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28. Februar 2005

Mucker gegen “Rechts”

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 13:16

Veränderung finden in der Republik statt: das Bündnis zwischen der Regierung und der umbenannten SED und ihren Hilfstruppen funktioniert inzwischen wie geschmiert.

„Solange ihr nicht stark genug seid, das bürgerliche Parlament und alle sonstigen reaktionären Institutionen auseinanderzujagen, seid ihr verpflichtet, gerade innerhalb dieser Institutionen zu arbeiten. Sonst lauft ihr Gefahr, einfach zu Schwätzern zu werden….“

Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt „Lenin“ (1870-1924)

Mucker gegen „Rechts“

Die derzeitige Regierung und ihr nahe stehenden Organisationen, öffnen heute sogar für die Revolutionäre die Tür; das scheint nur konsequent, denkt man an die unüberwundenen, biographischen Male der Betreffenden. Nur wer es für Heuchelei hält, mit Ultralinks gegen Ultrarechts zu kämpfen - weil ja auch Bakterien mit Bakterien bekämpft werden - darf sich noch empören, wenn die Regierung sogar den Virenträger spielt.

Die Fakten:

Wie es um die Republik steht, zeigt, dass der DGB und die rotgrüne Regierung Ende Januar 2005, mit der Jugendorganisation „solid“, die de facto die PDS-Jugend darstellt und mit der Partei quasi assoziiert ist, eine gemeinsame CD „gegen rechts“ produziert und vorgestellt hat, welche man aktuell vor Jugendzentren verteilt (als Reaktion auf eine Verteilaktion von Rechten, die 250 000 CDs hergestellten und verschenkten). Initiiert wurde die Aktion von der PDS-Jugend. Mitunterstützer und Finanzierer dieses Projektes „Aufmucken gegen Rechts“, sind die Verdi- und IG Metall-Jugend, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Hans-Böckler-Stiftung, sowie die Antonio-Amadeu-Stiftung.

Begründet wird dies von den Protagonisten mit der Behauptung, es hätten „faschistische Inhalte in fast allen populären Jugendkulturen ihre Verankerung gefunden“, und es sei in „einigen Regionen eine Dominanz neonazistischer Jugendcliquen zu beobachten, vor allem dort, wo Ansätze alternativer oder linker Kultur und antifaschistischer Werte fehlen, rechte Jugendcliquen möglicherweise auch noch staatlich im Rahmen “akzeptierender Jugendarbeit” gefördert werden.“ Ausgerechnet der Staat, welcher der PDS-Jugend so großzügig diese CD-Aktion spendiert, mache sich mit den Rechten gemein, echoten sie. Mit dabei auf der CD übrigens die „Fantastischen Vier“ und der unvermeidliche Konstantin Wecker.

Als ich bereits Anfang November von der Angelegenheit erfuhr, rief ich den Projektleiter der Produktion, André Keil, an. Es war ein Sonntag, gegen 12.00 Uhr.

Isch (mit verstellter Stimme): Allo.
AK: (sehr verschlafen) Morgen.
Isch: Ischeiße Selim und bin von die Gruppe „Ülüsü“. Wir mache türksche Rap, weiß du? Geht da noch was auf die neue CD von gegen Rechts?
AK: Die erste ist jetzt voll.
Isch: Machet ihr zweite? Isch mein, wir mache viel Musik gegen Sharon-Faschismus und Bush-Faschismus und so. Seid ihr intressiert?
AK: Wie gesagt. Diese CD ist jetzt schon voll. Ob wir das noch mal machen, wissen wir jetzt noch nicht genau.
Isch: Aba normal ihr seid intressiert an Lieder gegen Sharon-Faschismus und Bush-Faschismus, ja?
AK: Das kommt drauf an, wie es klingt. Wenn es gut ist.
Isch: Suppa, kann isch ma Band schicken?
AK: Klar. Gehe doch mal auf unsere Homepage, da findest du die Adresse.
Isch: Guck isch. Schik ich eusch Lieder gegen Sharon - Faschismus und Bush- Faschismus. Allah akbar.
AK: Alles klar.

Kurze Zeit später, erhielt ich eine erregte Mail des “solid”-Bundesvorsitzenden, der mir erregt mitteilte: „Das setzt dem ganzen die Krone auf.“ Sein Ärger war verständlich, wurde es doch offensichtlich, was seinesgleichen unter Faschismus versteht. Dazu passt, wie sich seine Bundesvorstandskollegin im Net vorstellt: „An meiner alten Schule habe ich auch mit ein paar Mitschülern ein paar Aktionen (z.B. „Wer sagt, dass Adam kein Schwarzer war?“) gegen Faschismus und Rassismus gemacht. Zu unserem Schülerstreik ist es dann leider aber doch noch nicht gekommen.” Wir sehen, wer nicht Adam als Schwarzen sehen will(!) oder Jesus als Frau, ist ein Rassist, Sexist, Faschist usw.. So gilt es also festzustellen, dass es gar nicht um wirklichen Rassismus geht, sondern - im Gegenteil - um die viel eher rassistisch motivierte Anmaßung, jeden zwingend zu wollen, rein politisch motivierte Definitionen - seien sie auch noch so abstrus - als Realität anzuerkennen.

Bei den Bündnispartnern der PDS-Jugend fragte ich in den kommenden Tagen nach, inwieweit ihnen die extremen Positionen dieser Organisation auf vielen Gebieten bekannt seien, konkret: „Die aktiven „Antifa“ - Mitglieder von solid kämpfen nicht nur gegen “rechts“, sondern gegen alles, was nicht ausdrücklich links ist. Was sagen Sie dazu, dass Solid klar an der Ideologie des Marxismus-Leninismus festhält? Würden Sie unter diesen Gesichtspunkten noch einmal im Dienst von Solid eine derartige CD produzieren und ihren Namen dafür hergeben?“

Im Bundesfamilienministerium schwieg man sich komplett aus: Keine Antwort (wenn es doch zum Thema „Väter als Täter“ gewesen wäre – aber so). Interessant aber auch, dass dasselbe Ministerium zur gleichen Zeit die Zuschüsse für das Info-Portal Hagalil strich.

Der DGB-Bundesvorstand, Abteilung Jugend, meinet forsch und unumwunden, es handele sich dabei „um eine punktuelle Kooperation im Bereich Antirassismus/Rechtsextremismus, die in unseren Augen und auch in den Augen der weitern zahlreichen seriösen Unterstützer besonders nach den Siegen von NPD und DVU bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg nötig“ sei, denn man wolle vor allem „andere Werte vermitteln, als Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt.“ Und es hätte eben deshalb auch „gar nichts gebracht, wenn die beteiligten Jugendorganisationen sich mit eigenen CDs Konkurrenz gemacht hätten, um der Nazi-CD etwas entgegenzusetzen“ Wäre ja auch schade für den DGB, wenn die PDS-Jugend im eigenen miefigen Tümpel vor sich hin und her gedümpelt wäre. Wo bliebe denn da die schöne Volksfront?

Der Vertreter des IG-Metall – Vorstandes räumte immerhin ein, die IG Metall-Jugend teile „bei weitem nicht alle Positionen und Aktivitäten von solid“, jedoch: „Das hier konkret gemeinsam zusammengearbeitet wird, ist für mich notwendig und in Ordnung. Wir müssen hier ran!“ Er habe auch „keinen moralischen Alleinstellungsanspruch, sonst würde es sehr schwer, korrekt durchs Leben zu gehen, schon alleine beim einkaufen!“

Das antwortenden Bundesvorstandsmitglied von Verdi, teilte mir unzweideutig mit: „Ihre letzten Worte machen mich ein wenig unsicher, ob ich überhaupt ein geeigneter Ansprechpartner bin. Schließlich bin ich Mitglied der PDS.“ Ok, dann ist ja alles klar. Oder?

Ach ja, und dann gab es da noch die Rapgruppe „Die fantastischen Vier“, allgemein bekannt als „Fanta4“. Sie antworteten routiniert: “die aktion aufmucken gegen rechts ist eine reaktion auf die verteilung rechtsradikaler musik-cds auf schulhoefen. es sollte ein tontraeger zur verfuegung gestellt werden, der sozusagen als gegenmittel verteilt werden kann. dazu hat die aktion aufmucken-gegen-rechts kuenstler aufgerufen, ihre musik unentgeltlich zur verfuegung zu stellen - das haben wir mit unserem titel “krieger” gerne gemacht. aufmucken-gegen-rechts ist eine aktion, die von solid initiiert wurde, unterstuetzt wird sie obendreinvon einer reihe organisationen u.a. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. die o.a. andeutungen sind uns nicht bekannt. wir verwechseln allerdings auch nicht die ansichten einzelner solid-mitglieder mit den intentionen der aktion aufmucken-gegen-rechte-gewalt. fuer uns ist diese aktion nach wie vor keine parteipolitische aktion, sondern ein solidaritaetszeichen gegen rechts“

Fazit: Was wir immer ahnten, ist nun Gewissheit. DGB und Regierung unterstützen jetzt direkt und offen die linksextreme PDS-Jugend, anstatt ihre eigenen, anscheinend zu wenig radikalen, Organisationen wie z.B. die „Falken“ oder die „Jusos“ – der Kreis wurde nun dort geschlossen, wo es sich längst andeutete. Mit der Finanzierung dieses Projektes beginnt eine neue Ära der innenpolitischen Konstellation.

Tanja Krienen

2 Kommentare »

  1. hallo zusammen,
    ich komm aus der schweiz und da treten die guten alten fanta vier auch an ein paar openairs auf. unteranderem an dem hier: http://www.tufertschwil.ch/programm.php
    die organisatoren dieses openairs sind aktive mitglieder der schweizerischen volks partei (www.svp.ch), der partei die gegen ausländer hetzt und die sich für die traditionelle rolle der frau einsetzt(http://de.wikipedia.org/wiki/Schweizerische_Volkspartei).
    so haben die organisatoren auch eine schweizer musikerin wieder ausgeladen weil sie in einem interview mit einer ilustrierten den wunsch äusserte einen der svp-chefs “wegzuzaubern”. (http://www.music.ch/LF/news/ID59/ und http://www.snaplife.ch/?site=artistpool&id=361).
    ich glaube nicht das dies den politischen ideen von fanta4 entspricht und möchte sie auffordern, ihren gig am openair tuffertschwil abzusagen da ihre musik nicht als werbung für solche politische positionen missbraucht werden sollte. das mit der kohle werden sie ja wohl verkraften können.

    wer auch dieser meinung ist kann ja hier: http://www.fourmusic.com/kontakt.php beim management seine meinung kund

    und der krieger sagt entschieden es wird zeit dich zu entschließen
    wer du bist wohin du gehst auf welcher seite du stehst
    es wird zeit daß du verstehst dass du am rad der zeit drehst

    danke und grüsse

    tob

    Kommentar von tob — 27. Mai 2005 @ 13:30

  2. Ein sehr guter Artikel - Und niemand war mehr konservativ. Die Tarnnamen für das Wählen linker Parteien und das gleichzeitige Verdienen dicken Geldes in Kunst, Journaille, Unterhaltung und Kommerz lauteten „struktur-konservativ“ oder „wert-konservativ“, aber nie „konservativ“ - igitt.

    Folglich konnte es, zuerst im Narrativ der Linken, keine Konservativen mehr geben. Es gab alte Nazis und „Neue Rechte“. Damals war ich etwas über 30 Jahre alt und musste mich notgedrungen also für einen „Neuen Rechten“ halten, denn Kohl war im Abseits, Dregger im Ruhestand, FJS lange tot, Merz und Meyer waren intern abgesägt. Und wenn man die beiden neuen M, Merkel und Müntefering, in der ersten GroKo sah, dann konnte man sogar hoffen, hier würde eine seltsame Krisenregierung ohne Krise nüchtern-hemdsärmelig zur Sache gehen. Und dann setzte er ein, der Merkel-Effekt, die allmähliche Implosion des Politischen. Sie traf bei den nächsten Wahlen, auch Dank der Linkspartei, erstmals die SPD.

    Ich begriff, dass Große Koalitionen Krisenzeiten vorbehalten bleiben sollten; und die damalige Krise nach dem 11. September 2001 war keine innenpolitische Krise, sie wurde zu einer gemacht. Mich wunderte nichts mehr, als sich Oskar Lafontaine bereit fand, seine WASG mit der SED-PDS des Gregor Gysi zu vereinigen, antikapitalistisch, pazifistisch, außer der Krieg wird von Moskau betrieben, sozial ohne Marktwirtschaft. Niemand regte sich lange auf, dass die Vertreter des DDR-Sozialismus nun auch in Westdeutschland arriviert waren; man lud noch lange Jahre niemand so gern in öffentlich-rechtliche Talkshows ein wie Gregor Gysi – wider den tierischen Ernst. Wie seltsam, wie ironisch, dass die Nutznießerin einer derart zu Lasten der SPD erstarkenden Linken schon wieder Angela Merkel hieß. http://www.achgut.com/artikel/der_merkel_effekt

    “Geh mir weg mit eurem Stolz auf die eigene Nation/ Ihr seid nicht das Volk, ihr seid Vollidioten”, ätzt Michi Beck darin gegen das Heimatpathos von rechts und konstatiert: “Es wär ‘ne wunderschöne Welt ohne Religion (……), denn es geht hier nicht um irgendwelchen heiligen Kram/ Es geht in Wirklichkeit doch nur um Reich gegen Arm.” Das hat durchaus Power, jedenfalls mehr als das verquaste Pazifistenlied “Affen mit Waffen” oder “Weitermachen”, der obligatorische, aber schwer erträgliche Esoteriksermon von Thomas D. zum Schluss der Platte. http://www.spiegel.de/kultur/musik/die-fantastischen-vier-mit-neuem-album-captain-fantastic-kritik-a-1204941.html

    Kommentar von Campo-News — 1. Oktober 2017 @ 10:57

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