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27. Juni 2011

Fraport: Startbahnfest 2011

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 21:38

Hier ist das Video dazu - http://www.youtube.com/watch?v=EOtzOEsSDtc&feature=mfu_in_order&list=UL

Transparente flattern im sanften Wind. Sie hängen in den Ästen. Sanft sind auch ihre Gesten. Doch die Gäste mögen sie nicht. Mit Trillerpfeifen werden wir empfangen. Ihre Tröten werden von den Trommeln der Musikarmee-Mitglieder übertrumpft. Rau sind ihre Worte, doch nur gering an Zahl ihre Köpfe. Im Gegensatz zu den Besuchern. Was in Stuttgart 21 eruptiv ziemlich kurz knallte, dröhnt seit den Geburtswehen der Grünen in Frankfurt: der Kampf gegen die jeweils neue Startbahn. Diesmal ist es die Nordwest-Lande bzw. Startbahn, die nun mit einem Fest ausgeloster und ausgesuchter Bürger, sowie Mitarbeitern, gefeiert wurde und deren erster offizieller Fahrgast im Oktober die Kanzlerin sein soll.

80 000 Menschen sahen sich die verschiedenen Präsentationen des Veranstalters Fraport (auch wegen des 75. Jubiläums) mit dem wenig glücklichen Slogan „Happy Landings“ und dem noch unglücklicheren, ein „glückliches Pärchen“ darstellenden Logo an. KH Fleischhauer und ich machen böse Miene zum guten Spiel und amüsieren uns doch. Ich sehe z.B. die JU 52 wieder, mit der ich 1999 flog und die zwei Tage zuvor über unserem Haus Kurs auf Frankfurt nahm. Die „Spirit of St. Louis“ glänzt. „Nicht Mut noch Kenntnis von Motoren und Seekarten tragen den Asozialen ins Heldenlied“ meinte Brecht einst über Charles Lindbergh. Doch hier steht er im Licht. Lindbergh natürlich.

„Die Umweltdezernentin aus Rheinland Pfalz“, eine Grüne, ist vor Ort. „Der DKP-Politiker Leo Spahn vertritt in seinem Vortrag die These, in Deutschland seien Politik, Medien und Unternehmen so eng miteinander verflochten, dass von demokratischen Prozessen nicht mehr die Rede sein könne. Dann beginnt die vegane Volxküche und wir machen uns auf dem Weg. Die S-Bahn ist natürlich rappelvoll mit blaubemützten Menschen. Sie sehen erschöpft aus“ heißt es in Nils Bremers unfreiwillig komischer, aber aussagekräftiger Gesamtmelange-Schilderung des ewigen Widerstandes (der schweigt, wohin die Reise in diesem Sommer geht und: womit). Natürlich: der Platz war groß, es war viel los und wer sich bewegt, spürt die Füße. Eine blaue Mütze kommt mir natürlich nicht auf den Kopf. Aber rappelvoll war sie, die U-Bahn. Soweit stimmt der Bericht.

Fraport-Chef Stefan Schulte sprach von der “Inbesitznahme der Landebahn durch die Bevölkerung“. Das gefällt und es erinnert wiederum an Brecht, der einst die „Inbesitznahme der großen Metro durch die Moskauer Arbeiterschaft“ beschrieb. Dagegen hätte DKPist Leo Spahn sicher protestiert. Doch wir, die wir Phantasie besitzen, erheben mit Brecht die Stimme und rezitieren:

Inbesitznahme der langen neuen Startbahn durch die Frankfurter Arbeiterschaft und die Bevölkerung

Als nun die Starbahn gebaut war nach den vollkommensten Entwürfen und die Besitzer kamen, sie zu besichtigen und mit ihr zu fahren, da dankten sie denen, die sie gebaut hatten.

Es waren da Tausende, die herumgingen, die riesigen Hallen besichtigend, und in den Zügen fuhren große Massen vorbei, die Gesichter -Männer, Frauen und Kinder, auch Greise - den Stationen zugewandt, strahlend wie im Theater, denn die Stationen waren verschieden gebaut, aus verschiedenen Steinen, in verschiedener Bauart, auch das Licht kam aus immer anderer Quelle.

Wer in den Wagen einstieg wurde im fröhlichen Gedränge nach hinten geschoben, da die Vorderplätze zur Besichtigung der Stationen die besten waren. An jeder Station wurden die Kinder hochgehoben. Möglichst oft stürmten die Fahrenden hinaus und betrachteten mit fröhlicher Strenge das Geschaffene. Sie befühlten die Beton-Piste und begutachteten die Glätte. Mit den Schuhen fuhren sie über die Böden, ob alles auch gut eingefügt sei. Zurückströmend in die Wagen prüften sie die Wände. Immerfort wiesen Frauen und Männer - unsicher, ob es die richtigen waren - auf Stellen, wo sie gearbeitet hatten: das Gestein trug die Spuren ihrer Hände.

Jedes Gesicht war gut sichtbar, denn es gab viel Licht, kein Meter Arbeit war unbeleuchtet. Und all dies war in wenigen Jahren gebaut worden und von so vielen Bauarbeitern, wie keine andere Startbahn der Welt. Und keine andere Starbahn der Welt hatte je so viele Besitzer. Denn es sah der wunderbare Bau, was keiner seiner Vorgänger in vielen Städten vieler Zeiten jemals gesehen hatte: Die Bauherren waren die Bauarbeiter!

Wo wäre dies je vorgekommen, dass die Frucht der Arbeit denen zufiel, die da gearbeitet hatten? Wo jemals wurden die nicht vertrieben aus dem Bau, die ihn errichtet hatten? Als wir sie fahren sahen in ihren Wagen, den Werken ihrer Hände, wussten wir: Dies ist das große Bild, das die Klassiker erstmals erschüttert voraussahen

 

4 Kommentare »

  1. Aber eines möchte ich doch sagen: Ich wünschte mir manchmal das Preisniveau der 80er Jahre zurück. Es muss nämlich nicht unbedingt sein, dass man für 9,99 € nach “Malle” fliegt und zwei Tage später wieder zurück. 20% des Fahrgastaufkommens werden quasi subventioniert und es müsste nicht wirklich eine Bewegung stattfinden.

    Kommentar von Campo-News — 4. Juli 2011 @ 11:40

  2. Ich sagte es im Beitrag: Merkel war Nr. 1 - http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,793233,00.html

    Kommentar von Campo-News — 21. Oktober 2011 @ 18:56

  3. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/stuttgart_21_wo_waren_die_ploetzlich_alle

    Kommentar von Campo-News — 11. November 2014 @ 07:57

  4. Keine andere der im Bundestag vertretenen Parteien hat mehr Anhänger, die im vergangenen Jahr mindestens einmal geflogen sind. - http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gruenen-waehler-halten-rekord-bei-flugreisen-a-1002376.html

    Der Planfeststellungsbeschluss der Frankfurter Startbahn West von 1971 hatte 23 Seiten. Der gleiche Beschluss für die Landebahn Nord 2007 hatte 2700 Seiten.“ http://www.focus.de/immobilien/bauen/brems-buerokratie-ost-konkurrenz-mieses-image-bauarbeiter-boss-erklaert-das-muss-sich-auf-deutschlands-baustellen-aendern_id_7783176.html

    Kommentar von Campo-News — 12. November 2014 @ 13:08

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