Ah!DORN!OHHH!
Theodor W. Adorno, Kulturindustrie, Aufklärung als Massenbetrug, 1944
Siehe auch diese Buchvorstellung
Die Heroisierung der Durchschnittlichen gehört zum Kultus des Billigen.
Lichtspiele und Rundfunk brauchen sich nicht mehr als Kunst ausgeben. Die Wahrheit, dass sie nichts sind als Geschäft, verwenden sie als Ideologie, die den Schund legitimieren soll, den sie vorsätzlich herstellen.
Die Abschaffung des Bildungsprivileg durch Ausverkauf leitet die Massen NICHT in die Bereiche, die man ihnen ehedem vorenthielt, sondern dient, unter den bestehenden gesellschaftlichen Bedingungen, gerade dem Zerfall der Bildung, dem Fortschritt der barbarischen Beziehungslosigkeit. Wer im neunzehnten und beginnendem zwanzigsten Jahrhundert Geld ausgab, um ein Drama zu sehen oder ein Konzert zu hören, zollte der Darbietung wenigstens soviel Achtung wie dem ausgegebenen Geld. Der Bürger, der etwas davon haben wollte, mochte zuweilen eine Beziehung zum Werk suchen…Damit ist es aus.
Heute, da der freie Markt zu Ende geht, verschanzt sich die Herrschaft des Systems. Sie verfestigt das Band, das die Konsumenten an die großen Konzerne schmiedet. Nur wer die exorbitanten Gebühren, welcher die Reklameagenturen, allen voran das Radio selbst, erheben, laufend bezahlen kann, darf überhaupt den Pseudomarkt als Verkäufer betreten. Die Reklamekosten, die schließlich in die Taschen der Konzerne zurückfließen, ersparen das umständliche Niederkonkurrieren unliebsamer Außenseiter, sie garantieren, dass die Maßgebenden unter sich bleiben.
In der Kulturindustrie verschwindet die Kritik so der Respekt…den Konsumenten ist nichts mehr teuer… Eigentlich ist alles zu haben.
Autos, Bomben und Film halten so lange das Ganze zusammen, bis ihr nivellierendes Element am Unrecht selbst, dem es dient, seine Kraft erweist.
An der durchschnittlichen Wortzahl der Short Story ist nicht zu rütteln. Selbst Gags, Effekte und Witze sind kalkuliert wie ihr Gerüst. Die Kulturindustrie hat sich entwickelt mit der Vorherrschaft des Effekts, der handwerklichen Leistung, der technischen Details übers Werk, das einmal die Idee trug und mit dieser liquidiert wurde.
Realitätsgerechte Empörung wird zur Warenmarke dessen, der dem Betrieb eine neue Idee zuzuführen hat. Die Öffentlichkeit der gegenwärtigen Gesellschaft lässt es zu keiner vernehmbaren Anklage kommen, an deren Ton die Hellhörigen nicht schon die Prominenz witterten, in dessen Zeichen der Empörte sich mit ihnen aussöhnt.
Neu aber ist, dass die unversöhnlichen Elemente der Kultur, Kunst und Zerstreuung durch ihre Unterstellung unter den Zweck auf eine einzige falsche Formel gebracht werden: die Totalität der Kulturindustrie. Sie besteht in Wiederholungen.
Die Trickfilme waren einmal Exponenten der Phantasie gegen den Rationalismus…Ihre Verfahrensweise glich darin dem alten Brauch der slapstick comedy. Nun aber haben sich die Zeitrelationen verschoben….Unterm Hallo des Publikums wird die Hauptgestalt wie ein Lumpen herumgeschleudert. So schlägt die Qualität der organisierten Grausamkeit um…Die Lustigkeit schneidet jene Lust ab, welche der Anblick der Umarmung vermeintlich gewähren könnte und verschiebt die Befriedigung auf den Tag des Pogroms…Donald Duck in den Cartoons wie die Unglücklichen in der Realität erhalten ihre Prügel, damit die Zuschauer sich an die eigenen gewöhnen.
Allemal begleitet Lachen, das versöhnte, wie das schreckliche, den Augenblick, da eine Furcht vergeht…Das versöhnte Lachen ertönt als Echo des Entronnenseins aus der Macht, das schlechte bewältigt die Furcht, in dem es zu den Instanzen überläuft, die zu fürchten sind. FUN IST DAS STAHLBAD. Die Vergnügungsindustrie verordnet es unablässig. Lachen in ihr wird zum Instrument des Betrugs am Glück.
Amusement selber reiht sich unter die Ideale ein, es tritt an die Stelle der hohen Güter, die es den Massen vollends austreibt, indem es sie noch stereotyper als die privat bezahlten Reklametafeln wiederholt. Innerlichkeit, die subjektiv beschränkte Gestalt der Wahrheit, war stets schon den äußeren Herren mehr als sie ahnte untertan. Von der Kulturindustrie wird sie zur offenen Lüge hergerichtet.
Ewig grinsen die gleichen Babies aus den Magazinen, ewig stampft die Jazzmaschine.
Sie (die Kunst) offeriert demjenigen Konsumenten, der kulturell bessere Tage gesehen hat, das Surrogat der längst abgeschafften Tiefe.
“Die Universität war bisher autonom, und ihr Ziel hieß Bildung. Jetzt wird sie abhängig von den Vorgaben der Wirtschaft. Es geht nicht mehr um Bildung, sondern nur noch um Ausbildung.”
Kommentar von Campo-News — 11. Mai 2009 @ 11:13