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8. Mai 2005

60 Jahre “Frieden”: Das alles wünsch´ ich diesem Land.

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 10:18

Die Deutschen feiern: 60 Jahre herrscht Frieden im Land. Gut scheint es ihnen nicht bekommen zu sein.

Das Land bleibt stumm – der Protest kommt ja von „links“. Der einzige, der darauf mit der nötigen Vehemenz hinweist, Guido Westerwelle, wird abgestraft: für die kapitalistische Wirtschaftweise setzt sich keiner offensiv ein. Mit Begründungen schon gar nicht – Ideologie findet nicht statt. Keiner weiß warum. Im doppelten Sinne.

Der Kanzler und der blass-blonde Russe (den wir alle zu kennen glauben, denn in den abendlichen Zügen gen Stadtzentrum begegnen sie uns zuhauf – die Wodkaflasche kaum verborgen in der Tasche, das Messer ebenfalls) spricht auf den Boden. Der Kanzler nickt dazu. Nein, eine Grenzüberschreitung hat die Sowjetarmee nie begangen. Frieden hat sie gebracht. Stalin war gut, vielleicht ein bisschen barsch. Der Kanzler lächelt. Er kann auch barsch werden, das weiß er.

Der Russe ist heute beliebter als der Ami. Der kann in Deutschland nicht frei herumlaufen, der Russe schon. Der Ami spricht von Freiheit. Wenn er neben dem Russen steht, vergeht dem das Lachen. Die Knie wackeln dann wie bei 14jährigen Heimzöglingen. Sein Heim ist Russland. Da herrscht Friede. Die Deutschen feiern den Frieden. Nicht alle, aber immer mehr. Sie schlagen die Schlachten jetzt an Bierständen, in den Innenstädten, in den Stadien: immer öfter schlagen sie. Der Neid regiert. Und reagiert. Agiert.

Die DDR hat gesiegt. Sie sickert durch die Wände, steht plötzlich vor dir und lacht: „Das hättet ihr nicht gedacht?!“ Nicht nur der Teich lauscht draußen im Wald mit offenem Mund. Freibier! Luftschlangen gegen Nazis. Nicht mal ein Argument gegen Kommunisten. Mach mit: „Heut´wird Rabatz gemacht solange bis die ganze Bude kracht, und wenn die anderen zur Arbeit gehen sagen wir „Gut Nacht“.

„Lachen Sie doch mal! Ach Tucholsky. Hören Sie Frau K.! Das ist vorbei.“

„Nein sage ich, das fängt erst gerade an. Hören Sie: He Republik - ! Sie fährt empor, nickt, döst und schlummert wieder ein. Zwo, drei: „Denn wir leben, denn wir leben - in einer Übergangszeit, denn wir leben, denn wir leben - einer Übergangszeit - !“

„Hören Sie auf, Sie sind ein Einzelidiot, Frau Krienen. Gehen Sie weg, die Geschichte hat längst ein neues Kapitel aufgeschlagen.“

„Irgendwie haben Sie Recht. Ich werde darüber nachdenken. Danke für die Blumen. Wie ist doch gleich ihr Name.“

„Mein Name tut nichts zur Sache. Nennen sie mich wie sie wollen. Jeder hat einen anderen Namen für mich.“

„Wie praktisch. Ja, ich bin ein „Einzelidiot“ und habe zuviel Phantasie um ihnen nur einen Namen zu geben. Aber ich lese ihnen ein Gedicht vor. Darin kommen Sie auch vor. In jeder Zeile.“ -

Das alles wünsche ich diesem Land

Dass nimmer mehr die Sonne scheine
Und auch der Himmel täglich weine

Das alles wünsche ich diesem Land -
Und gerade dir, wenn es so ist:
Dass du einer von denen bist

Dass die US-Konzerne quick das Land verlassen
Und hinterlassen große Arbeitslosenmassen

Das alles wünsche ich diesem Land -
Und gerade dir, wenn es so ist:
Dass du einer von denen bist

Dass dann die neue PDNS die Wahl gewinnt
Damit auch das schöne Volks-Bewusstsein wieder stimmt

Das alles wünsche ich diesem Land -
Und gerade dir, wenn es so ist:
Dass du einer von denen bist

Dann dürft ihr schuften, buckeln, schweigen, hetzen
Und eueren VW-Golf wieder versetzen

Das alles wünsche ich diesem Land -
Und gerade dir, wenn es so ist:
Dass du einer von denen bist

Dass ihr in eurem Größenwahn
Den nächsten „Friedenskrieg“ fangt an

Das alles wünsche ich diesem Land -
Und gerade dir, wenn es so ist:
Dass du einer von denen bist

Ich freu´ mich auf die Normandie:
Die zweite Landung in der Früh
Wenn sie dann auf dem Reichstag weht:
Die Freiheitsfahne blue-white-red
Dann ist der Spuk endlich vorbei
Und George Bush lacht: „Goodbye, goodbye“!

Dies alles wünsche ich diesem Land -
Und gerade dir, wenn es so ist:
Dass du einer von denen bist

Tanja Krienen

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