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25. April 2007

Von echtem Schrot und Korn

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 07:34

 

Kein Plädoyer für Pazifismus

Von Tanja Krienen

Es gibt sie noch. Hier und da. Meist sind es junge Männer, die, mit schweren Schuhen, grünen Hosen und braunen Hemden bekleidet - durch den Wald rennend, Fackeln brennend, Fleisch fressend, alles vergessend, Messer klingend, Lieder singend, Holzpflock schnitzend, Blut schwitzend – befriedet werden, in dem sie Kommandos heraus brüllen oder empfangen.

 

Und dann gibt es diese. Sie sind viel zu alt um zu rennen, zu brennen, zu singen, zu klingen, zu schnitzen, zu ritzen – sie sitzen viel mehr, und das meist vor dem Computer. Von dort aber brüllen sie ebenso. Ihre unbelehrbaren Kommando-Töne hallen durch die virtuelle Welt, bisweilen gellen sie auch auf Seite 33 in der Rubrik „Ich und die Welt“.

 

Seit mehr als 5 Jahren wissen sie und zwar „alles“. Sie schlagen eine Schlacht vor der nächsten, siegen nach Maß und Scheffel. So ist ihr Korn auch aus Weizen gemacht und sie vertragen ihn schlechter, je später der Abend wird, an dem ihre Tagesorder entsteht. Die Kimme ist in diesem Milieu von unaussprechlicher Art - und ran geht es dann, wenn das Blut aus der Morgensonne trieft.

 

Sie geben sich in ihren Blogs Namen von Feldherrn, assoziieren ihre geistige Unschuld in Lettern aus Sprachen, die sie zwar weder gut sprechen, noch überhaupt aussprechen können und schwelgen in Taktiken aus Fleisch und Blut, in denen der Brandgeruch, aus dem ihre Initial-Zündung stammt, längst der Verwesung gewichen ist.

 

So brüllen sie seit Jahren, wälzen die Pläne aus ihren Schubladen in den Köpfen hin und her, und wissen genau - wenn es mal wieder nicht zu kam wie sie es wussten - wie es beim nächsten Mal wird. Heute dieses, morgen jenes. Dabei fielen sie auf den Rücken und können den Haken in den gekreuzten Beinen nicht auf den Boden bringen, um sich herumzudrehen. Manche drehen sich wie die Brummer kurz vor dem Ausbrummen in schnellen, immer schneller werden Kreisen: im Todestanz.

 

 

 

 

 

 

6 Kommentare »

  1. Justav, erobere nischt (1948)
    Vor der latent drohenden atomaren Auseinandersetzung

    Text: Robert Gilbert (Im weißen Rößl), eigentlich Robert David Winterfeld, auch bekannt als David Weber (Ballade vom Nigger Jim)

    Musik: Boris Blacher, Original-Interpretation: Ernst Busch

    An meine Berliner Freunde!

    Justav, erobere nischt

    Und wenn dir son dämlicher Bonze über Rundfunk
    Bis ihm sein eigenes Lungen-Haschee ausm Mund funkt
    Dasste dir ausdehnen musst um wahrhaft glücklich zu sein
    Dann sage nur: danke
    Ick halte de Wacht am Rhein an der Panke
    Und wenn sie och auffziehn die feinsten Register
    Und wenn se dir locken die hohen Minister
    Mit süßem Jeflister
    Du hättest den Feldmarschallstab im Tornister
    Dann schrei nich „Hurra“ und mach keen Meck-Meck
    Sondern wirf det Jepäck
    Bei der nächsten Gelegenheit ganz stieke weg
    Denn wennde den Herrn den Gefallen tust
    Und eroberst dieset und jenet
    Heute wat jroßes und morgen wat kleenes
    Und manchmal im Bett worin de kaum ruhst
    Dann kannst von Glück sagen bleibste am Leben
    Und dann kommste heim mit zwee Feldmarschallstäben
    Unter de Achseln - die dir sehr drücken
    Jaja, ich meene zwee Krücken
    Und die Gulaschkanone schießt Wassersuppe
    Und darfst mittem Stahlhelm absammeln gehn
    Und et heeßt zur Ermunterung der Blindenjruppe
    „Wenigstens habt ihr en schönet Stück Welt jesehn!“
    Nee Justav. Wo die Haifische angeln, wern Menschen jefischt
    Und sollte dir wohl nich an Tagendrang mangeln:
    Überwinde dir Justav, erobere nischt!

    Hereinspaziert zur nächsten Fortsetzung der Friedenspolitik mit anderen Mitteln!

    Zwei drei Atome dann suchst de verjebens
    Die letzen Symptome organischen Lebens
    Bumms! - issen Weltreich weg
    Dann kannste erfrischt eenen ziemlichen Fleck
    Eenen weißlich kahlen
    Uff de Landkarte malen
    Mit der Anmerkung: Nischt!
    Sollte sich dajejen der Reichstag gebärdn
    Dann wird er chemisch uffjelöst werdn

    Huch – seufzt de Heimat bloß
    Und saust in de Luft
    So wirste heimatlos
    Wat bleibt vom Volke
    Ne schweflige Wolke
    Und en unschöner Duft

    Sodann folgt die Saalschlacht gegen andere Sonnen!

    Wenn die Dektoren nich zeitig verrammeln
    Könnse Meteore als Andenken sammeln
    Krach! - kippt en Weltall um
    Ja det jeht hopp hoop
    Stehste zu lange rum
    Und vertraust deinem Glückstern
    Drückt der Nachbar vom Fixstern
    Zuerst uffen Knopf

    Und wer zuerst uff nen Knopf drückt
    Hat zwar noch lange nich jewonnen
    Aber immerhin: Justav, pass uff!

    Kommentar von Campo-News — 26. April 2007 @ 15:38

  2. Ach ja, dieser - inzwischen drei Jahre alte Text von mir - passt doch zwingend hier hier hinein:

    Der kleine Muck

    Inwieweit er etwas dafür kann, meistens schlechter auszusehen, als sein altersgemäßer Widerpart aus dem linken Lager, können wir letztlich nicht ergründen. Nähern wir uns deshalb seinem soziokulturellen Umfeld, mag sein, dass wir hier eine Teilantwort auf das Gesamtproblem finden.

    Er, der jungliberalkonservative Muck, bürstet sich stolz, spreizt sich ob seiner Zukunft, die, davon ist er überzeugt, längst nicht so sein wird wie die Gegenwart, denn die ist doch: sehr mittelmäßig. Eher mäßig. So wie er. Doch er besitzt die feste Überzeugung, wenn er jetzt einige Jahre stillhält, nicht weiter auffällt, sich nicht erregt, nicht zu stark gegen etwas eintritt, und nur ab und zu für diese oder jene untergeordnete Kleinigkeit, dann wird es etwas werden - in der Jungen Union, im Liberalen Jugendverband oder in der Kirchengruppe.

    Er pflegt seine Manierismen, meist sieht er eher grau, grüngrau oder gar bräunlich aus, doch manchmal schlingt er auch den taubenblauen Schal um den Hals, schmückt sich mit farblich auffallend sehr gedeckten Krawatten, lässt aber auch schon einmal ein gewagtes Tüchlein blitzen. Seine Söckchen von „La Redoute“ halten die Füße gerade so umspannt, das die Schuhe von „Daniel Hechter“ so eben noch nicht den Straftatbestand des arrogantes Totschlags erfüllen; den Wert der früh erworbene Brille, Marke „Aristo“, unterstreicht er mit leichtem Blinzeln, wenn er etwas mit erlernter snobistischer Geste von sich weist, was er wissen sollte, aber jetzt nicht unbedingt wissen muss, denn: es könnte ihm ja schaden. Und schaden will er nicht, schon gar nicht sich selbst. Aber sonst geht’s ihm gut! Zumindest, momentan. Zumindest halbwegs. Das soll auch so bleiben, lächelt er verschmitzt, und sein ICH lächelt ebenso belustigt zurück: Ich bin doch ein deutscher Student!

    Eigentlich versteht er sich als Kämpfer: gegen Rot-grün, gegen die Linken, gegen die Gleichmacherei. Eigentlich. Daneben aber weiß er, schickt es sich nicht, mit den Linken allzu heftig zu streiten, zumal: die machen ihn fertig! Und wovon die reden: ach Gott, da versteht er doch nur die Hälfte, und dann sind die auch noch lauter als er. Da spielt doch lieber seine eigene Geige, die auch ein Cello sein kann, schaut beseelt ins Album „Große Deutsche, bunt bebildert“ und kichert, wenn er den Namen Dolly Buster hört, oder „Prostituierte“ oder „Transsexuelle“. Igitt, denkt er dann, und: Was ich Mama (mit deutlicher Betonung auf der zweiten Silbe) nur am nächsten Muttertag schenken soll, immer diese Narzissen….?

    Die Welt ist sehr profan, zu profan für unseren Muck. Er widersteht im Geiste, manchmal auch im Hinterzimmer. Sein Vorbild ist Stauffenberg. Wie der damals war, ja so mutig möchte er auch mal sein. Wenn doch nur ein zweiter Hitler in Sicht wäre. Schade. So wartet er halt ab. Ästhetik ist ihm auch wichtig. Leni Riefenstahls Bilder - mit Beethoven untermalt - gilt ihm als höchstes ästhetisches Prinzip. Momentan ergötzt er sich an Wolfgang Joop und Guido Westerwelle. Er hat damit einen schweren Stand. Die Linken lachen ihn aus. Er schlägt die Augen zum Protest nach innen, nach unten. Er ist sogar zu arrogant, um sich zu schämen.

    Er mag das Militär, doch nicht zu sehr, immer nur ein bisschen, so, dass es da ist, aber nicht unbedingt dort sein muss, wo es nicht hingehört. Auch Burschenschaften findet er nett, denn da knistert und knastert es zwischen den uniformierten Männern im bunten Wichs, da mauschelt und mieft es, da werden nicht nur die Salamander gerieben: Prost und dann der Stoß! Und wenn es dann eins auf das Schnütchen setzt, sodass es die halbe Wange zerfetzt, dann sinkt er zufrieden ins warme Bett: Heut´ war es mal wieder besonders nett! Die Mensur ist eine Tortur, doch aus manchem kleinen Fux, wurde schon bald ein echter Windhund.

    Neulich, da hat er was ganz etwas Tolles entdeckt. Da geriet er in eine Versammlung von Leuten, die waren sehr patriotisch, doch nicht idiotisch (was er nicht auf Anhieb bemerkte), denn die sprachen von einem Land, von Sicherheit und Militär, von Feinden und einem Krieg. Und da sagte sich der Muck: Schau, das wäre doch etwas für mich, da kann ich endlich mal mein nationales Mütchen kühlen, kann mich ganz patriotisch fühlen, kann den Mund weit aufmachen, ohne das die Leute lachen, und ohne das jemand „Nazi“ schreit. So trat er der deutsch-israelischen Gesellschaft bei. Als die merkten, warum er zu ihnen gestoßen war, sprachen sie nicht mehr mit ihm. Da war enttäuscht und wurde wieder in der katholischen Kirchengruppe aktiver.

    Dann engagierte er sich für die USA, doch Uuuiii! davon hat er eigentlich keine Ahnung, versteht nix minus Zwölfdreiviertel. Die US-Musik hasst er, die Freiheit dort eigentlich auch, Hollywoodprodukte findet er prinzipiell „total doof“ und er kann nie beim neuesten Film mitreden, den die Linken alle kennen (ist ja auch immer eine Demokratenhochburg gewesen, dieses Hollywood – bah pfui!) und im Großen und sehr Ganzen mag er auch Europa gar nicht, denn und weil: Die Heimat und die heimatlichen Heimatabende sind doch das Beste!

    Er ist für die wehrhafte Demokratie: unbedingt. Er glaubt Bush zu verstehen, schimpft, wenn einer sagt, so wie er es verstünde wäre es eine Karikatur, und seine Autorität nur den Autoritäten geschuldet, weil er selbst autoritär denkt. Wenn er aber einen Feind der Demokratie trifft, sagt er ihm ganz deutlich, warum er…nicht mit ihm streitet. Warum die Linken nur immer so gut aussehen, denkt er dann nur, und entschließt sich von nun an mehr Sport zu treiben und nicht mehr so viele Salamander zu reiben. „Pah, nicht mal eine Coleurdame hat er in Anspruch genommen“, raunt sein „Alter Herr“ ob des Teilrückzuges barsch in die gestählte Runde.

    Nach dem 11.9. war er sehr entsetzt, politisch und menschlich. Seine Arbeitsgruppe „Kirche und Kopftuch“ war auch entsetzt. Sie vereinbarten einen weitreichenden Protest: eine Stunde abwägendes Schweigen. Sie saßen da, schweigend, abwägend, nacheinander, miteinander, an den Händen fassend, eine Stunde. Dann gingen sie wieder auseinander. Die eine mit Kopftuch, der andere ohne.

    Es klopft unterirdisch, mal hier, mal dort; lauter und lauter. Doch kein Laut, der des Mucks Ohr heute erreicht, weil sein Panier „gestern“ heißt. Und leis´, ganz leis´, erklingt der Geige Ton - „fideldumm“. So geigt der kleine Muck unerschütterlich sein Lied vom Eichenlaub mit Schwertern, die er durch die Israel-Fahne und das Sternenbanner ergänzt, - denn er ist doch immer derselbe der Mucker, er, der zeitlose, er, der über die Welt geht, als Menetekel für die, die ihn immer wieder erkennen und sich entsetzen.

    Kommentar von Campo-News — 9. Mai 2007 @ 09:51

  3. Hier scheint mir noch am Ehersten die Verlinkung eines treffenden Kommentares angebracht -
    http://www.ef-online.de/2007/05/10/%e2%80%9ewelt%e2%80%9c-krieg-gegen-%e2%80%9ebild%e2%80%9c-kampf-der-kulturen-bei-axel-springer/

    Kommentar von Campo-News — 10. Mai 2007 @ 14:37

  4. das ist amüsant geschrieben, durchaus.

    Nur, und das weisst du auch, liebe Tanja, so homogen wie du es darstellst ist die “antideutsche” und auch die von dir so genannte “Kampfblogger”-Szene gewiss nicht. Und nur so zur Korrektur: Ist es nicht gerade das antiimperialistische, grünalternative und stalinistische “Milieu”, welches amerikanische Filme verachtet, es sei denn, sie sind von Michael Moore oder Al Gore?

    TK: Weiß ich doch. Hier beschrieb ich einen konservativen Vertreter - steht doch da, zum anderen gibt es die linksgewendeten. BEIDE haben in der Regel keinen Draht zur US-Kultur…

    Kommentar von hegelxx — 11. Mai 2007 @ 07:44

  5. War wohl wieder zu viel Wein und danach der Blick in den Spiegel, der dich über dich selbst schreiben ließ. So ist das Leben.

    Kommentar von A.Schmidt — 11. Juni 2007 @ 07:28

  6. Zu viel Wein? Wer? Ich? Da dampfst du aber falsch, mein Lieber! Und was die US-Kultur, so wie die Kultur an sich angeht: Los! Frag misch!

    Schmidt, du hast dich echt in den Vogel verwandelt, den du einst abgeschossen hast. Schade um dich.

    Kommentar von Tanja Krienen — 11. Juni 2007 @ 07:43

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