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21. September 2014

Ein neues Buch

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 11:52

Ein neues Buch mit meiner Beteiligung. „Danksagung des Herausgebers…Frau KrienenEva Menasse, Konstantin Wecker, Daniel Kehlmann und Ilja Richter…“ Und so wurden aus einer sehr umfangreichen Korrespondenz acht Briefe Georg Kreislers an mich (und ein Beitrag aus meiner Zeitschrift „Campo de Criptana“) Bestandteil des Buches „Georg Kreisler – Doch gefunden hat man mich nicht“, Atrium-Verlag Zürich, 336 Seiten,  24.99 Euro, Herausgeber Dr. Topic-Matutin.

Das Leben von Georg Kreisler (1922-2011) wird noch einmal in Briefen, Schilderungen und Nachweisen erzählt. In Wien als Jude geboren, flüchtete er 1938 in die USA, wurde Friedrich Hollaenders Schwiegersohn, ab 1942 US-Soldat (Ritchie-Boys, traf dort Henry Kissinger, Stefan Heym u.a.) und nahm 1945 an Verhören von Herrmann Göring, Julius Streicher, Ernst Kaltenbrunner und Otto Skorzeny teil. 1946 ging er nach Hollywood, arbeitete dort u.a. mit Charly Chaplin und Hanns Eisler zusammen, zog nach New York wo er als Klavier-Humorist in Bars spielte und übersiedelte 1955 wieder nach Europa. Dort begann seine Karriere als Kabarettist an der Seite von Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner, ehe er mit Beginn der 60er Jahren seine Laufbahn allein oder mit Topsy Küppers, später Barbara Peters fortsetzte.

Auszug, Seite 303: „7. Juli 2006 - Liebe Tanja Krienen, dass Sie von der Politik genug haben, wie Sie schreiben, kann ich  gut verstehen. Aber die Politik hat von ihnen nicht genug. Gegen diese jämmerlichen Herren und gelegentlich Frauen ist kein Kraut gewachsen.“

Auf der Flucht

1968, Text/Musik: Georg Kreisler

Man hat mich in den Ästen eines Baumes gesucht
man suchte mich im Dunkeln und im Licht
man sucht mich voller Stränge
tief im Wald und in der Menge
doch gefunden hat man mich nicht.

Man hat mich in den Kurven eines Traumes gesucht
wovon man sich sonst nicht sehr viel verspricht
man fragte Denunzianten
und Onkeln und Tanten
doch gefunden hat man mich nicht.

Ich habe nichts getan und nichts verbrochen
vielleicht ist g´rade das mein größter Fluch
ich habe nichts geseh´n und nichts gesprochen
man sucht mich weil ich selber etwas such.

Man hätt´ mich einmal fast auf off´ner See erwischt
der Häscher sah´ mir lachend ins Gesicht
sein lachen wurde breiter
doch dann ging er weiter
und gefunden hat man mich nicht.

Dabei such ich doch nur nach ein paar Kindern
die gingen durch ein unbekanntes Tor
ich möcht´ auch einen Bäckerladen plündern
ich suche nur was ich bereits verlor.

Ich suche nur die Gassen statt der Gossen
die Worte auf den Schildern war´n aus Gold
die Türen war´n geöffnet statt geschlossen
ich suche es und finde es
und halte es und binde es
und leg´ es euch zu Füßen wenn ihr wollt.

Deswegen schickt man täglich neue Leute aus
die bringen mich wenn möglich vor Gericht
sie suchen mich mit Kerzen
im eigenen Herzen
doch gefunden hat man mich nicht.

4 Kommentare »

  1. Nur für Bierpichler, nicht für Bierbichler!

    Der Josef “Sepp” Bierbichler schleppte sich gestern als Ex-Bayern München-Präsident Kurt Landauer durch die ARD-Szenerie. Da fiel mir wieder ein, wie er Georg Kreisler in der Konkret angriff, weil der in einem fulminanten Essay das moderne und subventionierte Theater kritisierte und das Schauspiel - und Kabarett-Niveau insgesamt. Mir gebührte anno 2004 das Schlusswort in dieser Debatte - wie folgt:

    Himmelherrgottsakra! Macht ein bayrischer Volks-Schauspieler im selbigen Karriere, mag das die Folge von Begabung und mitunter mangelnder Konkurrenz sein - so weit, so mittelmäßig; glaubt er jedoch, die Erlaubnis, resp. Erwählung zur Darstellung von Brecht beinhalte die Befähigung, Brecht zu kritisieren oder gar ihn zu verstehen, so haben wir es hier wohl mit einem klassischen Mißverständnis zu tun - es sinkt dabei einer zum Schreiber für die derbe Bauernbühne herab.

    Bierbichler wettert gegen Kreisler, doch seine Motive stoßen sich dort, wo es verdaut, nicht am Ort, wo man kaut. Wer logische Begründungen für die Herstellung von Kunst ablehnt, kann sich um die Länge eines Valentinschen Jokus retten, doch schon Tucholsky reimte auf Jokus Lokus. Nicht wissen zu wollen, was Wertreue sei, ist etwas, das sich die Protagonisten des hellen Theater-Wahnsinns erlauben können, weil Kreisler recht hat, und wenn es noch eines Beweises bedurfte, dann hat ihn Bierbichler erbracht. Zuletzt schleimt es so, daß zu hoffen ist, Gremliza erkennt, wie ihm hier ein Lob gesteckt wird, das ihn zum Trottel in Kunstfragen erklärt.

    Kreisler wird als Alter abgestraft, ihm wird bescheinigt, aus “diesen Zeiten” zu kommen (”diese Zeiten” heißt allerdings bei Kreisler Emigration, Hollywood und “Nichtarische Arien”) - er wird dabei zum Stammtischler gemacht, zum Populisten. Ich gestehe, mit Kreisler würde ich an jedem Stammtisch über Kultur debattieren wollen, aber vorher kommt ein Schild ans Wirtshaus: Nur für Bierpichler, nicht für Bierbichler!

    Tanja Krienen
    Onil/Spanien
    Hier der Kreisler-Artikel - http://www.georgkreisler.de/gk_02c_d05.html

    Kommentar von Campo-News — 16. Oktober 2014 @ 08:30

  2. Ein Amerikaner erklärt, warum Deutsche einfach Humor-Idioten sind - http://www.focus.de/kultur/kino_tv/wetten-dass-jimmy-kimmel-will-armett-us-star-ist-immer-noch-von-wetten-dass-desillusioniert_id_4237830.html

    Kommentar von Campo-News — 30. Oktober 2014 @ 17:02

  3. http://tapferimnirgendwo.com/2013/08/06/was-hatte-georg-kreisler-dazu-gesagt/

    Kommentar von Campo-News — 9. Dezember 2014 @ 14:39

  4. Oje: Der Schauspieler Ilja Richter hat nun einen ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Vorschlag beigesteuert: Er fordert in der „Welt“, prominente Unterhalter wie die Sängerin Helene Fischer müssten politischer werden. Helene Fischer, die er sehr zu verehren scheint, sollte zum Beispiel ein Kopftuch tragen.

    Kommentar von Campo-News — 27. Dezember 2014 @ 06:55

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