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14. April 2006

Film-Bilanz: Keiner schwul oder was?

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 12:17

But he winner is: Mister Johnny Cash!

Von Tanja Krienen


Johnny Cash in San Quentin, 1969

In meinem Artikel Gay, trans und Country-Rock wies ich ja auf die Euphorie hin, die manche kalkuliert ergriff, als die Filmpreise des Jahres zu vergeben waren. Meine Kritik war eher vorsichtig, blieb an der Oberfläche, da aus Platzgründen nicht alle Aspekte angesprochen werden konnten und in einem Artikel, in einer prinzipiell der Unterhaltung verpflichteten Zeitung, nicht in vollem Umfang die notwendige Kritik geleistet werden kann.

Es wurde jedenfalls zu Beginn der Preis-Hürdenläufe so getan, als hätte es zuvor eine Thematisierung der besagten Themen im US-Kino nie gegeben, dabei war z. B. in “Boys don´t cry” bereits in den 90er Jahren das Thema „Trans und deine liebeswürdige Umwelt“ in eingehender Weise behandelt worden, als in dem harmlosen Plauder-Filmchen „Transamerica“, dessen Plakate schon schauderhaft erscheinen und der in Filmkritiken, die zeigen, dass der Schreiber rein gar nichts verstanden hat, aber „gut“ sein will, völlig platt geschlagen wird.

„Brokeback Mountain“ und „Capote“ hatten jeweils schwule Protagonisten, doch schreckt die eindeutig neurotische Gestalt Truman Capotes so ab, dass sie selbst für die Homo-Szene nicht als Identifikationsfigur taugt. Und zur Welt schwuler Cowboys fehlt ohnehin jeder Beziehungspunkt. Der Film interessiert sie nur insoweit, als dass sie über die rückblickend ach so schlimmen Zustände in den USA lamentieren können. Politisch und mental würde die Gruppe schwuler Country - und Cowboy-Männer in den USA, den bunt-tuntigen Heimchen aus der deutschen Huschenszene wahrscheinlich den Marsch….äh…blasen. Vor allem aber kann man jammern, weil Hollywood angeblich das Thema „schwul“ nicht behandle. Kein Wort fiel z.B. darüber, dass es schon vor 13 Jahren das triefig-miefige „Philadelphia“ mit Tom Hanks und Antonio Banderas gab.

Ist schon das Schwulenpublikum kleiner als die Medien es gerne hätten (nur gut 3 Millionen Personen), so besuchte maximal nur jeder 4. aus dieser Gruppe einen der Filme. Bedenkt man noch, dass es viele Filmfreaks gibt und dazu Menschen, die aus quasi politischen Gründen oder weil die Lehrerin aus der Lesbengruppe sagte, man solle sich den Film unbedingt ansehen, ins Kino gingen, so kann der Besuch nur als desaströs gewertet werden.

Trotz der medialen Puschung durch die alles beherrschende Fraktion der Frauen und Schwulen in den Fernsehanstalten und Redaktionen, floppten die Filme ja teilweise schon an den US-Kinokassen, weil allzu deutlich wurde, dass hier flache Storys zu einem Event aufgebauscht wurden, der nicht halten konnte, was versprochen ward. Es erübrigt sich darauf hinzuweisen, dass die Schauspieler nicht schwul sind, wie auch die „Transsexuelle“ in Transamerica nicht transsexuell ist. Alles Fake-Unfug, weil es adäquate Darsteller nicht gibt (die Story würde sofort platzen), bzw. originäre Personen nicht erwünscht sind.

Das deutsche Kino-Milieu, das grundsätzlich anders tickt als das amerikanische und sehr kinogebildete Publikum (dort kann man z.B. IN RUHE einen Film gucken, weil die Leute ZUSCHAUEN und nicht wie doof während des Filmes plappern), liefen die Filme noch schlechter.

Eine vorläufig – endgültige Bilanz:

„Transamerica“ erreichte nicht einmal die deutschen Charts, wahrscheinlich sahen hierzulande den Film kaum 100 000 Personen.

„Capote“, der ja eigentlich den klassischen psychisch deformierten Homo zeigt, aber wohl deshalb irritiert, kam auf knapp 200 000 Besucher.

Der schwule Cowboy-Film „Brokeback Mountain“ steht derzeit bei 967000 Besuchern (nach FOCUS) und wird wohl am Ende vielleicht noch knapp über die 1 Millionen-Grenze schaffen. Die Qualität des Filmes, der bei Lichte betrachtet nicht über C-Movie-Niveau der üblichen Schwulenfilmart hinaus reichte, hatte sich herum gesprochen, noch ehe der Film startete. Die „schwul-lesbischen Filmtage“ in Wolfenbüttel bieten im Grunde ähnliches.

ABER, die Johnny Cash-Biography „Walk the line“ zeigte, dass die Menschen noch immer authentische und inhaltlich fesselnde - weil von Protagonisten getragen, die Herzen und Köpfe bewegten – Geschichten sehen wollen. Obwohl Countrymusik in Deutschland ein Schattendasein führt und Johnny Cash auf keiner Liste der 500 beliebtesten Musiker in Deutschland zu finden wäre, hält sich der Film schon zehn Wochen in den Kino-Charts und wird am Ende etwa 1,4 Millionen Zuschauern gefunden haben. Und warum? Weil alles wahr ist!

Artist/Band: Cash Johnny
Lyrics for Song: San Quentin
Lyrics for Album: At San Quentin
San Quentin, you’ve been livin’ hell to me
You’ve hosted me since nineteen sixty three
I’ve seen ‘em come and go and I’ve seen them die
And long ago I stopped askin’ why

San Quentin, I hate every inch of you.
You’ve cut me and have scarred me thru an’ thru.
And I’ll walk out a wiser weaker man;
Mister Congressman why can’t you understand.

San Quentin, what good do you think you do?
Do you think I’ll be different when you’re through?
You bent my heart and mind and you may my soul,
And your stone walls turn my blood a little cold.

San Quentin, may you rot and burn in hell.
May your walls fall and may I live to tell.
May all the world forget you ever stood.
And may all the world regret you did no good.

San Quentin, you’ve been livin’ hell to m


1 Kommentar »

  1. Nun meldet sich auch der Letzte der Legenden wieder zu Wort. Zwar heiratet er nicht mehr keine 13jährigen Cousine aber sonst ist Jerry Lee Lewis wohl auf, wie man einer Plattenkritik, auf die ich stieß, entnehmen kann. Ich finde es immer noch schade, dass “The Killer” einst den fetten Presley nicht traf (der dann kurze Zeit später trotzdem schlapp machte). “Spannung zwischen Dämonie und tief verwurzelter Gottesfurcht.” Halleluja - das gefällt mir!

    http://www.spiegel.de/einestages/johnny-cash-das-legendaere-knast-konzert-im-folsom-prison-a-1186187.html

    Kommentar von Campo-News — 20. Dezember 2006 @ 16:33

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