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1. November 2006

Gespräch Nr. 6: Über Knochen

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 11:50

Von Tanja Krienen

Das Hamsterrad läuft weiter, denn sie reden: Gespräch 1
und reden: Gespräch 2
Über Wahlen
Gammelfleisch
Weihnachten

1 Wer, wie ich, 20 Jahre am Amazonas Fische fing und sie mit einem einzigen Handkantenschlag erledigen konnte, später Rentiere auf dem Hardangervidda bei Temperaturen unter dem berüchtigten Stalingradpunkt hin und her trieb, der fühlt sich hierzulande im Winter, sommerlich.

2 Waren das nicht schreckliche Bilder?! Unsere Soldaten feixend mit Totenschädeln!? Das hätte es früher, unter Joschka und Gerhard, nicht gegeben!

3 Meine Frau war ja von der von Hagens –Ausstellung so begeistert.

4 „Es zittern die morschen Knochen!“

2 Ich habe jetzt mein SPD-Parteibuch zurückgeben.

3 Meine Frau sagt, Politik ist ein schmutziges Geschäft.

4 Ich war nie in einer Partei, nur immer in Bewegungen. Jetzt bin ich Rentner und sitze nur herum.

1 Die Folterkammern der Nürnberger Burg haben mir sehr gefallen. Auch die Totenschädelsammlung in Wien war schön. Friedhöfe besuche ich sowieso gerne. Der Tod wird heute über Gebühr verdrängt. Das war am Amazonas nicht so.

5 Wie ich diese Gammelrentner hasse!

2 Ich trat der SPD nur bei, weil die den Antifaschismus erfand.

3 Meine Urgroßmutter soll in Böhmen den Plunder erfunden haben. Das ist ein Gebäck.

1 Am Amazonas brauchte man nie viel Gepäck, da reichte eine Angelschnur, ein Messer und eine Kaffeemühle. Letztere war eigentlich völlig überflüssig, wurde aber aus Gründen der Ästhetik mitgenommen.

4 Jaja, die Ethik. Heute kann ich kein Gebäck mehr essen. Wir waren so arm zu Hause, sodass ich bald alle Zähne verlor, weil ich vor lauter Warten auf Arbeit keine Zeit zum Putzen hatte.

5 Wie ich diese Gammelrentner hasse!

2 Ja wisst ihr denn nicht, wie die SPD den Antifaschismus erfand? Und wusstet ihr, dass 150 000 Menschen jüdischer Herkunft in der Wehrmacht dienten? Nein? Na dann erzähl ich euch mal die Geschichte.

Es war 1944. Irgendwo an der Rückzugsfront. Irgendwo im Graben. Irgendwann an diesem 1. April. Der General Greiff von Schleif und Trutzburg tritt in die Stube, in der nur Oberfähnrich Egon Bahr über einem Buch vertieft sitzt.

GvSuT: Will er endlich seinen Arsch nach draußen bewegen um mitzukämpfen?

Oberfähnrich Bahr: Nona, das hat mir meine Mame streng verboten. Ich lese. Sollten Sie auch tun öfter, mein lieber Hauptmann.

GvSuT: Er liest? Ist er verrückt geworden?

Egon Bahr: Ja, das ist er wohl. Aber später. Der Zarathustra ist ein schönes Buch welches spricht von feinsten Dingen auf der Erden der weiten.

Oberleutnant Helmut Schmidt tritt ein: Joi, da trifft mir doch glatt der Schlag, alle Wetter und Hamburger Sturmfluten: der Egon. Macht man mal Pause, die kurze, sitzt da der Egon und klärt.

GvSuT: Jetzt reichst aber. Alle Mann nach draußen. Nehmt den schäbigen Jung-Koch noch mit. Wir brauchen jeden Mann.

Alle gehen ab zur Küche, wo der Soldat Günter Grass grade Zwiebeln schält.

Egon Bahr: Hallo Ginter, willst mitkommen zum Schießen nach draußen?

Günter Grass: Hab keine Zejt. Muss immer wejnen. Ich denk immer an mejne Trakehner zu Haus. Bin sehr truarig. Is nich mein Ding Zwiebeln zu hejten. Und dann muss ich noch den Butt herrichten. Wie das stinkt.

GvSuT: Dem Mann kann geholfen werden. Melde dich schnellstens beim SS-Führer Sturmvogel, der bringt dich aus dem Küchendreck heraus.

Günter Grass: Klasse. Darf ich noch den Hans-Jürgen in Hamburg anrufen. Der ist ein Nejer, hat sich Hakenkreiz an Hemd gejäht, wollte immer in die HJ und wirde bestimmt auch…

GvSuT: Keine Neger! Hau ab Grass!

Oberfähnrich Bahr: Das ist eine große Ungerechtigkeit, dass Neger nicht zur HJ und SS dirfen. Was meinst du, Helmut?

Oberleutnant Schmidt: Ich werde mal gleich den Herbert im Exil anrufen. Nach dem Krieg werden wir das alles mit unserer neuen Partei ändern.

Günter Grass: Du meinst, dann darf auch ein Negerjunge in die SS?

GvSuT: Schnauze jetzt! Das ist Verrätertum. Äh, sagt mal, wie heißt denn die neue Partei?

Egon Bahr: Irgendwas mit „sozialistisch“. Müssen wir mal schauen.

GvSuT: Nehmen die mich auch?

Günter Grass: Wir nehmen alle die guten Gewissens und Willen sind.

Eine Bombe schlägt in direkter Nähe ein.

Egon Bahr: Das mir bloß keiner macht kaputt meinen Zarathustra. Diese Wilden da auf der anderen Seite aber auch. Wenn das wisst meine Mame…

5 Wie ich diese Gammelrentner hasse!

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