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30. Juni 2007

Dieter Hildebrandt, Ex-NSDAP

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 19:35

Dieter Hildebrandt war wohl Mitglied einer national-sozialen, äh äh äh national-sozialistischen, Organisation. Wer hätte das je äh äh äh, ja sogar jäh, gedacht? Hat er selbst nicht äh äh äh gedacht, gewusst, geahnt. Wurde ja nie drüber gesprochen. Der Walser war als Ausgleich immerhin in der äh äh äh KPD oder so, ja wo? Ist ja auch soviel Zeit äh…

Just in diesen Tagen schrieb mir, da Dieter Hildebrandt seine Biographie zum 80. herausgab, jemand: “In Hildebrandts Werken findet sich kein Wort über Antisemitismus, Frauen, Nahost oder Fernost - immer wieder nur Bundestag, Bundesrat, Kabinett. Da gibt es nichts Menschliches, kein Sex, keine Trauer, keine Freude, keine Justiz, kein Klassenkampf, nix. Dafür lieben ihn alle, auch die meisten Politiker, natürlich vor allem SPD-Politiker. Kohl, Blüm, Stoiber verziehen die Münder aber bekräftigen die Meinungsfreiheit. Kabarett dieser Art kann mir gestohlen bleiben.”

Da kann man nur kabarettieren:

ABC: Ich habe jetzt mein SPD-Parteibuch zurückgeben. Wisst ihr, wie die SPD den Antifaschismus erfand? Nein? Na dann erzähl ich euch mal die Geschichte.Es war 1944. Irgendwo an der Rückzugsfront. Irgendwo im Graben. Irgendwann an diesem 1. April. Der General Greiff von Schleif und Trutzburg tritt in die Stube, in der nur Oberfähnrich Egon Bahr, über ein Buch vertieft, sitzt.

GvSuT: Will er endlich seinen Arsch nach draußen bewegen um mitzukämpfen?

Oberfähnrich Bahr: Nona, das hat mir meine Mame streng verboten. Ich lese. Sollten Sie auch tun öfter, mein lieber Hauptmann.

GvSuT: Er liest? Ist er verrückt geworden?

Egon Bahr: Ja, das ist er wohl. Aber später. Der Zarathustra ist ein schönes Buch welches spricht von feinsten Dingen auf der Erden der weiten.

Oberleutnant Helmut Schmidt tritt ein: Joi, da trifft mir doch glatt der Schlag, alle Wetter und Hamburger Sturmfluten: der Egon. Macht man mal Pause, die kurze, sitzt da der Egon und klärt.

GvSuT: Jetzt reichts aber. Alle Mann nach draußen! Nehmt den schäbigen Jung-Koch noch mit. Wir brauchen jeden Mann. Schneller! Schneller!
Alle gehen ab zur Küche, wo der Soldat Günter Grass grade Zwiebeln schält.

Egon Bahr: Hallo Ginter, willst mitkommen zum Schießen nach draußen?

Günter Grass: Hab keine Zejt. Muss immer wejnen. Ich denk immer an mejne Trakehner zu Haus. Bin sehr truarig. Is nich mein Ding Zwiebeln zu hejten. Und dann muss ich noch den Butt herrichten. Wie das stinkt.

GvSuT: Dem Mann kann geholfen werden. Melde dich schnellstens beim SS-Führer Sturmvogel, der bringt dich aus dem Küchendreck heraus.

Günter Grass: Klasse. Darf ich noch den Hans-Jürgen in Hamburg anrufen. Der ist ein Nejer, hat sich Hakenkreiz an Hemd gejäht, wollte immer in die HJ und wirde bestimmt auch…

GvSuT: Keine Neger! Hau ab Grass!

Oberfähnrich Bahr: Das ist eine große Ungerechtigkeit, dass Neger nicht zur HJ und SS dirfen. Was meinst du, Helmut?

Oberleutnant Schmidt: Na toi toi toi! Ich werde mal gleich den Herbert im Exil anrufen. Nach dem Krieg werden wir das alles mit unserer neuen Partei ändern.

Günter Grass: Du meinst, dann darf auch ein Negerjunge in die SS?

GvSuT: Schnauze jetzt! Das ist Verrätertum. Äh, sagt mal, wie heißt denn die neue Partei?

Egon Bahr: Irgendwas mit „sozialistisch“. Müssen wir mal schauen.

GvSuT: Nehmen die mich auch?

Günter Grass: Wir nehmen alle die guten Gewissens und Willen sind.

Eine Bombe schlägt in direkter Nähe ein.

Egon Bahr: Das mir bloß keiner macht kaputt meinen Zarathustra. Diese Wilden da auf die andere Seite aber auch. Wenn das wisst meine Mame…

nietzsche10.JPG

58 Kommentare »

  1. Im Focus wird das Ergebnis von 40 000 nachgeprüften Fällen beschrieben:

    “Jede Mitgliedschaft in der NSDAP war individuell; automatische/automatisierte korporative Übernahmen von Angehörigen etwa bestimmter NS-Verbände einzelner Geburtsjahrgänge hat es nicht gegeben. Diesbezüglich und immer wiederkehrende Erzählungen seien beständig perpetuierte Legenden, die ihren Ausgangspunkt in Entlastungsbemühungen der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten und durch häufige Kolportage zu einem gern bemühten `Allgemeingut` avancierten, das mit der historischen Wirklichkeit allerdings nichts zu tun hat.”

    “…(es) ist auszuschließen, daß…HJ-Führer einfach irgendwelche Namen `nach oben`gemeldet haben. Derartige Praktiken waren ausdrücklich untersagt und sind in den überlieferten Akten nicht nachzuweisen…Zahlreiche Dokumente belegen dagegen, dass jeder einzelne Fall sorgfältig geprüft und nur dann akzeptiert wurde, wenn jeder Name auf der Liste durch einen eigenhändig unterschriebenen Aufnahmeantrag gedeckt war.”

    “Auch Dieter Hildebrandt ist sich sicher: `Der Jahrgang 1927 ist eine Schenkung gewesen des Reichsjugendführers Axmann an den Führer.` Man sei automatisch überwiesen worden in die NSDAP, ohne Kenntnis davon zu haben. Eine Darstellung, die Buddrus zurückweist: `Formal und jure blieb der Beitritt zur NSDAP bis 1945 freiwillig` schreibt er in seinem Gutachten `wenngleich jedoch solche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bestanden, die dem einzelnen - zumal bei bestimmten Karriereerwartungen - eine Nichtgliedschaft zusätzlich erschwerten.”

    Kommentar von Campo-News — 3. Juli 2007 @ 06:21

  2. Aus “Wolfgang Neuss, der Mann mit der Pauke”:

    neuss.jpgAn anderer Stelle schrieb ich dieser Tage: “Gut, “begraben” wir das. Trotzdem fragt man nach dem Grund der Verschleierung. Warum, z.B. ist Hildebrandt nicht so offen mit biographischen Details umgegangen, wie sein Kollege Wolfgang Neuss (”Hatte nur Urlaute in der Kehle `Heil! Heil` Aber das Entscheidende Kopf, und dadurch Herz: nüscht”) Neuss war “die Wildsau, die durchs Unterholz bricht, um später dann doch noch zur Truppe zu stoßen” (Degenhardt über Neuss). Ja, man darf auch Kommunist gewesen sein, aber so tun als ob man es nicht war, - das wäre ebenfalls Heuchelei.”

    Im Übrigen fällt mir da der Herr Karl ein: “No woas wor i scho? Bei der NSV, Nationalsozialistische Volkswohlfahrt. Hoat siech kana wos denkt wenn er dazugegange is. Heut is man ja auch überall. Gewerkschaften und so. Denkt sich nix. Furchtbar, wie man diese gutgläubigen Menschen in die Irre geführt hat…Dann san eh die Russen gkommen. Na, i bin sehr gut mit ihna auskommen. Hab sie in mein Zimmer geführt. Komm Towarisch, i habs Hitlerbild gepackt, auf die Erd haut. Drauf rumtrampelt. Hams gesogt `karascho `und sin gange.”

    Kommentar von Campo-News — 3. Juli 2007 @ 06:26

  3. Der Hildebrandt soll also Nazi gewesen sein, wie der Filbinger ein Gegner der Nazis.

    Tanja, dass glaubst du wohl selber nicht.

    Aber Wolf Biermann glaubte auch noch im Herbst 2003, dass es im Irak Massenvernichtungswaffen zu finden gab.

    Du stützt dich auf den selben “Focus” ab, dessen Chefingen- äh -redakteur dem Broder im Alleingang einen Anti-Heine (Börne) Preis verliehen hat.

    Der Karajan war so gar zwiemal in die Partei eingetreten, und hat es irgendeinen Kulturteutonen gekratzt?

    Erik

    Kommentar von Erik — 5. Juli 2007 @ 12:10

  4. Hallo Erik!

    Es hat in der Vergangenheit sogar immer “gekratzt”, wenn Leute irgendwo an Plätzen anwesend waren, die nicht besonders ruffördernd waren, auch z.B. bei Waldheim oder Weizäcker. Das Besonders an der Spezie Hildebrandt oder Grass ist, dass sie ihre politische Haltung in einem Impetus vortragen, der nahelegt, dass sie NIEMALS irgendetwas Anstößiges sagten, machten, lebten.
    Ich erwarte ja gar nicht von 17 oder 18jährigen, sie dürften keine Fehler machen. I wo. Aber jene zwei, und andere, besaßen diese Toleranz gegenüber anderen Jugendlichen nie. Grass z.B. will doch, dass wir uns mit dem Schrägtrommler Oscar indentifizieren und tat so, als sei dies seine Haltung. Pustekuchen - er marschierte mit und wurde wohl nicht dazu gezwungen Mitglied der SS zu werden. Ein Nuch “Gewissenzweifel eines SS-Mannes” wäre ja auch wohl kein Verkaufsschlager geworden. Oder? Oder doch?
    Nach allem, was wir wissen, konnte man auch nur Parteimitglied durch einen Antrag werden. Diese Dokumente liegen OBJEKTIV vor. Wie gesagt: Es ist ja durchaus logisch, dass jemand, der seine gesamte Schulzeit in der NS-Zeit verbrachte, so dachte. Aber deshalb sollten sie auch nicht diesen inneren Widerstand vorgaugeln, da doch wahrscheinlicher ist, dass sie eher mitschwammen (oder sogar voran gingen).

    Und: Hildebrandts Nummern waren schon lange, vielleicht schon immer, nicht viel mehr als Kaspereien. Wie diese Art Kabarettisten abgebügelt wurden, konnte man 1964 sehen, als Hildebrandt mit seinem Gefolge von Strauß und Co in einer Fernsehdebatte hoffnungslos unterlagen. Weil: ihre Lacher beruhen auf eine entsetzliche Aussparung von psychologischen Elementen und politischen Fakten. Sie focussieren einen winzigen Ausschnitt der Politik, beleuchten ihn zutiefst einseitig und benutzen dann eine Rhetorik, die Göbbels prinzipiell auch beherrschte (was nicht heißt, die Inhalte seien gleich). Wie könnte es anders sein, dass ein Stoiber als Depp durch die linken Kabarettreihen läuft und eine Künast, ein Gabriel und x andere, mit keiner Grimasse, mit keinem satirischen Tönchen, stattfinden!?

    Ich werde wegend er Verfehlung des Focus - Chefs Markwort nun nicht alles, was der Focus schreibt, verteufeln. So kommt man zu nix. Ich habe auch in übelsten DKP-Zeiten alles gelesen, auch wenn es mir nicht passte, aber nur so kommt man weiter und kann seine Meinung überprüfen. Und wenn jemand etwas aufdeckt, so ist das gut. Egal wer das macht.

    Kommentar von Tanja Krienen — 6. Juli 2007 @ 05:51

  5. Nun,

    es gibt keine spannende Satire von Parteigängern der Macht, da Satire gegen Machtlose nichts kostet.

    Das nun aber Kabarettisten eine grösseren Ueberblick als Politiker oder Klempner haben sollten, nur weil sie besser Sätze drechseln können, bezweifle ich ja immer.

    Aber Hildebrandt, dessen Position eindeutig Links der Mitte ist, hat auch SPDler nie verschont.

    Stoiber wiederum, war ein so gutes “Satire-Opfer”, weil da ein durchaus intelligenter und mächtiger Mann oft so hilflos rhetorisierte, dass man ihn einfach parodieren musste.

    Hat ihm das geschadet? NEIN!

    Geschadet hat ihm das zögerliche und das unauthentische (Durchrasste Gesellschaft; ja was sind denn die Bayern und mit ihnen alle Alpenländler denn anderes als eine “durchrasste Gesellschaft”)
    Gestürtzt ist er über die Pauli und sein krampfhaftes Festhalten an der Macht.

    Zu Göbbels:

    Natürlich war der ein rhetorisches Talent erster Klasse (mach mich jetzt nicht zum Jenninger), der Aufgrund körperlicher Minderwerigkeitsgefühlen und kindlicher Verletzungen der Psyche ein “Opfer” seiner “Bedeutungssucht” wurde.
    Unter anderen Umständen und Zeiten hätte er auch ein Herbert Wehner werden können.

    Die “Blumen des Bösen” haben auch andere Menschen zur falschen Zeit verführt und irregeleitet.

    Und zurück zu Hildebrandt:
    Da will ich Fakten und Beweise und keine Werweissungen.

    Zu den Weizsäckers:

    Welchen meinst du?

    Den Atomphysiker, den Bundespräsidenten oder den der mal bei der FDP war, oder Papa Weizsäcker den Botschafter des 3. Reichs in der Schweiz?

    Dass die Weizsäcker-Familie im 3. Reich ein prominenter Rolle spielte, ist nun wirklich kein Geheimnis.

    Erik

    Kommentar von Erik — 7. Juli 2007 @ 12:44

  6. Ich meinte den Bundespräsidenten.

    Der Fakt bezüglich Hildebrandt ist das Dokument seines Mitgliedausweises. Das ist der Hauptbeweis. Und dann können wir nur, wie bei wisenschaftlichen Erkentnissen, uns der Sache nähern, in dem wir schauen, welche Wahrscheinlichkeiten für die Belegung der Fakten vorhanden sind. Aber ich sagte doch, dass ich niemanden in einem einfachen Sinne verurteile, wie es die Grass´und Hildebrandts´ umgekehrt machten, sondern, dass ich die Haltung und die Heuchelei kritisiere. Ich glaube aber auch, dass viele ihrer Schwächen nicht ohne Grund zustande kamen…

    Sicher, Göbbels war ein Nationalbolschewist, er war dem jüngeren Wehner nicht unähnlich (blieb aber eher eine rechte Niekisch-Variante) und hätte durchaus ein Walter Ulbricht werden können. Schon, weil er besser reden konnte. Er hatte auch viel mehr Humor und war den Künsten zugewandt. Sexuell war er auch aktiver. Ebenfalls erfreulicherweise bartlos.
    TK

    Kommentar von Campo-News — 8. Juli 2007 @ 08:00

  7. Die Frage ist nun aber erlaubt, ob da ein eifriger Parteisoldat Mitglieder “produziert” hat, oder ob Hildtebrandt willentlich beigetreten ist.

    Der SPDler und Atomphysiker war wohl weit stärker in Hitlers Maschinerie eingespannt, und ob er seinerzeits wirklich froh war, dass er und Heisenberg die Atombombe nicht hinkriegten wage ich zu bezweifeln.

    Wichtig ist nur:

    Die Weizsäckers haben ihre wichtige Stellung im 3. Reich nie verheimlicht, deswegen denke ich hatte auch der Bundespräsident das Recht zu expliziten Stellungsnahmen.

    Erik

    Kommentar von Erik — 8. Juli 2007 @ 12:37

  8. Da verweise ich noch einmal auf den 1. Kommentar in diesem Thema, denn dort zitiere ich die Aussagen der Historiker. Natürlich ist es möglich, dass es sich ausnahmsweise einmal anders verhielt, aber warum sollte es das? Das Dokument jedenfalls existiert.

    Nehmen wir nochmal Grass: da ist ja alles klar, der leugnet ja auch nicht. Aber DESHALB ist es so schändlich, wenn jemand 60 Jahre schweigt, obwohl er mehrfach den Mund hätte aufmachen können. Der aber blieb nur geschlossen, wenn er an sich dachte. Das gilt auch für Walter Jens. Das alles missfällt mir. TK

    Kommentar von Campo-News — 8. Juli 2007 @ 17:05

  9. Auch der SPIEGEL schreibt unter dem Titel „Karteileichen im Keller“: „Dem SPIEGEL liegt ein Schreiben des NS-Aufnahmeamtes vom 21. Juni 1944 vor, in dem die fehlende Unterschrift auf dem Antrag eines Hitlerjungen moniert und die örtliche Gauleitung ermahnt wird: `Da diese Bedingung für die Aufnahme in die Partei ist, werden Sie ersucht, den Genannten zu veranlassen, die Unterlagen diesbezüglich berichtigen zu lassen.`

    Schon vor fünf Jahren stellte Michael Buddrus in einem Gutachten fest, dass jedes Mitglied in der NSDAP ìhren Ausgang in einem eigenhändig unterschriebenen Antrag mit dazugehörigem Fragebogen` nahm. An diesem Befund, sagte Buddrus dem SPIEGEL, bestehe auch heute kein Zweifel.“

    Kommentar von Campo-News — 11. Juli 2007 @ 15:39

  10. Es ist wieder typisch, dass Hildebrandt mit dem Finger auf andere weist und genau das ist die Haltung, die ich anspreche. Hildebrandt sagte jetzt, bald werde noch “ein ehemaliger Luftwaffenhelfer namens Ratzinger auf der Liste auftauchen.” Markwort nennt es im “Tagebuch” des Focus “Gift und Galle” spucken, und liegt hier richtig. Er schreibt, es sei festgestellt worden, dass Ratzinger nicht in der Partei war und “auch viele andere Angehörige der von den Nazis umworbenen Jahrgängen 1926 und 1927…beispielsweise Joachim Fest oder Günther Grass.” Die Behauptung Hildebrandts, “der Jahrgang 1927 sei eine Schenkung des Reichsjugendführers an den Führer gewesen”, verweist Markwort in den Bereich der Phantasie und nennt ihn “historisch überhaupt nicht zu halten”.

    Die Erfindung des Antifaschismus in der SPD hätte also noch breiter dargestellt werden können, als ich es in meiner Satire des Eingangsbeitrages machte.

    Kommentar von Campo-News — 11. Juli 2007 @ 16:34

  11. Ich weiß nicht, was Helmut Markwort derzeit reitet.
    Bisher habe ich ihn immer als relativ objektiv eingeschätzt. Was soll dieser Rufmord an Hildebrandt und auch an Lenz bringen ?
    Tanja, überlege mal: eine “Regierung”, die sich nicht gescheut hat, 6 Millionen Menschen industriell umzubringen, der kann man doch durchaus zutrauen, auch Mitgliedschaften, Unterschriften und einiges weiteres getürkt zu haben. Sogenannte “Beweise” - nämlich die “Anmeldeformulare” - sollte man nun keineswegs als Beweise ansehen.
    Gerade Du, die auch schon Opfer einer Schmutzkampagne wurde, solltest da ein wenig unmanipulierbarer sein.
    Gruß, Nita

    Kommentar von Nita — 11. Juli 2007 @ 19:51

  12. Und noch was:
    keiner Nation macht es so viel Spaß, sich in ihrer eigenen blutrünstigen Vergangenheit zu suhlen - selbst 60 Jahre später noch.
    Gerade die “Nachgeborenen” wälzen sich regelrecht wollüstig in der Schuld ihrer Vorfahren; sie selbst fühlen sich zwar nicht direkt schuldig, nehmen aber die günstige Gelegenheit wahr, ihre Eltern und Großeltern DAFÜR zu verachten: war es je einfacher, pubertäre Hassgefühle zu projizieren ? Das ganze schöne Elend : man selbst kann ja nichts dafür, es waren ja die bösen Eltern und die noch böseren Großeltern; das ganze schöne - geradezu wollüstig genossene - Elend. Nur keinen Abschluss finden, denn dann wäre es ja vorbei mit dem Selbstmitleid, mit der Suhlerei im Dreck, mit dem unendlichen Selbstmitleid, durch Geburt ein unschuldiges Opfer der bösen, bösen deutschen Nation zu sein (wo man doch viiiel lieber Amerikaner wäre)

    Kommentar von Nita — 11. Juli 2007 @ 20:47

  13. Hallo Nita!

    Ich veruche trotzdem fair zu bleiben und wenn jemand etwas Richtiges sagt, so widerspreche ich dem nicht aus Prinzip. Markwort hat nur das öffentlich gemacht, was sich im Archiv der NSDAP-Mitgliedskarteien befindet. Über Fakten muss man reden und die Sachlage spricht dafür, dass die betreffenden Personen gewusst haben, was sie taten. Allerdings habe ich die Schuld doch relativierend kommentiert und darauf hingewiesen, dass mir hauptsächlich ihre extreme und hochmoralische Haltung suspekt ist, die sie einnehmen, obwohl sie nicht frei von Verwicklungen sind. Wie gesagt: Hildebrandts Reaktionen sind typisch, da er von geschenkten Jahrgängen phantasiert und mit dem Finger z.B. auf Ratzinger verweist. Hat er eigentlich widersprochen, als vor zwei Jahren gegen den jetzigen Papst eine Kampagne startete, weil der als Jungsoldat noch zum Einsatz kam? So weit ich weiß, war das ein gefundenes Fressen für diese Art Kabarettisten.

    Was deine Bewertungen der Vergangenheit angeht, so stimme ich dir zum Teil zu. Da die Deutschen nun einmal diese, in der Neuzeit der Geschichte größten Verbrechen an anderen Völkern ausübten, liegt es wohl nahe, dass man sich damit heftig beschäftigen muss. Allerdings wird diese Aufarbeitung - und dieser Trend ist tatsächlich zu erkennen - dann fatal, wenn dies das Land lähmt und in einer ewiger Schuldfalle sitzen lässt. Es gibt ja klare Tendenzen, die Vergangenheit politisch einseitig zu instrumentalieren, um notwendige Handlungen für Heute nicht geschehen zu lassen. Der ständige Bezug auf die Nazizeit nervt dort, wo er an den Haaren herbei gezogen wird. Aber haben nicht das die Hildebrandts und Co über die Zeit hinaus gemacht und geschah es nicht, weil sie selbst persönliche Schuld abarbeiten wollten und mit diesen Handlungen sich selbst dienten, aber die Spätergeborenen - in ihren immer gleichen Diskursen - nicht in die (relative) Normalität entließen, bzw. entlassen wollten?! Gruß, Tanja

    P.S. Und wie immer sind es die Deutschen selbst, die sich im Wege stehen. Während das Ausland längst zur Normalität zurück kam, verweigern sich die Deutschen partiell mit dem Hinweis auf ihre Vergangenheit. Das aber ist Taktik, oder tatsächlich das Ergebnis einer auf ewig traumatisierten Bevölkerung, die allerdings vor allem von den politischen Bedenkenträgern diesbezüglich geimpft wird.

    Kommentar von Campo-News — 12. Juli 2007 @ 05:57

  14. Hallo Tanja,

    kommt es dir nicht komisch vor, dass nach 1945 viele Nazis mit tonnenweise Dreck am Stecken in diversen Bundesministerien Karriere machen durften und die Rechts-Intellektuellen kein Problem damit hatten.
    Nein es gibt sogar ein Hans Martin Schleiyer Stadion in Stuttgart.
    Nur weil ein durch und durch schlechter Mensch von durch und durch schlechten Menschen erschossen wurde, macht ihn das nicht zu einem “Guten Menschen” der ein Denkmal in Form eines Stadions bedarf.
    Wenn ein aktueller Ministerpräsident Baden-Würtenbergs einen Filbinger dem “stillen” Wiederstand zu rechnet, ein Markwort einen Jahrgang 17jähriger Hitlerjungen, die dem Führer geweiht wurden, wie du zu Tätern hochstillisiert, dann muss man sich fragen zu welchen Zwecken das passiert.

    Bei dir scheint es mir klar, du willst dich von allem “Linken” aus deiner Vergangenheit distanzieren.
    Hildebrandt hat seine Zeit als HJ nie verschwiegen, und seine Kartei-Mitgliedschaft fällt vom Alter her genau in die gleiche Stufe wie Biermanns Uebertritt in die DDR.

    Zu Historikern die wissen wollen, dass in der Nazizeit in Parteifragen alles ganz korrekt zu und her ging:

    “Wie wollen die das wissen.”

    Zu Fest:
    Der hat dafür nach dem Krieg dem Grössten Arschitekten (Speer) aller Zeiten einen Glorienschein verpasst.

    Erik

    Kommentar von Erik — 12. Juli 2007 @ 09:32

  15. Hallo Erik!

    Es geht hier nicht um Täterschaft, das wurde mit keinem Wort gesagt, sondern: es gibt hier einen Fakt der öffentlich werden musste. Sonst zunächst einmal nichts. Dann aber gibt es da noch den Umstand, dass die Betreffenden darüber nicht sprachen - und das unterscheidet sie, ausgerechnet sie, die doch immer so hochmoralisch und ehrlich daherkommen und anderen stets ihre Vergangenheit vorhielten, nicht von Millionen anderer. Sie taten aber stets so, als hätten SIE nichts damit zu tun. So wird die Sache zu einem Politikum. Nicht der großen Sorte, aber doch zu einem, dass nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte und kann. Mehr nicht. TK

    Kommentar von Campo-News — 12. Juli 2007 @ 16:37

  16. Womit hatte ein HJler, der das nie verschwiegen hat mit dem Nazitum mehr zu tun, nur weil er unwissentlich oder unter Gruppenzwang kollektiv in die Partei aufgenommen wurde?

    Tanja, ich habe Verwandte in der Ex-DDR, da kann ich dir sagen, da gab es rein theoretisch auch die Möglichkeit auf die Jugendweihe zu verzichten, haben auch einige gemacht, aber als Beruf haben sie dann lernen dürfen, was ihnen die Partei gerade mal so zubilligte.
    Was meinst du wieviele Junge Pioniere überzeugte Kommunisten waren, wieviele Sportlehrer, die zur SED gehören mussten, wirklich an den Kommunismus glaubten?

    Nochmals, wir reden hier von Hitlerjungens die 1944 kollketiv in die Partei aufgenommen wurden, hier ging es nicht um Ueberzeugungen, - nicht mehr 1944 -, da ging es um Inszenierung.

    Und wenn Aufnahme-Daten für Partei-Eintritte getürkt wurden, warum dann nicht auch Unterschriften?

    Erik

    Kommentar von Erik — 12. Juli 2007 @ 18:10

  17. Die nationalen Sozialisten hatten im Gegensatz zu den verbalen internationalen Sozialisten eine verquaste, aber subjektiv existierende, Auffassung vom Elitebegriff, der sogar dazu führte, dass sie immer mal wieder Aufnahmestopps für ihre Organisationen ausriefen. Die SED hatte ihre “Kandidatenzeit”. So aber gilt das, was Historiker über das Aufnahmeprocedere feststellten - nicht das, was wir gerne hätten.

    Dein Beispiel ist gut (allerdings ist es leicht, wenn H. die Mitgliedschaft in der HJ zugibt, weil sie wirklich quasi eine Pflichtveranstaltung war), aber dass es auch in der DDR “aktive Mitläufer” gab, steht außer Frage. Aber Hildebrandt war dann wohl einer von denen, ganz bestimmt aber nicht das Gegenteil - nämlich ein aktiver Widerständler - und da bewegen wir uns auf dem Spielfeld, um das es geht.

    Was aber wäre von jenem SEDler zu halten, der penetrant mit dem Finger auf andere verweist, obwohl er selbst dazugehörte, doch im Gegensatz zu anderen, sich nie dazu bekannte, ehe nicht seine Karteikarte auftauchte!?

    Allgemein: Ja, Markwort wusste von den Broderschen Schmähungen gegen mich, wollte dies aber nicht im Focus thematisieren - so die Mitteilung, die ich Anfang 2006 erhielt. Dass er ihn in Kenntnis dessen auch noch auszeichnete, ist tatsächlich ein Ausdruck der Infamie. Doch die Welt ist voll davon, insofern ist nichts besonderes.

    Kommentar von Tanja Krienen — 12. Juli 2007 @ 19:06

  18. Hallo Tanja,

    Wirtschaftswissenschaften, und erst recht Geschichtswissenschaften, sind virtuelle Wissenschaften, das heisst, sie sind spekulativ und darum für mich Wirtschaftsphilosophie und Geschichtsphilosophie.

    Karl Marx, dein ehemaliger Leitstern hat etliche Wahrheiten ausgegraben, seine Konklusionen waren aber reine Spekulation und nicht Wissenschaften, das gleiche gilt auch für Nitzsche.

    Historie und Mythologie sind auch heute noch viel näher beieinander als dass die Historiker zugeben.
    Oekonomen spielen gerne mit der Mathematik um sich den Anschein der exakten Wissenschaft zu geben, um sich von der philosophischen Disziplin der Psychologie abzugrenzen.

    Aber auch im Bereich der physischen Wissenschaften wird aus Gründen der Eitelkeit und der Penunzen immer wieder gelogen und Fakten manipuliert.

    Und wenn Markwort im Falle Broder-Krienen sich infamiert, warum dann nicht im Falle Hildebrandt.

    Markwort ist auch sehr an Auflage interessiert, und Tanja, als Mittelinksler glaube ich einem Rechten nur, wenn er hieb- und stichfeste Beweise hat.

    Erik

    Kommentar von Erik — 12. Juli 2007 @ 23:32

  19. Hallo Erik!

    Ich glaube einem Menschen unabhängig vom Parteibuch oder seiner politischen Richtung. Du hängst das aber im konkreten Fall zu hoch. Ich weiß nicht, worin das Problem liegt, wenn ein neuer Fund öffentlich gemacht und darüber debattiert wird? Dass Markwort über die Broderschen Ausfälle NICHT berichtet wird, ja sogar noch eine Belohnung erfolgt, ist der Skandal, aber nicht, dass ein unzweifelhaft existierendes Parteibuch benannt wird.

    Was nun die Glaubwürdigkeit von Wissenschaften angeht, so darf man ruhig skeptisch sein, doch es gibt auch Methoden und erkenntnistheoretische Leistungen, deren Ergebnisse man nach menschlichem Ermessen und berücksichtigend etwaige Unzulänglichlichkeiten, die aus der - das liegt in der Natur der Sache - immer verbesserungswürdigen Forschung entspringen, durchaus als “relative Wahrheit” annehmen kann. So wie halt auch die Naturgesetze relativ wahr sind. Ja wir können Gesetze eindeutig als richtig bestimmen, sofern der Rahmen derselbe ist. Es ist demnach auch unstößliche Gewissheiten - neben den variablen, sprich relativen.

    Aus Marx haben seine politischen Nachfahren den Begründer einer Wissenschaft gemacht. Seine Lehre an sich hält dieser Definition nicht stand. Der gelehrte “Historische und dialektische Materialismus” ist der Versuch einer Welterklärung nach wissenschaftlicher Methode, aber wie die meisten anderen fehlerhaft und unzureichend, letztlich auch, weil er ideologischen Vorgaben nachkommen musste. An sich aber ist er nichts anderes als eine Methode, mit der auch die “Bürgerlichen” arbeiten und auf vielen Feldern kommt man ja auch zu ähnlichen Ergebnisse. Wie diese zu interpretieren sind, ist dann aber der entscheidene Unterschied der Schulen.

    Nietzsche hat nie für sich reklamiert eine wissenschaftliche Lehre zu begründen. TK

    Kommentar von Tanja Krienen — 13. Juli 2007 @ 08:15

  20. Was mir da aber grad noch einfällt, Erik. Wolf Biermann ist ein denkbar schlechtes Beispiel, weil nämlich das zeigt, dass jemand in einem sehr frühen Alter politisch zu denken und zu handeln vermag. Und es gibt einen weiteren dicken  Unterschied: Biermann ist mit seinen Verirrungen (die ja nicht zu jedem Zeitpunkt welche in aller deutlichkeit gewesen sein müssen) immer offen umgegangen - und nebenbei war er sogar erst 16 Jahre alt, als er in die DDR machte. TK

    Kommentar von Campo-News — 14. Juli 2007 @ 12:59

  21. Und noch weitere Sozialdemokraten waren adabei - auch der allzu gute Mensch Eppler. Meine vor über einem Jahr entstandene Satire - siehe ganz oben - entpuppt sich inzwischen als eine allzu peinlich treffende.

    Spon: Der ehemalige Bundesminister Erhard Eppler ist der NSDAP einst bewusst beigetreten….Berlin - Im Berliner Bundesarchiv wird in diesen Tagen hektisch in Karteikästen geblättert. Mehr und mehr prominente Namen tauchen dabei auf, aus Wissenschaft und Kunst, Politik und Medien. Nach Informationen des SPIEGEL sind in den Unterlagen über die Mitglieder der NSDAP unter anderem der SPD-Politiker Horst Ehmke, der ehemalige “Bild”-Chefredakteur und Regierungssprecher Peter Boenisch, der Soziologe Niklas Luhmann und der Philosoph Hermann Lübbe verzeichnet. Auch der einstige SPD-Bundesminister Erhard Eppler (Jahrgang 1926) taucht in der Kartei auf. Einzig Eppler sagte dem “Focus”: “Ich bin nicht gegen meinen Willen auf eine Liste gekommen, sondern habe es akzeptiert. So war das damals.”

    Da kann man nur leise vor sich her singen:

    Weg zur Arbeit
    
    Jeden Morgen gehe ich zirka acht Minuten lang,
    Außer, wenn ich krank bin, von meiner Wohnung in meine Kanzlei.
    Das ist schon seit Jahren so, ich bin nicht der einzige,
    Für die meisten Leute geht das Leben so vorbei,
    
    Ich grüße freundlich die Verkäuferin meiner Zeitung,
    Sie hat es schwer heut seit jenem grausigen Prozeß.
    Ihr Mann ist eingesperrt wegen so mancher Überschreitung,
    Sie wurde freigesprochen, denn sie war nicht in der SS -
    Obwohl sie wußte, was da vorging.
    
    Und ich grüße ebenso den Friseurgehilfen Navratil,
    Der auch in der SS war, oder war es die SA?
    Einmal hat er angedeutet, während er mir die Haare schnitt,
    was damals in Dachau mit dem Rosenblatt geschah,
    
    Er war erst zwanzig, zwölf Jahre jünger als der Rosenblatt,
    Jetzt ist er fünfzig und ein sehr brauchbarer Friseur.
    ,,Grüß Gott, Herr Hauptmann!'' - Der heißt nur Hauptmann,
    Er war Oberst und hat in Frankreich einige zu Tode expediert,
    Er ist noch immer Spediteur - es hat sich nichts geändert.
    
    Drüben macht der Hammerschlag seinen Bücherladen auf,
    Ich sehe noch heut vor mir, er ist damals so gerannt
    Und hat direkt vor seinem Buchgeschäft einen Scheiterhaufen aufgestellt,
    Und hat darauf Thomas Mann und Lion Feuchtwanger verbrannt.
    
    Und Erich Kästner und den Kafka und den Heine
    Und viele andere, die jetzt sein Schaufenster verziern,
    Und er verkauft sie mit einem Lächeln an der Leine,
    Ja, er muß leben und seine Kinder wollen studieren.
    Er hat ja selbst den Doktor.
    
    ,,Verehrung, Herr Professor! Wie geht's der Frau Gemahlin?''
    ,,Danke!'' - ,,Sie schauen blendend aus, wie bleiben Sie so jung?''
    Das war Professor Töpfer, seinerzeit völkischer Beobachter,
    Anthropologie und Rassenkunde. Jetzt ist er beim Funk.
    
    ,,Grüß Gott, Herr Neumann!'' - Der ist nix, der ist erst dreißig.
    Was war sein Vater? Na ja, er war jedenfalls Soldat.
    ,,Habe die Ehre, Herr Direktor!'' - Der ist gute fünfundsechzig,
    Also muß er was gewesen sein. Heute ist er Demokrat.
    Das sind wir schließlich alle.
    
    Drüben ist der Eichelberger, Gummibänderhosenträger.
    Das hieß früher Blau und Söhne, Herrentrikotage.
    Nebenan war das Café Pinkelmann. Der Pinkelmann ist noch zurückgekommen,
    Dann ist er wieder weggefahren, jetzt ist dort eine Garage.
    
    Da kommt die Schule, da bin ich selber hingegangen,
    Mein Deutschprofessor verdient noch immer dort Gehalt.
    Der schrie: ,,Heil ...'', na ja, das wird er heute nicht mehr schreien.
    Was nur die Kinder bei dem lernen? Vielleicht vergessen sie es bald.
    Ich kann es nicht vergessen.
    
    So, jetzt bin ich endlich in meine Kanzlei gekommen,
    Setz mich an den Schreibtisch und öffne einen Brief.
    Doch bevor ich lesen kann, muß ich erst die Richtung ändern,
    Blicke rasch zum Himmel auf und atme dreimal tief.
    Georg Kreisler

    Kommentar von Campo-News — 14. Juli 2007 @ 14:55

  22. Hallo Tanja,

    Schau mal: auch Hildebrandt war erst 16, um das ging es mir.
    Der Biermann hat aber im höheren Alter, als er sich vom Kommunismus lossagte, gleich zum nächsten Ismus “rübergemacht”.

    Dem Theodor Herzl werfe ich diesen “Ismus” nicht vor, aber einem Biermann werfe ich vor, dass er auch 6 Monate nach dem “Sieg” Bushs über den Irak öffentlich im TV behauptete, Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen würden noch gefunden werden.

    Die Handlungen 16-18 Jähriger, gerade auch die passiven, wie kollektives Dabeisein in einem totalitären Staat, der individuelle Freiheit dem Rassen- oder Klasseninteresse unterwirft, von irgendwelchen Historikern oder Journalisten mit poltiischer Agenda bewerten zu lassen, hat nichts mir seriöser Vergangenheitsbewältigung zu tun.

    Reden wir doch lieber über das was Hans Martin Schleyer getan hat. Keine Bader-Meinhof Schweinerei kann dessen Schweinereien ungeschen machen.

    Und diesem Nazi-Ungeheuer widmet man in Stuttgart die Hans-Martin Schleyer Halle, aber in Stuttgart hält man ja auch den Filbinger für einen Gegner Hitlers.

    Erik

    Kommentar von Erik — 15. Juli 2007 @ 12:21

  23. Der Schweizer
    Von Thomas Gsella

    Der Schweizer zählt zur Bauernschaft,
    denn all sein Land ist ländlich.
    Auch ist sein Kehlkopf fehlerhaft.
    Das macht ihn unverständlich.

    Der Schweizer kröächzt alswie ein Aar,
    doch ist nicht bunt noch federn:
    Grotesk verkürzt sein Hosenpaar
    aus grauen Schweineledern.

    Kultur blieb ihm ein fremder Stern.
    Sein Geist heißt: Schweizer Franke.
    So leben heute rund um Bern
    Millionen Geisteskranke.

    Kommentar von hegelxx — 15. Juli 2007 @ 16:57

  24. Hallo Erik!

    Was Schleyer angeht, so hast du selbstverständlich Recht. Anderseits heißen viele Straßen und Plätze nach Menschen mit Blut an Fingern - auch welche von der anderen Seite. Du verstehst?

    Aber wir drehen uns im Kreis, weil du hier schlicht wie die DDR argumentierst: “Ist ein Alt-Nazis in unserem Bereich, so ist es kein Problem.” Das führte dazu, dass man sich als Nazi freier Staat darstellen konnte, obwohl ähnlich viele NSDAP-Mitglieder in der DDR aktiv waren, wie zur gleichen Zeit im Westen. Du fällst da immer noch auf die Propaganda und die 40jährige Selbstdarstellung der DDR herein - inklusive der linken Heuchelei, die ich ja hier beschreibe.

    Welchem “Ismus” soll Biermann frönen? Keine Ahnung. Darf er nicht einmal irren - wie wir alle?

    Jahrzehntelang wurde die Mitgliednummer Kiesingers (des Fleckkanzlers), wann immer sein Name fiel, von bestimmten Leuten mitgenannt. Ähnlich bei anderen Personen, die im konservativen Spektrum aktiv waren oder sind. Die CDU allein galt manchen als eine Art Sammelbecken für alte Nazis, als ein Hort derer, die braunen Dreck am Stecken hatten. Nun sehen wir, dass auch dies so nicht stimmt.

    Klar ist ein Unterschied zu machen zwischen jenen, die als Jugendliche in die Partei eintraten und solchen, die diesen Schritt im erwachsenen Alter ausführten. Aber das ist nicht der Punkt, wie ich schon xmal sagte, sondern: Es ist unbegreiflich wie Leute 60 Jahre über derartige biographische Punkte schweigen können und die ganze Zeit lang einen politisch-moralischen Rigorismus an den Tag legten, der einfach übel aufstößt. TK

    Kommentar von Tanja Krienen — 15. Juli 2007 @ 18:23

  25. Hallo Tanja,

    aber gerade Hildebrandt hat ja über das Nazitum in seiner Familie nicht geschwiegen und darum ist sogar die “rechte” NZZ bereit, davon auszugehen, dass es keinen wissentlichen Beitritt Hildebrandts gab.
    Ich hoffe ich finde den Artikel noch, er war wohl diesen Freitag zu lesen.

    Natürlich ist es unmöglich, wenn sich jemand als unbefleckt darstellt, der es nicht war, ich kenne das zu genüge aus der schweizerischen Nachkriegsgeschichte.

    Ich denke nun aber, dass die Angriffe auf Hildebrandt genau darum geritten werden, um das Verhalten erwachsener Täter wie Schleiyer und Filbinger zu relativieren.

    Kiesinger durfte immerhin mit Hilfe der SPD Bundeskanzler werden, sosehr hat also auch er nicht für seine Nazizeit büssen müssen.
    Und ich nehme nicht an, dass die Sozen mit ihm in eine Koalition gestiegen wären, wenn sie ihn nicht für geläutert betrachtet hätten.

    Ich betrachte die CDU als Mitte-Rechts-Partei, die nur ab und zu den selben Fehler machen, wie Mitte-Links-Parteien:

    Dass sie sich manchmal in einer Art Solidarität mit “ihren” Extremisten sehen.

    Und ja natürlich hat die CDU noch einen anderen Fehler:
    Dass sie nicht Mitte-Links ist. LOL

    Nun Biermann frönt dem Ismus des Theodor Herzls.

    Erik

    Erik

    Kommentar von Erik — 15. Juli 2007 @ 21:33

  26. Jaja, Erik: Die Familie war es, der Staat usw. - nie der einzelne. Da inszeniert man sich als Widerständler. Aber wenn das stimmt, was du über sein Familiengeständnis sagst, würde es ja auch erklären, warum er dann dann auch in diese Richtung tendierte. Ja, so war das damals und es ist bis zu einem gewissen Grad entschuldbar. Aber man sollte bei der Wahrheit bleiben.

    Die Hildebrandt-Sache ist sicher nicht wegen seiner Person an die Öffentlichkeit gebracht worden und auch nicht, um von anderen abzulenken. Aber sie dient der Relativierung. Ebenso ist meine Satire der unkorrekte Versuch, kaum zur Kenntnis genommenen Fakten zugespitzt zu beschreiben. Das ist notwendig, um sich der Wahrheit zu nähern, die manchmal schrecklich banal sein kann.

    Biermann tritt für den Staat Israel ein. Ist das für dich schon ein böswilliger “Ismus”? Was soll ich dazu sagen? TK

    Kommentar von Campo-News — 16. Juli 2007 @ 06:22

  27. Nein Tanja,

    Es wird von sogenannten Bürgerlichen Eltitären (vulgo Neu-Herrenreitern)ein Furz zum Orkan hochgeblasen.

    Biermann verteidigt das Existenzrecht Israels mit den Lügen von George W. Bush, er verteidigt auch den in dieser Form hirnrissigen Angriff auf den Irak.
    Und er war auch mit 16 1/2 nach Stalinland rübergemacht und spielt sich bis dato als moralische Instanz auf.
    Er hat sich aber seit 3 Jahren bie niemandem entschuldigt, der an den Massenvernichtungswaffen von Saddam zweifelte - und Blair und Bush für die Märchenerzähler hielt welche sie sind - und von Biermann deswegen als Anti-Zionistischer Antisemit diskreditiert wurde.

    Erik

    Und nochmals: es gibt keine Beweise für die Mitgliedschaft von Hildebrandt.

    Erik

    Kommentar von Erik — 16. Juli 2007 @ 13:17

  28. Erik, der alte Schwede,

    meint wohl so was wie ZionIsmus, oder PhilosemitIsmus.

    Und da er bekanntlich Israelis für Rassisten hält, wirft er Biermann somit auch noch RassIsmus vor.

    Seinen Äußerungen zu schlimmeren Fingern als es Hildebrand in seiner Jugend je gewesen sein konnte, stimme ich aber zu. Auch seine These, daß da eine Relativierung oder ähnliche Ablenkungsmanöver nach der Öttinger-Rede beabsichtigt sind, klingt plausibel.
    Die sind halt doch nicht völlig geisteskrank, die Schweizer, nur ein wenig wirr. :-)

    Kommentar von hegelxx — 16. Juli 2007 @ 14:31

  29. Da ist sich dann die Linke hier im Blog doch wieder einig: Bei den verdächtigen Rechten reicht ein Verdacht, bei den “Linken” bedarf es lückenloser Beweise, am besten wäre man bei der Unterschrift adabei, siehe oben, Nr. 2: “Im Übrigen fällt mir da der Herr Karl ein: “No woas wor i scho? Bei der NSV, Nationalsozialistische Volkswohlfahrt. Hoat siech kana wos denkt wenn er dazugegange is. Heut is man ja auch überall. Gewerkschaften und so. Denkt sich nix. Furchtbar, wie man diese gutgläubigen Menschen in die Irre geführt hat…Dann san eh die Russen gkommen. Na, i bin sehr gut mit ihna auskommen. Hab sie in mein Zimmer geführt. Komm Towarisch, i habs Hitlerbild gepackt, auf die Erd haut. Drauf rumtrampelt. Hams gesogt `karascho `und sin gange.”

    Kommentar von Campo-News — 16. Juli 2007 @ 18:06

  30. Der Erik redet “scheiße” über Biermann,

    auch wenn ich den Biermann nicht mag. Aber was kramst du den “Herrn Karl” zur Abwehr hervor, das ist doch ein Österreicher!

    Und die können die Schwyzer ach nit leiden.

    Herrje.

    Immerhin hat Erik den klassischen Antiimp heraushängen lassen.

    Trotzdem würde ich mir von ihm gerne Zürich zeigen lassen, wir nehmen dann auch noch Frau Berg mit, ich klingel da und sage “hier sind Österreicher” und dann gehen wir mit ihr einen Espresso trinken. Und Erik darf Riemann spielen.

    Ich nur die security für Frau Berg. Damit sie unbehelligt wieder heimkommt.

    Vielleicht sagt sie zwischendurch ganz kluge Sätze. Zu Riemann aka Erik.

    Securitytypen antworten ja immer nur mit “Yes, Ma’am”…

    Kommentar von hegelxx — 16. Juli 2007 @ 19:32

  31. Nein Hegelein,

    ich halte noch nicht mal die Mehrheit der jüdischen Zionisten für Rassisten, einem Theodor Herzl werfe ich noch nicht mal seinen Zionismus vor, der war seiner Zeit geschuldet und darum verständlich.

    Ich werfe dem Biermann seinen Hang zu “Ismen” ganz generell vor.

    Und “Scheisse” sowie andere Fäkalinjurien sind wohl das konstituierende Biermannscher Lyrik.

    Tut mir leid, dass ich ihn eben schon immer für total überschätzt hielt und sein Gitarrenspiel für knapp besser als das von Otto halte, nämlich wertlos.
    Aber was mir an ihm am meisten missfällt, damals wie heute: sein bolschewistisches Gehabe.
    Antiimperialist war ich nie, wie ich auch nie Imperialist war.

    Oesterreichische Skifahrer werden allgemein erst geschätzt in der Schweiz, wenn sie zurückgetreten sind.
    Und dass sich die Oestereicher von Habsburgern regieren liessen, die man aus der Schweiz vertrieben hat, findet man hier eben leicht amüsierlich.

    Und Schweizer bin ich nicht.

    Tanja,

    Die Reaktion auf die Rede von Jenniger im Bundestag über das Faszinosum Hitler, war eine Sauerei:
    Ich habe sie seinerzeits live in voller Länge gehört und fand sie inhaltlich absolut okay, formal ein bisschen schwerfällig, aber warum sollte einem eine solche Rede nicht schwerfallen.
    Du siehst: In dubio pro reo gilt für mich in der Politik für alle Demokraten.

    Aber warum sollte ich als Linker auch noch meine Rechte Backe hinhalten.

    Ich bin Agnostiker und kein Christ.

    Erik

    Kommentar von Erik — 16. Juli 2007 @ 20:36

  32. Hegel - Gibt es bezüglich der Verdrängung Unterschiede zwischen Österreichern und Deutschen? Ja, sie gibt es, weil sich die Österreicher vor allem als Opfer darstellten - doch die Deutschen haben da auf ihre Weise kräftig nachgezogen. Aber die eigene Rolle verdrängen, so tun, als seien es immer die anderen gewesen - das haben Herr Karl und jene, die sich 60 Jahre an nichts erinnern wollten, dann doch miteinander gemein.

    Erik - Ja, Jennigers Rede war völlig in Ordnung, ich habe doch nichts Gegenteiliges dazu gesagt. Es war tatsächlich die langsame Denkungsart klassischer Konservativer, die sich nicht so auszudrücken vermag, weil sie nicht so recht emotional berührt sind, die ihn - neben einer Kampagne - ins Abseits geraten ließ.

    Wolf Biermann trat nie als Girtarrenvirtuose an und hat das auch nie heraus gestellt. Du versteckst die Kritik an seiner Person hinter formalen Dingen und solltest lieber einmal klar sagen, was du nicht an ihm magst (ist aber eigentlich hier nicht das richtige Thema) - aber dieser “Ismus”-Vorwurf ist Unsinn. TK

    Kommentar von Tanja Krienen — 17. Juli 2007 @ 05:57

  33. Ok, Erikchen,

    als ungefragt getaufter Kathole und inzwischen seit langem ebenfalls Agnostiker, gar Atheist meine ich trotzdem:

    Der Katholizismus hat etwas faszinierendes, das ist vielleicht seine Opulenz, die ganze Kunst usw.

    Dagegen sind Protestanten nur erbsenzählerisch und hochverklemmt.

    Trotzdem es bei denen kein Zölibat gibt, sehen die evangelischen Funktionärinnen immer aus wie “rühr mich nicht an”, geradezu als hätten sie die “unbefleckte Empfängnis” erfunden.

    Darin sind sie übrigens den islamistischen Vorstellungen ganz nahe, und nicht umsonst hofieren unsere jedenfalls deutschen “Sektenbeauftragten” die Muslime, regen sich aber furchtbar auf, wenn ein Tom Cruise von der amerikanischen Scientology Sekte den deutschen Entlastungshalbgott Stauffenberg spielen soll.

    Da kann ich nur mit Biermann sagen: “So eine verklemmte und möchtegern verfickte Scheiße!”

    aside: Fast der gesamte Osten Deutschlands und seine Berufsheulsusen sind ja auch evangelisch…

    Kommentar von hegelxx — 17. Juli 2007 @ 15:02

  34. Tja, was meinte Rolf Hochhuth wohl, als er sagte: ““Der Führer war populär wie Bier und Beischlaf!” - ? Eben, drum…

    Kommentar von Campo-News — 17. Juli 2007 @ 18:35

  35. Ok, lassen wir das Thema weiter abdriften, liebe Tanja

    Weder ich noch die EX waren jemals in der NSDAP, wie auch, die gab es 1960 offiziell nicht mehr.

    Du warst es, wenig vorher geboren, auch nicht. Du warst aber bei den angeblich “ganz Bösen”, das ringt mir Respekt ab. Und mein PhilProf war auch jahrelang bei der SEW, wie furchtbar! hehe…

    Lassen wir das hochhuthsche Bier, und reden über Sex:

    So etwas drall geworden gefällt mir die EX merkwürdigerweise auch ganz gut…

    “Wieso bist du du so braungebrannt?”

    “Meinst du das schon wieder politisch?”

    “Nein, eher mache ich mir Sorgen, so eine regelmäßige Aussetzung an UV-Strahlen läßt den Körper und sein Erscheinungsbild vorschnell altern”

    “Was, du Arsch, was geht dich das an?”

    “och, eher nix.”

    “Wieso, sehe ich alt aus?”

    “”Nö, nur sinnlos braungebrannt. Aber in der Sonne bekommst du immer so viele Sommersprossen, wie der Kleine, ja, das gefällt mir…”

    “Zieh ab du Arsch! Die Nummer zieht bei mir nicht mehr!” ;-)

    Kommentar von hegelxx — 17. Juli 2007 @ 19:42

  36. Nun, meine Ossi-Verwandten von Vaters Seite, inkl. meines Vaters sind allles Katholen.

    Und wie offen die Katholen ja mit Wahrheit und Sex umgehen, kann man ja in Los Angeles sehen.

    Scientology ist wohl eher schlecht, aber als sich mal in Stuttgart am dortigen Jazzfestival Dizzy Gilespie weigerte aufzutreten, wenn der Scientologe Chick Corea nicht wie vorgesehen auftreten dürfte, war die Geschichte gegessen.

    Mir ist grundsätzlich egal wer die Versager vom Kreisauer Kreis und wie die alle heissen spielt. Ich halte eh nix von denen, die hätten doch auch noch die letzten Juden ausgerottet, damit es keine Zeugen gäbe, und dann einen Frieden machen wollen.

    Da kann die Welt froh sein, dass der dubiose Klüngel gescheitert ist.

    Erik

    Kommentar von Erik — 18. Juli 2007 @ 00:07

  37. Aber die Aussage Hochmuths ist in sofern interessant und nicht so leicht wegzuwischen, weil sie das Psychologische berührt, das halt zum Eintritt dieser jungen Leute in die Staats - und Massenpartei (!) führte. Im Nachhinein aber so tun als ob….das geht nicht.

    In der bösen DKP waren eine eine ganze Reihe von Leuten, die später durchaus vernünftig dachten und in der Partei, bzw. in der Beschäftigung (und Überwindung) mit linken Theorien, so zu einem geordneteren Denken fanden, als viele andere Personen…

    Kommentar von Campo-News — 18. Juli 2007 @ 07:33

  38. Aber Tanja,

    wenn da nix war oder die “Erotik” nur im Zwang lag?

    Der jetzt geoutete Erhard Eppler, hat seinen “Beitritt” zbsp. schon vor jahren selbst deklariert, wass den “Aufklärern” natürlich entgangen ist.

    Erik

    Kommentar von Erik — 18. Juli 2007 @ 14:22

  39. Das Erik, ist dein Manko. Du siehst die Wirkung der psychologischen Triebe nicht so scharf! Alles ist Sexualität, erst recht diese Massenveranstaltungen mit einem Guru. Diese BDM-Mädchen mit ausgestrecktem Arm hoch über den Zöpfchen und mit feucht-fröhlichem Höschen, die schwul-uniformierten Kurzhosen mit Hemd-Applikationen und baumelnden Fahrtenmessern (”im kurzen Tänzelschritt und Wackelhintern”, “Horsti Schmandhoff”, FJ Degenhardt: “Kumpanen da, gesteht euch ein, da wolltet ihr wie Horsti Schmandhoff sein”). Das alles findet sich übrigens überall, nicht nur bei den Nazis. Jedes Pop-Konzert funktioniert so (oder ähnlich).

    Du argumentierst kurios: Weil sich der gute Mensch Eppler angeblich vor Jahren outete (was mir strikt entging), soll das die anderen freisprechen. Das verstehe ich nicht. Und warum ist ein Aufklärer, der zu Tage förderte was bislang verdeckt schlummerte, einer mit Anführungszeichen? Wogegen wehrt ihr euch, frage ich rethorisch, und weiß es doch schon längst. TK

    Kommentar von Tanja Krienen — 18. Juli 2007 @ 17:28

  40. Nein Tanja,

    es zeigt nur, dass die Enthüller nicht sauber arbeiten.
    Siehst du, es gibt auf diesen Karteikarten ja offensichtlich bei vielen keine Unterschriften, es gibt auch keine Bewerbungsbögen.
    Wenn nun Eppler bekennt, was er schon früher bekannt hat, bedeutet das noch lange nicht, das Hildebrandt aktiv eingetreten ist.
    Und nicht alles, was man unter Konformitätsdruck mitmacht, entspricht dem was man möchte, im Gegenteil.
    Die selbsternannten “Spezialisten” argumentieren, wie das für Historiker (und bei den meisten Oekonomen)üblich ist, mit aus Einzelfällen “hochgerechneten” Vermutungen.

    Dass niemand unwissentlich in die Partei aufgenommen wurde, können sie nur Behaupten, stellen es aber als Tatsache dar.
    Das ist wissenschaftlich Unredlich.

    Und zu kurzen Hosen annodunnemals: Dass das Homosexuelle Inszenierung sein sollte?

    Wohl eher nicht. (Das ist eher ein Rückinterpretation satirischer Art.)

    Klar ist der Kult des “Mens Sana in Corpore sano” eine Inszenierung der Machterotik.

    In den 70er Jahren nannte das der Jazzkritiker J.E. Behrendt die Aestehtik des Faschismus.

    Ich würde auch von “Spartanischer Aesthetik” sprechen, das schliesst ähnliche Inszenierungen Bolshevistischer Organisationen nicht aus.

    Erik

    Kommentar von Erik — 18. Juli 2007 @ 18:07

  41. In den 70er Jahren nannte das der Soziologe Theweleit “Männerphantasien”.

    Also, das stimmt dann schon, mit dem Hochhuth und den kurzen Hosen…

    Allerdings sprach er in dem Zusammenhang auch vom angeeigneten “Körperpanzer”, das wäre jetzt aber separat zu behandeln…

    Kommentar von hegelxx — 18. Juli 2007 @ 21:47

  42. Ich halte mich an die Fakten, Erik, und die besagen, dass ohne Unterschrift nichts lief und die Anträge sogar zurückgeschickt wurden, wenn sie fehlte. Und wenn es stimmt, was du sagst, nämlich dass Hildebrandt gesagt habe, er stamme aus einer Nazi-Familie, warum sollte dann grade er nicht…

    Wie gesagt: Vieles beruht auf die Wirkung von Sex. Hat man schon Schwule sich inszenieren sehen, in dem sie die deutsche Wanderer-Ästhetik adaptieren? Fakt ist, dass den Männerbünden - bis heute - eine subtile, aber auch offentlichtliche Erotik beinhalten. Und Hochhuth sagt ganz ohne Hochmut nichts anderes, als dass die Anziehungskraft der Nazi-Inszenierungen im Psychologischen und Sexuellen sehr stark gewesen sei. Warum also dieser Eiertanz? Nur weil mit Hildebrandt geradezu provozierend klassisch einer derjenigen in Bedrängnis gerät, die man für koscher hielt, weil sie sich stets so inszenierten? Alles andere steht schon hier -
    http://www.campodecriptana.de/blog/2006/08/25/595.html

    Kommentar von Campo-News — 19. Juli 2007 @ 07:41

  43. Während Dieter Hildebrandt erklärt, niemals einen Aufnahmeantrag unterschrieben zu haben, räumt Erhard Eppler ein, mit 16 Jahren in die NSDAP eingetreten zu sein.
    Na, das wäre uns natürlich nicht passiert. Wir waren doch viel zu links, um auf eine rechte Ideologie hereinzufallen.
    O.k., ich weiß mittlerweile, dass ich mir auf meine antiautoritären Spät-68er-Aktionen in der Schulzeit nichts einzubilden brauche.
    So wie ich nur die unbewusst gespürte Erwartung der Gesellschaft - gegen dieselbe aufzubegehren - erfüllt habe, nur im Zeitgeist mitgeschwommen bin - so erfüllten andere eben die Erwartung ihrer damaligen Zeit.
    Zu einer eigenen Anschauung und individuellen Überzeugung zu finden ist schwer - und wenn man eine gefunden hat, macht man sich meist was vor, weil’s eben nur so scheint, als ob. Nicht mehr nur “Kind der Zeit”, sondern “mein eigenes Geschöpf” zu sein, ist anstrengend.
    Viele Menschen, nicht nur unter totalitären Regimes, übernehmen bereitwillig die Standpunkte ihrer Umgebung. Oder die bestimmter Opinion-Leaders. Andernfalls würden Markenhypes ja gar nicht so gut funktionieren.
    Im TV hab ich einen Strand irgendwo in China gesehen. Alle laufen hier mit Sonnenschirm rum, keiner will braun werden, weil hell eben gewünscht ist. Von außen betrachtet, ist klar, auf die Idee ist keiner für sich alleine gekommen. Nun frag mal einen vollgebräunten Solariums-Abonnenten im “individuellen” Westen: „Ist das deine eigene Idee und Wunsch, oder trichtert dir das (z.Zt. noch) die Gesellschaft ein“.
    Sozialer Gruppendruck oder auch Bequemlichkeit hindern viele, sich zu fragen: “Was ist eigentlich meine Meinung dazu?” Und dann gibt’s eben keine eigene Meinung, sondern es wird das gedacht, was alle denken. Und je fundamentalistischer eine Anschauung vorgebracht wird, desto weniger ist sie meist auf eigenem Mist gewachsen.
    Gerne würde ich z.B. so manchen mit guten Argumenten von der drohenden Erderwärmung überzeugen - aber, die sind ja alle schon überzeugte Anhänger ;-)
    Und das ist es eben, was mich irritiert: wenn plötzlich alle überzeugt sind, für oder gegen irgendwas. Die an etwas glauben, weil alle es tun. Da gehen bei mir alle Warnlampen an, wenn eine - politisch korrekte - Mehrheit auf einmal eine gleichgeschaltete Meinung hat.

    Kommentar von aki arik — 20. Juli 2007 @ 09:47

  44. Hallo Tanja,

    welche Fakten?

    Wer sagt denn, dass ohne Unterschriften nix lief’ Und wenn dem so gewesen wäre, wo sind dann die Unterschriften?

    Was existiert, sind Karteikarten, ausgestellt auf den 20. Mai 1944.

    Es gibt bis heute keinen schriftlichen Führerbefehl für die Ausrottung aller Juden, offensichtlich ging also im 3. Reich auch sehr vieles ohne Schriftlichkeit.
    Du willst dich an Fakten halten:

    Nun, dann musst du hoffen, dass mehr “Fakten” auftauchen.
    Denn das was da an “Fakten” vorhanden ist, ist zu dünn.
    Und nochmals:
    Was hätte denn der Hildebrandt, der mit 16 in die NSDAP aufgenommen wurde und aus einem Hitlerfreundlichen Elternhaus kommt, für ein Problem damit gehabt, zuzugeben, dass er sich habe “eintreten” lassen.

    Seinem Ruf als Kabarettisten hätte es kaum geschadet.

    Erik

    Kommentar von Erik — 21. Juli 2007 @ 20:20

  45. Hallo Erik!

    Und ob das seinem Ruf als Kabarettist geschadet hätte! Welcher bekennende Ex-NSDAPler hat denn in dieser Sparte Karriere gemacht? Niemand! Es ist ein rein linkes, resp. antifaschistisches Milieu und selbst Leute, die eher hierzulande unter dem Stichwort “Komiker” rangieren, zählten dazu - ich spreche von den 50er und 60er Jahren…

    Ich denke, dass die Hildebrandt deshalb sich nie bekannten, weil zuviele Gleichaltrige lebten, die ihnen ihre Unschuld hätten widerlegen können, weil eben - wenn wir die Forschungsmethodik anerkennen - da keiner so einfach ungefragt reinrutschte. Es ist dieselbe Frage, warum Grass es nicht früher gesagt hat! Und die Frage stellen, heißt sie - siehe oben - zu beantworten: Weil ihm niemand 60 Jahre lang die Rolle als Wahner und Marner *g* abgenommen hätte. Alle Literaten, die sich dieser Richtung entzogen, wurden zum Teil übelst verleumdet - man denke nur den an honorigen, aber nunmal antikommunistischen Walter Kempowski. TK

    Kommentar von Tanja Krienen — 22. Juli 2007 @ 07:14

  46. Hallo Tanja,

    Ich sehe keine Logik in dieser Argumentation, wenn Hildebrandt und seine Gruppe von Hitler-Jungs wirklich mit grossem Brimborium und was auch immer aufgenommen worden wäre, dann hätte es in den 60ern wohl genügend Zeugen gegeben, die ihn als Parteimitglied ge-outet hätten.
    Komm schon, man konnte als Ex-Nazi Bundeskanzler werden, warum nicht als 17-Jähriger Gruppendruck-Ex-Nazi Kabarettist.
    Und was hat die Behauptung einiger Historiker, die sich auf Einzelfälle berufen, den mit redlicher Methodik zu tun?
    Ich bitte dich, Historiker waren und sind immer Mythologen gewesen, exakte Wissenschaften sehen anders aus.

    Erik

    Kommentar von Erik — 22. Juli 2007 @ 14:17

  47. Erik bitte - welcher Gruppendruck, wenn man aus einer Nazi-Familie stammt? Und “Brimborium” ist bei den Aufnahmen zu dieser Zeit wahrscheinlich ohnehin nicht gemacht worden. Also, wenn du wirklich nicht weißt, warum ein Mensch, der sich offen zur NSDAP bekannte, nicht hätte ein linker Vorzeige-Kabaretist hätte werden können…

    …wobei ich gar nicht sagen will, dass es nicht gegangen wäre, wenn man unkonventionell mit seiner Historie umgegangen wäre - wie Wolfgang Neuss. Aber das ist halt der Unterschied zwischen einem Fernsehkabarettisten und einem, der subjektiv ehrlich wie “eine Wildsau durchs Unterholz bricht” (Degenhardt über Neuss) - abzüglich aller Banalitäten, die sich Neuss auch erlaubte. Der hatte übrigens sogar in seiner Biographie davon berichtet, wie er als 15jähriger von der Straße weg von einem Mann aufgegabelt wurde und Sex mit hatte.
    Nochmal: Ein Grass mit eingestandener Vergangeneheit, hätte NIEMALS DIESER Grass sein können. Das muss doch einleuchten…

    Kommentar von Campo-News — 23. Juli 2007 @ 07:29

  48. Auch Grass hat schon früh gesagt, dass er ein “Gläubiger” war, nur die SS hat er unterschlagen.

    Die Blechtrommel hat er aber geschrieben und es ist wie mit Heinrich Kleist, der war gemäss seinen privaten Briefen ein widerlicher Antisemit, sein “öffentliches” Werk aber unbestritten “Gross”.

    Auch die “Deutschstunde” http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschstunde von siegfried Lenz bleibt als Text so gültig wie bis anhin.

    Genauso wie etliche Bob Dylan Songs bestand haben, obwohl er 1978 wiedergeborener Christ wurde.

    Und bei Hildebrandt ist es nun wirklich so:

    Er hätte problemlos auf die Bühne gekonnt:

    Leute ich war 16 jung und dumm, ging in die Partei hinein, Kiesinger war ein bisschen älter aber kein Stück weiser und wird Bundeskanzler.

    Nein im Ernst gerade Künstler können Kindheitsfehler ziemlich einfach “ungeschehen” machen.

    Wenn nun der Eppler sagt:
    Ich war wissentlich drin
    und der Hildebrandt sagt:
    Wissentlich war ich nicht drin,

    dann nehm ich das als Wahrheit bis zum Beweis des Gegenteils.

    Die ganze Nummer wurde eh von Focus losgetreten und Focus ist der “Feind”, zumindestens mein “Feind”.

    Erik

    Kommentar von Erik — 25. Juli 2007 @ 12:51

  49. Jaja die Gläubigen. Grad sah ich nochmal bei Phoenix “Im Gespräch…Dieter Hildebrandt”, vom 4. Mai 2007. Sinngemäß stammelt er dort: Wer nicht in einer sozialdemokratischen oder kommunistischen Familie aufgewachsen war, lebte halt in einer Hitler freundlichen…Wäre ich nicht kurzsichtig gewesen, so wäre ich in die Napola gekommen, so wie Günter Grass in die SS geraten (wörtlich) war…Hitler hatte den Leuten den Frieden versprochen, die Menschen wollten diesen Krieg nicht…Der Hauptfeind war Adenauer (über die Zeit nach Krieg), denn jeder 8. in der CDU war vorher in der NSDAP, darauf war der Staat gegründet…Die Sozialdemokraten hatten große Opfer auf sich genommen, sie hätten regieren sollen, fanden wir…

    *g*

    In der SZ schiebt er es auf seine Mutter, die habe vielleicht unterschrieben. “Mein Vater und meine Mutter waren in der NSDAP” - http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/601/121442/

    Kommentar von Campo-News — 29. Juli 2007 @ 11:33

  50. Ja eben Tanja,

    genau darum geht es ja,
    das Hildebrandt Kind einer Nazifamilie war ist altbekannt, von ihm selbst thematisiert, warum sollte er sich denn gerade aus seiner Parteimitgliedschaft rauslügen. Er hat sich auch nie als einer dargestellt, der sich gegen seine Eltern gestellt hätte zu der Zeit.

    Und im Grunde glaubst doch du, was du glauben willst:

    Das der “gute” Nazifunktionär jederzeit und immer ne notariell beglaubigte Unterschrift verlangt hätte.

    He, vor 1933 haben die Nazis auch kein Problem mit illegalen Methoden gehabt, für die Reichskristallnacht gibts auch keine auffindbare Belege.

    Und wenn der Führer per Geburtstag Jungblut in der Partei haben wollte, dann gab man dem Führer eben Jungblut.
    Da spielte ne Unterschrift von nem Pimpf für nen Nazifunktionär ne kleinere Rolle als eine Bahnsteigkarte.

    Erik

    Kommentar von Erik — 29. Juli 2007 @ 18:46

  51. Nein, er hat sich auch nicht dagegengestellt und deshalb liegt ein logischer Schluss nahe, und zwar nicht den, den du wider der Logik daraus ziehst. Aber er sich “dargestellt” (wie du korrekterweise schreibst) als einen, der sich entzog. Und nach dem Krieg wollte er auf der guten Seite sein und hat die Vergangeheit ANDERER instrumentalisiert. Wie aber auch im Interview anklingt, verteidigt er die “kleinen Leute”, die ja den Krieg nicht wollten.

    Es stimmt jedenfalls nicht, wie Hildebrandt zuerst weismachen wollte, dass ganze Jahrgänge “einfach so” aufgenommen wurden - es ist wohl eher so, dass jeder einzelne dies bekunden musste, unabhängig des von dir unterstellten Glaubens an den “guten Nazifunktionär”. Auch wenn ich wohl damit bei dir nicht durchdringe, verweise ich darauf, dass die Nazis ehedem sogar immer mal wieder Aufnahmestopps in die Partei verfügten, weil sie keine Opportunisten wollten. Der Elitegedanke war - wie auch in der SED - ein zentraler Punkt ihrer Anschauung (den ich wertneutral sehe, weil vom Grundsatz her vieles für eine derartige Haltung zu einer Parteimitgliedschaft spricht).

    Die Reichspogromnacht war halt auch keine, die am Schreibtisch geplant wurde, aber diese Geschichte steht auf einem ganz anderen Blatt und wenn du hier die Nürnberger Gesetze vergessen willst, die dem “Volksgenossen” bekannt waren: bitte. TK
    Jaja, die westdeutsche Nazigesellschaft

    Name NSDAP Andere Parteimitgliedschaften Amt bzw. Ämter
    Wilhelm Adam 1923–1926 ab 1948 NDPD 1950–1952 sächsischer Finanzminister
    Gerhard Beil 1944–1945 ab 1953 SED 1986–1990 Minister für Außenhandel
    Hans Bentzien 1944–1945 ab 1946 SED 1961–1965 Minister für Kultur
    Kurt Blecha 1941–1943 ab 1946 SED 1958–1989 Leiter des Presseamtes beim Vorsitzenden des Ministerrates
    Heinz Eichler 1944 1946 SED 1971 Sekretär des Staatsrates der DDR
    Wolfgang Heyl 1939–1945 ab 1949 CDU 1976–1989 Mitglied des Präsidiums der Volkskammer
    Heinrich Homann 1933–1945 ab 1948 NDPD 1954-1963 stellvertretender Präident der Volkskammer, 1960 stellverttretender Vorsitzender des Staatsrates der DDR
    Gerhard Kegel 1934-1945 ab 1946 SED 1950/51 stellvertretender Chefredakteur “Neues Deutschland“, 1967-1971 Kandidat des ZK der SED,1973-1976 Botschafter beim Sitz der UN in Genf
    Bruno Lietz 1943–1945 später SED 1982–1989 Minister für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft
    Hans Reichelt 1943–1945 ab 1950 DBD 1972 stellvertretender Vorsitzender des DDR-Ministerrates
    Gerhard Schill 1943–1945 nach 1946 SED 1961 Oberbürgermeister der Stadt Dresden
    Werner Schmieder ab 1944 wohl ab 1946 SED Minister für Finanzen der DDR 1980/1981
    Wilhelm Schröder ab 1940 ab 1948 DBD 1952–1953 Minister für Land- und Forstwirtschaft
    Otfried Steger 1944–1945 ab 1947 CDU, ab 1950 SED 1965–1983 Minister für Elektrotechnik und Elektronik
    Bodo Uhse 1927–1930, auch Bund Oberland ab 1930 KPD, später SED 1950–1954 SED-Volkskammerabgeordneter, 1950–1952 Vorsitzender des Schriftstellerverbandes in der DDR
    Herbert Weiz 1942–1945 ab 1945/46 KPD/SED 1958 ZK der SED, 1967 stellvertretender Vorsitzender des DDR-Ministerrates

    Kommentar von Campo-News — 30. Juli 2007 @ 05:50

  52. Hans Georg Schachtschabel 1937-1945 SA ab 1933, SS ab 1935 ab 1946 SPD 1969 bis 1983 Mitglied des Deutschen Bundestages, ab 1974 Mitglied des Europäischen Parlaments

    Harri Bading 1937–1939 (Austritt) 1928–1937 SPD, ab 1945 wieder SPD Mitglied des Deutschen Bundestages für die SPD

    Frank Seiboth 1939–1945 ab 1952 GB/BHE, ab 1967 SPD Mitglied des Deutschen Bundestages

    Karl Schiller NSDAP, des NSDStB und des Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbundes. Von 1946 bis 1972 sowie erneut ab 1980 war er Mitglied der SPD. Von 1965 bis 1972 war er dann Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1965 bis 1966 stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Dem Kabinett der Großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger gehört er ab dem 1. Dezember 1966 als Bundesminister für Wirtschaft an. Dem ersten Kabinett von Bundeskanzler Willy Brandt gehört er wiederum als Bundesminister für Wirtschaft an. Nach dem Rücktritt des Bundesfinanzministers Alexander Möller am 13. Mai 1971 wird er zum Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen ernannt. Von diesem Amt trat er am 7. Juli 1972 aus Protest gegen die von Bundeskanzler Brandt getroffenen wirtschaftspolitischen Entscheidungen zurück und schied damit aus der Bundesregierung aus.

    Kommentar von Campo-News — 31. Juli 2007 @ 08:04

  53. Genau das sagte ich ja in meiner Eingangssatire, obwohl Teile der Ziele des Verbandes ja nicht falsch waren und sind.

    Kommentar von Campo-News — 4. November 2007 @ 08:34

  54. Vorsicht! Ausnahmsweise KEINE „ahistorische“ TK-Satire, obwohl sie absurder klingt, als alles, was ich bisher erdachte.

    Als die SPD nicht die „Partei der Deserteure“ sein wollte und den schwerstbehinderten Abgeordneten Dr. Goebbels aus dem Rheinland einen „Drückeberger“ nannte.

    Da es das nicht im Net gibt, habe ich es einmal abgehört und aufgeschrieben. Es ist der „Dialog“, der zu dem größten Tumult der Weimarer Parlamentsgeschichte führte. Grund: Die SPD fühlte sich kollektiv beleidigt, weil sie der Abgeordnete Goebbels „Partei der Deserteure“ nannte. Intellektuell voll auf der Höhe der Zeit, konterte sie mit der Vorwurf der Drückebergerei. Aber der Reihe nach -

    23. Februar 1932

    Reichstagspräsident Paul Löbe (SPD): Wir treten in die Aussprache ein. Das Wort hat der Abgeordnete Dr. Goebbels.

    Heftige Tumulte, viele Zurufe

    Goebbels: Die nationalsozialistische Bewegung hat diese Gelegenheit herbei gewünscht, um mit dem Kabinett Brüning, und der von ihm repräsentierten Politik, eine grundsätzliche Abrechnung zu halten. Es ist die Pflicht der Regierung zu regieren, dafür hat sie die Macht. Dafür trägt sie die Verantwortung. Das aber kann und darf nicht Pflicht der Opposition sein. Die Opposition kann sich damit begnügen die Regierung, ihre Taten und ihre Leistungen, vor der Öffentlichkeit unter die kritische Lupe zu nehmen. Und die Entscheidung darüber, wem die Macht gebührt, der Regierung oder der Opposition, steht allein und ausschließlich dem demokratisch-parlamentarischen Regime, dem Volke zu. (Lautes Geschrei der Linken, die nachfolgende Bemerkung geht im Lärm unter)…Es ist auch nicht an dem, als wenn bankrotte Parteien, die das Vertrauen des Volkes verloren haben, ihnen nachfolgenden Parteien Vorschriften darüber zu machen hätten, wie sie die Macht gebrauchen müssen. Wer die Macht hat, der gebraucht sie. Und wer in der Opposition steht, der hat das Recht, den Gebrauch der Macht durch die Regierung zu kritisieren. Das nationale Deutschland hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, von dieser Regierung Bilanz zu verlangen, über das, was sie versprach, und über das, was sie tatsächlich einlösen konnte. Die Regierung hat sich in weitestgehendem Maße des Paragrafen 48 bedient. Aber die Regierung musste dabei die Festsstellung machen, dass man mit dem Paragraf 48 zwar nationale Bewegungen niederknüppeln kann (Geschrei, Tumult,)….wenn man versuchte unter Zuhilfenahme des Paragrafen 48 und der Notverordnungen praktisch in Deutschland den innenpolitischen Frieden wieder herzustellen, so muss man heute vor der Nation feststellen, dass Deutschland heute vor dem Bürgerkrieg steht, dass, mehr gesagt, der Bürgerkrieg latent in Deutschland bereits vorhanden ist.

    (Tumult, Geklingel der Glocke) Löbe (SPD): Ich bitte um etwas mehr Ruhe. Hier ist doch kein Sportpalast.)

    Goebbels fährt fort: Ich verwahre mich dagegen, wenn der nationalsozialistischen Bewegung der Vorwurf gemacht wird, sie habe Hindenburg im Stich gelassen. Nein! Hindenburg hat die Sache seiner ehemaligen Wähler im Stich gelassen! (Anm: TK. Tatsächlich wurde kurz darauf Hindenburg der Kandidat AUCH der SPD und siegte in der Reichspräsidentenwahl 1932 vor Hitler und Thälmann). Sage mir wer dich lobt und ich sage dir wer du bist. Gelobt, von der Berliner Asphalt-Presse, gelobt von der Partei der Deserteure…. (der Rest geht im Gejohle unter, schwere Tumulte, Lärm, Geschrei, Glockengebimmel)

    Löbe (SPD): Herr Abgeordnete Goebbels, Sie haben eine im Hause anwesende Partei, Partei der Deserteure genannt…. Wieder lautes Schreien, vor allem bei der SPD, wiederholtes Glockengebimmel). Ist Ihnen wahrscheinlich auch bekannt, dass in der Partei, auf die Sie hingewiesen haben, eine ganze Menge Kriegsteilnehmer und Kriegsverletzte sind? Ich nehme deshalb an (Unruhe), dass Sie diese BESCHULDIGUNG zurücknehmen werden.

    Goebbels: Es ist mir weiterhin bekannt…

    (Tumult, Löbe: Bitte um Ruhe.)…

    Goebbels: Es mir weiterhin bekannt….

    Löbe: Sie wollen also meine Frage nicht beantworten? Ich bin mit meiner Ordnungsmaßnahme noch nicht am Ende. Sie haben die Partei, „Partei der Deserteure“ genannt. (Der Rest der „Ordnungsmaßnahme geht im Geschrei aller Fraktionen unter.)

    Goebbels fährt an gleicher Stelle fort: Es ist mir weiterhin bekannt, dass aus dieser Partei, aus ihrem Reichtagsbüro (Anm. TK: Das Büro Nahles/Marquardt war es aber nicht) eine amtliche Schrift kam in der stand, dass der Landesverrat kein Verbrechen darstelle (erhebliche Tumulte, allgemeines Durcheinander)

    Löbe: Da der Redner den Vorwurf gegen die Partei nicht zurück genommen hat, rufe ich hiermit zur Ordnung. Ich bitte jetzt um Ruhe.

    Zuruf aus der SPD-Fraktion an die Adresse des schwer körperbehinderten Goebbels: Kriegsteilnehmer Goebbels! Hahahahaha (Unruhe, Ermahnung von Abgeordneten)

    Löbe: Ich muss unter allen Umständen dafür sorgen, dass der Redner seine Rede beendet. Die Beleidigung ist gerügt.

    Zwischenrufer aus der SPD-Fraktion: Von einem Drückeberger lassen wir uns nicht beleidigen!

    Es ist kaum noch ein Wort zu verstehen, mehrere Abgeordnete werden ermahnt, Löbe: ich unterbreche die Sitzung für eine halbe Stunde.

    Reichtagspräsident Löbe, SPD, nach der Pause: Meine Damen und Herren, die Unterbrechung unserer Sitzung war herbei geführt durch einen VORWURF den der Abgeordnete Goebbels, gegen die „Partei der Deserteure“, wie er sie nannte, gerichtet hat, den ich durch einen Ordnungsruf gerügt habe. Die Kriegsteilnehmer und Kriegsverletzten der Partei haben diesen Ordnungsruf nicht für ausreichend erachtet, dass ich nach Paragrafen 91 der Geschäftordnung eine größere Verletzung der Ordnung darin erblicken muss und Herrn Abgeordneten Goebbels von dieser Sitzung ausschließe. (Wieder schwere Tumulte, Beifall der Linken) Das Wort für die Kriegsteilnehmer aller übrigen Parteien hat der Abgeordnete Lemmer

    Lemmer (DDP): Der Abgeordnete Goebbels hat die Sozialdemokraten die „Partei der Deserteure“ genannt. Diese BELEIDIGUNG hat bei den Kriegsteilnehmern dieses Hauses DIE GRÖßTE ENTRÜSTUNG ausgelöst. Wir weisen die infame Beleidigung des Abgeordneten Goebbels auf das Schärfste zurück (Allgemeines Schreien)

    Löbe (SPD) klingelt mit der Glocke: Herr Abgeordneter Lemmer! Der Ausdruck „infame Beleidigung“ ist unparlamentarisch. Ich rüge ihn!

    Lemmer: Als der Abgeordnete Goebbels und ein großer Teil seiner Fraktionskollegen den Weltkrieg nicht mitgemacht haben, gegen Kriegteilnehmer dieses Hauses, die miterlebt haben, wie Tausende Sozialdemokraten im Felde starben, (fängt an zu schreien) SIND IM ANDENKEN AN IHRE GEFALLENEN KAMERADEN EMPÖRT ÜBER DIESE FRECHE BELEIDIGUNG DES ABGEORDNETEN GOEBBELS! (Alles gröhlt, es sind nur noch Wortfetzen des späteren Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und Kiesingers Berlin-Beauftragten Lemmer zu vernehmen: BELEIDIGUNG…SKRUPELOS…(luftschnapp)..KRIEGSOPFER DER NATION…AUF DEM ALTAR DES VATERLANDES….

    Kurt Schumacher, SPD, schreit: Die ganze nationalsozialistische Agitation ist ein dauernder Appell an den inneren Schweinehund im Menschen. Und wenn wir irgendetwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die Anerkennung, dass Ihnen zum ersten Mal in der deutschen Politik, die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist. Der Herr Dr. Goebbels hat sich als großer Leitartikel hier gebärdet und er ist doch nur ein missratenes kleines Feuilleton. Ich stelle hiermit fest: Von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, haben im Kriege 70% aktiv sich beteiligt! Abschließend sage ich den Herren Nationalsozialisten: Sie können tun und lassen was sie wollen, an den Grad unserer Verachtung werden sie niemals ranreichen. Pazifistisches Gesindel! (Anm. TK: Hoppla, ich glaube, die letzten beiden Worte habe ich wohl doch nur geträumt)

    Löbe: Das Wort hat der Abgeordnete Ulbricht.

    Ulbricht (KPD, später Regierungschef der DDR): Die Diskussion in diesem Reichstag zeigt, dass dieser Reichstag im Zeichen der imperialistischen Kriegspolitik tagt. Er zeigt, dass sich die Nationalsozialisten und Sozialdemokraten den Rang ablaufen, wer die treuesten Diener der Hindenburgs sind. Hindenburg ist das Programm des imperialistischen Krieges. Hindenburg war es, der den Erlass herausgab, in dem gesagt wird, dass man gegen jene Soldaten, die nicht mehr weiter ihre Knochen auf die Schlachtfelder tragen wollen, dass man sie anbinden müsse. Hindenburg, er forderte das Anbinden der Soldaten. Nun, die deutschen Arbeiter werden antworten bei dieser Präsidentenwahl, wen man anbinden soll. Sie werden antworten: Wen man nicht nur anbindet, sondern: wen man aufbinden soll. (Der Rest geht im nachfolgenden Chaos unter, die Folgen sind bekannt: Die Nationalsozialisten überwanden ihre schändliche Drückebergerei, die Sozialdemokraten marschierten überwiegend mit und die Kommunisten trugen die Folgen ihrer Anbindungs-Schwadronierereien.)

    Kommentar von Campo-News — 25. Dezember 2007 @ 17:37

  55. “So saßen zwischen 1966 und 1969 acht ehemalige NSDAP-Genossen im Kabinett Kiesinger/Brandt – je zwei von CDU und CSU und vier von der SPD. Gemessen an Mitgliederzahlen und Regierungsjahren schneidet die CDU auf dem Minister-Nazometer am besten ab, die FDP am schlechtesten, die SPD (man bedenke ihr Selbstbild!) wenig vorteilhaft.” Götz Aly

    Kommentar von TanjaKrienen — 14. Februar 2012 @ 17:10

  56. Prima, jetzt wird der Müll verdoppelt - http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fleischhauer-kolumne-zum-tod-von-dieter-hildebrandt-a-934857.html

    Kommentar von Campo-News — 21. November 2013 @ 16:16

  57. Schmidt hat nix gewusst - http://www.focus.de/politik/deutschland/aus-der-gefangenschaft-nach-hamburg-schmidt-ueber-seine-kriegsheimkehr-von-der-juden-vernichtung-wusste-ich-nichts_id_4648170.html

    Kommentar von Campo-News — 29. April 2015 @ 15:29

  58. Häme über hartes Ökobrot ist in fast allen Fällen so abgestanden und unaufregend wie das selbstgefällige Kleinkunstbühnengebrüll jener gruseligen Gestalten, die immer in der Kabarettsendung “Scheibenwischer” auftauchen und über irgendwas schimpfen, was sowieso niemand mag, und mit dünner Stimme politisch korrektes Zeug in den Saal hineinsingen. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/rezension-belletristik-max-goldt-okay-mutter-ich-nehme-die-mittagsmaschine-152479.html

    Kommentar von Campo-News — 7. März 2017 @ 15:53

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