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30. Oktober 2009

Über die Heuchelei der nicht waschechten Philosemiten

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 09:06


Von den Ideen (assimilierter) jüdischer Denker, haben die angeblichen Israel-Freunde keinen blassen Schimmer.

Der Judenschauer tritt auf. Andri: „Neeeiiiiinnnnn! Neeeiiiiiinnn! Es ist ein Irrtum! Ich bin kein Jud! Ich bin kein Jud! Ich bin kein Jud! Lieber guter Herr Professor Judenschauer! Glauben Sie mir! Ich muss es doch besser wissen als Sie!  Ich bin ein Christ! Ein Arier! Ein guter Arier! Wie alle anderen! Ich habe mich immer nur als Juden ausgegeben, weil ich gewisse Vorteile davon hatte. Aber ich sehe ein, es war ein Fehler. Aber vielleicht hat ja doch alles sein Gutes. Denn dadurch, dass ich den Juden gespielt hab´, habe ich die Juden sehr genau studiert. Und vielleicht könnte ich ihnen jetzt behilflich sein, jetzt wo ich die Juden so gut kenn´.

 

„Sodom und Andorra“, Georg Kreisler, 1962

 

Dieses Thema möchte man gar nicht mehr wälzen, denn jede Minute, die für den harten Kern der PI-Ideologen verschwendet wird, schmerzt. Deshalb macht es mir keinen Spaß einen ausgereiften längeren Artikel darüber zu schreiben, sondern sortiere nur ein paar der dazu notwendigen Gedanken. Als da wären –

 

Es fällt auf, dass die tatsächlich berechtigte Kritik an Defiziten von Einwanderern, ausschließlich gegen Moslems gerichtet ist. Es entsteht dabei der Eindruck, hier wird der Kampf gegen eine Religion geführt, die durch eine andere ersetzt werden soll. Nicht, dass mir nicht auch die christlichen Bräuche näher stünden als die mohammedanischen; nicht, dass ich nicht die große Gefahr einer Überfremdung und einer Ausplünderung des Staates sehe, nicht, dass ich nicht die Sicherheitsinteressen Israels unbeachtet ließe, aber mit einem neuen/alten, extrem konservativen, religiösen Christentum den Islam zu bekämpfen, ist ungefähr so ratsam, wie mit Alice Schwarzers „Ideen“ einen normalen Moslems deckeln zu wollen. Ach, das wird schon gemacht? Na sehen Sie! Es wird jetzt überhaupt alles genommen, was zwar nicht laufen, aber politisch kriechen kann.

 

Der Kampf gegen den Islam steht also im Vordergrund, aber nicht, weil es für prinzipiell um die Bewahrung von Freiheit geht, denn die stünde auch bei anderen Fundamentalisten auf dem Spiel. Doch um freiheitliche Ideen und um eine intelligente Ursachenforschung geht es dabei selten.

 

Denker jüdischer Herkunft

 

Nehmen wir einmal Sarrazins Bemerkungen und die durchaus sehr treffenden Kommentare dazu von Peter Sloterdijk. Mit ihnen wird gleichzeitig ein Angriff gegen die Frankfurter Schule gefahren, insbesondere gegen Jürgen Habermas, und das letztlich nur, weil jener sich einst (leider) gegen Sloterdijks “Regeln für den Menschenpark” aussprach und anschrieb. Selbstverständlich ist Habermas zu kritisieren und Sloterdijk hat auch Recht, wenn er bemängelt, die kritische Philosophie habe sich blind für die Erkenntnis bestimmter Fehlentwicklungen gezeigt, aber dies heißt doch nicht, das die Frankfurter Schule per se falsch lag, sodass sich das Gejohle über diese Bemerkungen nicht zureichend begründen lässt. Adorno und Horkheimer, da darf man sich sicher sein, hätten Einsprüche gegen die gängige linke Sicht auf den unangenehmen Zuwachs unaufgeklärter Schichten formuliert, so wie sie den autoritären Charakter eines entscheidenden Teiles der 68er Studenten  benannten. Dass die Frankfurter Aufklärer hier und da zu sehr in einer überspitzten Sicht auf die Zeit des Nationalsozialismus verweilten und darunter auch eine bisweilen gediegene Kapitalismuskritik streuten  – wer will es Ihnen verdenken? Doch die Analysen der dunklen Seite der Gesellschaftsmechanismen, ja des Lebens schlechthin, bilden nach wie vor eine in vielerlei Hinsicht treffende Beschreibung des psychosozialen Hintergrundes der menschlichen Prinzipien ab. Beinahe mehr Schopenhauer, als Marx. Auch die Kulturkritik besitzt starke, unverzichtbare Elemente. Wer das Privatfernsehen heroisiert und den von diesem hauptsächlich zu verantwortenden Kulturverfall nicht benennt, sollte sich der Kritik an Adorno entsagen. Das ewige Gejammere über das „Soziologendeutsch“ ist kaum zu ertragen, nicht zuletzt, weil damit klar wird, dass komplizierte Texte nicht verstanden werden.

 

Apropos Marx. Auch diesen liest man nicht, obwohl er einer ist, dessen Analysen partiell treffen. Damit ist die Beschreibung der Entstehunng der Gesellschaft im historischen Kontext und seiner widerstrebenden Kräfte gemeint. Das „System Marx“ und die konstruierte „marxistische Lehre“ als Ganzes abzulehnen, heißt doch nicht, dass jener vollkommen und in allen Punkten irrte. Doch gerade ihn mit dem Vorwurf des Antisemitismus zu beschmutzen und ihn schon deshalb abzuwerten, gehört schon wieder zu den Spielereien des Milieus, weil man dabei „antifaschistischer“ als die Antifa agiert, bzw. politisch korrekter sein will, als die PC, die man doch angeblich immer bekämpft. Plötzlich nämlich ist das geschriebene Wort doch „Autobahn“. Wenn z.B. auch Nietzsche - gewiss kein Antisemit - schreibt: „vielleicht ist der jugendliche Börsen-Jude die widerlichste Erfindung des Menschengeschlechtes überhaupt“, so ist halt seine, nicht zwangsläufig richtige Meinung. Es kann ja sein, dass ein anderer einen anderen widerlich findet. Warum nicht? Warum sollen diese Urteile immer „rassistisch“ motiviert sein. Demi Moore fand in einem Film ihren Partner Tom Cruise sei “ein schmieriger, schlitzohriger Teppichhändler im Basar” Ja und? Wenn er es ist? Ein anderer stößt sich vielleicht an einem „schmierigen italienischen Pizza-Bäcker“, ein anderer findet das Bild eines Deutschen mit Metzgerschürze das schlimmste, das ihm einfällt. Solange so etwas nicht als persönliche Beschimpfung gemünzt ist oder jemand direkt und ohne Anlass geschmäht wird, gibt es keinen Grund sich extrem aufzuregen. Selbstverständlich sollte man nichts dergleichen inflationär verwenden, doch wenn es auf 2000 Seiten zu einem halben Dutzend „ärgerlicher Formulierungen“ kommt, ist es ratsam den Ball flach zu halten, vor allem, wenn man selber nicht allzu hoch springen kann. Es sei gesagt, dass damit nicht die verheerende Marxsche Mehrwert-„Theorie“ oder seine Geiferei, die seit des Falles der Pariser Commune auch politisch ausartete, damit verteidigt wird, sondern….bitte nachlesen.

Ein weiterer Kandidat ist Sigmund Freud. Von der Psychoanalyse will man nichts wissen, man hält sich an den Karikaturen dieser fest. Manche Karikaturen sind berechtigt und witzig, aber redlich nur von Personen, die deshalb noch lange nicht gegen die Analyse von psychologischen Zusammenhängen per se agitieren. Die Aufgabe kritischer psychologischer Fakten zugunsten eines „Alles geht, so jemand subjektiv etwas möchte“, ist einer der entsetzlichsten gesellschaftlichen Triebkräfte, der, falls es so bleibt, schon allein die Menschheit zugrunde richten wird, da fort an kein Malus erkannt, beschrieben und korrigiert, sondern seine Existenz als wertfrei gewertet wird. Mit den grenzenlosen Zersetzern aber hält man es, da auch jene (oft taktisch motivierte) Probleme mit Moslems haben.

Gut, dass Darwin kein Jude war, doch der Hass, den er auf sich zieht, klingt ähnlich grotesk an den Tastaturen jener, die sich ansonsten Israel-Fahnen um den Bauch binden.

Über Humor und Musik will ich ganz schweigen. Was hiermit auch geschieht.

 

7 Kommentare »

  1. Die Süddeutsche Zeitung schrieb in der vergangenen Woche: “Tanja Krienen, transsexuelle jüdische Journalistin….” Dazu kann ich nur sagen, siehe ganz oben: “„Neeeiiiiinnnnn! Neeeiiiiiinnn! Es ist ein Irrtum! Ich bin kein Jud! Ich bin kein Jud! Ich bin kein Jud! Glauben Sie mir! Ich muss es doch besser wissen als Sie! Ich bin ein Christ! Ein Arier! Ein guter Arier! Wie alle anderen! Ich habe mich immer nur als Juden ausgegeben, weil ich gewisse Vorteile davon hatte. Aber ich sehe ein, es war ein Fehler. Aber vielleicht hat ja doch alles sein Gutes. Denn dadurch, dass ich den Juden gespielt hab´, habe ich die Juden sehr genau studiert. Und vielleicht könnte ich ihnen jetzt behilflich sein, jetzt wo ich die Juden so gut kenn´.”

    Kommentar von Süddeutsche — 2. November 2009 @ 15:57

  2. Ein sehr lesenswerter, der viel Wahres sagt, aber hier und da wieder nicht über den Schatten seiner selbst springt. Ausführungen dazu spare ich mir, man lese das Obige. Nur das: Man nimmt wieder einen Teil (den ultralinken Marcuse) für das Ganze, differenziert nicht zwischen den Psycho-Scharlatanen und erwiesenen Fakten, benennt zu wenige, mögliche Kompromisse bei der Entwicklung der Technik, focussiert sich auf Marx als Technikverhinderer und negiert hier und da echte Gefahren….

    Kommentar von Campo-News — 3. Januar 2010 @ 13:16

  3. Welch ein Unterschied zum Geseire von Schwarzer und Co. Hier stimmt die Diktion, die Satzlänge, der Terminus - fast alles, eine Sprache, die “zu Hause” signalisiert:

    Gess: Die kapitale Kulturindustrie und deren Massenmedien verstärken bis auf wenige Ausnahmen diesen Trend nachhaltig, indem sie erstens einem Kulturrelativismus huldigen, zweitens die grundlegende Differenz zwischen Religionskritik als Ideologie und Xenophobie durch beabsichtigte Verschiebung und Verdichtung der beiden Begriffe zu einem Begriff „Islamophobie“ verwischen, der als solcher darum schon eine systematisch falsche Zustellung und als Begriff Ideologie ist, und drittens schließlich den in sich verkehrten, ideologischen Begriff „Islamophobie“ dann auch noch als eine dem Antisemitismus strukturgleiche Haltung definieren, mit dem paradoxen Resultat, dass die Kritik am islamischen Antisemitismus bzw. Antijudaismus, die zugleich auch Kritik am Islam in seiner gegenwärtigen Verfasstheit ist, selbst - weil angeblich „islamophob“ - als strukturell „antisemitisch“ zu gelten hat und dem Tabu verfällt. Das ist zwar im wahrsten Sinne verrückt, aber eben diese Verrücktheit, die Verkehrung des Sinnes der emanzipatorischen Kritik und der Bedeutungen der Begriffe der emanzipatorischen Praxis zum herrschenden Bewusstsein zu machen, ist das schwarze Curriculum jener, die den Konformismus mit dem völkischen Kulturrassismus, sobald er als „islamische Kultur“ daherkommt, falsch zur „Toleranz“ und die negative Kritik an der falschen, repressiven Toleranz zur „Islamophobie“ und damit im Sinne ihrer Verkehrungen zu einer Form von Antisemitismus erklären.

    Kommentar von Campo-News — 23. Januar 2010 @ 09:35

  4. Deppen, sag ICH doch!!!

    Kommentar von Campo-News — 15. April 2010 @ 18:38

  5. Es gibt kein richtiges Leben im falschen, hat Adorno gesagt, das kennt jeder anständige Linke, aber der Anstand reicht eben nie aus, um hinzuzufügen, woran Adorno letztlich wirklich starb: An den infamen Verleumdungen seiner „revolutionären“ Studenten. Nicht der Diskurs, der aufrichtige Steit hat Adorno umgebracht, sondern die Hinterfotzigkeit der Krahls rund um ihn herum.

    Kommentar von Campo-News — 1. Juni 2010 @ 17:09

  6. Ja was denn nun? Macht er sich in einer Nietzsche *g breit oder vertritt er den Mainstream? http://www.welt.de/kultur/article151660422/Peter-Sloterdijk-und-die-Grenzen-der-Liberalitaet.html

    Kommentar von Campo-News — 1. Februar 2016 @ 17:27

  7. Bei allem Verständnis, aber wie kann man nur Drehbücher zur Genehmigung vorlegen - Man wolle vieles anders machen, hieß es bei der Projekt-Ankündigung 2015, die Drehbücher sogar jüdischen Gemeinden vorlegen, um zu verhindern, dass Zuschauern das Gezeigte unter Umständen übel aufstoßen könne. http://www.focus.de/kultur/kino_tv/nicht-im-zuschauerinteresse-angst-vor-fehltritt-rtl-will-adolf-hitler-serie-doch-nicht-ausstrahlen_id_6421303.html

    http://www.zeit.de/campus/2017-12/antisemitismus-islam-holocaust-familie-muslime

    Kommentar von Campo-News — 29. Dezember 2016 @ 15:20

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