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26. Februar 2006

Bodo, genannt der Rote

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 17:22

Von Tanja Krienen

Dass die Linkspartei-Fraktion nach dem Wahlgesetz niemals hätte anerkannt werden dürfen, und dieser Fakt auf einen unterschwelligen Selbstzerstörungsprozess der Gesellschaft hinweist, der von vielen – wie ein herbeigesehnter Todeswunsch – in Kauf genommen wurde, zeigt die neueste Entwicklung.

Dies ist die Ballade von Bodo, genannt der Rote, Junge aus gutem Hause, der in die linke Bewegung eintrat, und was aus ihm geworden ist:

Ziemlich großer und heller Typ.
Geht bißchen schief, so mit Hahnentritt.
War schon im ersten Semester voll da.
Redet sehr schnell und denkt auch schnell mit.
Hatte immer paar Leute um sich,
sprachen wie er und gingen auch schief,
schleppten ihm Bücher, lasen für ihn.
Später nannte er das »Kollektiv«.
Ist von zu Hause nicht gerade arm.
Überschätzte das aber nie.
Und weil er zu Recht nicht zufrieden war,
wurd er von allen schon ziemlich früh
Bodo genannt, der Rote.

Dann brach der Sturm auf der Uni los.
Bodo mit Bart spielte Megaphon.
Straßenkampf machte sein Kollektiv.
Er koordinierte am Telefon.
Dann wars bloß ein Sturm im Wasserglas,
und Bodo ging auf den Mao-Trip.
Das heißt, er schickte sein Kollektiv
für ‘n paar Monate in ‘nen Betrieb.
Machte über das Ganze ein Buch
frech und mit Witz, aber sehr radikal.
Allein der Arbeitgeberverband
kaufte das Buch gleich fünftausendmal
von Bodo, genannt der Rote.

Mädchen kamen und Bodo war high,
Guru mit Stirnband, Hemd bis zum Knie.
Zog in ein Haus mit dem Kollektiv,
nannte das die »Bodo-Family«.
Machten Musik und tanzten und bumsten,
schluckten und fixten ziemlich herum.
Bodo machte daraus dann den Film
»Drogenmißbrauch« fürs dritte Programm.
Ging für ein Jahr in die USA
als Friedrich-Ebert-Stipendiat.
Als er zurückkam, wußte er viel,
was man ihm auch angesehen hat,
dem Bodo, genannt der Rote.

Schmiß sich sofort auf Basisarbeit
in einem Obdachlosenasyl.
Hatte wieder paar Typen dabei.
Agitierten und soffen auch viel.
Steckten zwei alte Baracken in Brand,
paar Obdachlose kamen in’ Knast.
Die anderen fielen über sie her,
erschlugen die Leute von Bodo fast.
Bodo nannte das »Praktikum
für angewandte Soziologie.«
Schrieb dann auch seine Doktorarbeit,
Titel »Die Randgruppenstrategie«
von Bodo, genannt der Rote.

So hatte Bodo in sehr kurzer Zeit
klargemacht, was er kann, was er ist:
Führungskraft mit viel Phantasie,
der Konflikte erkennt und auch löst.
Und so machte der Polizeipräsident
einer sozialdemokratischen Stadt
ihn zum persönlichen Assistent,
was Bodo dann auch befriedigt hat.
Und nun wäre ja ganz schön, wenn man singen könnt,
der war gestorben - oder anderswie.
Ist aber nicht. Der lebt heute noch,
dieses Anpassungsgenie,
als Bodo, genannt der Rote.

Bode, genannt der Rote - Franz Josef Degenhardt, 1972

P.S. Der LP-Text endet eigentlich so -

Als Offizier, der Bourgeoise

Als Bodo, genannt der Rote - völliger Blödsinn dies abzuändern, ein Unoriginärer schreibt vom anderen Nachahmer ab.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der PDS im Bundestag, Bodo Ramelow, hat nach eigener Homepageaussage drei Eigenschaften, nämlich „ehrlich, mutig, links“ – obwohl der unbefangene Beobachter auf Anhieb eher einen Eindruck Marke „leutselig, selbstgefällig und stromlinienförmig“ gewinnt. Aber besonders setzt er sich, das lässt er jedenfalls verlauten, für die „Transparenz in der deutschen Politik“ ein“, was aber nicht heißt, er habe den Verfassungsschutzbericht über ihn aus alten Zeiten begrüßt, denn als dieser publik wurde, sagte er: “Dies ist ein schwarzer Tag für den Datenschutz”, halt: „Ehrlich, mutig, links“

Nun aber ist er mit Entschiedenheit vor die Presse, genauer, den Vertretern der – frei nach Karl Kraus – „Untergang der Welt durch schwarze Magie“- Ideologen gegangen und übergab sich ob des Faktes, den außer ihm jeder kennt: Die erneut umbenannte SED ist im Grunde die alte - und die neuen Organisierer der Neid-Gesellschaft auf dem kalten Asphalt, die WASG (etwa: „Wahnsinnig Alte Sozialisten & Gewerkschafter“ oder „Wilde Alt-Stalinisten Garde“) überholt diese ganz auf der linken Seite, ganz außen, ganz vom Rande her.

Ramelow tobt aber jetzt kalkuliert gegenüber der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”, die Dogmatiker in beiden Parteien(!) gewännen an Einfluss und verhinderten eine offene Diskussion; und: “Wenn sich die Linkspartei wieder in Revolutionslyrik übt und in Hinterzimmer zurückzieht, dann wird es nichts mit einer modernen Bürgerrechtspartei”. Damit spielte er auf die Debatte an, ob man als Linker Kuba kritisieren dürfe. Die DDR sei “ein Hort der Menschenrechte” gewesen, so würde es in der Partei immer dargestellt kritisierte Ramelow und propagierte: “Wer den Gründungskonsens der PDS, den Bruch mit dem Stalinismus, in Frage stellt, geht an die Wurzeln der Partei”. Woher er das hat, bleibt vage und warum das nie stimmte, darüber konnte man im CAMPO-Blog schon mehrfach alles nachlesen – siehe auch Homepage TK Die Kriminalgeschichte der PDS

Es ist Ramelows Taktik, immer nur das einzugestehen, was sich nicht vermeiden lässt und natürlich weiß er mehr – und das schon viel länger. Als er noch Fraktionsvorsitzender im Thüringischen Landtag war, fragte ich ihn im Jahre 2004 z.B., warum die PDS ihre „Sexual-AG“, nichts als eine Pädophilen-Verharmlosungstruppe, dulden würde. Seine Antwort damals: “sex mit kindern ist für mich nicht tolerabel. Sex ohne einverständniss oder gegen den Willen des Beteiligten ist verwerfliche Gewalt. Soetwas ist nur zu verurteilen und zu ächten. Strafrechtlich und Gesellschaftlich! So etwas hat keinen Platz in der PDS! B.Ramelow”. Wollen wir hoffen, er ist nicht für diesen Sex, wenn es nicht gegen das Einverständnis und nicht gegen den Willen ist, aber warum die Sexual-AG inzwischen sogar skandalöserweise mit dem „Firmenlogo“ der Partei ihre Website ziert, erklärt niemand in der SED (Sozialistische Einheitspartei – gebildet aus PDS und WASG). Billigt man in der Partei sogar die Ziele, da doch diese Gruppe eben den „einvernehmlichen und nicht gegen den Willen der Kinder“ erfolgenden Sex strafrechtlich neu, resp. gar nicht verurteilen möchte, ganz im Sinne des extremistischen whk, in dem manche Leute Mitglied sind?

Aber wer von denen, die das Treiben vieler Linkspartei-Vertreter und ihrer sektiererischen Anhänger im Internet, in den Zirkeln und Hinterzimmern verfolgt, überraschen die von Ramelow getätigten Aussagen über den Charakter der Partei, ist doch die Wirklichkeit noch mit dem Faktor x zu multiplizieren?!

Weil es immer wieder nötig ist auf das hinweisen, was wirklich die Gesellschaft bedroht, stelle ich noch einmal einen Text aus der Sommer-Wahlkampfzeit ein:

Was die neue SED wirklich will

Der Entwurf einer „klassenlosen Gesellschaft, des „Paradieses auf Erden“, ist ja das Ziel menschheitsbeglückenden Aktivitäten, die ich bekanntlich so enden sehe – Widerspruch im Paradies

Die neue SED beruft sich mit dem Erbe der so genannten „Partei des Demokratischen Sozialismus“ noch immer auf den Marxismus-Leninismus – Das schwere Leben des Herrn Murx

Jeder der bewusst handelnden und geschulten Parteiführer aber kennt die Auszüge der folgenden Schrift Lenins, die wie keine andere den janusköpfigen Charakter der Veranstaltung mit jedem Buchstaben belegt. Hören wir nicht sogar dieselben, resp. sehr ähnlichen Worte, jetzt, aktuell? Wer wissen will, was kommt, wenn man sie nicht stoppt, sollte sich 15 Minuten Zeit nehmen. Aus „Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus“:

Warum Klassenpolitiker benoetigt werden

Die Politik ist eine Wissenschaft und Kunst, die nicht vom Himmel fällt, die einem nicht in die Wiege gelegt wird, und das Proletariat, wenn es die Bourgeoisie besiegen will, muss seine eigenen proletarischen „Klassenpolitiker“ hervorbringen, und zwar Politiker, die nicht schlechter sein dürfen als die bürgerlichen Politiker. Die Macht der Gewohnheit von Millionen und aber Millionen ist die fürchterlichste Macht. Ohne eine eiserne und kampfgestählte Partei, ohne eine Partei, die das Vertrauen alles dessen genießt, was in der gegebenen Klasse ehrlich ist, ohne eine Partei, die es versteht, die Stimmung der Massen zu verfolgen und zu beeinflussen, ist es unmöglich, einen solchen Kampf erfolgreich zu führen.
Warum man sich an Wahlen beteiligen soll, solange der Parlamentarismus nicht „erledigt“ ist oder: Lernt von Karl und Rosa!

Die deutschen „linken“ Kommunisten beantworten diese Frage mit größter Geringschätzung – und mit größter Leichtfertigkeit – verneinend. Die deutschen „Linken“ haben entgegen der Meinung so hervorragender politischer Führer wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bekanntlich schon im Januar 1919 den Parlamentarismus für „politisch erledigt“ gehalten. Wie bekannt, haben sich die „Linken“ geirrt.

Den „Linken“ obliegt es zu beweisen, weshalb ihr unbestreitbarer Fehler von damals jetzt aufgehört hat, ein Fehler zu sein. Nicht einmal ein Schimmer eines Beweises führen sie an und können sie anführen. Das Verhalten einer politischen Partei zu ihren Fehlern ist eines der wichtigsten und sichersten Kriterien für den Ernst einer Partei und für die tatsächliche Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihrer Klasse und den werktätigen Massen.

Wenn die “Linken“ in Deutschland diese ihre Pflicht nicht erfüllen, so beweisen sie gerade dadurch, daß sie nicht eine Partei der Klasse, sondern ein Konventikel, nicht eine Partei der Massen, sondern eine Gruppe von Intellektuellen und einigen wenigen Arbeitern sind, die die schlechtesten Eigenschaften der Intellektuellen kopieren.

Es ist klar, daß der Parlamentarismus in Deutschland politisch noch nicht erledigt ist. Es ist klar daß die „Linken“ in Deutschland ihren eigenen Wunsch, ihre eigene ideologisch-politische Stellung für die objektive Wirklichkeit halten. Das ist der gefährlichste Fehler, den Revolutionäre machen können. Gerade hier sehen wir, daß die „Linken“ nicht zu urteilen verstehen.

Wozu ihr verpflichtet seid

Ihr seid verpflichtet, nicht auf das Niveau der Massen herabzusinken. Das ist unbestreitbar. Ihr seid verpflichtet, ihnen die bittere Wahrheit zu sagen. Ihr seid verpflichtet, ihre bürgerlich-demokratischen und parlamentarischen Vorurteile beim richtigen Namen zu nennen. Aber zugleich seid ihr verpflichtet, den tatsächlichen Bewußtseins- und Reifegrad eben der ganzen Klasse (und nicht nur ihrer kommunistischen Avantgarde), eben der ganzen werktätigen Masse nüchtern zu prüfen. Selbst wenn bloß eine Minderheit von Industriearbeitern den katholischen Pfaffen nachläuft, ergibt sich schon daraus unzweifelhaft, daß die Beteiligung an den Parlamentswahlen und am Kampf auf der Parlamentstribüne für die Partei unbedingte Pflicht ist, gerade um die rückständigen Schichten zu erziehen, gerade um die unentwickelte, geduckte, unwissende Masse aufzurütteln und aufzuklären.

Jagd Sie, sobald ihr könnt!

Solange ihr nicht stark genug seid, das bürgerliche Parlament und alle sonstigen reaktionären Institutionen auseinanderzujagen, seid ihr verpflichtet, gerade innerhalb dieser Institutionen zu arbeiten. Sonst lauft ihr Gefahr, einfach zu Schwätzern zu werden. Es ist sehr leicht, seinen „Revolutionismus“ nur durch schimpfen auf den parlamentaristischen Opportunismus, nur durch Ablehnung der Beteiligung an den Parlamenten zu bekunden, aber gerade weil das nur allzu leicht ist, ist es keine Lösung der überaus schwierigen Aufgabe. Es ist vollkommen klar – auf Grund der oben angeführten Argumente – daß ein Verzicht auf die Beteiligung an den Parlamenten, für die Sache schädlich wäre.

Kompromisse machen, larvieren, paktieren: zuschlagen

Es ist traurig mitanzusehen, wie Leute, die sich zweifelslos für Marxisten halten und Marxisten sein möchten, die Grundwahrheiten des Marxismus vergessen haben. Die größten Wirrköpfe können zufrieden sein: Solide Deutsche, die sich offenbar für Marxisten halten liefern einen besonders soliden Beweis dafür, daß sie sich für solide Marxisten halten, und reden in besonders komischer Weise einen unglaublichen Unsinn zusammen, wodurch sie offenbaren, daß sie das Abc des Marxismus nicht begriffen haben, und versteigen sich zu ganz ungereimten Zeug. Die bloße Anerkennung des Marxismus befreit noch nicht von Fehlern. Naive und ganz unerfahrene Leute bilden sich ein, es genüge, die Zulässigkeit von Kompromissen überhaupt anzuerkennen – und schon werde jede Grenze verwischt zwischen dem Opportunismus, gegen den wir einen unversöhnlichen Kampf führen und führen müssen, und dem Marxismus.

Wenn aber solche Leute nicht wissen, daß alle Grenzen sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft beweglich sind so ist ihnen nicht anders zu helfen als durch anhaltende Belehrung, Erziehung, Aufklärung, durch politische und alltägliche Erfahrung. Es ist doch unmöglich, daß die deutschen “Linken“ nicht wissen, daß die ganze Geschichte des Bolschewismus, sowohl vor als auch nach der Oktoberrevolution, voll ist von Fällen des Lavierens, des Paktierens, der Kompromisse mit anderen, darunter auch mit bürgerlichen Parteien!

Es ist dasselbe, als wollte man bei einem schwierigen Aufstieg auf einen noch unerforschten und bisher unzugänglichen Berg von vornherein darauf verzichten, manchmal im Zickzack zu gehen, manchmal umzukehren, die einmal gewünschte Richtung aufzugeben und verschiedene Richtungen zu versuchen? Und Leute, die so wenig einsichtig und so unerfahren sind (noch gut, wenn sich das durch ihre Jugend erklärt: es ist das natürliche Vorrecht der Jugend, eine Zeitlang solche Dummheiten zu reden) konnten bei Mitgliedern der
Kommunistischen Partei Unterstützung finden.

Die Schlußfolgerung ist klar: Kompromisse “prinzipiell“ abzulehnen, jedwede Zulässigkeit von Kompromissen schlechthin zu verneinen, ist eine Kinderei, die man schwerlich ernst nehmen kann. Es gibt Kompromisse und Kompromisse. Man muß es verstehen, die Umstände und die konkreten Bedingungen jedes Kompromisses oder jeder Spielart eines Kompromisses zu analysieren. Unsere Theorie ist kein Dogma, sondern eine Anleitung zum Handeln, pflegten Marx und Engels zu sagen, und das schwerste Verbrechen ist, diese Theorie in den wichtigsten Augenblicken nicht anzuwenden.

Rein in die Parlamente – nutzt sie aus!

Der Fehler bestand darin, daß die deutschen Kommunisten eine Beteiligung am reaktionären, bürgerlichen Parlament verwarfen; der Fehler bestand in zahlreichen Äußerungen jener ,,linken“ Kinderkrankheit, die jetzt offen zum Ausbruch gekommen ist und um so gründlicher, um so schneller, mit um so größeren Nutzen für den Organismus kuriert werden wird. Unsere Leute können sich sogar Dummheiten leisten (allerdings dürfen diese Dummheiten nicht sehr groß sein und müssen rechtzeitig korrigiert werden). Sehr jungen und unerfahrenen Revolutionären scheint es, natürlich ebenso wie kleinbürgerlichen Revolutionären, sogar wenn sie sehr ehrwürdigen Alters und reich an Erfahrung sind, außerordentlich “gefährlich“, unverständlich, ja falsch zu sein, “Kompromisse zu erlauben“. Die Kritik – und zwar die schärfste, schonungsloseste, unversöhnlichste Kritik – ist nicht gegen den Parlamentarismus oder gegen jede parlamentarische Tätigkeit zu richten, sondern gegen jene Führer, die es nicht verstehen, die Parlamentswahlen und die Parlamentstribüne auszunutzen und noch mehr gegen diejenigen, die das nicht wollen. Nur eine solche Kritik, natürlich verbunden damit, daß man die untauglichen Führer fortjagt und durch taugliche ersetzt, wird eine nützliche
und fruchtbringende revolutionäre Arbeit sein.

Wenn Karl Liebknecht in Deutschland es sogar ohne Unterstützung der Massen von unten vermocht hat, ein Musterbeispiel einer wirklich revolutionären Ausnutzung reaktionärer Parlamente zu geben, warum sollte dann eine rasch wachsende Massenpartei nicht imstande sein, sich in den schlimmsten Parlamenten eine kommunistische Fraktion zu schmieden gerade deshalb können und müssen die Kommunisten nur in solchen Institutionen wie den bürgerlichen Parlamenten den von innen heraus den langwierigen, hartnäckigen, vor keinen Schwierigkeiten zurückschreckenden Kampf zur Enthüllung führen.

Anders handeln heißt die Sache der Revolution erschweren, denn ohne eine Änderung in Anschauungen der Mehrheit der Arbeiter ist die Revolution unmöglich; diese Änderung aber wird durch die politische Erfahrung der Massen, niemals durch Propaganda allein erreicht. Das ist eine Kinderei von Intelligenzlern, aber keine ernste Taktik einer revolutionären Klasse. Es ist zu befürchten, daß die Abspaltung der “linken“ Antiparlamentarier zu einer internationalen Erscheinung wird. Nun schön! Spaltung ist immerhin besser als Konfusion, die sowohl das ideologische, theoretische, revolutionäre Wachstum, den Reifegrad der Partei als auch ihre einmütige praktische Arbeit hemmt.

Warten auf den Anlass: Legale oder illegale Methoden – Ziel ist der offene Kampf

Unerfahrene Revolutionäre meinen oft, legale Kampfmittel seien opportunistisch, weil die Bourgeoisie auf diesem Gebiet die Arbeiter besonders häufig betrogen und übertölpelt hat, illegale Kampfmittel dagegen seien revolutionär. Das ist jedoch nicht richtig. Richtig ist, daß Opportunisten und Verräter an der Arbeiterklasse diejenigen Parteien und Führer sind, die nicht fähig oder gewillt waren illegale Kampfmittel z.B. unter den Verhältnissen anzuwenden, wie sie während des imperialistischen Krieges 1914/18 bestanden, als die Bourgeosie der freiesten demokratischen Länder die Arbeiter mit ungehörter Frechheit und Brutalität betrog und es verbot, die Wahrheit über den räuberischen Charakter des Krieges zu sagen. Aber Revolutionäre, die es nicht verstehen, die illegalen Kampfformen mit allen legalen zu verknüpfen, sind sehr schlechte Revolutionäre. Es ist nicht schwer, dann ein Revolutionär zu sein, wenn die Revolution bereits ausgebrochen und entbrannt ist, wenn sich jeder anschließt, aus einfacher Schwärmerei, aus Mode, mitunter aus Gründen der persönlichen Karriere. Das Proletariat hat nachher, nach seinem Sieg, die größte Mühe, man könnte sagen, seine liebe Not, sich von solchen Quasi-Revolutionären zu befreien. Viel schwerer ist, daß man es versteht, ein Revolutionär zu sein, wenn die Bedingungen für einen direkten, offenen Kampf noch nicht vorhanden sind, daß man es versteht die Interessen der Revolution in nichtrevolutionären, oft sogar direkt reaktionären Institutionen, zu verfechten.

Wir können nicht wissen welcher Anlaß sehr breite, jetzt noch schlummernde Massen am stärksten aufrütteln, entflammen, zum Kampf vorwärtstreiben wird. Deshalb sind wir verpflichtet, unsere ganze Vorarbeit so zu leisten, daß sie… in jeder Hinsicht hieb – und stichfest ist. Es ist möglich, daß eine Parlamentskrise den „Durchbruch bringen“, das “Eis brechen“ wird; Die Kommunisten in Westeuropa und in Amerika müssen lernen, einen neuen, andersartigen Parlamentarismus hervorzubringen, der mit Opportunismus und Karrierismus nichts zu tun hat.

Verstellt euch, agitiert, organisiert, sprecht die Sprache des Volkes

Es muß so sein, daß die Partei ihre Losungen ausgibt und echte Proletarier mit Hilfe der unorganisierten und niedergedrückten Flugblätter verteilen und austragen, die Wohnungen der Arbeiter, die Hütten der Landproletarier und der Bauern aufsuchen ausnutzen in die Kneipen gehen, wo das einfache Volk verkehrt, und sich zu Verbänden, Vereinen zufälligen Versammlungen des einfachen Volkes Zutritt verschaffen. Sie dürfen mit dem Volk nicht in gelehrter und nicht in sehr parlamentarischer Sprache reden, dürfen nicht im geringsten auf einen “Sitz“ im Parlament erpicht sein, sondern müssen überall das Denken wachrütteln, die Masse in Bewegung bringen, den von der Bourgeosie geschaffenen Apparat, die von ihr angesetzten Wahlen, ausnutzen.

Auf jeden Fall kann nicht im geringsten daran gezweifelt werden, daß eine Partei, die die Avantgarde, der Vortrupp sein will und die darüber hinaus lernen will, nicht nur die breiten proletarischen, sondern auch die nichtproletarischen Massen, die Massen der Werktätigen zu führen, es verstehen muß, sowohl für die “Straße“, in den Städten und Fabrikvierteln, als auch für das Dorf in der faßlichsten, verständlichsten, klarsten und lebendigsten Weise Propaganda zu treiben, zu agitieren und zu organisieren.

Keine bürgerlich-parlamentarischen Kinkerlitzchen, sondern: Organisation der Masse und Umerziehung

Ihr kommt euch selber “schrecklich revolutionär“ vor, liebe Boykottisten und Antiparlamentarier, aber in Wirklichkeit habt ihr Angst bekommen vor den verhältnismäßig kleinen Schwierigkeiten des Kampfes gegen die bürgerlichen Einflüsse innerhalb der Arbeiterbewegung. Ihr habt wie Kinder Angst bekommen vor einer kleinen Schwierigkeit, die euch heute bevorsteht, und begreift nicht, daß ihr morgen oder übermorgen lernen müsst, dieselben Schwierigkeiten zu überwinden. Darin besteht eben die Kinderei der „Ablehnung“ einer Beteiligung am Parlamentarismus, daß man in Wirklichkeit aber nur vor dem eigenen Schatten davonläuft, nur die Augen verschließt. Schamlosester Karriererismus, Ausnutzung der Parlamentspöstchen auf bürgerliche Art, himmelschreiende reformistische Entstellung der Arbeit im Parlament, abgeschmackte spießbürgerliche Routine – das alles sind ohne Zweifel die gewöhnlichen und überwiegend charakteristischen Züge, die der Kapitalismus überall, nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Arbeiterbewegung erzeugt und es ist schwierig, die gewohnten hoffnungslos verdorbenen parlamentarischen Führer aus der Partei zu vertreiben; es ist schwierig eine absolut notwendige Zahl von Leuten, die aus dem Bürgertum kommen, der proletarischen Disziplin unterzuordnen; es ist schwierig eine der Arbeiterklasse durchaus würdige kommunistische Fraktion im bürgerlichen Parlament zu schaffen; es ist schwierig zu erreichen, daß die kommunistischen Parlamentarier ihre Zeit nicht mit bürgerlich-parlamentarischen Kinkerlitzchen vertändeln, sondern sich mit der überaus dringenden Arbeit der Propaganda , Agitation und Organisation unter den Massen befassen. All das ist schwierig, wer wolle es leugnen. Aber alle die Schwierigkeiten sind kinderleicht im Vergleich mit (den, T.K.) wahrhaft gigantischen Aufgaben, wenn man Millionen Bauern und Kleinproduzenten, Angestellte, Beamte und bürgerliche Intellektuelle umerziehen muß.

Bürgerliche Intellektuelle und bürgerliche Institutionen werden „untergeordnet“

Wenn die Genossen “Linken“ und Antiparlamentarier es nicht lernen, heute selbst eine so kleine Schwierigkeit zu überwinden, so kann man mit Gewißheit sagen, daß sie nicht imstande sein werden, sich die bürgerlichen Intellektuellen und die bürgerlichen Institutionen in großem Maßstab unterzuordnen und sie umzumodeln, oder aber, daß sie das alles in größter Hast werden nachlernen müssen und durch diese Hast der Sache des Proletariats gewaltigen Schaden zufügen, mehr Fehler als notwendig begehen, mehr Schwächen und Unvermögen als durchschnittlich an den Tag legen werden. Man muß lernen, alle Arbeits- und Tätigkeitsgebiete ohne Ausnahme zu meistern und zu beherrschen, alle Schwierigkeiten und alle bürgerlichen Praktiken, Traditionen und Gewohnheiten überall zu überwinden. Eine andere Fragestellung wäre einfach nicht ernst zu nehmen, wäre einfach eine Kinderei.

Aus „Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ (1920), Vladimir Illitsch Uljanow, genannt Lenin (1870-1924)

4 Kommentare »

  1. Bodo, genannt der Rote. Nein, es ist nicht DER Bodo gemeint. Oder doch? Jedenfalls wusste die Arbeiterbewegung einst, was sie von der “Minderheitenpolitik”, die damals noch “Randgruppen”(strategie) hieß, zu halten hatte, nämlich: nix! Ihre Vertreter waren und sind zynische Dumpfbacken, die nie selbst involviert sind und Konflikte schüren, um zu profitieren, nicht, um sie redlich zu lösen. Dabei wurden sie schon damals von der Wucht des Unheils, das sie selbst mit all ihrer maoistischer oder trotzkistischer Einfalt anrichteten, politisch erschlagen, - um anschließend andere dafür haftbar zu machen. Franz Josef Degenhardt hat so einen schrägen Vogel schon 1972 karikiert und das Lied dazu ist immer noch sowohl lesenswert, als auch hörbar (solche ambivalenten Lieder werden NIE auf You Tube von den Genossen eingestellt) -

    Dies ist die Ballade von Bodo, genannt der Rote, Junge aus gutem Hause, der in die linke Bewegung eintrat, und was aus ihm geworden ist:

    Ziemlich großer und heller Typ.
    Geht bißchen schief, so mit Hahnentritt.
    War schon im ersten Semester voll da.
    Redet sehr schnell und denkt auch schnell mit.
    Hatte immer paar Leute um sich,
    sprachen wie er und gingen auch schief,
    schleppten ihm Bücher, lasen für ihn.
    Später nannte er das »Kollektiv«.
    Ist von zu Hause nicht gerade arm.
    Überschätzte das aber nie.
    Und weil er zu Recht nicht zufrieden war,
    wurd er von allen schon ziemlich früh
    Bodo genannt, der Rote.

    Dann brach der Sturm auf der Uni los.
    Bodo mit Bart spielte Megaphon.
    Straßenkampf machte sein Kollektiv.
    Er koordinierte am Telefon.
    Dann wars bloß ein Sturm im Wasserglas,
    und Bodo ging auf den Mao-Trip.
    Das heißt, er schickte sein Kollektiv
    für ‘n paar Monate in ‘nen Betrieb.
    Machte über das Ganze ein Buch
    frech und mit Witz, aber sehr radikal.
    Allein der Arbeitgeberverband
    kaufte das Buch gleich fünftausendmal
    von Bodo, genannt der Rote.

    Mädchen kamen und Bodo war high,
    Guru mit Stirnband, Hemd bis zum Knie.
    Zog in ein Haus mit dem Kollektiv,
    nannte das die »Bodo-Family«.
    Machten Musik und tanzten und bumsten,
    schluckten und fixten ziemlich herum.
    Bodo machte daraus dann den Film
    »Drogenmißbrauch« fürs dritte Programm.
    Ging für ein Jahr in die USA
    als Friedrich-Ebert-Stipendiat.
    Als er zurückkam, wußte er viel,
    was man ihm auch angesehen hat,
    dem Bodo, genannt der Rote.

    Schmiß sich sofort auf Basisarbeit
    in einem Obdachlosenasyl.
    Hatte wieder paar Typen dabei.
    Agitierten und soffen auch viel.
    Steckten zwei alte Baracken in Brand,
    paar Obdachlose kamen in’ Knast.
    Die anderen fielen über sie her,
    erschlugen die Leute von Bodo fast.
    Bodo nannte das »Praktikum
    für angewandte Soziologie.«
    Schrieb dann auch seine Doktorarbeit,
    Titel »Die Randgruppenstrategie«
    von Bodo, genannt der Rote.

    So hatte Bodo in sehr kurzer Zeit
    klargemacht, was er kann, was er ist:
    Führungskraft mit viel Phantasie,
    der Konflikte erkennt und auch löst.
    Und so machte der Polizeipräsident
    einer sozialdemokratischen Stadt
    ihn zum persönlichen Assistent,
    was Bodo dann auch befriedigt hat.
    Und nun wäre ja ganz schön, wenn man singen könnt,
    der war gestorben - oder anderswie.
    Ist aber nicht. Der lebt heute noch,
    dieses Anpassungsgenie,
    als Bodo, genannt der Rote.

    Kommentar von Campo-News — 26. Dezember 2014 @ 17:04

  2. So sind sie - http://www.focus.de/panorama/videos/aufregung-in-thueringen-wegen-eines-beleidigenden-fotos-polizeigewerkschaft-wuetet-gegen-rot-rot-gruen_id_6045462.html

    Kommentar von Campo-News — 8. Oktober 2016 @ 17:11

  3. Der Flori geht in die rota Flora und so florieren die Linken, auch wenn sie stinken. Früher hieß der Flori Bodo.

    Bodo, genannt der Rote (1972)

    Ziemlich großer und heller Typ.
    Geht bißchen schief, so mit Hahnentritt.
    War schon im ersten Semester voll da.
    Redet sehr schnell und denkt auch schnell mit.
    Hatte immer paar Leute um sich,
    sprachen wie er und gingen auch schief,
    schleppten ihm Bücher, lasen für ihn.
    Später nannte er das »Kollektiv«.
    Ist von zu Hause nicht gerade arm.
    Überschätzte das aber nie.
    Und weil er zu Recht nicht zufrieden war,
    wurd er von allen schon ziemlich früh
    Bodo genannt, der Rote.

    Dann brach der Sturm auf der Uni los.
    Bodo mit Bart spielte Megaphon.
    Straßenkampf machte sein Kollektiv.
    Er koordinierte am Telefon.
    Dann wars bloß ein Sturm im Wasserglas,
    und Bodo ging auf den Mao-Trip.
    Das heißt, er schickte sein Kollektiv
    für ‘n paar Monate in ‘nen Betrieb.
    Machte über das Ganze ein Buch
    frech und mit Witz, aber sehr radikal.
    Allein der Arbeitgeberverband
    kaufte das Buch gleich fünftausendmal
    von Bodo, genannt der Rote.

    Mädchen kamen und Bodo war high,
    Guru mit Stirnband, Hemd bis zum Knie.
    Zog in ein Haus mit dem Kollektiv,
    nannte das die »Bodo-Family«.
    Machten Musik und tanzten und bumsten,
    schluckten und fixten ziemlich herum.
    Bodo machte daraus dann den Film
    »Drogenmißbrauch« fürs dritte Programm.
    Ging für ein Jahr in die USA
    als Friedrich-Ebert-Stipendiat.
    Als er zurückkam, wußte er viel,
    was man ihm auch angesehen hat,
    dem Bodo, genannt der Rote.

    Schmiß sich sofort auf Basisarbeit
    in einem Obdachlosenasyl.
    Hatte wieder paar Typen dabei.
    Agitierten und soffen auch viel.
    Steckten zwei alte Baracken in Brand,
    paar Obdachlose kamen in’ Knast.
    Die anderen fielen über sie her,
    erschlugen die Leute von Bodo fast.
    Bodo nannte das »Praktikum
    für angewandte Soziologie.«
    Schrieb dann auch seine Doktorarbeit,
    Titel »Die Randgruppenstrategie«
    von Bodo, genannt der Rote.

    So hatte Bodo in sehr kurzer Zeit
    klargemacht, was er kann, was er ist:
    Führungskraft mit viel Phantasie,
    der Konflikte erkennt und auch löst.
    Und so machte der Polizeipräsident
    einer sozialdemokratischen Stadt
    ihn zum persönlichen Assistent,
    was Bodo dann auch befriedigt hat.
    Und nun wäre ja ganz schön, wenn man singen könnt,
    der war gestorben - oder anderswie.
    Ist aber nicht. Der lebt heute noch,
    als Offizier, der Bourgeoise
    Als Bodo, genannt der Rote

    FJD

    Kommentar von Campo-News — 10. Juli 2017 @ 10:53

  4. Diese “Rockmusik” ist keine und mir zudem zuwider, aber warum eine friedlich verlaufene Veranstaltung ein schärferes Versammlungsrecht benötigt, weiß nur der Bolschewist allein http://www.spiegel.de/politik/deutschland/neonazi-konzert-in-thueringen-bodo-ramelow-will-versammlungsrecht-verschaerfen-a-1158190.html

    https://www.focus.de/politik/deutschland/regierung-tweet-ramelows-fuehrt-fast-zum-interview-abbruch_id_9292810.html

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/news-linke-europa-wahlkampf-afd-alice-weidel-spenden-umweltschutz-a-1253863.html

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bodo-ramelow-und-daniel-guenther-zeit-der-ausgrenzung-ist-vorbei-a-1271775.html

    https://www.compact-online.de/weil-das-afd-bashing-selbst-ihm-zu-weit-ging-linker-politiker-weist-journalisten-in-die-schranken/?fbclid=IwAR3OMYJLx6G2e1X2-diHHlGTt09SIh-sdH16zS-uR8T2X-yY7XLALrUwlOY

    Kommentar von Campo-News — 17. Juli 2017 @ 05:50

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