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15. Februar 2013

Gedankensplitter aus der halbjährigen Blogpause

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 13:47

1.

Soeben versuchte ich „Der Fänger im Roggen“ von Salinger zu lesen. Nach zehn Minuten gab ich auf. Ein abstoßendes Buch voller Ressentiments, transportiert von einer ekligen, mega-pubertären Sprache. Wenn er „schwul“ als Schimpfwort gebraucht, erscheint dies als geringster Fauxpas. Unerträglich aber und ein „Schluss-Ende-Aus“ ist für mich gegeben, wenn ein Autor „Kohle“ oder „Eier“, anstatt Geld schreibt. Auch dies: viel zu viel „Scheiße“, „Mist“, „Arsch“ – und alles ist „verdammt“ oder „verflucht“. Dekadent. Wie Ginsberg.  Aber genau richtig für Mr. Chapman oder den Una Bomber. Man müsste die Welt 100…oder auch nur 60 Jahre zurückdrehen können, dann wüsste man, wofür und wogegen sich einzusetzen lohnt.

2.

Ultras UND Operpublikum raus! Von mir aus kann der BVB im Zuschauerschnitt von 80000 auf 60000 abrutschen - dann bekomme ich wieder zu vielen Spielen eine Karte, ohne eine von Dauer kaufen zu müssen. Sollen doch 25 bis 30 % verschwinden, denn sie sind sowieso von Übel. Die echten Fans fiebern mit, sie boykottieren nicht, zumal die Regeln in den Stadion völlig ok sind und Gewalt zu unterbleiben hat. Ich spreche den Ultras jede Berechtigung ab, - die Kompetenz sowieso. Davon sind diejenigen, die zum “Familienfest” vorbei kommen, um Kaugummi zu kauen und/oder sich Farben ins Ölgötzengesicht zu schmieren, ebenso betroffen. Fußball den Fußballfans! Nicht den Hooligans, aber auch nicht den neugierigen Eventhaschern!

3.

Umso populärer werden die Forderungen nach BEDINGUNGSLOSEM Einkommen, wenn man schon jetzt BEDINGUNGSLOSE Abschlüsse erhält. Man gewöhnt sich daran.

4.

Die “Tafler” wählen ihre Fütterer, auch wenn sie selbst durchschnittlich 220 Pfund messen, die ihnen aus den Schokoladen, Plätzchen und Samen spendiert wurden, um jene “Gerechtigkeitsschere”, die sie nur notdürftig kaschieren, aber überall auf den Straßen und Cafes überflutenden Orte unserer ehedem schönen Dörfer, Städte und Salons überschwemmen. Man kürze ihre Mittel um 50% und alles wird zwar nicht gut, aber doch besser. Nie war der öffentliche Bereich für jemanden mit gesunden Instinkten so unbegehbar wie 2012. Nie ist nicht richtig, vor circa 1648 mag es ock so gewest sin. 

5.

Auf Deutschlands Schulhöfen sind unsere Kinder sicher.

Wie sicher sind sie aber in den Bäuchen ihrer Mütter?

Brecht, mit meiner Hilfe

6.

Rafael van der Vaart schlug in der Sylvesternacht seine Frau. Mit dem Ha-Ha.HSV fuhr er anschließend nach Abu Dhabi. Man wird dort mehr Verständnis für ihn haben. Prognose: van der Vaart wechselt im Sommer zum Al-Jazira Club und spielt im Al Jazira-Mohammed-Bin-Zaved-Stadion. Herzlichen Glückwunsch!

7.

Als der jüdische Kabarettist Georg Kreisler Mitte der 60er Jahre jüdische Lieder sang, die er “Nichtarische Arien” nannte, fragte ihn ein Vollpfosten von “Journalist”: “Ach, darf man das jetzt wieder?” Und Kreisler verteidigte dann das “Jüdeln”, wie auch das “Böhmäkeln” usw.. Dass die Tanten Ruth und Jetti einen Kropf hatten, naja, das ist ja schon sährrrr antisemitisch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch das alles unter “Rasssssimus” abgelegt wird, weil JEDE Unterscheidung, und sei sie noch so normal, unter Beobachtung der Sprach-SA steht und dem Gleichheitsstreben der Neo-Jakobiner geopfert werden muss.

8. 

Sie residieren im Karl-Liebknecht-Haus, ihre Parteistiftung trägt den Namen Rosa Luxemburgs, die Partei-Fraktionszeitung heißt “Clara” (nach der Kommunistin Zetkin) - wen also wundert es? Sie stehen eben nicht in der Tradition der Vor-14er “Revisionisten” innerhalb der SPD, sondern in jener der Gegner von Kautsky, Bernstein und Co.. Die heutigen Linken sind keine Linken alter marxistischer Prägung, sondern esoterisch angehauchte Irre, Trotzkisten und Maoisten, Anhänger der “permanenten Revolution” und des individuellen und anarchistischen Terrors als Machtmittel.

9.

1913 von Florian Illies (sein viertes Buch in meinem Regal) gelesen. Zuviel Namedropping, ziemlich geschwätzig und allzu sehr Decadence-affin. Die Elite kreist um sich selbst, malt, mault und mäandert vielfältig. Sport und Philosophie fehlen gänzlich, die Politik wird nur touchiert und kein Zusammenhang ergibt sich aus irgendetwas. Ausgerechnet Frankophilität schmeckt man. O Schauder. Und zuviel Geplauder Ein enttäuschendes Buch. Thema verschenkt. Die letzte Enttäuschung des Jahres 12. Jedoch: partiell Interessantes: Dönekes, nette Details und sympathische Anekdoten und schöne Apercus. Zum Beispiel. Heinrich Kühn und sein Zitat: „Der Sündenfall hat zweierlei Gestalt: Die Sozialdemokratie. Und den Kubismus.“ Immerhin das.

10.

Ich lese: Berghof vom Adler erschrocken! Wie das? Ein Adler auf einem Berghof? Das ist doch ganz normal. Dann klicke ich mehr und näher. Lese: Dagmar Berghoff vom Alter erschrocken! Aaaaach so. Wie langweilig. Viel besser wäre dagegen Kafka, bei dem der Adler aber ein Geier war: „Er flog auf, weit beugte er sich zurück, um genug Schwung zu bekommen und stieß dann wie ein Speerwerfer den Schnabel….“ usw.. Die Adler-Story hätte ich gern gelesen. Oben auf dem Berghof(f).

11.

Adorno wälzt sich dieser Tage unruhig im Grabe, da die Irre Lesbe Butler einen nach ihm ernannten Preis erhält. Es irren aber jene, die meinen, es sei nur konsequent, dass diese sich mit dem Namen Adorno schmücken darf. Diese nämlich verstehen ihn fundamental falsch, resp. nicht, während die, die sie verstehen, nie etwas verstanden oder glauben, Frankfurt läge am Titicaca-See. Butlers irre Pamphlete bilden keine echte Theorie, schon gar keine kritische, sondern sind esoterische Spökenkiekereien der untersten Sohle. Adorno hätte sich geekelt. Die “Dialektik der Aufklärung” spricht sich nicht gegen die Aufklärung an sich aus, sondern gegen ihre - nennen wir sie - Dekadenzelemente. Wohl wahr: vieles schmeckt ein wenig schal.  Die “Jazzmaschine” stampfte aber tatsächlich, doch ich höre sie meist gern - im Gegensatz zu den Bumm-Bumm-Maschinen heutige Prägung, die uns überall die Musik versauen. Selbst Adorno hat nicht ahnen können, das es so einmal kam.

12.

Die abklatschende Frau. Schaurig, wie ein Alien aus der Mitte des gefüllten Bauches, nach dem Moment, der dem Schrei folgt. Danach herrscht absolute Stille.

13.

Zu Christian Wulff. Ja, alle seine Träume sind hin. Träume, für die er grenzwertig handelte. Gut, er war farblos, mittelmäßig und ein Opportunist. Aber so ist die Mehrheit. Doch auch er darf menschlich Fairness einfordern und darf sich beklagen, wenn er ausgenützt wird. Das ist wohl geschehen. In der Sache sollte man ihm politisch deutlich begegnen - doch irgendwann wurde er AUCH zum Opfer einer Schlammschlacht. Tiere lassen in der Regel von ihrem Opfer ab, wenn sie es nicht fressen wollen. Seit einem Jahr ist CW fertig. Alles was danach kam, stößt mich ab. Ich meine die Kampagne gegen ihn, die einfach nicht endende.

14.

Die aktuelle Musiksituation deprimiert. Nicht, dass nicht im Verborgenen einiges blüht, aber es will nicht zünden, weil man sich fragt, worin es seine Entsprechung findet. Und: Es geht nicht allein um das was abseits geschieht, sondern um die Tagesaktualität, um den Sommerhit, das Nachpfeifen eines soeben gehörten neuen Songs und um das Feeling in der Rückkoppelung des Hier und Jetzt.

15.

Erinnerung. Vor zwei Jahren schrieb ich mit Hinblick auf die arabische Konterrevolution: „Nichts wird besser: im Gegenteil. Bisher gab es noch einen Rest von Vernunft und Zivilisation - dies steht jetzt auf dem Spiel und endet wird es wie im Iran. Früher oder noch früher.“

 

 

10 Kommentare »

  1. Wie findest Du Muse?

    http://www.youtube.com/watch?v=MYeUK0GvgI0

    Gruss, Beni

    Kommentar von beni — 27. Februar 2013 @ 14:39

  2. Beziehst du das auf Punkt 14? Nun: Affentheater auf Klangteppich.

    Kommentar von Campo-News — 27. Februar 2013 @ 14:59

  3. Islam und Michaels Pub in New York. Da war ich nur einmal, 1987. New York 1974: Der Filmschauspieler Michael Moriarty (welch schöner, wunderschöner Name) spielt in dem einmalig realistischen Film „Der einsame Job“, den ich gestern zufällig auf Sky sah, die Hauptrolle – und er spielt heutzutage öfter (wie Woody Allen) im besagtem Pub. MM hat aber auch Böses gesagt und es ist so böse, dass ich es nur vorsichtig böse hier einstelle, weil es in Nuancierungen etwas über das Ziel hinausschießt. Aber dennoch sollte man DAS einmal lesen. Michael Moriarty sagte: „Der Islam ist eine durch und durch Allah-gläubige Kamikaze-Nation, ebenso wie das kaiserliche Japan vor dem Krieg. Seine Bibel, der Koran, kann mit Hitlers Mein Kampf verglichen werden. Er fordert die Herrschaft über die gesamte Menschheit. Die einzige Religionsfreiheit des Islam ist die Freiheit des Islam, alles andere zu beherrschen. Die islamischen politischen Parteien verdienen nicht mehr Vertrauen, als die Neonazis, die weißen Rassisten und der Ku Klux Klan. Leider versteht der Islam eine einzige Sprache, wie das Japan Hirohitos: die Gewalt. Die Maßnahmen Harry Trumans zur Beendigung des Krieges mit Japan sind notwendigerweise leider zu erwägen für einen Krieg mit dem Islam.“

    Kommentar von Campo-News — 20. März 2013 @ 18:54

  4. Dieser Götze! http://www.focus.de/sport/fussball/wm-2014/schon-wieder-ein-ausruester-eklat-goetze-aergert-den-dfb-mit-nike-kompressionsstruempfen_aid_1126256.html

    Kommentar von Campo-News — 11. Oktober 2013 @ 10:23

  5. http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article125158458/Sagt-endlich-dass-Mao-der-groesste-Massenmoerder-war.html

    Kommentar von Campo-News — 25. Februar 2014 @ 16:01

  6. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/christian-wulff-jan-fleischhauer-kolumne-zum-freispruch-im-prozess-a-955971.html

    Kommentar von Campo-News — 27. Februar 2014 @ 16:30

  7. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nicht_das_geschlecht_sondern_judith_butler_ist_ein_soziales_konstrukt

    Kommentar von Campo-News — 9. Mai 2014 @ 09:21

  8. Zu 9. Und zu Sandra Kristin Meier - Gut. Florian Illies hat zwar “1913″ ziemlich liberal interpretiert, aber tatsächlich war im angeblich so autoritärem Kaiserreich mehr möglich, als heute, das Frauenwahlrecht einmal ausgenommen. Was wollen wir also? Worum geht es? Wann immer wir diesen Komplex anstechen, werden wir die Kompliziertheit erkennen. Das Links-Rechts-Schema gilt insoweit noch immer, als dass es die penetranten Deutschland-Hasser sind, die dieses Land gefährden und “Sekundär-Tugenden” noch immer konservativ einzuordnen sind. Zwei gewichtige Argumente gegen eine zu weit reichende Relativierung.

    Kommentar von Campo-News — 2. November 2015 @ 15:01

  9. Zu 9. Zu Sandra Kristin Meier - Weite Teile der 68er sind rückwärts destruktiv gewandt, weil sie im Grunde eine Reaktion auf die Moderne darstellen. Wir erinnern uns jüngst an den Hippie-Vorwurf eines britischen Historikers, der die Deutschen als Hippie-Gesellschaft bezeichnete. Das trifft es! Die Hippies und ihre Nachfolger, die Ökosozialisten, sind eine Reaktion auf die moderne Welt, ihre Vorläufer waren die “Zurück zur Natur”-Ideologen, von denen nicht wenige bei den Nazis landeten, die sich auch vielfach obskur, antiwissenschaftlich und pseudoreligiös verhielten. Die Kritik an eben dieser Moderne aus dem Blickwinkel eines moderenen und aufgeklärten Menschen, steht auf einem anderen Blatt. Ich versuche sie, soweit ich es vermag, zu liefern.

    Kommentar von Campo-News — 12. November 2015 @ 11:06

  10. Böses mit Bösem vergelten - das tut gut!

    1. Umso populärer werden die Forderungen nach BEDINGUNGSLOSEM Einkommen, wenn man schon jetzt BEDINGUNGSLOSE Abschlüsse erhält. Man gewöhnt sich daran.

    2. Die “Tafler” schneiden ihre Fütterer, jene, die ihnen Schokolade, Plätzchen und Snacks spendieren, mit derselben “Gerechtigkeitsschere” aus, mit der sie die Wahrheitssucher umgehen. Überall auf den Straßen und in den Cafes überfluteter Orte unserer ehedem schönen Dörfer, Städte und Salons überschwemmen sie die Stille mit ihren Lautsprechern. Man kürze ihre Mittel um 50% und alles wird zwar nicht gut, aber doch besser. Nie war der öffentliche Bereich für jemanden mit gesunden Instinkten so unbegehbar wie 2017. Nie ist nicht richtig, vor zwischen 1618 und 1648 mag es ock so gewest sin.

    3. Auf Deutschlands Schulhöfen sind Kinder unsicher.

    Wie sicher sind sie aber in den Bäuchen ihrer Mütter?

    Brecht, mit meiner Hilfe

    4. Sie residieren im Karl-Liebknecht-Haus, ihre Parteistiftung trägt den Namen Rosa Luxemburgs, die Partei-Fraktionszeitung heißt “Clara” (nach der Kommunistin Zetkin) - wen also wundert es? Sie stehen eben nicht in der Tradition der Vor-14er “Revisionisten” innerhalb der SPD, sondern in jener der Gegner von Kautsky, Bernstein und Co.. Die heutigen Linken sind keine Linken alter marxistischer Prägung, sondern esoterisch angehauchte Irre, Trotzkisten und Maoisten, Anhänger der “permanenten Revolution” und des individuellen und anarchistischen Terrors als Machtmittel.

    5. Die aktuelle Musiksituation deprimiert. Nicht, dass nicht im Verborgenen einiges blüht, aber es will nicht zünden, weil man sich fragt, worin es seine Entsprechung findet. Und: Es geht nicht allein um das was abseits geschieht, sondern um die Tagesaktualität, um den Sommerhit, das Nachpfeifen eines soeben gehörten neuen Songs und um das Feeling in der Rückkoppelung des Hier und Jetzt.

    6. Erinnerung. Vor sechs Jahren schrieb ich mit Hinblick auf die arabische Konterrevolution: „Nichts wird besser: im Gegenteil. Bisher gab es noch einen Rest von Vernunft und Zivilisation - dies steht jetzt auf dem Spiel und endet wird es wie im Iran. Früher oder noch früher.“ Wer hört das noch, wen stört das noch?

    Kommentar von Campo-News — 10. Mai 2017 @ 13:55

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