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7. November 2009

Der Landesvorratsong

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 09:43


45 Jahre ist es nun her und was hat sich geändert? Viel, und doch wieder: nichts! Was hat sich schon wirklich seit der Antike geändert? Ach das? Nun gut. Lassen wir das.

 

Der Landesvorratsong von Dieter Süverkrüp aus dem Jahre 1964

 

Da steht man an der Maschine,

Da sitzt man zum Beispiel im Büro,

Man denkt an seine Sabine,

Man ist nur verhältnismäßig froh.

Da hat man Ärger zu Hause,

Da schlägt man zum Beispiel auf den Tisch,

Da wünscht man sich eine Pause,

Man fühlt sich wie ein gefangener Fisch.

Und man weiß nicht, daß das das große Glück ist,

Gegen das, was einem noch blüht,

Denn obwohl diese Welt noch weit zurück ist,

Ist sie unerhört manierlich,

Sozusagen sehr possierlich

Gegen das, was einem noch blüht.

 

Da denkt man an seine Kinder,

Da denkt man zum Beispiel an den Knall,

Da denkt man, es ist gesünder,

Man tut etwas für den schlimmsten Fall.

Da geht man in seinen Keller,

Da schafft man sich einen Vorrat an,

Mehl, Erbsen und Muskateller

Und was man noch sonst gebrauchen kann.

Und da ahnt man, daß das ein schwacher Trost ist,

Gegen das, was einem noch blüht.

Und man fürchtet, daß man schon längst verlost ist,

Und da sagt man sich ergeben:

Jetzt genieße ich das Leben!

Denn wer weiß, was einem noch blüht.

 

Dann steht man an der Maschine,

Dann sitzt man zum Beispiel im Büro,

Man denkt an seine Sabine,

Man ist nur verhältnismäßig froh,

Eben nur verhältnismäßig froh.

2 Kommentare »

  1. Dazu passt, von derselben LP “Fröhlich ißt du Wiener Schnitzel”, auch dieses Lied von Süverkrüp. Dieser Song erinnert mich auch stets an Nietzsches Gleichnis von der Ewigen Widerkehr. Untermalt ist das Lied mit einer Gitarrenmusik, deren Ryhthmus auch das ewige Ticken der immer weiter laufenden (Lebens)-Uhr beinhaltet.

    Ballade von der Kirchturmuhr (1962)

    Ich wohne unter einer Kirchturmuhr.
    Ich wurde schon als Kind dort selbst geboren.
    Und seit ich denke, schlägt die Uhr mir stur
    Jedwede Viertelstunde um die Ohren.
    Im Stadtteil, der nach toten Seelen riecht,
    Da steht mein Bett, ich hör die Glocke schlagen.
    Wie grauer Nebel in die Häuser kriecht,
    Zieht in mein Herz ein feuchtes Unbehagen.

    Ich kenne mich nicht aus in Dynamiten,
    Auch weiß ich nicht die Aufgangstür zur Uhr.
    Da müßte ich den Küster wieder bitten,
    Der schon einmal so herb mit mir verfuhr.
    Am dritten Sonntage nach Trinitatis
    Vor vierzehn Jahrn, ich weiß es noch wie heut,
    Da nahm ich mir die Freiheit Attentatis.
    Ich hab es in der Folge oft bereut.

    Zwei Kilo Dynamit (für zwölf Mark achtzig),
    Zehn Meter Zündschnur, die nicht billig war.
    Der Scherzartikeleinzelhändler macht sich
    Noch heute guten Lenz – ich zahlte bar!
    Zehn Jahre Zuchthaus, die ich schier verschmollte
    Das Auge trüb, die müde Seele Blei,
    Nur weil der Küster mir nicht glauben wollte,
    Daß ich der Mann vom Straßenbauamt sei.

    Zu Weihnachten, nach voll verbüßter Strafe,
    Entließ man mich, ich wurde wieder frei.
    Ich fand ein Herz, bei dem ich nächtens schlafe,
    Und ich verdiente leidlich nebenbei.
    Dann kam das Kind, wir wurden Eheleute.
    Das mußte sein, denn Wohnungen sind rar.
    Wir hatten Glück, und ich kann sagen: heute
    Ist alles wieder wie es früher war.

    Ich wohne unter einer Kirchturmuhr.
    Zwei Häuser weiter hat man mich geboren.
    Hier werd ich alt, es schlägt die Uhr mir stur
    Jedwede Viertelstunde um die Ohren.
    Im Stadtteil, der nach toten Seelen riecht,
    Da bin ich krank; ich höre auf zu fragen.
    Wie grauer Nebel in die Häuser kriecht,
    Zieht in mein Herz ein feuchtes Unbehagen.

    Kommentar von Campo-News — 8. November 2009 @ 14:23

  2. Und Reinhard Mey wusste Mitte der 60er, ganz beim Fang seiner Carriére noch:

    Von heiligen Kriegen

    Man rief zum Djihad, zum heiligen Kriege,
    Und zog von Medina und Mekka aus
    Nach Palästina zur christlichen Wiege
    Und auch bis nach Tunis und Spanien hinaus,
    Mit Flammen und Schwert und ähnlichen Dingen,
    Das Heil des Islam den Menschen zu bringen.
    Man hat mit dem Halbmond das Kreuz verdrängt
    Und wer das nicht wollte, der wurde gehängt.

    Das ließ die Ritter des Kreuzes nicht rasten
    Und um das Jahr Tausend, da war es soweit.
    Da zog man mit Pferden, mit Waffen und Kasten
    Zum Kreuzzug aus, zum heiligen Streit.
    Mit Feuer und Schwert, so bringt man nun jenen
    Erlösung von Türken und Sarazenen.*
    Und wer nicht dem Siege des Kreuzes enteilt,
    Der wird mit dem Schwert in zwei Teile geteilt.

    Warum kämpft man immer nur gegen die Heiden
    Und gegen die andere Religion?
    Man kann doch genauso die Ketzer nicht leiden,
    Drum führte man Krieg um die Konfession.
    Mit Wallenstein, Tilly und römischem Kaiser
    Verbrennt man den Protestanten die Häuser,
    Und diese erschlugen nun Alt oder Jung,
    Nach vorher verabreichtem Schwedentrunk.

    Auch heute, da ruft man zu heiligen Kriegen,
    Und ist mit Worten und Taten dabei.
    Und Allah und Himmel helfen beim Siegen,
    Doch sagt mir, wo ein Krieg heilig sei.

    * Heute den Anhängern Sarrazins

    Der junge Tag und der Schlosser (1974)

    Die Nacht liegt schwer und schläfrig auf dem Land
    Da rührt der Herrgot schon die fleißge Hand
    Und macht uns einen Tag so klar und rein
    So makellos als wärs ein Edelstein
    Sei Werk betrachtend mit erhabenem Sinn
    Haucht er noch einmal prüfend drüber hin
    Poliert es sorgsam mit dem Ärmel glatt
    Und läßt es glitzern über Land und Stadt
    Und wie der Tag so wundersam erblüht
    Erwacht in Wattenscheid der Schlosser Schmidt
    Entzündet eine Pfeife Tabakskraut
    Machts Fenster auf und alles ist versaut

    Der Schlosser Schmidt, der grobe Eigennutz
    Denkt nur an sich, nicht an der Umweltschutz
    Wenn nämlich jeder handelte wie er
    Gäbs weit und breit bald keine Umwelt mehr
    Warum wird Schlosser Schmidt nicht umweltwach
    Und tut es nicht dem grünen Set-Jet nach
    Warum zum Beispiel verschmutzt er nicht nur dann
    Wenn man ihm einfach nichts beweisen kann?
    Und wenn man ihn trotz alledem ertappt
    Warum bestellt er nicht den Rat der Stadt
    Und macht energisch darauf aufmerksam
    Was, wenn er Wut kriegt, hier passieren kann?

    Wer alles hier den Arbeitsplatz verliert
    Wenn seine Produktion verlagert wird
    Wie´s um die städtischen Finanzen steht
    Wenn seine Steuer nach woanders geht
    Doch was macht Schlosser Schmidt nur ein Geschrei
    Dass er ja schließlich nicht der Jet-Set sei
    Das alles sagte er wäre er nicht gern
    Und will auch gar nicht dazu gehörn.

    *gesprochen* Zum grünen Jet-Set gehören als einfacher Arbeiter?
    Da könnte ja jeder kommen, das wäre das Ende der Gesellschaft
    wie wir sie kennen. Er ist ein Verfassungsfeind, der Schlosser Schmidt!

    Das heißt, er sinnt auf Umwälzung im Staat
    Er wird schon merken, was er davon hat
    Wer hier was umwälzt, kriegt von oben Putz
    Der Staat hat einen starken Umwälzschutz.
    Viel Horcher, Anschwärzer, und noch mehr
    Geheimen Dienst, Gekaufte und zwar sehr
    In Uniform, teilweise in Zivil -
    Umwälzschutzmäßig tut der Staat sehr viel

    Moral
    Es glaubt doch nicht im Ernst der Schlosser Schmidt
    Die Grünen dulden seinen Stickoxid
    Wo kämen wir da hin, wär er wie wir
    Der grüne Jet-Set ist zum Herrschen hier!

    Dieter Süverkrüp, Der junge Tag und der Schlosser, leicht verändert

    https://www.focus.de/politik/deutschland/joschka-fischer-kostet-sonst-bis-zu-36-000-euro-reederei-schenkt-ex-aussenminister-kreuzfahrt_id_10303196.html

    Kommentar von TK — 11. November 2009 @ 18:12

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