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21. April 2005

Die Piefkei oder Schnucki, ach Schnucki

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 17:55

Sind die Deutschen noch immer für die oesterreichische Politik zuständig? Es hat den Anschein. Und Sioux-Indianer gibt es auch kaum noch…

Weil es wirklich langweilig wäre, die vielen befriedigt klingenden Bemerkungen, die dieser Tage nach dem Zerfall der Haider-Partei, und der damit verbundenen Gefahr für die Schüssel-Koalition aufzuzählen, resp. zu zitieren, belasse ich es bei der ersten Strophe des Liedes von Hermann Leopoldi (eigentlich Hermann Kohn Leopoldi-Bio ) „Erst kommt Österreich“ Leopoldi-Foto , welches fast eine Hymne des von Karl Kraus favorisierten, als „Austro-Faschismus“ geschmähten, anti-nationalsozialistischen Systems Österreichs, gelten kann, und 1934, also im Jahr der Ermordung des österreichischen Bundeskanzlers Dollfuss durch Nationalsozialisten erschien, und als Absage an Deutschtümeleien zu Händen des großen Nachbarn, UND alten, rückwärtsgewandten Idealen, der österreichisch-ungarischen Monarchie zu sehen ist:

Erst kommt Österreich

Wenn die Länder man nummeriert
Und nach Größe klassifiziert
Dann hat sicherlich meins
Nicht den Rang Nummer 1
Weil es heute mehr hinten rangiert
Doch die Größe machts ja nicht bloß
Man kann klein sein und trotzdem noch groß
Was die Landkarte zeigt ist einerlei
Wir stehn doch in allerersten Reih

Denn erst kommt Österreich und dann kommt lang nix
Für mich ist Österreich das schönste auf der Welt
I bleib fest dabei denn uns macht bang nix
Wir brauchen nur ein schönes Wetter und a Geld
Gehns Herr Nachbar: lassens mi in Ruh!
I hör ihnen gar nicht zu!
Denn erst kommt Österreich und dann kommt lang nix
Und jetzt ist Schluss weil ich mich sonst noch ärgern muss.

Der Texter Hermann Leopoldi kam 1938 ins KZ, durfte dann aber in die USA ausreisen. Vor knapp zwei Jahren konnte ich den damals inzwischen 80 Jahre alten Wiener Kabarettisten Gerhard Bronner, der 1938 ebenfalls fliehen musste, und Anfang der 40er Jahre schon im späteren Israel landete, nach Leopoldi befragen.

TK: Mit dem Beginn der Fünfziger Jahre entwickelte sich dann das historisch gewordene Projekt „Wiener Kabarett“. Als Junge erlebten Sie noch den Urvater der Klavierhumoristen, Hermann Leopoldi. War es eine eher spontane Erkenntnis, dass hier wieder ein vager Anknüpfungspunkt an vergangene Traditionen möglich schien oder bestand noch vor der Herausbildung der späteren Gruppe ein inhaltliches Konzept weiter zu gehen, also Parodien, Szenen, Sketche und vielstimmige Gesänge auf die Bühne zu bringen?

Bronner: Wir dachten damals nicht an Stil, oder an Anknüpfungspunkte. Wir schrieben einfach das, was wir für wichtig und richtig hielten. Dass sich daraus ein neuer Stil entwickelte, ist uns erst Jahre später aufgefallen. Hermann Leopoldi war übrigens ständiger Gast in unserem Cabaret, und war einer unserer größten Fans.

TK: Das „Wiener Kabarett war immer – etwas vereinfacht ausgedrückt – antideutsch („Piefkei“), antikommunistisch und proisraelisch ausgerichtet. War dies ein „natürlicher Konsens“ der Beteiligten oder resultierten daraus Spannungen?

Bronner: Nein, wir hatten genügend Spannungen im Team, auch unabhängig von der “Piefkei”. Was uns an den deutschen Linksintellektuellen störte, war ihre Bereitschaft, Fellowtravellers der Kommunisten zu werden. Mir entfuhr damals der Ausspruch: „Ich bin deshalb so böse auf die Russen, weil sie mich zwingen FÜR den Adenauer zu sein!“

TK: …die Bedrohung des Staates (Israel) war selten so groß wie heute. Auffallend jedoch ist, dass gerade jene Leute im Westen, die stets „den Schwur von Buchenwald“ floskelhaft reklamieren und angeblich den Holocaust bedauern, keinerlei Solidarität mit den heute lebenden Juden - jedenfalls nicht für das Staatswesen Israel – zeigen.

Bronner: Wenn die „humanistischen Friedensfreunde” im Westen mit Israel auch nur einen Bruchteil des Mitgefühls hätten, das sie zur Zeit für den Irak zur Schau stellen, sähe der nahe Osten anders aus. Und mit ihm vermutlich die ganze Welt. Zur Illustration: Als Saddam Hussein 1991 seine Scud-Raketen über Israel niedergehen ließ, hat kein Humanist im Westen dagegen protestiert. Ich nehme daher auch den „Schwur von Buchenwald” nicht ernst - ebensowenig wie die „Gutmenschen”, die diesen geschworen haben und sich nun auf die Seite der Terroristen schlagen.

Schließen wir mit einem heiteren Lied Leopoldis aus den 50er Jahren

Schnucki, ach Schnucki

Ein Sioux-Indianer,
ein ganz ein dicker, klaaner,
sah eines Morgens eine Squaw,
so jung und fesch, er war ganz baff!
Er folgte ihrer Fährte,
weil er sie so begehrte,
bis in das nächste Jagdrevier.
Dort sprach er dann zu ihr:

“Schnucki, ach Schnucki,
fahr’ ma nach Kentucky!
In der Bar Ould Schetterhend,
da spielt a Indianerbend!
Dann in die Pampas
auf a Flaschen Schampas.
Um halber achte geht der Zug!
Ich hab’ gesprochen! Hough!”

“Das ist”, sagt sie drauf schnippisch,
“für so a Wüden typisch!
Ich geh’ doch nicht mit so an Gauch
mit einer Glatzen und am Bauch!
Anstatt mir nachzuschleichen,
kauf lieber mir an neichen,
an schicken Indianerschal
und dann sag noch amal (wannst di traust):”

“Schnucki, ach Schnucki,
fahr’ ma nach Kentucky!
In der Bar Ould Schetterhend,
da spielt a Indianerbend!
Dann in die Pampas
auf a Flaschen Schampas.
Um halber achte geht der Zug!
Ich hab’ gesprochen! Hough!”

“Läßt du dich nicht verführen,
dann werd ich dich skalpieren!”
sprach drauf zu ihr der rote Mann,
“weil ich das ausgezeichnet kann!
Sag ja, zum letzten Male!
Sonst wirst am Marterpfahle
gemartert du an einem Baam
dahaam in mei’m Wigwaam!

Schnucki, ach Schnucki,
fahr’ ma nach Kentucky!
In der Bar Ould Schetterhend,
da spielt a Indianerbend!
Dann in die Pampas
auf a Flaschen Schampas.
Um halber achte geht der Zug!
Ich hab’ gesprochen! Hough!”

“Du willst mich wirklich martern?
Das sag ich meinem Vatern!
Wenn ich ihm schreib’ nach Idaho,
dann is er morgen wieder do!
Als Häuptling der Komantschen
wird er dir eine pantschen!
Das kann ich wirklich nicht riskiern,
drum laß ich mich verführn!”

“Schnucki, ach Schnucki,
fahr’ ma nach Kentucky!
In der Bar Ould Schetterhend,
da spielt a Indianerbend!
Dann in die Pampas
auf a Flaschen Schampas.
Um halber achte geht der Zug!
Ich hab’ gesprochen! Hough!”

Minnesota,
Piawota,
Manitu, der Himmelvota,
schuf die Liebe und den Suff.
Piffalapuff,
uff, uff, uff!

1 Kommentar »

  1. Bronner: “Wenn die „humanistischen Friedensfreunde” im Westen mit Israel auch nur einen Bruchteil des Mitgefühls hätten, das sie zur Zeit für den Irak zur Schau stellen, sähe der nahe Osten anders aus. Und mit ihm vermutlich die ganze Welt. Zur Illustration: Als Saddam Hussein 1991 seine Scud-Raketen über Israel niedergehen ließ, hat kein Humanist im Westen dagegen protestiert. Ich nehme daher auch den „Schwur von Buchenwald” nicht ernst – ebensowenig wie die „Gutmenschen”, die diesen geschworen haben und sich nun auf die Seite der Terroristen schlagen.”

    Hätte sich Bronner auf die Seite der “Gutmenschen” geschlagen, denen Präsident Putin als mitverantwortlich für die bestialischen Verbrechen des tschetschenischen Islamismus an russischen Kindern erscheint?

    Kommentar von Digenis Akritas — 27. April 2005 @ 10:39

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