“Das Buch ist nichts für sensible Gemüter”
Homestory und Buchbesprechung der “Frankenberger Zeitung”
Ausgangspunkt ist die Erscheinung des Buches “Schönes Grün”
“Harmonische” und “wohlgeordnete” Horrorwelt

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Ausgangspunkt ist die Erscheinung des Buches “Schönes Grün”
“Harmonische” und “wohlgeordnete” Horrorwelt

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Schönes Grün
Von Philipp Kiefner
Rezension erschienen: 07.11.2007, Serie: Belletristik, Autor(en): Tanja Krienen, Verlag: Neue Welten Verlag, Seiten: 63, Erschienen: 2007, Preis: 8,50 Euro
Eine Persiflage (von frz. persifler “verspotten, lächerlich machen”) ist eine geistreiche, nachahmende und oft auch kritische Verspottung eines Genres oder einer bestimmten Geisteshaltung im Allgemeinen. Als Persiflage und Denkanstoß versteht sich auch das Buch Schönes Grün von Tanja Krienen aus dem Neue Welten Verlag.
Wir schreiben das Jahr 2022, unsere Protagonistin, durch einen komatösen Schlaf aus dem Jahr 2007 entrissen, sieht sich plötzlich mit einem gänzlich veränderten Deutschland konfrontiert. Altkanzlerin Merkel ist im Untergrund abgetaucht und es regiert Renate Künast, als “Die größte aller Laien”. Nach und nach realisiert die frisch Erwachte in welch’ faschistisch-ökologische Gesellschaft sie nun geraten ist. Nicht, das die hier ins bizarr-imperative verzerrten und realisierten Ideen neu wären, die Ansätze sind aus dem Jahr 2007 bestens bekannt. Doch zu welch’ alptraumhaften Auswüchsen sie mutieren könnten, das beschreibt Schönes Grün mit ganz eigenem Humor.
Ehrlich gesagt: Das Büchlein, denn mehr kann man es mit 63 Seiten wirklich nicht nennen, liegt irgendwo zwischen Held und Depp. Man fragt sich, welcher Partei sich die Autorin selbst wohl verschrieben hat und wie viele traumatischen Erfahrungen nötig waren, um so eine Geschichte zu schreiben. Es ist vielleicht der Charme der ganzen Sache, dass die Handlung nicht so recht schmecken mag, zu Widerworten animiert und einen innerlich aufregt. Der gezeigte Humor, wenn es denn einer ist, kann durchaus auch als beleidigende Ansammlung altkluger Gedanken zu allerlei sozialen, politischen und ökologischen Probleme und Ansätze gewertet werden, ohne dass das Büchlein dem eine eigene, vermeintlich bessere, Gedankenwelt entgegensetzt.
Fazit: Schönes Grün lässt sich, ebenso wie die Autorin selbst, nicht leicht einordnen. Was ist ernst, was Persiflage und was einfach nur, um ein anglizistisches Modewort zu bemühen, “Bullshit”. Zwei Dinge lassen sich aber mit Sicherheit sagen: Erstens polarisiert die Erzählung und fordert den Leser beinahe provokativ zum Kopfnicken oder Prostest auf und zweitens löst der stolze Preis von 8,50 Euro für sage und schreibe 56 Textseiten auch nicht gerade Jubelstürme aus. Jedoch muss man fairerweise sagen, dass es sich hier um einen kleinen Verlag handelt, der nur in geringer Auflage veröffentlicht und in diesem Fall den Mut aufbrachte, eine unbequeme Autorin zu publizieren.
Kommentar von Lorp — 8. November 2007 @ 20:21
„´s wird böse enden“
Werner Enke
Denk nach, McFly!
Eine Entgegnung
Philipp Kiefner, im Folgenden PK genannt, schreibt: „Als Persiflage und Denkanstoß versteht sich auch das Buch Schönes Grün von Tanja Krienen aus dem Neue Welten Verlag.“
TK: Tatsächlich sind „Denkanstöße“ nötig, aber bei manchen hilft selbst das „Klopfen“ nicht, wie einst das Beispiel des luschigen „Marty McFly-Vater“ in „Zurück in die Zukunft“ bewies, der doch stets der Büttel des grob-gewitzten Biff Tannen blieb, obwohl dieser ihm mit „Denk nach McFly“-Klopfern auf die Sprünge helfen wollte. Aber ICH lege ja keine Hand an. Und Luschen kann ich eh nicht erreichen. Ja rettet doch die Kirchturmuhr!
PH: Wir schreiben das Jahr 2022, unsere Protagonistin, durch einen komatösen Schlaf…
TK: Schlaf ist gut. Es ist ein Schocktrauma, aber egal…
PK:..aus dem Jahr 2007 entrissen, sieht sich plötzlich mit einem gänzlich veränderten Deutschland konfrontiert. Altkanzlerin Merkel ist im Untergrund abgetaucht
TK: Falsch, sie wurde entmachtet und…außerdem zuletzt…aber das verrate ich hier nicht…
PK:…und es regiert Renate Künast, als “Die größte aller Laien”.
TK: Sehr falsch. Künast wird die Übergangskanzlerin gewesen sein, ist auch tatsächlich eine ziemliche Laiin, aber „die größte aller Laien“ ist eine andere, nämlich, -
PK: Nach und nach realisiert die frisch Erwachte in welch’ faschistisch-ökologische Gesellschaft sie nun geraten ist. Nicht, das die hier ins bizarr-imperative verzerrten und realisierten Ideen neu wären, die Ansätze sind aus dem Jahr 2007 bestens bekannt.
TK: Richtig, deshalb ist das „Neue Deutschland“ ja so neu auch nicht und wer heute über eine Kuhfurzsteuer nachdenkt, wird sicher das Potential zu all dem haben, was einen großen Haufen Kinderkrippenkrüppel erzeugen hilft. Was sie dort wohl lernen?
PK: Doch zu welch’ alptraumhaften Auswüchsen sie mutieren könnten, das beschreibt Schönes Grün mit ganz eigenem Humor.
TK: Muss man mögen!
PK: Ehrlich gesagt: Das Büchlein, denn mehr kann man es mit 63 Seiten wirklich nicht nennen,…
TK: Ehrlich gesagt: Verglichen mit dem aufgeblähten Zeugs belletristischer Alt-SSler und anderer Schwadronen, ist hier jede Seite ihre 13 ½ Cent wert. Und dann dieses wundersam vortreffliche Cover! Zudem: wer Hartpappenkinderbücher mit acht Seiten schwach betextetem, aber „pädagogisch wertvollem“ Kindskopfsprech aus der Sparte „Kinderbuchautorinnen schreiben für andere Kinder“ für 19,90 kaufte, darf alles, nur nicht über den moderaten Preis für „Schönes Grün“ lästern.
PK…liegt irgendwo zwischen Held und Depp. Man fragt sich, welcher Partei sich die Autorin selbst wohl verschrieben hat und wie viele traumatischen Erfahrungen nötig waren, um so eine Geschichte zu schreiben.
TK: Ich bin eine Heldin wider Willen. Wer kippt schon gern ins Koma und darf dann nicht mal mehr Grimmsche Märchen lesen, weil die NICHT pädagogisch wertvoll sind!? Da ich eine intensive Träumerin bin, kann ich versichern, dass Erfahrungen im Diesseitigen und im Jenseitigen, will sagen, in der Traumwelt (die ja ebenfalls existiert – ich treffe dort die Toten jede Nacht), unbedingt von Nöten sind. Die Beschwerden des Alltags, die leider nicht immer so den oben genannten Denkanstößen führen, sind zu zahlreich, um sie hier aufzulisten. Ein wacher Blick in die Welt reicht eigentlich, um dies zu erkennen.
PK: Es ist vielleicht der Charme der ganzen Sache, dass die Handlung nicht so recht schmecken mag, zu Widerworten animiert und einen innerlich aufregt.
TK: Genau das soll sie. „Schmecken“ können die täglichen Soft-TV-Operas, Comedy-Infantilismen und Reality-Dramen aus den Klärgruben der Aborte, die man auch Anstalten nennt. Mancher dem das schmeckt, kotzt und kokst den ganzen Tag.
PK: Der gezeigte Humor, wenn es denn einer ist, kann durchaus auch als beleidigende Ansammlung altkluger Gedanken zu allerlei sozialen, politischen und ökologischen Probleme und Ansätze gewertet werden, ohne dass das Büchlein dem eine eigene, vermeintlich bessere, Gedankenwelt entgegensetzt.
TK: Keine Ahnung wo da etwas Beleidigendes stehen soll, und „altklug“ heißt man wohl jene Kinder, die in gesellschaftlichen Backläden künftig massenhaft herangezogen werden, auf dass sie zwar keinen Abzählreim können, aber dafür automatenhaft herunterbeten können, was Plusquamperfekt auf Chinesisch heißt. Ich mache das Gegenteil, nämlich im Hüschschen Sinne „dummes Zeug“ und empfehle seine „Nummer“ „Ebene der Elfenbeintürme“, um einmal ein Beispiel zu geben, das mich – mehr oder weniger unbewusst, weil längst zum verinnerlichten Repertoire gehörend – inspirierte.
PK: Fazit: Schönes Grün lässt sich, ebenso wie die Autorin selbst, nicht leicht einordnen.
TK: Nee, passend machen is nich. Und wer Ausrechenbares sucht, kauft sich „Lachen wir uns gesund. Anleitungen zum Glücklichsein. ISBN 3-7766-2236-9“ von Rabarbar Rüttling. Soviel Fröhlichkeit muss sein! Noch heute!
PK: Was ist ernst, was Persiflage und was einfach nur, um ein anglizistisches Modewort zu bemühen, “Bullshit”.
TK: Tja, das ist schwer zu sagen, aber wenn ich einmal ein Beispiel hätte, könnte ich es vielleicht erklären. Da ich keine „anglizistischen Modewörter“ kenne und auch nicht benutze, aber vermute, die verwendete Umschreibung habe irgendetwas mit schwer faschistischen Tierausscheidungen zu tun, kann ich nicht viel dazu sagen.
PK: Zwei Dinge lassen sich aber mit Sicherheit sagen:
TK: Das wäre das Erste was ich höre!
PK: Erstens polarisiert die Erzählung…
TK: Da ich eine Anhängerin des bipolaren Geschlechtersystems bin, merke ich an dieser Stelle auf, glaube aber, dass die Leute nicht so dumm sind wie man sie herzustellen versucht und so werden die meisten Leser schon heraus finden, an welchen Stellen der Stift allzu gespitzt wurde, auf dass sich der Effekt einstelle. Mir ist an den Polen übrigens zu kalt, und nach Polen fahre ich auch nicht.
PK: …und fordert den Leser beinahe provokativ zum Kopfnicken oder Prostest auf…
TK: Vor allem aber zum Weiterlesen…
PK:…und zweitens löst der stolze Preis von 8,50 Euro für sage und schreibe 56 Textseiten…
TK: Warum ist es denn jetzt plötzlich um siebene auf einen Streich geschrumpft?
PK:… auch nicht gerade Jubelstürme aus. Jedoch muss man fairerweise sagen, dass es sich hier um einen kleinen Verlag handelt, der nur in geringer Auflage veröffentlicht und in diesem Fall den Mut aufbrachte, eine unbequeme Autorin zu publizieren.
TK: Puh, Glück gehabt. Aber richtig: Wenn ich die verkauften Exemplare hier in „meinem Dorf“ auf die Republik hochrechnete und somit locker die Millionen überschreiten würde, hätte „das Büchlein“ leicht mit 4,95 € oder so in die Läden kommen können. Aber leider produzieren auch Comic-Produktionsanstalten lieber sinnfreien „Lissi“-Kram, als eine schmutzige Parodie auf aktuelle und künftige, die man auch „die sauberen Zustände“ nennt.
Kommentar von Tanja Krienen — 9. November 2007 @ 10:53
Nunja,
solch eine Mail fordert eine Entgegnung.
Glücklicherweise ist der hier genannte McFly auf Grund seines fortgeschrittenen Alters in der Lage mit selbiger, reichlich altbackener Bezeichnung etwas anfangen zu können. Da McFly sozusagen der Vater aller Dinge ist, kann dieser Ausdruck akzeptiert werden.
Fangen wir zunächst mit der Asche über meinem Haupt an: Frau Künast war durchaus ein Faux-pas meinerseits und wird korrigiert werden. “Schocktrauma” ist aus medizinischer Sicht kompletter Unsinn, da doppelt-gemoppelt und wurde in einen adäquaten “komatösen Schlaf” verwandelt.
Doch im Kern bleibe ich meiner Rezension treu. Denn was will uns die Autorin mit dem Buch sagen? Politik ist scheisse, da jeder Akteur die falschen Ideen und Entscheidung vertritt? Ökologische Aktivisten sind hinterfotzige, doppelmoralische und vollkommen sinnfrei Menschen? Es wird bald alles schlimmer? Nunja, da magst Du sogar recht behalten, aber sollte deine Vision die zutreffende sein, so preiset den Herrn.
Nein, das Buch kann sich nicht wirklich festlegen wer oder was für die beschriebene Zukunft verantwortlich sein soll. Das ist reichlich schwach und vor dem Hintergrund dominanter Wirtschaftsinteressen ist diese Utopie auch blauäugig, was eben “ein wacher Blick in die Welt” auch aufzeigen könnte.
Auch sprachlich konnte mich dieses Werk nicht überzeugen, verwendet es doch die gleichen sprachlich sperrigen Ungetüme und Verballhornungen, die bei den völlig überwerteten “lustigen” SF und Fantasy-Büchern à la Terry Pratchett und Co zu finden sind.
Einer politischen Utopie kann man sich gerne humoristisch annähern, doch bitte mit Klasse. Hier sei beispielsweise auf das Werk von Stanislaw Lem zu verweisen, der mit “Vom Nutzen des Drachen” mindestens ein Lichjahr dem “Schönen Grün” voraus ist.
Aus den mitgeschickten, einhellig positiven, Kommentaren zu Deinem Buch kann ich mir so recht keinen Reim machen. Ein Zeichen, dass meine Sicht irrt? Ein Beweis für Deine Klasse, die ich als McFly nur nicht erkennen konnte? Oder doch nur ein Beweis eines überzogenen Egos, das gerne über andere urteilt? Ich sag nur:
“Soft-TV-Operas, Comedy-Infantilismen und Reality-Dramen aus den Klärgruben der Aborte, die man auch Anstalten nennt. Mancher dem das schmeckt, kotzt und kokst den ganzen Tag.”
Während erster Satz sicherlich seine Richtigkeit hat, so inhaltlich sinnfrei ist der zweite. Genausogut hätte man schreiben können: Mancher dem das schmeckt, schlägt kleine Kinder, wäscht mit Persil, will den Weltfrieden, kauft bei Aldi, wohnt in Buxtehude oder schreibt Science-Fiction Bücher.
Eben dieser Stil liegt mir nicht und hat zu meiner Rezension geführt. Aber nimm es nicht schwer, denn der Kritiker kann selbst nicht, weiß aber alles besser und schliesslich hat es McFly ja eh nicht drauf.
Keep on dreamin’
Philipp Kiefner
Kommentar von Lorp — 15. Dezember 2007 @ 00:15
PK: Nunja, solch eine Mail fordert eine Entgegnung. Glücklicherweise ist der hier genannte McFly auf Grund seines fortgeschrittenen Alters in der Lage mit selbiger, reichlich altbackener Bezeichnung etwas anfangen zu können. Da McFly sozusagen der Vater aller Dinge ist, kann dieser Ausdruck akzeptiert werden.
TK: Eben, deshalb habe ich die auf ihn gerichtete Bemerkung ja auch verwendet, weiß nicht, was man heute so sagt, halte sie aber nicht für „altbacken“.
PK: Fangen wir zunächst mit der Asche über meinem Haupt an: Frau Künast war durchaus ein Faux-pas meinerseits und wird korrigiert werden. “Schocktrauma” ist aus medizinischer Sicht kompletter Unsinn, da doppelt-gemoppelt und wurde in einen adäquaten “komatösen Schlaf” verwandelt. Doch im Kern bleibe ich meiner Rezension treu. Denn was will uns die Autorin mit dem Buch sagen? Politik ist scheisse, da jeder Akteur die falschen Ideen und Entscheidung vertritt?
TK: Das habe ich so nicht gesagt, doch könnte man bei der derzeitigen Verfasstheit der politischen Parteien durchaus so einen Schluss ziehen. Nie gab es in den letzten 100 Jahren weniger Menschen, die sich parteipolitisch engagierten.
PK: Ökologische Aktivisten sind hinterfotzige, doppelmoralische und vollkommen sinnfrei Menschen? Es wird bald alles schlimmer? Nunja, da magst Du sogar recht behalten, aber sollte deine Vision die zutreffende sein, so preiset den Herrn.
TK: Na siehst du, du hältst es selbst nicht für ausgeschlossen. Wenn man – wie jetzt auf der z.B. Reeperbahn eingeführt – selbst Flaschen in bestimmten Zonen nicht mehr verwenden darf, von Mitteln zur Selbstverteidigung ganz zu schweigen, dann ist die Zeit bis zur Anordnung weißer Kleidung nicht mehr weit. Das im Buch angesprochene „Bewegungskontingent“ kommt doch auch, wenngleich zunächst in einer „Pro Kopf“-Verbrauchs-Rechnung usw. usf..Tatsächlich halte ich die aktiven Ökos in der Regel für Heuchler – schon allein der Leibesumfang des Umweltministers weist klar und deutlich darauf hin, dass er so „den Gürtel enger schnallt“, wie weiland der Erfinder der Sozialen Marktwirtschaft, nur meint hier der Gürtel, Stahlbänder.
PK: Nein, das Buch kann sich nicht wirklich festlegen wer oder was für die beschriebene Zukunft verantwortlich sein soll. Das ist reichlich schwach und vor dem Hintergrund dominanter Wirtschaftsinteressen ist diese Utopie auch blauäugig, was eben “ein wacher Blick in die Welt” auch aufzeigen könnte.
TK: Na doch, es legt sich fest, weil es sämtliche vorhandene Tendenzen als Folgen einer unguten Hysterie beschreibt und die dafür Verantwortlichen benennt. Die „ökonomischen Interessen“ sind insoweit beschrieben, als ich die Durchorganisierung der Gesellschaft, die bereits im Krippenalter beginnt, beschreibe und karikiere.
PH: Auch sprachlich konnte mich dieses Werk nicht überzeugen, verwendet es doch die gleichen sprachlich sperrigen Ungetüme und Verballhornungen, die bei den völlig überwerteten “lustigen” SF und Fantasy-Büchern à la Terry Pratchett und Co zu finden sind.
TK: Die kenne ich nicht, aber es wäre hilfreich, wenn du wenigstens einmal ein Beispiel gäbest. Meine Sprache lebt im Übrigen auch sehr vom Rhythmus, da geht es nicht um „sperrige Ungetüme“. Schau dir zudem einmal die dadaistisch anmutenden Einschübe an (Dialog der Greise auf der Bank, Makameaner-Flugblatt etc.) – die scheinst du gar nicht wahrzunehmen.
PK Einer politischen Utopie kann man sich gerne humoristisch annähern, doch bitte mit Klasse.
TK: Ich bin nicht „humoristisch“.
PK: Hier sei beispielsweise auf das Werk von Stanislaw Lem zu verweisen, der mit “Vom Nutzen des Drachen” mindestens ein Lichjahr dem “Schönen Grün” voraus ist.
TK: Das weiß ich nicht, aber ein Lichtjahr ist jedenfalls nicht viel. Außerdem wollte ich keine abgesegnete „große Literatur“ schreiben, sondern eine handfeste Satire für das Hier und Jetzt. Lem nimmt sich immer abstraktere Dinge vor, verzichtet völlig auf klare Personenbeschreibungen (was ihm auch gegönnt ist), aber ich rede stets von konkreten Vorgängen, von realen Personen und von tatsächlich relevanten politischen Strömungen. Lem hatte letztlich doch recht biedere Ansichten über die Welt der Zukunft, weshalb er auch in den soz. Staaten verfilmt wurde.
PK: Aus den mitgeschickten, einhellig positiven, Kommentaren zu Deinem Buch kann ich mir so recht keinen Reim machen. Ein Zeichen, dass meine Sicht irrt? Ein Beweis für Deine Klasse, die ich als cFly nur nicht erkennen konnte? Oder doch nur ein Beweis eines überzogenen Egos, das gerne über andere urteilt?
TK: Warum ist ein Beweis meines Egos, wenn andere positiv schreiben? Das verstehe ich nicht. Es ist auch der Job eines Kritikers zu urteilen. Siehst du nicht die Selbstironie, die auch in den anderen Storys aufblitzt? Ein Teil ist auch „Selbsterhöhung“, aber das gehört zum „Spiel“ doch mit dazu. Ohne Ego gäbe es überhaupt keine Kunst.
PK: Ich sag nur: “Soft-TV-Operas, Comedy-Infantilismen und Reality-Dramen aus den Klärgruben der Aborte, die man auch Anstalten nennt. Mancher dem das schmeckt, kotzt und kokst den ganzen Tag.” Während erster Satz sicherlich seine Richtigkeit hat, so inhaltlich sinnfrei ist der zweite. Genausogut hätte man schreiben können: Mancher dem das schmeckt, schlägt kleine Kinder, wäscht mit Persil, will den Weltfrieden, kauft bei Aldi, wohnt in Buxtehude oder schreibt Science-Fiction Bücher.
TK: Hm, kann schon sein, aber das war auch nur eine laxe Antwort an dich, so aus dem Handgelenk und stellt keinen Anspruch „die letzte denkbare Bemerkung“ zu sein. Fakt ist aber, dass es doch Gründe dafür gibt, weshalb die Alltagskultur so entsetzt dämlich ist. Ein paar dieser Gründe liegen in den politischen Rahmenbedingungen und dem Zeitgeist. Das habe ich satirisch zu beschreiben versucht und noch mal: Wo bitte es KONKRET misslungen?
PK: Eben dieser Stil liegt mir nicht und hat zu meiner Rezension geführt. Aber nimm es nicht schwer, denn der Kritiker kann selbst nicht, weiß aber alles besser und schliesslich hat es McFly ja eh nicht drauf. Keep on dreamin’ Philipp Kiefner
TK: Das würde ich einem Kritiker auch so nicht vorwerfen, aber so richtig hast du leider doch nicht nachgedacht und gehst bestimmten Punkten einfach aus dem weg. Sei´s drum. Beste Grüße, TK
Kommentar von Tanja Krienen — 15. Dezember 2007 @ 09:22
Wann kommt der eingepflanzte Energiechip? Nur: sie werden das sicher begrüßen. Sie werden sich dessen rühmen die ersten zu sein, die sich den Chip einpflanzen lassen. Sie werden im nächsten den ungechipten den Zugang zur Uni verwehren. Sie werden dann….töten?
Kommentar von Campo-News — 28. Oktober 2008 @ 12:55
Der Ökodiktatur wieder ein Stück näher.
Kommentar von Campo-News — 6. Februar 2010 @ 07:45
“Der kommende Aufstand”, gar nicht schlecht: “”Wir wurden unserer Sprache enteignet durch die Schule, unserer Lieder durch die Hitparade, unseres Fleisches durch die Massenpornografie, unserer Stadt durch die Polizei, unserer Freunde durch die Lohnarbeit”, heißt es etwa. Oder: “Die Familie ist dieses kindliche Sich-gehen-Lassen in einer flauschigen Abhängigkeit, in der alles bekannt ist, dieser Moment von Sorglosigkeit gegenüber einer Welt, von der niemand mehr leugnen kann, dass sie in sich zusammenbricht.” Oder: “Es sind die kleinen Händler, kleinen Chefs, kleinen Funktionäre, Führungskräfte, Professoren, Journalisten und Zwischengeschaltete aller Art, die in Frankreich diese Nicht-Klasse bilden, diese soziale Gallerte, die aus der Masse derer besteht, die einfach ihr kleines Privatleben außerhalb der Geschichte und ihrer Tumulte verbringen möchten. Dieser Sumpf ist per Veranlagung der Weltmeister des falschen Gewissens zu allem bereit, um die Augen in seinem Halbschlaf geschlossen zu halten vor dem Krieg, der rundherum tobt. ” So tobt, flucht und spuckt das ein paar Dutzend Seiten vor sich hin, es kommen auch die jungen Mädchen dran, die ihr “Glück bei Klamotten, Männern und Feuchtigkeitscremes” suchen, die Milieus der Literaten, Journalisten, Sportler und Künstler “mit ihrem Getratsche und ihren informellen Hierarchien, jedes einzelne von ihnen beauftragt, eine Wahrheit zu neutralisieren”, die Öko-Unternehmer, die die Wirtschaft unter den Bedingungen der Krise am Laufen halten wollen, die linken Reformisten mit ihren ekligen Hoffnungen, es könne sich etwas zum Besseren wenden, und die nur vermeintlich harmlosen “Wie geht’s?”-Fragen, durch die “die einen den anderen die Patientengesellschaft aufzwingen”. Selbst iPod-Hörer bekommen ihre Ohrfeige verpasst. Dafür, dass sie “die eigene innere Welt unaufhörlich wieder herstellen, wie ein Kind, das überall wieder die gleiche Hütte aufbaut”.”
Kommentar von Campo-News — 17. Dezember 2010 @ 22:26