Campo de Criptana




24. Dezember 2008

Selbstmord

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 12:01

Ist es erstaunlich, mit welcher Gewissheit manche Jugendliche frühzeitig wissen, dass dies Leben so relativ ist, wie, sagen wir mal, ein Engelsfurz. Oder eine Dosis Doris Day Musik. Oder eine Streicheleinheit Güte.

Sie ziehen daraus den Schluss, es sei besser, gar nicht erst in das Hamsterrad des Lebens einzusteigen und lassen sich zur Seite, auf die Seite fallen, die letztlich auf dem Rücken endet. Als letzte Rache.

Diese jugendlichen Selbstmörder spüren, ja sie wissen es oft sogar in einem tiefen Sinne, dass es keinen gibt. Keinen Sinn, keinen Gott, keinen Zweck. Den Optimismus, diese „ruchlose Denkungsart“ wie Schopenhauer ihn nannte, halten sie für eine Erfindung des Ur-Bösen, um von der irdischen Hölle abzulenken und tun recht daran.

Wer später darauf kommt, dies Leben sei nicht lebenswert, blickt mit Trauer und Neid auf jene, die die Konsequenz frühzeitig lebte. Besonders schwer haben es die, die es immer wussten und doch nicht ausführten. „Der Gedanke an den Selbstmord ist ein starkes Trostmittel: mit ihm kommt man gut über manche böse Nacht hinweg“, meinte Nietzsche.

Manche vernichten sich ihr ganzes Leben lang. Die Möglichkeiten dazu sind so vielfältig wie Eierkuchenrezepte, also: eher rar. Und so werden manche Kandidaten steinalt. Ob es den jungen Selbstmördern ein Trost wäre? Wohl eher ein Grund für den Hass aus dem feuchten Grab.

Bedenkt also: Das Grab schweigt; nur in so fern, dass es zu dem Nachdenkenden spricht, redet es. Es spricht also nur zu dem, der schon versteht. Der Adressat also ist der falsche. Der Richtige ignoriert. Er bleckt die Zähne vor dem Spiegel, der sich „die Gesellschaft“ nennt.

Ei ei Kälbchen, heißt es früh. Friss das Kälbchen, etwas später. Die jungen Selbstmörder wissen von den großen Lügen und dass ihre Offenbarungen nichts ernten, als Hass. Hilfe gibt es für nichts Geringeres als die Unterwerfung. Nur wer bekennt, was ihm stets fremd, erhält zum Lohn, verpackten Hohn.

„Sage doch >Ja<”, rufen die Jasager. „Sage >Hab Mut<”, säuseln die Feiglinge. „Denk an etwas Schönes“, heucheln die Unästhetischen. „Hab Phantasie“, raten die, die keine hatten, keine kennen, keine haben werden. „Geh gradaus“, sagen die Krummen und Verbogenen „Sei positiv“, lächeln jene, die so viele ideologische Krücken benötigen, wie sie nicht einmal auf einem „Kongress der Universalspinner“ zu finden wären. Ach Ihr! Ihr Heimtückischen! Ihr Pharisäer und Philister! Ihr…Verlorenen.

Rohes fresst! Denn Rohes frisst

Wer dieses schnell wieder vergisst


P.S. Das neue Jahr wird großartig!

2 Kommentare »

  1. Union immer irrer.

    Kommentar von Campo-News — 10. Januar 2009 @ 15:56

  2. Dass der Optimismus eine “ruchlose Denkungsart” ist, wie Schopenhauer meinte, sieht man an vielen Beispielen. In jedem Moment steckt die Erinnerung an das Wesen des Lebens. Ein Lump, wer anders denkt.

    Kommentar von Campo-News — 2. Juni 2009 @ 16:11

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