Campo de Criptana




21. März 2006

Sex mit “Kindern”

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 18:40

Von Tanja Krienen

Erschüttert nehmen wir zur Kenntnis, dass 13jährige Jungs über Sexualität verfügen, und das Schlimme ist: sie sind unberechenbar dabei und: womöglich verführt, missbraucht, geschändet! und mehr oh großer Gott: sie verführen, missbrauchen, schänden. Oder?

Ach, was sind wir verwirrt! Verwirrt sind wir! Wirr sind wir! Wir sind wirr!

Der Fall: Schund, Schmutz, Ekel all überall über allen Spitzen

Welche Aussage hält das „Anständige Deutschland“, das „Du bist Deutschland“, das: „Wir sind auch Deutschland“, das: „Meine Frau ist besonders Deutschland“? für die richtigerererere?

Antworten:

1. Es wäre richtig der Prostituierten ins Gesicht zu spucken und: „Pfui! Wie konntest du nur?!“ zu rufen! Anschließend vier bis fünfteile oder mehr man sie, äh (Verzeihung, die Sprache geht aus den Fugen, aber wir sprechen so).

2. Der Junge ist wahlweise SOFORT zu katzstrieren oder wahlweise in ein Heim oder in eine andere Besserungsanstalt zu verwahrlosen.

3. Der Verbrecher ist in seine orientalische Heimat zurück zu über-führen (wo er wahrscheinlich herkommt, denn wer klaut mit 13 schon Handys?)!

4. Der Versuch, hier eine Diskussion über Sechszualitität anzuregen muss strikt zurückgewiesen werden.

5. Frau Krienen ist erneut zu verurteilen, weil ihr jämmerlicher Versuch, eben jene Erscheinungen zu hinterfragen – wie auch den Fakt von Kinderschwangerschaften - uns zum wiederholten Male wohlig-schauerlich erschaudern lässt.

Was schrieb sie, die böse Krienen, einst in ihrem skandalösen Artikel, den man sogar einst perfiderweise in die englische und niederländische Sprache übersetzte:

Ich zitiere meine Antwort an den pöbelnden jüdischen Autor der WELT mit Namen Stein (und einem ebensolchen Gesicht) vom September des letzten Jahres:

Und: Stein: Nun passen Sie mal auf: Vermutlich werden Sie ja mitlesen und, falls ihnen doch noch erkennbar die Schamesröte durch ihren Heribert-Fassbender-Bart fällt, merken, welcher Einfalt Sie huldigen, über die schon Karl Kraus alles sagte. Darüber hinaus (hinaus!) - können Sie eine Einführung lesen, die Sie, oder ihr kleiner “freund henryk” (wie man gemeinschaftlich dort schreibt, weil man so zu denken pflegt, eher ungepflegt, aber: klein), der sich noch immer nicht zu der kolportierten Kishon-Szene äußerte, und für den deshalb der erste Teil um so mehr gilt, niemals hinbekommen werden - von der Durchdringung des Stoffes einmal ganz abgesehen. Ein Auszug, der Sie etwas lehren sollte (als Pädagogin habe ich immer diesen Ansatz) *g* (Anmerkung TK: Kein noch so dünnes Kondom passt zwischen ihnen, Alice Schwarzer und Claudia Roth - obwohl sie vier gemeinsam sehr ähnlich schmecken)

„Der Skandal beginnt immer erst dann, wenn die Polizei ihm ein Ende macht”

„Denn die Kinder selbst mag nach wie vor der Storch bringen, aber die Zeugenaussagen von Kindern kommen auf natürlichem Wege zustande. Was sie vor Gericht gesagt haben, ist gewiß jene Wahrheit, die sie mit der Zeit lernten, und mindestens von derselben Ehrlichkeit beseelt, wie die Erzählungen hysterischer Frauen, die Notzuchtsattentate bezeugen, wenn sie sie schon NICHT erlebten…“ - (siehe den aktuellen Fall Türck den zu behandeln, der “Ebene der Finsternis” nie einfallen würde, Anmerkung, TK)

„Der kriminalistische Wahnsinn wirkt auf keinem Gebiet, das die Profosen der Menschheit annektiert haben, so verheerend wie auf dem Gebiet der Sexualjustiz. Die Phantasiearmut, die hier Gesetze kleistert, Anklagen erhebt und Urteile fällt, ahnt nicht, dass sie für Vergehen, die in anderen Himmelstrichen KEINE sind, Menschenopfer unerhört fordert. Moralheuchelei und Feigheit einer Presse (oder der gesäßlastigen Blogger-Mucker, Anmerkung, TK), die bloß den Speichel des Siegers leckt, überbrücken die Kluft zwischen kleiner Ursache und großer Wirkung.“

„Die Moraljustiz arbeitet gründlicher als die Kehrrichtwalze: sie verbreitet den Schmutz nicht bloß, sie vermehrt ihn.“

Sämtliche Zitate: Karl Kraus

Lolita muss ins Heim!

Von Tanja Krienen

Auffallend oft rochiert der Kriminale den Platz mit dem Kriminellen, weil zwischen der Affinität von gutem Motiv und schlechter Handlung, nur jene schmale Spalte klafft, welche Moral zur Vorbedingung scheinbarer Integrität lediglich solange distanziert, wie der Gewinn gesellschaftlicher Geltung, die scheinbare Lichtgestalt - ehe sie in ein defizitäres Verhältnis zur eigenen Libido, des Portemonnaies oder der unerfüllten Zeit gerät und somit mühselig errichtete Schranken verbaler oder organisatorischer Art wanken, verschwimmen, ununterscheidbar werden lässt - zu einer anfangs nicht erkannten, aber von Beginn an ambivalent angelegten Obszönität öffentlichen Wirkens verhalf.

So steht der Gute, dem Schlechten nicht zufällig nahe, sondern - weil sich die Nähe und das Ansehen bedingen, ja den einen, ohne das andere, überflüssig erscheinen ließe. Der Aufpasser wird zum potenziellen Täter, weil er nur zum Aufpasser wurde, da er dem Über-Ich und „den anderen, da draußen“ zeigen will, wie weit entfernt er von den Verachteten steht, ja sogar die Träger eigener Obsessionen unter Kontrolle zu halten vermag. Er verfolgt, weil er vor sich selbst flieht, er wird zum streng auf einen Bereich fixierten Psychopathen, - zum Täter.

Die Kontrolle scheint universell; die Handelnden phrasieren schlecht kaschierte Boshaftigkeit zu Parolen guillotinscher Wirkung, die den noch lebenden Corpus eines jeden Opfers vor seiner öffentlichen Abschlachtung in die Gumpe taucht.

Oh Helmut du bist schön
Und grade erst 15!
Du hast ja so scharfe Schuh
Oh Helmut, Helmut du du du
Lass uns ausziehn gehn
Und lass uns Schnaps mitnehm
Ich brauch dich heute so sehr
Und das ist wirklich gar nicht schwer
Fall in Love mit mir
Ich will schon lang mit dir
Ich will nicht Love and Romance
Ich will, ich will – la la la

Ob dieses Lied von Nina Hagen im Jahre 2004, ohne die Vernichtung einer öffentlichen Person durch gehen würde, ist mehr als fraglich. Wer heute als Erwachsener jugendliche Ästhetik beschwört, ja sie zum Ideal erhebt, der läuft Spießruten auf den Gassen, gegen die jene, die den preußischen Soldaten zugeeignet waren, wie eine Sommerfrische anmuten.

Mit 14 Jahren fing er als Schiffjunge an
Er war der Jüngste aber er war schon ein Mann
Ein Mann wie ein Baum und stark wie ein Bär
So fuhr er das erste Mal übers Meer.

Diese Zeilen aus dem Freddy-Schlager „Mary-Ann von 1956 weisen „by the way“, aber unerträglich für Leugner physischer Realitäten darauf hin, was sich seitdem noch beschleunigte: Unter den „Kindern“ befinden sich manche, die längst den ihnen offiziell zugewiesenen Status karikieren. Nur ein Fakt: Vor 100 Jahren menstruierten Mädchen bzw. jungen Frauen, zum ersten Mal im Alter von durchschnittlich 16 Jahren – heute aber liegt der Beginn der Geschlechtsreife bereits unter 12! Darum eröffnen Mütter in den Schulen, die Jagdsaison auf ihre Top tragenden Töchter, im Verbund mit Strickjacken und Ärmelschoner bestückten Alt-68er vollbärtiger Prägung, weil sie nicht ertragen können, was ihnen selbst verwehrt blieb – damals, und heute erst recht.

Thomas Manns Welterfolg „Der Tod in Venedig“ bedeutete wohl heute das Ende einer hoffnungsvollen Schriftstellerkarriere, da es undenkbar scheint, in einer Geschichte mit biografischen Hintergrund, könne ein erwachsener Mann schwärmerische Gedanken für einen Jungen entwickeln, dessen Alter in der Novelle Mann mit „vielleicht 14“ angibt.

Prekär wird es, wenn man die Fakten erfährt. So basierte die Erzählung auf eine tatsächliche Begegnung Manns mit einem Knaben, während seines Urlaubes in Venedig im Jahre 1911. Gilbert Adair ging in seinem Buch „Adzio und Tadzio“ der Sache nach und fand heraus, dass der hübsche Junge in Wirklichkeit Wladyslaw „Wladzio“ Moes hieß und zum Zeitpunkt der Begegnung mit Thomas Mann nicht einmal 11 Jahre alt war! Mann ließ den Schriftsteller Achenbach – sein Alter Ego – an einer Stelle, da er dem Jungen nach stieg, ausrufen: „Ich liebe dich!“ Der „wahre Tadzio“ Moes starb im Jahre 1986!

Welch ironisches und gesellschaftskritisches Werk wäre uns verloren gegangen, wenn Vladimir Nabokov nicht in seiner sprachlich artifiziellen und sarkastischen Art die Liebschaft eines frühreifen Mädchens mit Namen Dolores „Lolita“ Haze zu einem Philologen geschildert hätte!? Lolita ist zwölf als sie Humbert kennen lernt (und wohl fast 14, als ihre Beziehung beginnt); sie begehrt ihn und er liebt weder Kinder auf dem Wickeltisch, noch aus dem Kindergarten - doch diese junge „Nymphe“, wie sie Nabokov immer wieder nennt, hat es ihm angetan, sie ist das Ideal seiner Kindheit, als er zum ersten Mal liebte. Ohne Zweifel wäre die ohnehin tragische Figur Humbert heute (wie damals) mit einer Haftstrafe belegt worden und für das junge Mädchen gäbe es nur einen Zielort: Das Heim! Der Autor aber wäre erledigt…

Pädos verharren nicht selten auf einem Level der Kindheit – nicht ausschließlich, aber im Kernbereich ihres ästhetischen Empfindens. Das schließt nicht die Liebe zu erwachsenen Personen aus (die Konstellationen können hier nicht im Einzelnen beschrieben werden, da es den Rahmen sprengt), aber es ist durchaus nicht so, dass Kinder/Jugendliche ohne Alternative im Focus stehen – wie ja auch bei Thomas Mann deutlich zu sehen war. Überdeutlich zu sehen auch an dem Beispiel eines Mannes, der vor den Augen der Öffentlichkeit seit 20 Jahren eine ausschließlich pädophile Welt um sich errichtete: Michael Jackson!

Schon der Name der Name seiner Ranch „Neverland“ weist auf Peter Pan hin, des Jungen also, der niemals erwachsen werden wollte und auf der gleichnamigen Insel mit den „Verlorenen Jungs“ lebte. Was bei Peter Pan Abenteuer und Kampf bedeutete, ward bei Michael Jackson zum Kitsch und Spiel mutiert. Dass hier ein Missbrauch geschah, war offensichtlich: Kranke oder sozialschwache Kinder führte der „King of Pop“, wie lebende Verdienstkreuze einer vermeintlich guten Tat vor – in Wirklichkeit fand dabei ein Ablasshandel für seine Neigungen statt, der öffentlich abgesegnet wurde. Die verzuckerten Auftritte, die vor aufgesetzter Rührung trieften, präsentiert von einem Mann, dessen Äußeres seit Jahren außerhalb des Panoptikums nicht mehr real erschien, beinhalteten eine unauflösbare Forderung an einen denkenden Menschen: Die Negierung jedweder Psychologie, die Verkleinerung zu einem Konsumenten infantilster Denkungsart.

Missbrauch aber liegt nach gängiger Auffassung vor, wenn Sexualität im Spiel ist – egal ob freiwillig oder nicht. Jede einvernehmliche Handlung, jeder Ansatz einer Liebesbeziehung zwischen einem offiziell zu jungen Menschen und einem offiziell zu alten, wird kriminalisiert, sie wird pauschal zum Delikt! No way out! Abweichende Meinungen werden hysterisch niedergemacht.

Das Recht ist dehnbar, interpretierbar – die menschlichen Gesetze unterliegen gar einer ständigen Prüfung, einer immer wieder neuen Ausrichtung an die gesellschaftlichen Gegebenheiten. Der neokonservative Trend – quer durch alle Parteien – will es so, dass die Gesetzgebung in hiesigen Breiten der Zeit der Inquisition angepasst wird.

Die Methoden sind alt, wie man schon bei Karl Kraus nachlesen kann (Sittlichkeit und Kriminalität) - wenn man es lesen möchte. So schrieb er vor etwa 100 Jahren über „Die Kinderfreunde oder: Der Fall Beer“

Die Hauptperson arbeitete in Wien, sein Name Theodor Beer, Tätigkeit: Universitätsprofessor. Jedenfalls solange, bis ein Vorfall – vier Jahre nach dem angeblichen Geschehen – in der Öffentlichkeit ausgebreitet wurde.

Was war geschehen?

Konnte er schon nicht erklären, warum er bartlos sei und seine Frau Laura kurze Haare trage, so war er fast schon entlarvt, als zwei Knaben davon berichteten, sie hätten Bilder mit „Elephantenrüsselartigen männlichen Gliedern“ in seinem Haus gesehen. Auch sei der Professor nicht vollständig bekleidet gewesen, als er sie empfangen habe, sagte der ältere Knabe. Später habe der Professor ihn gefragt, ob er an den Storch glaube, was er verneint haben will. Anschließend habe der Mann ihm Bilder gezeigt, die er gar nicht habe sehen wollen und Aufklärung erteilt, die er ebenfalls nicht hören wollte. Photographien seien angefertigt worden und es habe eine Berührung gegeben.

Diese Vorgänge geschahen zwischen 1901 und 1906 – also vor 100 Jahren. Was hat sich geändert? - Das Strafmaß, selbstverständlich! Prof. Dr. Beer erhielt eine dreimonatige Kerkerstrafe, - welch ein liberales Urteil. Doch nicht für seine Frau. Beers Frau Laura hatte zwischenzeitlich den Ankläger mitten auf der Straße mit einer Reitpeitsche gezüchtigt. Nachdem das Urteil gesprochen und die Revision unter fadenscheinigen Begründungen abgelehnt wurde, schoss sie sich in die Stirn.

5 Kommentare »

  1. die heilige inquisiton müht sich um die sünder. sie verstellen sich auf boshaftester weise. wir kennen das. aber irgendwann muss es raus. der schuldige kann nich anders.

    ich danke dir für deine einlassung.

    Kommentar von zitterwolf — 21. März 2006 @ 21:55

  2. Noch ein ganz besonders abstoßender Fall -
    http://www1.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/03/22/s-e-x-lehrerin-urteil/s-e-x-lehrerin-urteil.html

    Kommentar von Campo-News — 27. März 2006 @ 05:06

  3. Gähn…

    trotzdem ok, dass du daran erinnerst, Tanja. (Besonders an Karl Kraus, den haben deine Leser wahrscheinlich noch nie gelesen…)

    Saludos

    Kommentar von hegelxx — 1. April 2006 @ 17:45

  4. Es sei noch einmal auf diesen völlig richtigen Artikel und auf weitere Zusammenhänge hingewiesen. Die Vorfälle in der Türkei - die prinzipiell auch bei uns möglich wären - zeigen, wie wichtig die Aufgreifung dieses Themas seinerzeit war. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,490600,00.html

    Kommentar von Tanja Krienen — 26. Juni 2007 @ 07:17

  5. Nu schlägst aber…

    Kommentar von Campo-News — 24. November 2008 @ 17:51

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack-URL

Einen Kommentar hinterlassen

You must be logged in to post a comment.

kostenloser Counter

Weblog counter