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31. Dezember 2006

SYL-VES-TER-GE-FLÜS-TER

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 14:23

1

Die Welt ist voller Lügen: Es gibt die „AIDS-Lüge“, die „Dolchstoßlegende-Lüge“, die „Mutti ist die Beste“-Lüge, die „Renten-Lüge“, die „Teppichhändler-Ausverkauf-Lüge“, die „Daum-Lüge“, die „Oma-und-Opa-waren-keine-Nazis-Lüge“, die „Oma-und-Opa-waren-nicht-bei-der-Stasi-den-Kundschaftern-oder-in-der-Partei-Lüge“, die „Du-hattest-ja-gar-keine-Oma-keinen-Opa-Lüge“, die „Gesundheitsreform-Lüge“, die „Ich-bin-nie-Fremdgegangen-Lüge“, die „Ich-führe-ein-christliches-Leben-Lüge“ und jetzt auch: Die „Salatlüge“!

Pommes sind gesünder als Salat – das ist Widerspruch, den man erst einmal aushalten muss, und der mir natürlich schmeckt. Zwar aß ich immer schon wenig Fleisch (weil mir der Geschmack von gebranntem Aas meist nicht behagt) und verzichte zudem seit einigen Wochen sogar ganz darauf, bin aber weit ab einer Zwangs-Ideologie, weiß ich doch um die Kehrseite mancher Medaille.

So erschien jetzt in „Wissen“, herausgegeben von der „Süddeutschen Zeitung“, ein Artikel mit eben dieser Überschrift „Die Salat-Lüge“, der sich mit dem besagten Grünzeug beschäftigt und einen Papierknäuel als Salatkopf abbildet, mit der Aussage „Der grüne Blätterkopf enthält so viele Nährstoffe wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Er füllt den Magen und dehnt ihn ein wenig. Sonst nichts.“ Und der Heilbronner Lebensmittelchemiker Pollmer fügt hinzu, das Gemüse habe die „Ernährungsphysiologie eines Papiertaschentuches mit einem Glas stillen Wasser.“

Treffend beschreibt der Artikel die Nutzlosigkeit dieses Gewächses und seine Zucht vor allem unter spanischen Bedingungen. Über diesen Komplex schrieb ich ja einen Artikel, in dem lückenlos die selbst verschuldeten Wasserprobleme des Landes dokumentiert und kommentiert wurden, schließlich fällt in Spanien DOPPELT SOVIEL WASSER PRO KOPF, als in der Bundesrepublik Hierzulande.

Der in Deutschland meistens verzehrte Standardkopf ist der „Eisbergsalat“. Und was steckt da herinnen? 100 Gramm dieser Masse enthalten z.B. 3,9 mg Vitamin C. Und „Pommes“? Mehr als vier Mal so hoch ist dort der Vitamin C-Gehalt, nämlich 17,2 mg! Ähnlich sieht es mit den Ballaststoffen aus. Dieselbe Vergleichsmenge enthält 1,8mg beim Salat, aber 2,53 bei den Pommes. Das Verhältnis der Mineralstoffe ergibt ebenfalls klare Vorteile, als das sind 0,26g zu 1,15g zugunsten der Kartoffelschnipsel. Eiweiß 1,0g zu 2,29g; Kohlenhydrate 1,57g zu 16,6 g.

Die Wissenschafter empfehlen stattdessen Äpfel und Weißkohl. Schmecken auch besser, ich meine: die Äpfel.

2

Ich blickte um 7.55 Uhr auf das Thermometer, das gerade von 3,1 auf 3,3 hochschnellte. „Herrje“, dachte ich bei mir, „wenn das so weiter geht, ist sicher der Siedepunkt um 12.00 Uhr erreicht.“

3

Ich bin nur ein Robbenkind
Ich mag gern den kalten Wind
Fress paar Fischlein - nur ganz klein
Mein Herzchen das ist sehr rein
Lieber Gott, mach die Welt leer
Von dem bösen Eismeer-Bär

Kleines Robbengebet

Die BILD-Zeitung zeigte nun auf dem Titel einen Eisbären. Wohlgenährt. Das Besondere aber war seine Eisbärenschnauze: die war rot, schmierig rot. Er habe, so suggeriert ein weiteres BILD-Bild, gerade einen Artgenossen verspeist. Hm. Ob Eisbären das öfter machen, so wie manche Tierarten, vermag ich nicht zu sagen, auch nicht, ob jemand dem armen Bären ein Stück Fleisch hinlegte, auf dass er den „Schnappschuss des Jahres“ präsentieren kann. Bei der Modulation von Neutralen zu Opfern, sind sie, die Presser, ja besser als jeder Phantast, ganz ohne Hast. Aber auszugehen ist davon, dass so ein Eisbär IMMER mit roter Schnauze nach dem Mahl anzutreffen ist - und er frisst viel. Meist Robben. Die armen Robben! Man könnte sich auch eine Story vorstellen: „Der Mörder auf dem Eis – er schlachtet Robben bei lebendigem Leib.“ Wie sonst? Kommt aber nicht, weil jetzt muss der Eisbär Opfer sein und mit den Robben hat man dann wieder Mitleid, wenn es gebraucht wird. Aber nicht, wenn sie Opfer von Eisbären werden.

Apropos armer Bär. Als der arme Bruno erschossen wurde, hatten wohl nicht selten die Gleichen, manchmal sogar dieselben, die jetzt lamentieren, kein Mitleid. Ob das etwas miteinander zu tun hat?

4

Und gleich noch mal BILD. Vielleicht die Sätze des Jahres. Franz-Josef Wagner: „Stolz, Neid, Geiz und Rassismus sind für mich größere Laster als Rauchen. Ich rauche gerne nach einem Geschlechtsverkehr und beim Frühstück im Berliner Literaturhaus, BILD, FAZ, SZ lesend – welche Wonnen.“ Naja, für mich ist der größte Laster jener, der auf einer zweispurigen Autobahn seit zehn Minuten vor mir her fährt, und den zweitschlimmsten Laster, der mit 99 km/h daher dümpelt, mit 99,1 km/h zu überholen versucht, während eben jener wahrscheinlich sich während des Rauchens seinem Cock-Pit widmet und der andere die BILD, FAZ, SZ oder die gesammelten Kommentare des Franz – Josef Wagners liest.

5

I’ll sing you how Billy the Kid met his fate
The bright moon was shinin’, the hour was late
Shot down by Pat Garrett who once was his friend
The young outlaw’s life is now come to an end.
There’s many a man with a face fine and fair
Who start out in life with a chance to be square
Just like poor Billy they wander astray
They’ll lose their lives in the very same way!

Die Geschichte von Pat Garret und Billy the Kid fasziniert doch immer wieder. Und die Ästhetik der Berichterstattung hat sich auch seit 1880 kaum geändert. Wenn ich nur daran denke: „Überfall der James-Jounger-Bande. Die Toten werden präsentiert.“ Da liegen sie dann herum und die Helden stehen daneben. Noch heute knipst man frontal aufgestellt so in der Regionalpresse und hält das für Foto-Kunst, anstatt die Fresse.

Sing:

Jesse James was a man
And he killed many men
He robbed the Glendale train
And he took from the richer
And he gave that to the poorer
He’d a hand and a heart and a brain

Oh Jesse had a wife to mourn for his life
Three children they were so brave
But that dirty little coward
That shot Mr. Howard
Has laid Jesse James in his grave

6

„Eine glatte Stirn deutet auf Unempfindlichkeit hin“, heißt es in Brechts „An die Nachgeborenen“. Ja Mensch, warum spritzen sich denn noch mehr dieser ohnehin schon regungslos - lebendigen Leichen Botox exact dorthin?

7

Dieser Siegfried kennt wirklich keine Grenzen und so führte er wieder seinen „Partner“ Roy vor. Sofort dachte ich an die Sätze, die ich vor Jahren niederschrieb: „Gesetzt den Fall, man würde einen der bekanntlich sehr weißen und sehr zahmen Tiger aus der “Siegfried und Roy”- Show nehmen, diesen direkt vor das linke Auge halten, und unmittelbar vor das rechte, einen der beiden Protagonisten der Veranstaltung, auf dass wir nun nichts mehr sehen, als zwei überdimensionale schwarze Punkte (gegen die jene berühmten “Tomaten auf den Augen” geradezu transparent zu nennen wären), so kämen wir vermutlich kaum auf den Gedanken, nur wenige Zentimeter Abstand offenbarten uns statt der gemütlichen Dunkelheit, die gefletschten blecken Zähne beider Akteure, von denen wir allerdings genau wissen, dass nur der eine von beiden, den anderen bei Lust, Laune und Gelegenheit verletzen, ja zu Tode beißen könnte.“

8

Ich bin ein Mädchen von Piräus
Und wenn eines Tages mein Herz ich mal verlier
Dann muss es einer sein vom Hafen
Nur so einen Burschen, wünsch ich fürs Leben mir

hauchte die spätere sozialistische Kulturministerin Melina Mercouri als über 30jährige in „Ein Schiff wird kommen“. Es wäre wohl in Deutschland nicht möglich, weil erstens keine „ernstzunehmende“ „Schauspielerin“ hierzulande eine „Dirne“ spielen würde, sondern nur ausdruckslose Opferrollen (rückwärts) und zweitens wohl nur ein Grölemeyer oder andere „Kultur-Institutionen“, in der Politik Karriere machen könnten, selbst wenn sie noch weniger verständlich wären. Drittens würde sich keine „deutsche Künstlerin“ einen „Burschen“ wünschen. Bestimmt nicht Else-Lasker-Vroni-Verriss, weil der ja fast nach ihr benannt worden ist. Vielleicht Nina Hagen, doch die lebt ja auch nur noch bei den sieben Zwergen. Hinter den Bergen…

9. In „Die Wutprobe“ mimt Jack Nicholson den Soziologen – und Psychoteufel, den ich immer vor Augen denke, wenn ich mir die Missing links zum Genderlager vorstelle. Kein Unsinn, der nicht von Ihresgleichen vertreten wird. Auf der anderen Seite Adam Sandler, der fast zum selbigen wird, obwohl er es ist, der sich ruhig, besonnen, normal reagierend und keineswegs radikal zeigt. Ein gutes Beispiel für den gesellschaftlichen Wandel, dem nur die allerletzte Konsequenz in der Darstellung fehlt.10

Der alte Trotzkopf Vanessa Redgrave ist dieser Tage in einer Rosamunde Pilcher-Verfilmung zu sehen. Es ist die Ästhetik, die jenem sozialkitschigen Milieu in der Tat am nächsten kommt. Lucy Redler in der Neuverfilmung „Der Berg ruft“ – so stelle ich mir die Revolution vor.

11

Das Skelett des Bischofs von Myra, der als Nikolaus bekannt wurde, weist Spuren von Gewalteinwirkung auf. Es soll ein Nasenbruch sein. Kein Wunder, wenn man sich seine latente Aggressivität in jeder zweiten Fußgängerzone ansieht.

12

Die spanische Regierung hat jetzt auch gemerkt, dass die ETA bombt. Merke: Die ETA bombt nur, wenn sie vorher anruft. Sonst sind es Araber. Zapaterror sei dank. Er wird an den Verhandlungstisch zurück kehren. Müssen. Und es gern tun.

13

Die vorletzten Worte zum Tage. Arthur Schopenhauer: „…denn schon, wo viele Gäste sind, ist viel Pack – und hätten sie auch sämtlich Sterne auf der Brust. Überhaupt aber tragen glänzende, rauschende Feste und Lustbarkeiten stets eine Leere, wohl gar einen Misston im Innern, schon weil sie dem Elend und der Dürftigkeit unseres Daseins laut widersprechen, und der Kontrast erhöht die Wahrheit…So ist denn fast alles in der Welt hohle Nüsse zu nennen.

Aus „Paränesen und Maximen“

14

Immer wenn es Sommer wird lass ich die Steine ziehn ´naus auf den Anger
Wenn es Sommer wird
Dann suche ich meine Birke auf und die riecht nach Harz und tiefem Frieden
Wenn es Sommer wird
Die Jahresringe zählt man nicht, keine Stunde wenn man im Schatten eines Baumes träumt
Doch eingehüllt in rabenschwarzem Samt
Stiehlt abends dann der Abschied sich ins Land
Stiehlt der Abschied sich ins Land und dann muss ich eben gehn – so ist das immer
Und dann denk ich lange nach ob es nächstes Jahr wohl wieder einmal Sommer wird
Ob dann wohl mein Lied noch lebt, meine Birke, und die kleine, die ihre Schwester ist

Lied von der Birke, Wolfgang

2 Kommentare »

  1. Nun ja, wer isst Salat schon ohne Zubehör. Also schneidet die Pommes im vergleich zu einem Salat mit Shrimps, Krebs, Gurken, Tomaten, gerösteten Cashewkernen, Balsamiko, Olivenöl etc. doch eher schlecht ab.

    Kommentar von Salatkritiker — 31. Dezember 2006 @ 20:57

  2. Mit “Zubehör” macht das ja keinen Sinn - zumindest nicht in dem des Erfinders, denn: Pommes könnte man ja auch mit Shrimps und Zugaben essen, isst sie ja auch, wenngleich mit Bratwurst usw.. Den Verfechtern des Salates jedoch kommt es zunächst nur auf diesen an. Ist mir prinzipiell auch egal, aber die Fakten sind doch erstaunlich, wie bei manch anderen Lügen auch…

    Kommentar von Campo-News — 1. Januar 2007 @ 09:24

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