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9. April 2005

Alice Schwarzer: Keine Abtreibung, eine Brust, doch Damenwitze für Damenbartträgerinnen!

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 14:48

Oliver Pocher steht nun im Focus feministischer Kritik. Sie wird ihm hoffentlich ein Ansporn für weitere Zugaben sein.

Unlängst musste sie schon einräumen, die STERN-Kampagne zur Abtreibung vor mehr als 30 Jahren, sei mehr dem üblichen exaltiert-extremistischem Herbeireden wunschgemäßer Indoktrinierungen zur Demontage natürlich-menschlicher Verhältnisse, denn der Realität entsprungen, postulierten doch viele ihrer naiv-aggressiven Mitsteiterinnen einen Zustand, den sie gar nicht erlebten. Nun zeigt sie, worüber man in der Zeitung, in der die Redakteur/innen (und draußen) so schreiben, wie sie heißt, zahnlos lachen.

Wer aber hatte auch geglaubt, Frau Schwarzer habe es mal mit einem dieser Menschen getrieben, die man derzeit noch Männer nennt? Zwar hätte sie wohl sicher allzu gern eine Leibesfrucht so zerhauen, wie sie und ihresgleichen gerne schon strampelnde kleine Menschen kurz vor – manchmal auch schon kurz darüber – der Überlebensfähigkeit in den Abfluss kippen, aber, dass sie eine Option wahrnehmen würde, deren Träger meist zwischen lebensunwert und bestenfalls vernachlässigenswert eingestuft werden, hatte sich niemand ernstlich vorstellen können.

Was ist eine Brust? Zunächst einmal der Bereich – salopp formuliert – die obere Vorderfront eines jeden Menschen. Das Gewebe und die Drüsen dort, gestalten die Brust unterschiedlich. Es fällt auf, dass zehnjährige Jungen heute meist mehr davon haben, als gleichaltrige Mädchen. Lesbenchic heißt: knabenhafte Erbschengröße, Muttertiers Stolz ist die Hängepartie zum passend wuchtigen Gesäß. Männliche Bodygebildete haben viel davon, ältere Herren umso mehr. Die Brust hat in der Geschichte viele Wandlungen erlebt - Unterschichten und die Nazis liebten die fruchtbare dicke, feinere Gesellschaften die wohlgeformt angemessene. Kommunisten und die Kirche liebten sie überhaupt nicht, denn sie war das Zeichen für Erotik. Erotik aber stört beim Arbeiten und Beten. Weil also (ausnahmslos die weibliche Brust) gefährlich erotisch wirkt, muss, da die Kirche und die Kommunisten ja nicht mehr viel zu sagen haben, eine andere Instanz den unerotischen Raum ausfüllen: die Feministinnen.

Als nun in der ach so stillen, mehr Gaben, statt Gnaden bringenden Weihnachtszeit, der Komiker Oliver Pocher in seiner höchst originellen Media-Markt-Werbung einer jungen Frau, ironisch augenzwinkernd, die Brüste mit einem Scanner abtastet, ist es für Schwarzer mal wieder soweit, sich – wenngleich mit viermonatiger Verspätung – zu echauffieren, bis das die Backen glühen. In der „Emma“ darf man nun persönlich werden, auf dass sich die Lesbenstammtischrunden auf die stämmigen, aber unbefleckten Schenkel schlagen können: „Wie wäre es mit folgender Fortsetzung: Kassiererin scannt Pochers Sack und schickt ihn zwecks Ermittlung seiner Eier-Güteklasse in die Lebensmittelabteilung. Fänden wir wahnsinnig komisch.“

Das wollen wir glauben, und ahnen sofort, welchen Raum die Penis-Phobie dieser „Frauen“ einnimmt. Es ist den Sexisten zwar völlig egal, dass die weibliche Brust und das männliche Genital in der Öffentlichkeit einer gänzlich anderen Wahrnehmung unterliegen und die Bezeichnung „Eier“ für den Inhalt des männlichen Hodensacks so infantil wie psychotisch-fixiert ist, wie es die Umschreibung der weiblichen Brust als „Kuheuter“ wäre. Eine Sprecherin richtete der BILD aus: „Die Herausgeberin und die Redaktion stehen zu der im Artikel geäußerten Meinung zu Herrn Pocher.“

Die Frau, die 1959 eine Ausbildung in Wuppertal als Kaufmann begann, um schon ein Jahr später als Bürokraft in München zu landen und im Anschluss daran als Gelegenheitsarbeiterin durch die Welt zu ziehen, um 1966 durch die Journalistenschule durchzurasseln, ehe sie auf getürkten Aktions-Gebäuden und schmunzeligen Thesen beruhende „Kampagnen für dir frustrierte Frau“ und deren Versteher anzettelte, höhnt über Pocher: „Tja, das kommt wohl dabei heraus, wenn man unter den Fittichen der Zeugen Jehovas in Hannover aufwächst und dann auch noch Versicherungskaufmann lernt.“ Wobei das wirklich besonders komisch wäre, den Versuch einer Erklärung zu unternehmen, warum man in Wuppertal mit demselben Berufs(versuch) startend, anders dasteht. Aber auch die Bemerkung bezüglich der „Fittiche“ ist eine ergründlich und entlarvende, denn: Pocher hatte immerhin Fittiche, wenngleich religiöse Eltern, - Schwarzer nicht, und hier ist auch die Ursache für die quälenden Obsessions Verwirrungen in die natürlich gewachsenen und bewährten menschlichen Strukturen hineinzubringen.

Wie alle sexuellen Minderheiten wird sie früh traumatisiert, in einer Biographie heißt es zu dieser Phase: „Tochter einer ledigen Mutter geboren und wächst bei den Großeltern auf. Die Großeltern betreiben eine kleine Tabakwarenhandlung (”einmal Schwarzer Krauser, aber Virginia dark” – sie hatte wohl immer Vagina verstanden?) in Wuppertal-Elberfeld, in der auch die Mutter aushilft. Besonders der nach Schwarzers Angaben “sehr mütterliche Großvater” kümmert sich um die Enkelin.“ Welche konkreten Lebensinhalte ihr der „sehr“, „mütterliche“ Groß“vater“ nahebrachte, soll an dieser Stelle nicht Gegenstand der Spekulation sein. Freud lässt angenehm lässig grüßen, wenn Schwarzer die launigen Späße Pochers in dem besagten Spot, als „Spießige Opa-Werbung“ gnadenlos feministisch brandmarkt. In wie weit also der „sehr mütterliche“ Opa sie erzog, wissen wir nicht, ahnen es aber: Sie wird jedenfalls gerne abtreiben wollen, ein schlechtes Gefühl als Frau entwickeln und Nackedeis nicht mögen, besonders wenn die irgendwelche Ferkeleien begehen. Die Bilder des deutsch-amerikanisch-jüdischen Fotographen Helmut Newton wird das Kriegskind des Jahres 1942 nicht als „jüdisch entartet“, sondern in modern gewendeter Variante als “”sexistisch”, “faschistisch” und “rassistisch” titulieren.

Schwarzer hält nichts von der „spießigen Opa-Werbung“ und den Humor, den diese transportiert, da fährt sie schon lieber - wie 1995 - auf einem ihr gewidmeten Wagen im Kölner Rosenmontagszug mit. So darf, so muss man, ihre Einwände verstehen. Wir haben verstanden. Schwarzers Krause ist wirklich beeindruckend.

Tanja Krienen

1 Kommentar »

  1. […] r, mit zumindest partiell gefälschten Selbstbezichtigungen geführt würde - ein schwarzer Blick Der Schabrackentapir Feministische Täterinnen Frau Schwarzer […]

    https://www.focus.de/kultur/kino_tv/deutschlands-bekannteste-feministin-ueberraschende-verkuendung-alice-schwarzer-heiratet-langjaehrige-lebensgefaehrtin_id_9053605.html

    https://www.focus.de/kultur/fans-sind-gespaltener-meinung-oliver-pocher-postet-geschmackloses-foto-nach-tod-von-lagerfeld_id_10347790.html

    Kommentar von Campo News-Blog » Abtreibung: Mord oder Totschlag? — 12. Juni 2005 @ 09:43

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