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1. Februar 2006

Hamas Lexikon denn wieder verlegt?

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 15:31

Ein paar Texte, die nicht immer wieder neu zu erfinden sind.

Von Tanja Krienen

Vorwort CAMPO Nr. 2

Sie sehen gut aus, sind gebildete Leistungsträger – Ärzte, Ingenieure oder Literaten – doch haben sie ihre Heimatländer verlassen (müssen). Erzielen sie eine öffentliche Wirksamkeit, werden sie dort geschmäht, missachtet und solange und so weit verfolgt, wie die Macht der Herrscher reicht. Die Menschen, von denen hier die Rede ist, bilden die kritische Avantgarde derjenigen, die sich nicht in den Alltag der rigide geführten, und meist stark religiös geprägten, islamischen Staaten einfügen wollen. Da es sich um Personen mit großen Potenzialen und mancherlei Vorzügen handelt, sind wir wohl berechtigt zu sagen, dass sich eine Debatte um ein grundsätzliches Paria-Dasein der arabischen, persischen oder afrikanischen Welt verbietet. Um nichts anderes als die Fragestellung kann es demnach gehen, welche Ursachen die in diesen Staaten herrschende politische und alltägliche Kultur hat, und warum dort mangelnde Demokratiedefizite, Unfreiheiten der Wissenschaften oder die relative Rechtlosigkeit der Frauen zu konstatieren ist? Die sonst so flotten Alleswisser in den deutschen Redaktionsstuben, die rrrrrevolutionären „Volksbefreiungsideologen“ und auch die Dauerzölibatäre, „verzichten“ hier konsequent auf eine Analyse der feudalistischen und despotischen Strukturen der betreffenden Länder und somit auf die entscheidende Frage: Wie kann dort eine Art Aufklärung in Gang gesetzt werden?

In dieser zweiten CAMPO-Ausgabe, wollen wir uns der psychologischen Beschaffenheit der islamisch dominierten Welt und ihrer konkreten Ausprägung nähern. Die erste Hefthälfte befasst sich deshalb mit der islamischen Religion und der meist verhängnisvollen politischen Ausprägung der Staaten, die sich an ihren Vorgaben orientieren. Wie sehr die Irrationalität bis in den deutschsprachigen Raum wirkt, machen besonders die medienkritischen Glossen von Georg Kreisler und Henryk M. Broder an die Adresse unverhüllter Anstifter zur Dummheit deutlich.

Niemand hat Einwände gegen den totalitären Anspruch eines islamischen Gottesstaates deutlicher formuliert, als der im heutigen Griechenland (Saloniki) geborene Gründer der säkularen Türkei, Mustafa Kemal „Atatürk“, dessen neues, regionales Staatswesen, von Anfang an einen real existierenden Entwurf gegen großosmanische Bestrebungen verkörperte.

Er schrieb: „Die Regeln und Theorien eines alten Araberscheichs (Mohammad) und die abstrusen Auslegungen von Generationen von schmutzigen und unwissenden Pfaffen (haben) in der Türkei sämtliche Zivil- und Strafgesetze festgelegt. Sie haben die Form der Verfassung, die geringsten Handlungen und Gesten eines Bürgers festgesetzt, seine Nahrung, die Stunden für Wachen und Schlafen, Sitten und Gewohnheiten und selbst die intimsten Gedanken. Der Islam, diese absurde Gotteslehre eines unmoralischen Beduinen, ist ein verwesender Kadaver, der unser Leben vergiftet. Die Bevölkerung der türkischen Republik, die Anspruch darauf erhebt zivilisiert zu sein, muss ihre Zivilisation beweisen, durch ihre Ideen, ihre Mentalität, durch ihr Familienleben und ihre Lebensweise. Ist unsere Kleidung zivilisiert? Eine internationale Kleidung ist würdig und passend für unsere Nation, und wir werden sie auch tragen. Stiefel und Schuhe an unseren Füßen, Hosen an unseren einen, Rock und Krawatte, Jacke und Weste – und eine Kopfbedeckung mit Rand – diese Kopfbedeckung nennt sich Hut!” Es folgte 1925 ein Verbot „klerikaler Gewänder” - Pluderhosen und Turban – das Aufsetzen des Fes war nun ein Delikt!

„Atatürk” dazu: “Es war notwendig, den Fes abzuschaffen, der auf den Köpfen unserer Nation als ein Zeichen von Ignoranz, Fanatismus und Hass von Fortschritt und Zivilisation saß”. Im Dezember 1925 wurde der Gregorianische Kalender eingeführt, die Rechnung nach dem Mondzyklus abgeschafft und der Sonntag als Ruhetag eingeführt. 1926 wurden Mann und Frau die gleichen Rechte gewährt. Mustafa Kemal im Originalton: „Unsere Frauen sind bewusste und denkende Menschen wie wir. Nachdem wir ihnen Moral und die heiligen Dinge beibrachten und ihren Kopf mit Licht und Lauterkeit erfüllten, brauchen wir keinen Egoismus mehr. Die Frauen sollen ihre Gesichter der Welt zeigen und sie sollen die Welt mit ihren Augen aufmerksam betrachten können. Dabei gibt es doch nichts zu befürchten. Friede daheim, Friede in der Welt.”

***

Vorwort CAMPO Nr. 6

Die Rede soll von einem mittelmäßig schönen, mittelmäßig großen und mittelmäßig warmen Land sein, welches in der Mitte Europas liegt. Es ist ein Land, dessen Angehörige, gefragt nach ihrer Herkunft, sich nicht selten schämen, wenn sie seinen Namen in anderen Ländern nennen, in denen sie gerade verweilen; auch singt man seine Erkennungsmelodie nicht gern und mancher sogar, versucht seine Verwandtschaft gänzlich zu verleugnen. Die Vergangenheit dieses Landes wirft seine Schatten auf die Gegenwart und aus der Zukunft strahlt: nichts von Bedeutung.

Wer es in diesem Land aushält, hält es kaum aus. Er bezahlt an der Zapfsäule die Rente der Alten, mit der Steuer die Verwahrstätten für die Jungen und mit der Steuer auf die Steuer, das langsame Sterben der beinahe Toten. Wer einen Doktor braucht, zahlt Eintritt; wer mit ihm sprach, zahlt einen Satz, wer sein Medikament kaufen möchte, zahlt eine Gebühr – für das Medikament selbst ist kein Geld mehr da: die Bestattungskosten zahlen viele gar nicht. Aus Trotz: sie lassen sich auf der grünen Wiese verstreuen.

Wer Dosen kauft, muss sie zurücktragen; wer Strom will, bekommt ein großes Getüm vor seiner Nase aufgestellt; wer keine Arbeit hat, bekommt auch keine - und wer seinesgleichen liebt, tanzt freiwillig drei-viertelnackt nach der Pressmusike. Der Berliner Bürgermeister mag das, der Hamburger ebenso, der FDP-Vorsitzende auch und der Hauptmann Röhm, mochte es besonders gern. Frau Schwarzer jagt Phallussymbolen hinterher, Musik kauft keiner mehr, Herr Scrobel guckt verkniffen und betroffen – mindestens jeder zehnte Junge müsste von Rechts wegen einen BH tragen. Warum auch nicht? Sie wandeln ja jetzt schon 7jährige um.

In diesem Land macht kaum etwas Sinn, denn es herrscht der Frohsinn; die Melancholiker lachen neuerdings aus Unsicherheit mit. Die Stasi ist rehabilitiert: hatte sie nicht Recht? Wer zweifelt daran, dass Erich Honecker heute im Triumphzug durch die Straßen Leipzigs getragen würde? Wer eine Israelfahne zeigt, dem wird mit Brand gedroht. Der zahnlose Furunkelmann lacht. Wie spät ist es Morgen um diese Zeit?

Wie ist es möglich, dass der Sturm ringsum wütet, die Wasser reißend sich bewegen, der Zeitstrom beinahe Einstein widerlegt, doch dort nur maximal 10 Bilder pro Minute durch den Projektor des Lebens zeitlupen?

*
Aus dem CAMPO Nr. 3

Den Tätigen fehlt gewöhnlich die höhere Tätigkeit: ich meine die individuelle.
Die Tätigen rollen, wie der Stein rollt, gemäß der Dummheit der Mechanik. –

Alle Menschen zerfallen, wie zu allen Zeiten, so auch jetzt noch, in Sklaven und Freie; denn wer von seinem Tage nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave, er sei übrigens wer er wolle: Staatsmann, Kaufmann, Beamter und Gelehrter.

Friedrich Nietzsche, ,,Menschliches, Allzumenschliches“, 1878 -

Das schöne Geld der Arbeitswelt
– Der DGB, die Tradition und die große Pleite

„Wir wollen die Arbeitswelt humanisieren“ tönten die Gewerkschaften. „Wir wollen mehr Lohn“, schreit die Belegschaft. Die Mitgliederzahlen sinken. Widerspruch in der zunehmend cool durchdachten Arbeitswelt wäre wünschenswert – debattiert wird jedoch wohl kalkuliert an der Oberfläche mit Stimmungen und dem alten Bart, den viele der Agierenden zur Schau und spazieren tragen, denn -…

Es wird der Status Quo zementiert; notwendige Veränderungen – möglich und sinnvoll – durch Geldzahlungen befriedet. Eine Diskussion darüber findet nicht statt! Paul Lafargues Müßiggang – abzüglich idealistischer Schwärmereien – wird unter den Proletariern verachtet. Wenn er stattfindet, dann als billiges Spektakel, als simple Belustigung, gedacht und bemessen wird dabei: Nichts!

Man nimmt sie hin, die Hatz, die Einfalt des tagtäglichen Einerleis, auch Stumpfheit, welche durch immergleiche Handlungen, die schöpferischen unter den Menschenmaschinen, fast bis in den Wahnsinn treibt. Unterordnung herrscht vor, weil Fragen stören; Initiativen Einzelner werden skeptisch beäugt, da sie eine Autoritätsverschiebung darstellen; Misstrauen wird gesät, weil es zur Differenzierung der Belegschaft beiträgt.

Der Laden brummt. Die Lautsprecher dröhnen. Sie blöken unentwegt das Lied im Stil der Pressmusike. Der Rhythmus klebt im Raum. Er sickert in die Gemüter. Hier und dort strömt Duft aus einem Plastikgehäuse. Tag für Tag, Stunde für Stunde, – Pausen werden nervös abgesessen. „Für den Lärm muss es 10 Cent Zuschlag in der Stunde geben“, poltert der Betriebsrat. Alle nicken. Guter Mann, der schonungslos sagt, was Sache ist. Sie klopfen ihm auf die Schulter. Die Wiederwahl ist ihm sicher. Seine Schritte werden länger und breiter.

Es wird gehn. Das billige Glück, der breiteste Fernseher, die funktionellste Uhr, die Anlage mit noch dunkleren Bässen (für noch mehr nichts sagende Töne als je zuvor), das Auto mit allen Schikanen. Hat man es nicht, heißt man das Armut. Um nicht arm zu sein, werden die Rahmenbedingungen jeden Morgen taxiert und verschämt begrüßt. Sonne fehlt sowieso.

Früher war alles besser. Die Bergmannskappelle spielte so schön. Jawoll, da wurde im Pütt malocht (Staublunge ab 45 garantiert), vor dem Hochofen um die Wette geglüht, mit heißer Schlacke getanzt, Plaste und Elaste durch die Nasen direkt ins Hirn gesogen. An diese Tradition erinnert man sich, schwelgt, beschwört – es hat das kleine Häuschen gebracht. Die Enkelkinder können nicht „Synagoge“ buchstabieren. Und fragt jemand doch mal: „Opa, wieviel Juden habt ihr puttemacht?“ sagt der: „Hamas Lexikon denn wieder verlegt?“

Die Arbeiterbewegung findet nicht statt. Sie hockt auf dem Campingplatz und schmort Würste, große Würste; sie klopft sich auf die breiten Schenkel, im Schunkel-Takt; sie hört die Lieder der „Geschwister Weißwäscher“; sie liest manchmal, die Frauen das „Bunte Blatt“ und die Männer jetzt auch ein Buch: „Die Dieter Bohlen-Biographie“ – dann diskutiert man bis spät in die Nacht, ob Naddel es mehr bringt als Verona. Geprügelt wird selten. Die Frauen werden nicht angesehn. Ihre übel riechenden Hunde fressen die Reste.

Ja, gesungen wird oft, doch sind darunter keine politischen Mailiedchen und schon gar nicht das von Erich Weinert aus dem Jahre 1923:
Sozialdemokratisches Mailiedchen
Stell auf den Tisch das Bild von Vater Bebel,
Den Vorwärts, Jahrgang 13, hol herbei,
Und klirre wieder mit dem Schutzmannsäbel
Wie einst im Mai
Lies mir noch mal die alten Manifeste,
Der ersten Jugend holde Schwärmerei,
Und reich mir wieder die gestrickte Weste
Wie einst im Mai
Noch einmal singt die INTERNATIONALE,
Doch macht nicht wieder solchen Krach dabei,
Und nicht mit so pathetischem Finale
Wie einst im Mai
Noch einmal tragt die feierlichen Fackeln
Die Reichswehr mit Musik ist auch dabei.
Wer weiß, ob uns nicht doch die Ärsche wackeln
Dereinst im Mai

6 Kommentare »

  1. Endlich mal was, was ich richtig gut finde.

    Kommentar von AS — 2. Februar 2006 @ 02:23

  2. Du würdest (fast) ALLES gut finden, wärest du nicht verhetzt und ein Philister.

    TK

    Kommentar von Campo-News — 2. Februar 2006 @ 08:08

  3. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/tod_den_opfern

    Kommentar von Campo-News — 4. Juni 2014 @ 07:12

  4. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ueberlebende_und_andere_verwandte

    Kommentar von Campo-News — 30. August 2014 @ 07:06

  5. http://freie.welt.de/2015/07/28/wie-die-palaestinensische-fuehrung-das-juedische-volk-per-geschichtsfaelschung-ausloeschen-will/

    Kommentar von Campo-News — 1. August 2015 @ 07:26

  6. Ein kurzer Abriss des palästinensischen Terrors.

    Die Klischees sind bekannt: http://www.audiatur-online.ch/2016/02/10/wie-taeter-und-opfer-sich-wandeln/

    Kommentar von Campo-News — 11. Februar 2016 @ 08:15

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