger bekannten Sachen. Die einzige Single, die ich mir damals von ihnen kaufte, war Deborah/One inch rock, eine Produktion, die eigentlich noch zu Tyrannosaurus Rex-Zeiten entstand. Dann gefällt mir z.B. auch Celebrate summer, in der 1972(!) vom Sommer 1977 gesungen wird (den Bolan nicht mehr zu Ende erlebte) und in dem genialischer und unvorstellbarerweise “Punk” vorkommt (nicht ganz, ist halt ein umgangssprachlicher Ausdruck, aber in diesem Zusammenhang - - -). Und natürlich die kleinen quicken Mädchen, wie immer. Aber man stelle sich das vor und ich kann den Song an den besagten Stellen nie ohne Gänsehaut hören: er besingt fünf Jahre zuvor den Sommer seines Todes und “little Punk” .

    Hey little girl would you like a dance
    Hey little girl want a quick romance
    Hey little girl won’t you take a chance
    And celebrate summer with me
    Hey little chick where did you learn that trick
    Hey don’t you know you got rock and roll
    Hey little punk forget all that junk
    And celebrate summer with me
    Summer’s not a bummer
    This is summer
    And it’s now
    Summer is heaven in ‘77
    Hey little girl would you like a dance
    Hey little girl want a quick romance
    Hey little girl won’t you be the one
    To celebrate summer with me

    Kommentar von Campo-News — 25. Dezember 2006 @ 10:39

  7. “Ein 18jähriger treibt es mit einer 80jährigen” usw.. brodelte es damals wie heute bei den Anti-Hollywoodlern, den Hinterwoodlern, die sich auch morgen nicht “Lolita”, Pro-7 anschauen werden, weshalb der Film in der Vorschau nur zwei Sterne, statt vier, für die Filme der in Deppmolch geborenen Film- Grandinerin mit ihren Werken wie “Rennschwein Rudi Rüssel”, “Stehaufmännchen”, “Sigi, der Straßenfeger”, “Fahr zur Hölle, Schwester” oder Toilette

    Rampenlicht und Lichtspiel agierten auf hohem Niveau, als “Harold and Maude” produziert wurde. Die Musik schrieb - siehe Punkt 1 der aktuellen Polemik - Cat Stevens. Dass er die Musik zu meinem (hm, zumindest ganz weit vorne bei den ersten, ziemlich gleichauf liegenden fünf) Lieblingsfilm/en (an dem ich jetzt auch nicht im Detail herum mäkeln will) die Musik schrieb, und damit der zweiten Hauptfigur mit jüdischem Hintergrund (Wien, Deportation, KZ) mehr Realität einhauchte als Berberinnen und Lasker-Schüler-Ferrisse mit gefaktem, resp. angestrengt-anstrengendem Hintergrund, danken wir, die wir das Gefühl nicht minder schätzen als den kalkulierten Geist: dem Kosmos. Huldigend. TK

    Kommentar von Campo-News — 29. Dezember 2006 @ 18:50

  8. Andere werden kalkuliert abgestraft (weshalb man durchaus von angewandtem Faschismus sprechen darf) wenn sie Ähnliches thematisieren, obwohl es in diesem Fall sogar einen Preis dafür gab. Eine Fiktion, immerhin, aber vielleicht auch nur möglich, weil ein besonderer Aufhänger gefunden wurde - die normale Realität abseits einer extremen Zuspitzung wird nicht geduldet. Auch hier und natürlich fängt er an, wer sonst?

    Kommentar von Campo-News — 5. Januar 2007 @ 08:46

  9. Jaja, die Berberin, immer dabei, wenn gerettetet wird. “Berben habe der Stoff “elektrisiert”, sagt Räfle. Er habe ihm erzählt, dass die Rettungsszene seine Mutter besonders beeindruckt habe.”

    Kommentar von Campo-News — 23. Oktober 2008 @ 12:54

  10. Der Hammer! Die Berberin! -
    Iris Berben hat keinen Schulabschluss, wer hätte das gedacht?
    http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,694324,00.html

    Kommentar von Campo-News — 11. Mai 2010 @ 17:58

  11. ICH habe ihn schon, wie unter Punkt 9 nachzulesen ist, 2006(!) mit Heinrich Lübke verglichen, mehr noch, ihn als kurioser gesehen. Mehr Einfalt hat das Amt noch nie aushalten müssen.

    Kommentar von Campo-News — 31. Mai 2010 @ 18:06

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