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30. April 2006

Psycho

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 10:39

Gunther von Hagens ist am Ziel.

von Tanja Krienen

Über die Jahre hinweg habe ich immer wieder auf die Nivellierung der Moral, des Anstandes und des Menschen an sich, durch den Platinator Gunther von Hagens hingewiesen auch in Print-Artikeln, wie auch im CAMPO Nr. 5/2004, doch nun ist er am Ziel. Meldete der FOCUS noch in seiner aktuellen Ausgabe:

so erbrachte die Abstimmung in dieser Woche, dass von Hagens seine „Arbeit“ in Guben aufnehmen kann.

Diese Veranstaltung (und ein ähnliches Foto) war für mich vor geraumer Zeit der endgültige Anlass um mich dem „Impresario“, wie der FOCUS dummerweise schreibt, anzunehmen. Der Ekel ist seitdem noch gewachsen – aber wir müssen uns halt darauf einstellen: In „der neuen deutschen Zeit“, ist alles möglich, weil nötig, denn: Die Affinität kommt nicht von ungefähr.

PSYCHO oder Die Spaßleiche

Wenn Personen, Ereignisse und Details nicht an den richtigen Orten, Plätzen oder im falschen Ambiente erscheinen, so wirkt die Szenerie bestenfalls surreal, meist einfach nur deplatziert, schlimmstenfalls grotesk; doch als ER vor zwei Jahren in einem bunten Skelettkostüm auf einem der schrillen Loveparade-Wagen zeitgeistgemäß herum tobte, da ward der Vorjahresevent mit Gotthilf Fischer um jene Peinlichkeit getoppt, die locker mit Würmer fressen, in Kakerlaken baden und der Gemeinschaft mit Lisa Fitz konkurrieren konnte.

Da stand er also ravend - oder was er dafür hielt - quietschvergnügt auf dem Wagen, neben anderen unangenehm gekleideten Personen, direkt an seiner Seite eine Asiatin mit einem eben solchen Kostüm und einem gefährlich geöffneten Mund im Bermudadreieck hoch gehobener Hände, aber ER, Gunter von Hagens, geborener Liebchen, Erfinder der Plastination – einer neuen Methoden, um Leichen zu konservieren - ER stand dort droben mit seinem unvermeidlich schwarzen Filzhut und „tanzte“. Sein Hut mit der runden Krempe bedeckte wie immer ein Stück der langen Ohren; vorn, darunter, die faltenreiche Stirn mit der Kerbe in der Mitte, weidwunde, psychotisch leere Augen; bleiches Antlitz, die kurze, abrupt endende Nase mit dem einsehbaren Flügelinnern, die einen geradezu stilistisch zu bezeichnenden Gegensatz zur vulgären wulstigen Wölbung, wirkend wie weiche Würste - ausstaffiert, eingespritzt, hergericht´ über dem gelblich zahnfleischlosen Gebiss bildete: So sahen sie aus, die Männer, die in Monthy Pythons „Sinn des Lebens“ nach dem „Galaxy-Song“, die biedere und einfältige Hausfrau – während ihr grenzdebiler Althippie Gatte, der die Spenderkarte nur als altruistischem Gutmenschentum unterschrieben hatte - anherrschten: „Könn´ wir jetzt ihre Leber haben?“

Jahrelang störte sich niemand an die Präsentation seiner angeblich freiwillig zu Monstern mutierten vormaligen Eventpartner und jetzigen Leichen, die er in einer Ausstellung namens „Körperwelten“ dem Publikum zur erschröcklichen Unterhaltung feil bot, ist doch Ethik längst ein Begriff für Menschen geworden, die im Verdacht stehen, der homophilen Juchzstimmung durch die so genannten Kanonen derselben, vom Schlage Dirk Bach, Daniel Küblböck, Hella „Reichsfeldmarschall“ von Sinnen und anderen Lumpazivagabundus Ideologen neudeutscher „Unterhaltungs“ – und „Kultur“industrien, sowie denen, die endlich ihre „Formate“ jenseits der Lloyd Webber und Elton John – Platinatsmusike mit zuckrigem Chorgejaule oder triefendem, glitzernden Soulschleim auf glatten Parkett, das längst gegen die Bretter, die einmal die Welt bedeuteten, eingetauscht wurden, kritisch gegenüberzustehen.

Liquide Atomindustrie und atomisierende Liquidationen des antiamerikanischen Achsenstaates China

Nun aber ist der umjubelte „Künstler“, der Schöpfer, der Gottes ähnliche Perfektioneur, gegen den Norman Bates ausgestopfte Vögel nur ein Schimmer elenden Amateurpsychotums waren, ins Gerede gekommen. Erfreut sich schon der Kanzler sauberer Geschäfte mit der politischen Elite des neuen, verlässlichen, antiamerikanischen Achsenmitgliedes Pekings, welches nicht nur bekannt ist für seine liquide Atomindustrie, sondern auch für seine atomisierenden Liquidationen, deren bestechendes Merkmal im Fakt besteht, dass von den Hingerichteten nichts mehr übrig bleibt, da sie entweder direkt nach der Schlachtung ausgeweidet oder als Objekt zu Gunther dem Todesengel verbracht werden (so der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe).

Wie wird das Publikum reagieren? In einem Land, in dem eine tief sitzende Vorliebe für Todeskulte, Sehnsuchtsflüchte, genüsslich praktizierter sadistischer Triebableitung und masochistische Leidensfähigkeit zu den sakrierten Verhaltensweisen gehört, wo man einen Narrenhallamarsch-Mitklatscher „lebensfroh“, jemanden mit einer eigenen Meinung „mutig“, Alice Schwarzer „Journalistin“, Katja Riemann eine „Schauspielerin“ nennt, Leipzig gar für eine taugliche Olympiastadt hält, da muss der Blick auf tote Körper, die ihr Inneres wie die Schmach eines vergangenes Zustandes zynisch als zukünftige Verlockung darbieten, gerade für Deutsche eine Anziehungskraft besitzen, welche die Nekrophilie, als einen nur natürlich zu nennenden, dankbaren Gefühlszustand, erscheinen lässt. Eine Alternative dazu wäre lediglich der Dschungel, mit Dirk Bach als plastinierte, zentrale aufgestellte Eier-Uhr, Dieter Bohlen und Verona Feldbusch/Pooth als ausgestopfte Standbilder vor dem großen Colosseum und Gunter von Hagens in der Rolle als Spielleiter des Todeskampfes. Rette sich, wer kann.

4 Kommentare »

  1. Ein Vorgänger:

    Guckst du hier

    Kommentar von hegelxx — 2. Mai 2006 @ 12:35

  2. Michael Grunzel Um es kurz zu machen: Dieser lebende Kadaver sollte sich selber ausstopfen und/oder plastinieren! Seine Ausstellung gehört niedergebrannt!
    21 Std. · Gefällt mir nicht mehr · 2
    Ragin Chiron Allraun
    Ragin Chiron Allraun Wie kannst Du Günther von Hagen so diffamieren, er einer der letzten Genies, den der deutsche Restgenpool ausgespuckt hat. Ich vermute Du warst nie in seiner Ausstellung. Er hat menschlicher Ästhetik und Kunst einen neuen Kosmos erschlossen und der Nachwelt geschenkt.
    19 Std. · Gefällt mir
    Hartmut Wiest
    Hartmut Wiest Eine Herabwürdigung des Menschen kann ich hier nicht erkennen.
    Über Ästhetik lässt sich trefflich streiten. Früher war es sogar üblich, Verstorbene noch einen Tag offen aufgebahrt zum Leichenschmaus zu zeigen, ehe sie beerdigt oder verbrannt wurden.
    Ich gehe davon aus, dass für alle Ausstellungsstücke eine schriftliche Einverständniserklärung des Verstorbenen vorliegt. Viele scheinen zu vergessen, dass bei der Medizinausbildung ständig mit und an Leichenteilen herumhantiert wird und viele Leichenteile in Schaugläsern (z.B. unter Formaldehyd) landeten und landen.
    Wenn der Tote zu Lebzeiten bestimmt hat, dass er nicht verbuddelt oder verbrannt werden will, dann ist das für mich auch keine Störung der Totenruhe, denn der Lebende hat nach meinem Verständnis der Menschenwürde auch das Recht über seinen eigenen lebenden und toten Körper selbst zu bestimmen.

    Allerdings finde ich das Eintrittsalter ab 7 Jahre absolut zu früh. Viele Kinder in dem Alter könnten psychische Schäden (Albträume etc.) davontragen. Angemessen wäre m.E. der Zutritt frühestens ab 14 Jahre, wenn der detaillierte anatomische Aufbau des Menschen auch im Biologieunterricht behandelt wird.
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    Peter Löffler
    Peter Löffler Herr van Hagen ist mehr als Suspekt…Aber sein Geschäftsmodell…Funzt!
    6 Std. · Gefällt mir nicht mehr · 1
    Tanja Krienen
    Tanja Krienen Ragin Chiron Allraun Ein Kranker, der seine Krankheit anderen feilbietet, eine Obszönität, ein Tiefpunkt der abendländischen Kultur und ein Protagonist, der bis zum bittren Ende eingesperrt gehört.
    Gerade eben · Bearbeitet · Gefällt mir
    Tanja Krienen
    Tanja Krienen Hartmut Wiest Hast du den Text mal richtig gelesen? Mitnichten ist es klar, ob die Toten einwilligten, darüber hinaus ist die Frage zu stellen, wo wir stehen, wenn die Totenruhe UND JEDER ANSTAND unterbleibt, nur weil gekaufte, publicitygeile oder sontige moralisch Kaputte ihre Zustimmung für dieses Verbrechen gaben?
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    Kommentar von Campo-News — 14. Oktober 2016 @ 16:20

  3. Ragin Chiron Allraun Tanja, wenn Du seine Ausstellung kennen würdest, würdest du nicht so urteilen. Er ist phantastisch und unerreicht. Ein Ästhet in Perfektion.
    9 Min · Gefällt mir
    Tanja Krienen
    Tanja Krienen Verhaften! Sofort! Und jeden der sich das ansah bestrafen! Noch besser: Austellungen verhindern! Zerstören!
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    Ragin Chiron Allraun
    Ragin Chiron Allraun Grandios.
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    Ragin Chiron Allraun
    Ragin Chiron Allraun Urteile und diskutiere nicht über Sachverhalte, die Du nicht kennst.
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    Tanja Krienen
    Tanja Krienen Ragin - ich kenne das nicht? Ich habe darüber schon 2003 geschrieben, Mann!!! Aber ich werde das Sakrileg nicht begehen und mir diess Verbrechen ansehen, als gäbe es eine Ästhetik des Mordes, der Abtreibung, der schmutzigsten aller denkbaren Verstöße.
    Gerade eben · Gefällt mir
    Tanja Krienen
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    Kommentar von Campo-News — 14. Oktober 2016 @ 16:52

  4. http://www.focus.de/kultur/kino_tv/dschungelcamp/dschungelcamp-2017-kinderpsychiater-behauptet-dschungelcamp-zuschauer-sind-sadisten_id_6530106.html

    http://www.focus.de/kultur/kino_tv/dschungelcamp/dschungelcamp-2017-elendsfiguren-designer-wolfgang-joop-zieht-ueber-dschungelcamp-kandidaten-hier_id_6534859.html

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-29725567.html

    Kommentar von Campo-News — 22. Januar 2017 @ 07:26

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