Campo de Criptana




13. Juni 2016

Meinungsmanipulation. Nehmen wir das Beispiel “Alle sagen: I love you”.

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 13:53

MeineBemerkungen über Meinungsmanipulation am Beispiel von Informationen zu einem Woody Allen-Film bei rantlos

“Der liberal und fortschrittlich denkende Dandridge schlägt sich derweil mit anderen Problemen herum. Sein Sohn propagiert plötzlich republikanische Wahlkampfthemen und spricht sich für das Recht auf Waffenbesitz, das Schulgebet und die Todesstrafe aus. Nachdem dies Bob in eine Krise gestürzt hat, löst sich das Problem jedoch von allein. Ein Blutpropfen hat verhindert, dass das Gehirn des Sohnes ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Nachdem dieser entfernt worden ist, kann er wieder klar denken.” So weit Wikipedia in der Inhaltsangabe des im Titel genannten Woody Allen-Filmes.

Allen zeigt im Film über weite Strecken allerdings etwas ganz anderes. Da nämlich versucht der junge Republikaner den Sozialkitsch seines linken, “liberalen” und “demokratischen” Elternhauses mit meist guten Argumenten zu entlarven. Dabei geht es hauptsächlich um die Verbrechensbekämpfung und damit einhergehender, obligatorisch verzuckerter Einstellung der Eltern bezüglich Strafen, Resozialisierung und der Einschätzung des Charakter eines Delinquenten. Besonders Mutter Dandridge (Goldie Hawn) wird als aktive Demokratie mit einer infantilen Sicht lange Zeit vorgeführt, z.B. als sie z.B. erkennbar mit verschränkten Armen gelangweilt dasitzenden Polizisten einen Vortrag über die wunderbare Wirkung von “offenen Gefängnissen mit persönlich gestalteten Zellen und europäischen Menüs”. Eines Tages lädt sie dann einen zur Resozialisierung freigegebenen, langjährig einsitzenden Gangster nach Hause ein, dessen Physiognomie schon offenbart was folgen wird und der sich als kompletter Soziopath erweist. Als dann aber ihre Tochter (Drew Barrymore) sich in diesen verliebt und ihn heiraten will, stehen die linken, “liberalen” und” demokratischen” Dandriges Kopf und argumentieren nicht anders als der vom linken Weg abgekommene Sohn zuvor.

Woody Allen ist ein Kulturkonservativer und karikiert Kriminelle, Gewaltätige, irrational Handelnde oder Fans von Musik nach 1950 für gewöhnlich mit deutlicher Ironie. Alles Postmoderne ist ihm fremd. Mit der letzten Wendung - und nur sie wird in der Wikipedia-Version angesprochen - erhält der Film die nötige Ambivalenz, resp. Kartharsis für die eher “liberale” Allen-Gemeinde. Die in der deutschen Version enthaltene Schmähung des jungen, angeblich meschuggen Republikaners, fehlt in der englischsprachigen, sie ist also eine rein neudeutsche Sichtweise. Doch die ganze Geschichte ausgerechnet auf die Unzurechnungsfähigkeit des Sohnes, der nur während seiner Krankheit mit klaren, aber nun einmal nicht linken Analysen bestach, zeigt wieder einmal deutlich die Einseitigkeit der deutschen Wikipedia-Version, einer jede Erscheinung des öffentlichen Leben durchdringende Propaganda, die sich vom System offizieller Verlautbarungen in der DDR nur noch graduell unterscheidet.

2 Kommentare »

  1. Wie Tintenstrolche, die “Journaille” und ihre angeschlossenen Medien “die Verwüstung des Staates durch die Presse-Maffia” (Karl Kraus) betreiben, sieht man vortrefflich in den ersten zehn Minuten des Filmes “Wir Kellerkinder” aus dem Jahre 1960, in dem Hakenkreuzschmierereien durch die damaligen Klebers und Momas selbst inszeniert wurden. Er gehört zu den “Wolfgang-Neuss”-Filmen, die einst in der Linken sehr bekannt und favorisiert waren. Nichts davon ist geblieben, alles wurde ausgemendelt, verschüttet oder wegzensiert. Wohl, weil in diesen Filmes soviel Vitalität und Ambivalenz liegt, soviele Charaktäre und Fakten nebeneinander stehen, sodass sie nicht eindeutig instrumentalisiert werden können. Eine medial inszenierte Hakenkreuzschmierereien, Hitlerparodien, aber auch politische Identitätenwechsel, sind viel zu unkorrekt und eine Zumutung für den angeleinten Mensch von heute. Die Rolle der Medien als Manipulator in dieser Form zu beschreiben, erbrächte heute noch stärkere Reaktionen als damals und auch die Medienlandschaft zeigt sich heute so konform wie vor 55 Jahren. Gänzlich “vergessen” hat man auch z.B. die kleine britische Serie “DAS SüßE LINKE LEBEN”, die Anfang der 80er im deutschen Fernsehen lief. Die Decadence des linken Studienbetriebs aufzeigend, in dem “rechte” Professoren zu Tode gehetzt und ansonsten heuchlerisch gelebt wurde, während der Protagonist am Ende zum ersten Mal sein Kreuzchen bei den Thatcher-Konservativen macht, stieß bei mir in ein Vakuum, nachdem ich gerade die DKP verlassen und argen Groll auf dieses Milieu hegte. Das linke studentische Milieu hielt ich immer für blasiert und kalt (was heute als “cool” seine ganze diffizitäre Charakterlichkeit offenbart). Aber so eine Milieustudie, die sich anschickt als Psychostudie das Verhalten von angeblich aus moralischen Gründen handelden Personen zu zerlegen, wäre heute nicht mehr möglich, nicht denkbar und würde keine Vorzensur passieren. Es gibt auch keine Regisseure, keine Schauspieler, keine Geldgeber, die aus dieser Motivation etwas auf die feigen Beine stellen würden. Undingt einmal die ersten Minuten ansehen https://www.youtube.com/watch?v=c-NsBzYUO4c

    Kommentar von Campo-News — 21. Juni 2016 @ 08:40

  2. Auf allen Gebieten - http://www.bento.de/gefuehle/kuessen-und-umarmen-aus-hoeflichkeit-ein-maedchen-erinnert-an-selbstbestimmtheit-und-erziehung-1072618/#refsponi

    Kommentar von Campo-News — 18. Dezember 2016 @ 19:52

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