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16. November 2011

Zum Tode von Franz Josef Degenhardt (zwei Liedtexte und Erklärungen)

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 13:56

Ein paar sehr emotionelle Gedanken und zwei Texte, dazu viele Stichworte wie Max Reimann, Willy Brandt, Hagen, Gevelsberg, Wahlkampf 1976 usw. - hier geht es zum Video (das Überlänge hat und dadurch etwas schmaler in der Formatierung wurde)

13 Kommentare »

  1. Ein Lied von Hannes Wader zum Tode Degenhardts - http://www.youtube.com/watch?v=CB8DGN8vBRU

    Kommentar von Campo-News — 13. April 2012 @ 16:36

  2. http://www.tolmein.de/linke-geschichte,legale-linke,178,franz-josef-degenhardt.html

    Kommentar von Campo-News — 27. August 2015 @ 06:54

  3. Erleuchtung oder Das neue Heil kommt von “Links-Grün”, belegt mit einem Degenhardt-Text

    Als ich jemanden zum ersten Mal über Franz-Josef Degenhardt reden hörte - es muss im Frühjahr 1970 gewesen sein, denn an diesem Tag kaufte ich mir “Let it be” von Beatles bei Schillling in Hagen - kannte ich ihn noch gar nicht. Mein Gesprächspartner behauptete aber, der nebenan in Schwelm geborene Degenhardt, sei “den Rechten zu links und den Linken zu rechts”. Das fand ich verstörend, konnte mit dieser Formulierung aber wenig anfangen. Zwei Jahre später begriff ich, kam aber - bis heute - zu dem Schluss, dass dies eine unzulängliche Beschreibung sei, denn Degenhardt war ein Linker und nichts anderes. Aber er hatte neben vielen Dummheiten auch ein paar Spitzfindigkeiten auf Lager, die zu beachten sind. Die Friedensbewegung z.B. hasste er, diese dummen Leute, die, wenn er das Horst Wessels-Lied verfremdete, trotzdem mitklatschten, weil sie auf Hippie-Happening eingestellt waren, aber nicht auf artifizielle Nuancen. Bei ihm taucht dann auch mal “die dicke grüne Mutter” auf, die “betet für den Weltfrieden, den will sie heute zur Not herbeibomben” usw.. Er hasste diese Lichterketten, diese Wunderkerzen-Schwenker mit ihrer falschen Pathetik.

    Und FJD schrieb dann diesen Text im Jahre 1993, in dem er jenen, von den dicken grünen Muttis, anderen Betschwestern, guten Menschen und Neu-Nationalen (die dem italienischen Migranten durch auferlegten Druck zeigen wo es langgeht) den ausgeübten Zwang zum Gutsein treffend kommentiert. Man muss das sehr aufmerksam lesen -

    Na? Ist das ein Bild diese Lichterkette um die Alster herum? Das sind mehr als Dreihunderttausend!
    Guck da, da ist der Luigi dem hab ich gestern abend gesagt: Du kommst auch du und deine ganze Familie selbstverständlich. Das Restaurant wird geschlossen für die zwei, drei Stunden! Ganz einfach!
    Wir wollen doch zeigen daß es das andere Deutschland gibt, das anständige.
    Im Ausland spielen sie ja schon verrückt.
    Ist das herrlich und diese vielen Fackeln. Das hat doch was.
    Gestern noch hab ich einen Anruf gekriegt aus New York: sag mal was ist denn da los bei Euch fängt das wieder an?
    Langsam habe ich gesagt, mal langsam: so nicht! Du wirst dich noch wundern!
    Sicher, die müssen da einiges verdauen jetzt unsere Freunde im Westen.
    Und wenn nun auch noch unsere Jungs wieder auftauchen.
    Überall in der Welt, unter blauen, grauen, grünen oder was weiß ich für Helmen.
    Klar, aber das ist eben doch was ganz anderes als früher.
    Das werden die schon noch begreifen müssen.
    Diese Lichterketten!
    Herrlich. Was?

    Kommentar von Campo-News — 27. August 2015 @ 15:10

  4. Da habt ihr es! Ein Degenhardt-Lied aus dem Jahre 1967, nur sehr unwesentlich verändert, z.B. “Kölner Tagen”, statt “Berliner”!

    Da habt ihr es, das Argument der Straße.
    Sagt bloß jetzt nicht: Das haben wir nicht gewollt.
    Zu oft verhöhnt habt ihr die sogenannte Masse,
    die euch trotz allem heut noch Beifall zollt.
    Nun wisst ihr es: Uns ist es nicht genug,
    in jedem vierten Jahr ein Kreuz zu malen.
    Wir rechnen nach und nennen es Betrug,
    wenn es gar keine Wahl gibt bei den Wahlen.

    Jetzt schreiben wir den Protest an die Wände
    mit roter Farbe. Warum eure Wut?
    Das ist doch Farbe. Aber eure Hände.
    Sind seit den Kölner Tagen voller Blut.
    Schändung von Frauen stellt ihr zum Vergleich
    geplatzten Böllern und Tomaten.
    Das ist nicht neu in diesem Land! Und euch,
    euch paar’n, die ihr mal anders wart, was soll man euch noch raten?

    Genau das ist die Mischung, die wir kennen:
    Gerührt bei kindischer Migranterei.
    Und das schlägt zu, mitten im Flennen.
    Aus Rotz und Blut ist dieser Brei.
    Warum, verdammt, seit ihr nicht aufgewacht
    Bevor sie dort eintrafen.
    Jetzt denkt an Deutschland in der Nacht,
    und sagt, wer kann noch ruhig schlafen?

    2. Juni 1967, Franz-Josef Degenhardt

    Kommentar von Campo-News — 9. Februar 2016 @ 14:10

  5. Zum Schuss (und dem Gedankenspiel von AfD-Politikern, als letzte Konsequenz auf illegale und unbefugt hereinströmende (feindliche) Massen bei Nichtbefolgung der Regeln notfalls auch das Schießen nicht auszuschließen. Aus dem Jahre 1968, etwas verändert

    Zum Schuss

    Seit Tagen rufen sie bei mir an, die Beobachter von Mißständen aus Funk- und Zeitungs-und anderen Häusern.
    Krienen, sagen sie, oder, vertraulich, Tanjalein: Nun, was sagen sie jetzt, zum Schuss!
    Ach, die widern mich an. Endlich, endlich dürfen sie die in Jahren hinuntergewürgte Kritik hinauskotzen.
    Diesmal darf man vom Leder ziehen.
    Beifällig nicken Verleger und Intendanten. Und wir, Freunde, es scheint, wir haben gut gearbeitet.
    Denn hört euch diese Typen an, die Vorsitzenden der Fernsehräte, die Vorstände und Herren der Medienkonzerne und deren Sachwalter auf Regierungs- und anderen -bänken.
    Sie sind empört, weil die Verteidigung unserer Lebensart unter keinen Umständen stattfinden darf.
    Sie sehen rot und sprechen von Scham, die roten Straßenkämpfer, die Schreier und Kommunarden und deren Sachwalter in Zeitungs- und anderen Häusern.
    Sie schäumen, weil die Verteidung der Freiheit, an keinem vorstelllbaren Tag nicht stattfinden soll.
    Nein, wir hören genau hin. Die sagen “unser Deutschland”. Und wenn die “unser” sagen, meinen die “unser”.
    Die Herren, die den Vorfall in Sebnitz peinlich, den Vorfall mit Handgrante ohne Zünder misslungen,
    den Vorfall mit dem Lebkuchenmesser überhaupt nicht mehr benennen.
    Nein, mit diesen Herren (und mit den Herren ohne Eier, versteht sich) teilen wir nicht unsere Wut über die fehlenden Debatten. Zum Schuss.

    Kommentar von Campo-News — 9. Februar 2016 @ 14:11

  6. Verteidigung eines alten Sozialdemokraten gegen ein Flugblatt von Islamkritikern vor dem Fabriktor

    Ich sag dir so geht das nicht, sagt der Sozialdemokrat und spricht:
    Natürlich kann ich auf eine Drehbank steigen und loslegen von wegen sicherer Arbeitsplatz und was übrig bleibt wenn die Raten bezahlt sind. Oder zum Beispiel Akkord. Aber angenommen sogar ich bin Fritz Beckenbauer. Die hören doch gar nicht hin. Die schreien doch halt den Hals. Ich sag dir: so geht das nicht. Sagt der alte Sozialdemokrat und spricht:
    Paß auf: auf dem Vorplatz bei euch na meinetwegen. Aber stell dir mal vor - Bundesligaspiel Borussia-Eintracht. So fünf Minuten nach der Halbzeit kommen paar von euch auf den Platz, Deutschlandfahnen und so und brüllen: schluß mit dem Quatsch jetzt wird diskutiert! Was meinst du was da passiert? Hier euer Flugblatt wischen die sich den Arsch mit ab. Ich sag dir: so geht das nicht. Sagt der alte Sozialdemokrat und spricht:
    Paß auf: das mußt du auch mal vergleichen. Was hat er früher gehabt was hat er heute? Sieh mal wir waren sieben zu Hause, zwei Zimmer, immer Kohldampf geschoben und heute? Guck dir das doch mal an: Wohnzimmer, Teppich, Couch, Sessel - alles was du willst. Auto sogar. Die Kinder arbeiten, verdienen und dann kommt ihr Deutscher du wirst islamisiert. Hau mir ab. Ich sag dir so geht das nicht. Sagt der alte Sozialdemokrat und spricht:
    Ja fünfundvierzig, da hätten wir zuschlagen müssen. Zack! Dann wären wir am Drücker gewesen. So. Dann hätten die andern mal kommen sollen. Dann hätten wir diesen Staat gemacht. Aber heute geht das nicht mehr. Heute muss man zäh Schritt für Schritt für Schritt für Schritt für Schritt für Schritt für Schritt - sagt der alte ewige Sozialdemokrat und spricht und spricht und spricht. Bloß ändern, das will er nicht!

    Kommentar von Campo-News — 9. Februar 2016 @ 14:41

  7. Der sächsische CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Krauß hat den Vorwurf der Amadeu-Antonio-Stiftung zurückgewiesen, die sächsische Landespolitik mache „Nazis groß“. Sachsen benötige von jemandem, der Rassismus mit umgedrehten Vorzeichen betreibe, keine Belehrungen, sagte Krauß mit Blick auf die Stiftungschefin Anetta Kahane der JUNGEN FREIHEIT. 23.2. 2016

    Die alte Stasifrau Kahane

    Die gegen den Bürger Widerstand leisteten, damals,
    die dann ins Feld zogen für das Reich Lenins, damals,
    und dann wieder herauskamen und immer noch dafür kämpfen,
    die heben jetzt mahnend die Stimme: Maßhalten, sagen sie,
    Maßhalten, ihr Polizisten, maßhalten, ihr Sachsen,
    maßhalten, ihr Pegidaisten und Alternativen,
    maßhalten, ihr Arbeiter, Studenten und Selbstständige,
    maßhalten, ihr Mörder, maßhalten, ihr Opfer.

    Ja die alte Stasifrau Kahane,
    muss weit über sechzig sein,
    macht täglich noch ihren Spaziergang,
    trinkt sonntags ein Schöppchen Wein,
    liest immer noch mit Brille
    die Zeitung, die sie seit jeher las,
    aber nur noch die Todesanzeigen,
    und sie hat dabei seinen Spaß.
    Sie kichert und kratzt sich
    in Greisenlust zwischen den Zehen.
    “Zu leben”, sagt sie,
    das muss man eben verstehen.”

    Die alte Stasifrau Kahane,
    die hat das richtige Rezept,
    wie man so alt wie sie wird
    und immer noch weiterlebt.
    Und erzählt bei der Antifa
    auch jedem, der’s hören will.
    “Das ist es”, sagt sie, “alles ganz
    einfach mit Maß und mit Ziel.
    Und niemals, Verehrtester,
    irgendwas übertreiben.
    Dann wird jedes Organ
    und alles in Ordnung bleiben.”

    Die alte Stasifrau Kahane
    hat so gelebt, wie sie sagt.
    Hat ein bißchen geraucht und getrunken,
    ein bißchen an allem genascht, ein bißchen an allem genagt,
    ein bißchen geschafft, ein bißchen geraucht,
    ein bißchen Randale gemacht.
    Und manchmal ist sie am Morgen sogar
    ein bißchen erschrocken erwacht.
    Ja, die alte Stasifrau Kahane
    hat nie etwas übertrieben.
    Und darum ist sie auch bis heute
    so gesund geblieben.

    Die alte Stasifrau Kahane
    hat sich gut durch die Zeit gebracht,
    weil: sie war immer ein bisschen dafür
    und immer ein bisschen dagegen, und sie gab immer acht.
    “Nur das deutsche Umfeld in der DDR”, sagt sie,
    “das war ein bisschen zu viel.”
    Und sie zitiert ihren Wahlspruch:
    “Alles mit Maß und mit Ziel.”
    Ja, ihr Urteil war immer
    sehr abgewogen.
    Und darum ist sie auch bis heute
    um nichts betrogen.

    Die alte Stasifrau Kahane
    muss weit über sechzig sein,
    macht täglich noch ihren Spaziergang,
    trinkt sonntags sein Schöpfchen Wein.
    Und jetzt nehmen wir mal an,sie kommt einmal
    dann doch zu dem, den sie Lenin nennt,
    eine Mischung aus Wolgaschlepper und Gorki und Landgerichtspräsident.
    Und dieser, der täte sie schließlich im Jenseits noch belohnen.
    Mal ehrlich, Kumpanen, wer von uns möchte da wohnen?

    Auch dass Sie mit Frau Kahane von der Amadeu-Stiftung einen ehemaligen Stasi-Spitzel bei der Internet-Zensur gegen „rechts“ einspannen - Herr Maas, Herr Maas, ob das mit Ihnen gutgeht? Sie haben ja nicht eine Sekunde als Jurist gearbeitet und verdanken Ihr Amt einer reinen Parteikarriere. Ist das der Grund, weshalb Sie das eigentlich zur Unparteilichkeit verpflichtende Amt des Justizministers unentwegt mit Ihrer Gesinnung vermengen?

    Michael Klonovsky http://www.focus.de/magazin/archiv/brief-an-sehr-geehrter-genosse-maas_id_5246966.html

    Klaus Kelle - http://denken-erwuenscht.com/von-der-stasi-zur-politischen-sittenwaechterin-eine-deutsche-karriere/

    Kommentar von Campo-News — 9. Februar 2016 @ 15:01

  8. Gern stelle ich alte Liedermacher-Texte um, fülle sie mit neuen Begriffen, damit ein neuer Bezug entsteht. Mit vielen Texten funktioniert das spielend, weil die Herren Degenhardt, Süverkrüp usw. methodisch hervorrragend arbeiteten und darum prinzipiell viele gut funktionierende Textgerüste bauten. Auch inhaltlich stimmen ja viele Aussagen (nicht alles muss im neuen Gewand passen) und die soziopsychologische Karikierung mancher Personen, Zustände oder Inhalte lassen bisweilen eine ewige Gültigkeit erkennen, weil sie, wie Alfred Polgar über die Figuren von Karl Kraus sagte “Er modellierte sie in fruchtbarer Hassphantasie um, zu gültigen Typen des Kläglichen und Verderblichen”. In diesem Sinne und hier ein weiteres Beispiel aus dem Hause des verehrten Sprachspielers Dieter Süverkrüp -

    Zur freundlichen Erinnerung

    Es ist gar nichts gewesen. Die Bundesregierung blickt völlig wertfrei in der jüngsten Geschichte herum, wie eine schwangere Jungfrau, erstaunt, völlig ohne Ideologie, ganz wie die Lilie auf dem Felde oder dem Massengrab, blickt die Regierung uns an und sagt:

    Warum soll sie denn nicht, die Frau Merkel und der Herr Steinmeier!?
    Kleiner Höflichkeitsbesuch, sonst nichts,
    Wollen etwas geben, sonst nichts,
    Ein paar Milliönchen, sonst nichts,
    Und sich dezent zurückhalten, sonst nichts,
    Was soviel wie Zustimmung heißt.
    Da muss man doch konzilliant winken mit dem Äugelein
    Und die Nominierung zum Friedensnobelpreis auch schon mal vergessen -
    Ist doch gar nichts gewesen.

    Kein Völkermord, keine Kriegsverbrechen,
    Hat Steinmeier selber gesagt!
    Keine Gefangenen, keine unbekannt Verschollenen
    keine zu Staub zermahlenden Städte mit seiner gütigen Hilfe
    keine Finanzierung des Terrors
    nebst einem unsäglich großen Bedarf an Prothesen -
    es ist gar nichts gewesen.

    Niemand wurde zu Tode gefoltert oder misshandelt von den Knechten Erdogans,
    Erdogan, wird von vielen türkischen Staatsbürgern herzinnig geliebt,
    man muss ihn sogar mit Waffen beschützen,
    sonst wird er womöglich vom Volke vor lauter Liebe erdrückt.
    Niemandem wurde ein Haar gekrümmt -
    wer krümmt schon einzelne Haare,
    die Rüstungsindustrie liefert viel stärkere Ware!
    Also, was sollen die ganzen Thesen -
    es ist gar nichts gewesen.

    Es kann alles so bleiben wie es war,
    ist das klar!
    Die Bundesregierung wird weiterhin politisch, moralisch und finanziell
    die Unterstützung der Kriegsverbrecher betreiben.
    Sie verhält sich zum Herrn Sultan nett
    Höflich und marionett
    Und er darf auch in Gauck sein Palais
    Und ein bisschen an unser Portemannaie
    Und man trinkt noch ein Teechen mit ihm am Tresen
    und dann steht in der Zeitung:
    es ist gar nichts gewesen.

    Und unsereins soll da noch nicht mal motzen
    Frau Bundeskanzlerin, das ist zum Kotzen!

    Dieter Süverkrüp 1973, mit meiner Hilfe neu ausgerichtet und zwar bereits im Februar 2016

    Kommentar von Campo-News — 11. Februar 2016 @ 11:14

  9. Warum wird so einer “Rechtspopulist”?

    Grade hatten sie frisch tapezieren lassen,
    Und den neuen Wohnzimmerschrank gekauft.
    Mehr so´ne Schrankwand für alles
    Bücher, Gläser, Fernsehn, Schnaps,
    Ganz in Kunststoff, es ging mit ihnen bergauf.
    Er kriegte volles Gehalt seit anderthalb Jahren
    Später die schöne Pension, ein sicheres Geld;
    Und bei ihr kommt was Kleines, sie wollten schon so lang
    Nun war eigentlich nichts mehr, woran es fehlt.

    Warum wird so einer “Rechtspopulist”?
    Wo er so glücklich verheiratet ist -
    Wenn man nur wüsst!?

    So radikal sieht er eigentlich gar nicht aus,
    Auch grüßt er immer sehr freundlich im Treppenhaus.
    Auch in der Schule war er beliebt, selbst bei den eigenen Schülern.
    Nur, dass er immer vor dem Islam warnte und das Sozialsystem gefährdet sah, das war sein ganzer Tick.

    Seine Eltern waren ganz kleine Leute,
    Er hat sein Studium alles selber verdient,
    In der Fabrik als Lastwagenfahrer
    Und später auf dem Bau,
    Sieht man noch heut wenn er ein Werkzeug nimmt.
    Möglich, dass er dadurch die Arbeiterkinder
    Etwas bevorzugt, er weiß ja, so sieht es aus,
    Wenn einer ganz von unten kommt dann strampelt er sich ab,
    Aber er kann doch froh sein, er ist doch raus.

    Warum wird so einer “Rechtspopulist”?
    Wo er so grade am Aufsteigen ist -
    Nützt ihm doch nix!

    Doch dann hat ihn sehr viel gewurmt. Vor allem was so im Lehrplan steht.
    Lange hat´s mit angesehn, und dann ist es eben passiert.

    Nicht mal Beamter ist heuzutage was Festes,
    Nun die Frage, was fängt er beruflich an.
    Seine Frau ist Verkäuferin doch wer stellt die noch ein,
    In dem Zustand, wo man´s schon sehen kann?
    Früher, wenn einer Jude war oder Zigeuner,
    Das war Schicksal, da konnte er nichts dafür.
    Aber Rechtspopulismus ist doch nichts Angeborenes,
    Wie ein Talent für Geige oder Klavier.

    Warum wird so einer “Rechtspopulist”?
    Wo er die Folgen voraussehen müßt -
    Wie das dann ist.

    Aber dann lächerlt er immer nur und sagt: so ist das hier eben jetzt, dass man für die säkulare Gesellschaft kämpfen muss. Irgendwie sieht er das alles sehr krass, auch das Problem mit religiösen Infiltrierung und was das jetzt mit dem Euro zu tun haben soll oder so ähnlich, also, ich kann das nicht so erklären, jedenfalls meint er, die da oben, dass das alles an denen hängt und wir alle verkauft werden sollen. Gut, da hört man es wieder heraus, diese bestimmte Richtung. Aber wenn er es einem erklärt, kann man es fast verstehen.

    Darum ist er ja so gefährlich als Lehrer.
    Deswegen haut man von oben so auf die ein.
    Wo sie doch harmlos sind, wenn man das Wahlergebnis sieht,
    Aber sie sind nicht in allen Ländern so klein.
    Jedenfalls ist das alles eine Tragödie,
    Wenn man nur an die Ferien als Lehrer denkt.
    Und nun müssen sie womöglich nach woanders ziehn -
    Und vor kurzem die neuen Gardinen gehängt.

    Warum wird so einer “Rechtspopulist”?
    Wo er die Folgen voraussehen müsst.
    Und wo ein Umzug so aufregend ist -
    Und alle der Mist!
    Tja!?

    Leicht verändert: Dieter Süverkrüp, Warum wird so einer Kommunist (oder Grade hatten sie frisch tapezieren lassen), 1974 https://www.youtube.com/watch?v=uhS6KvZiKX4

    Kommentar von Campo-News — 27. Februar 2016 @ 18:07

  10. Manche melden sich jetzt ab, ziehen sich zurück, andere werden immer witziger und metaphorischer, wie damals in DDR, als sich die Kritik zehmal ummänteln musste, damit sie nicht nackt da stand und so erlaubt bleiben konnte. So wie es halt ist, in einer kommoden Diktatur. Ich kann das verstehen, doch….*sing* -

    Dass das bloß solche Geschichten bleiben, die man den Enkeln erzählen kann –
    Es gibt ‘ne Menge Leute, die hätten großes Interesse daran!
    Streiche von Kindern einfacher Leute – die letzten Streiche vor dem großen Abspeisen!
    Ja, so hätten sie’s gern, die Abgespeisten und die, die die Speisen verteilen!

    Jetzt kommen schon die kälteren Tage – mancher bleibt da in seinem Haus
    Denkt an die heißere Zeit, erzählt paar Geschichten daraus!
    Und das lässt sich leider auch gut erzählen!
    Zum Beispiel so: “Das war beim Deuschland-Kongress
    Als ich zu Björn sagte – nee wart mal, das war doch später –
    Zur Zeit des Umzugs beim Weihnachtsfest!”

    Oder wie Felix nach Frankreich wollte im Cello-Kasten und mit blondem Haar –
    Im Hauptbahnhof München steht heut’ noch ein Cello weil der Geheimcode zu schwierig war!
    Und dabei kann man auch Dias zeigen: Auf einer Brücke über dem Rhein
    Im Gegenlicht zehntausend schwarz-rot-goldne Fahnen – das muss beim Sternmarsch gewesen sein!

    Wenn das bloß solche Geschichten bleiben, die man den Enkeln erzählen kann
    Hockt in der Nähe der Wodkaflasche ein Großväterchen und hebt an:
    “Also damals, als wir mit Björn nach Berlin zogen da hatten wir Blumen im Haar –
    Und Tatjana war da und TK und wir sangen unsere Hymne - und das war wunderbar!”

    Das das bloß solche Geschichten bleiben, die man den Enkeln erzählen kann –
    Es gibt ‘ne Menge Leute, die hätten großes Interesse daran!
    Streiche von Kindern einfacher Leute - die letzten Streiche vor dem großen Abspeisen!
    Ja, so hätten sie’s gern, die Abgespeisten und die, die die Speisen verteilen!

    Doch wir werden sie enttäuschen – denn: Venceremos!

    Degenhardt 1969, Daß das bloß solche Geschichten bleiben, leicht modifiziert

    Kommentar von Campo-News — 4. März 2016 @ 14:54

  11. Belehrung nach Punkten

    Vorrede: Die Berufsverbotspraxis hat hier eine lange Tradition: Ausgehend von den Karlsbader Beschlüssen von 1819 gegen revolutionäre Umtriebe, demagogische Verbindungen und geistige Vorbereitungen des Umsturzes, über die preußische Notverordnung von 1849 gegen unzuverlässige Elemente, über die Sozialistengesetze von 1878 bis zu den Berufsverboten von 1933 und 1972 gegen Lehrer, Ärzte, Ingenieure und so weiter, die keine Gewähr dafür bieten, jederzeit voll einzutreten für die FDG -

    Praxis 2016, Belehrung eines Lehramtskandidaten im Rahmen eines Anhörungsverfahrens durch einen Herrn aus Berlin in Anwesenheit eines Regierungsdirektors, SPD.

    Solo des Herrn aus Berlin: Bitte, um es gleich zu sagen: Wir sind hier für Offenheit.
    Wird soviel hineingeheimnisst - so Gesinnungsschnüffelei ’so weiter - trifft die Sache nicht.
    Sie zum Beispiel wollen Lehrer werden, wollen also was von uns.
    Also werden wir Sie prüfen, ist doch logisch.
    Staatsumkrempler, Radikale,Revolutionäre mit Gehältern nach A13
    und Pensionsansprüchen machen wir natürlich nicht.
    Also, hier ist Ihre Akte. Rein beruflich alles bestens.
    Erste Lehramtsprüfung: sehr gut.
    Sind kontaktstark und belastbar,
    halten sich zurück in Ihrem Urteil,
    und Sie sind kollegial. Na bitte!
    Aber das genügt uns nicht, denn hier kommt es darauf an:
    Bieten Sie Gewähr, voll einzutreten jederzeit
    für diese freiheitliche und so weiter, na Sie wissen schon!

    Na, und hier in Ihrer Akte -
    das gibt’s jetzt in jeder Akte - die Bewertungskarte PPD;
    das ist die politische Personaldatei.
    Haben wir uns ausgedacht.
    Echter Fortschritt, Punktbewertung, Lochkartensystem und
    Praktisch so wie die Verkehrssünderkartei.
    Das objektiviert die Sache ganz enorm.
    Und damit ist der Gleichheitsgrundsatz
    bestens garantiert und ist alles demokratisch, haha.
    Und so funktioniert die Sache:
    Jeder Minuspunkt ein Loch, und ist die Minuspunktzahl von 45
    dann erreicht, dann: Juppdika und ratata:
    der Datenspeicher wirft die Karte aus,
    und wir wissen: Wieder mal ein Radikaler,
    bietet nicht Gewähr, voll einzutreten jederzeit
    für diese freiheitliche und so weiter, na Sie wissen schon!

    Aber gibt ja nicht nur Löcher, Pluspunkte, die gibt es auch.
    Also Beispiel, angenommen, jemand macht bei einer “Marsch für das Leben”-Demo mit,
    das ist eine Demonstration, gegen na sie wissen schon,
    das macht 13 Minuspunkte, trotzdem wählt der SPD.
    Ist natürlich an den Haaren ‘beigezogen, aber möglich ist natürlich heute alles.
    Was? Woher man wissen will, was einer wählt?
    Haha, jetzt machen Sie uns aber wirklich Witze.
    Also nochmal: jemand macht bei einer “;Marsch für das Leben”-Demo mit,
    das macht 13 Minuspunkte trotzdem wählt der SPD, und das macht 13 Plus
    und -juppdika- schon ist der praktisch wieder ein ganz unbeschriebnes Blatt,
    das heißt, der bietet die Gewähr, sich jederzeit voll einzusetzen
    für die freiheitliche und so weiter, na Sie wissen schon!

    So, und jetzt zu Ihnen ganz konkret.
    Und was sehn wir da zunächst mal?
    Diese 20 Löchlein. Das sind fünfmal Ihre Unterschriften:
    Gegen den Euro und das neue Ungarn und Berufsverbote,
    für das neue Polen und für die Diskussion mit AfDlern.
    Dazu kommen 13 Minuspunkte für die Teilnahme an einer Protestveranstaltung
    und so weiter, na, Sie wissen schon.
    Ganz egal, was auch immer, darauf kommt es hier nicht an.
    So, und nochmal 7 Minuspunkte für ’ne Demo gegen Messermorde.
    Wie bitte? Unpolitisch?
    So, das macht schon 40 Minuspunkte,
    Dazu kommen fünfe, weil Sie drei Kinder haben und ein Haus.
    Nix da, nix da, das ist billiger als Einzelzimmer.
    So schlau sind wir auch.
    Unter einer Decke stecken, Zellen bilden,
    darauf läuft das doch hinaus.
    Also macht summa summarum 45 Minuspunkte,
    und das heißt: Sie sind ein Radikaler,
    bieten nicht Gewähr, voll einzutreten jederzeit
    für diese freiheitliche und so weiter, na Sie wissen schon!

    Na, nu lassen Sie den Kopf nicht hängen.
    Ist ja noch nicht alles aus.
    Hier ist nämlich unser Vorschlag:
    Oder, warum meinen Sie, erklär’ ich Ihnen alles so genau?
    Vorschlag also der: Sie hängen noch ein paar Jährchen dran,
    sammeln ein paar Pluspunkte, paar schöne,
    daß Sie wieder runterkommen, so auf 10 bis 20 Punkte.
    Das genügt uns schon.
    Na, und was Sie machen sollen? Hören Sie sich ein bißchen um
    bei Kollegen und so weiter, was man redet und so weiter,
    na, Sie wissen schon.
    Halt, wo wollen Sie denn hin? Laufen Sie nicht weg.
    Läuft der raus! Na, ich sag ja: Radikaler!
    Bietet nicht Gewähr, voll einzutreten jederzeit
    für diese freiheitliche und so weiter, na Sie wissen schon!

    Der Text »Belehrung nach Punkten« erschien zuerst 1975 auf der Degenhardt-LP »Mit aufrechtem Gang«.

    Kommentar von Campo-News — 4. März 2016 @ 16:27

  12. Ausdiskutiert

    Das war hier in der Musterkolonie des Liberalismus nach einer der hundert Nächte randvoll mit besseren Argumenten.
    Ausdiskutiert auch Persönliches. (Das ist gefährlich.) Vorsichtig (das ist wichtig) sagten wir wieder Freundlichkeiten einander.
    Einer aus Byzanz hatte meistens geschwiegen.
    Wir brachten ihn zur Station am Morgen quer durch Ruhrort und sahen die Quartiere hinter geladenen Zäunen,
    die flüchtig getarnten Plätze, Minarette und Moscheen. Junge Männer mit Messern vor grünem Beton: Eingänge zu den Hinterhöfen. Die Hasskappen, die roten Fahnen mit Halbmond.
    Da sagte der, den wir unverschämt und naiv Kollege genannt hatten, klug hätten wir geredet, er habe gelernt,
    vieles sei auch ganz anders hier. Aber warum, so müsse er fragen, gebe es noch die Zäune, die Plätze und Minarette, die Moscheen, die Fahnen und die Halbmonde unversehrt hier. Was hätten wir dem Kollegen antworten sollen?

    Nach Franz Josef Degenhardt

    Kommentar von Campo-News — 15. August 2016 @ 06:30

  13. Wölfe mitten im Mai (Franz Josef Degenhardt)

    August der Schäfer hat Wölfe gehört,
    Wölfe mitten im Mai, zwar nur zwei,
    aber August der schwört,
    sie hätten zusammen das Fraßlied geheult,
    das aus früherer Zeit, und er schreit.
    und sein Hut ist verbeult.
    Schreit: “Rasch, holt die Sensen sonst ist es zu spät.
    Schlaxx sie toxxx`*, noch eher der Hahn dreimal kräht.”
    Doch wer hört schon auf einen alten Hut
    und ist auf der Hut? Und ist auf der Hut?

    Was ist dann doch in den Häusern passiert?
    Bisse in Balken und Bett. Welches Fett
    hat den Rauchfang verschmiert?
    Wer gab den Wölfen die Kreide, das Mehl,
    stäubte die Pfoten weiß? Welcher Greiß
    glich dem Ziegengebell?
    Und hat sich ein siebentes Geißlein versteckt?
    Wurden Wackersteine im Brunnen entdeckt?
    Viele Fragen, die nur einer hören will,
    der stören will. Der stören will.

    Dann zu Johannis beim Feuertanzfest
    - keiner weiß heut’ mehr wie - waren sie
    plötzlich da. Aus Geäst
    sprangen sie in den Tanzkreis. Zu schnell
    bissen Bräute ins Gras, und zu blaß
    schien der Mond. Aber hell,
    hell brannte Feuer aus trockenem Moos,
    brannte der Wald bis hinunter zum Fluß.
    “Kinder, spielt, vom Rauch dort wissen wir nichts,
    und riechen auch nichts. Und riechen auch nichts.”

    Schon schnappten die Hunde den Wind, und im Hag
    rochen Rosen nach Aas. Kein Schwein fraß.
    Eulen jagten am Tag.
    Hühner verscharrten die Eier im Sand.
    Speck im Fang wurde weich. Aus dem Teich
    krochen Karpfen an Land.
    Hell brannte Feuer aus trockenem Moos,
    brannte der Wald bis hinunter zum Fluß.
    “Kinder, spielt, vom Rauch dort wissen wir nichts,
    und riechen auch nichts. Und riechen auch nichts.”

    Jetzt kommen die Zeiten, da heißt es, heraus
    mit dem Gold aus dem Mund. Seid klug und
    wühlt euch Gräben ums Haus.
    Gebt eure Töchter dem rohesten Knecht,
    jenem, der noch zur Not nicht nur Brot,
    mit den Zähnen aufbricht.”
    So sprach der verschmuddelte Bauchladenmann
    und pries Amulette aus Wolfszähnen an.
    “Wickelt Stroh und Stacheldraht um den Hals
    und haltet den Hals. Und haltet den Hals.”

    Was ist dann doch in den Häusern passiert?
    Bisse in Balken und Bett. Welches Fett
    hat den Rauchfang verschmiert?
    Wer gab den Wölfen die Kreide, das Mehl,
    stäubte die Pfoten weiß? Welcher Greiß
    glich dem Ziegengebell?
    Und hat sich ein siebentes Geißlein versteckt?
    Wurden Wackersteine im Brunnen entdeckt?
    Viele Fragen, die nur einer hören will,
    der stören will. Der stören will.

    August der Schäfer hat Wölfe gehört,
    Wölfe mitten im Mai, mehr als zwei.
    Und der Schäfer, der schwört,
    sie hätten zusammen das Fraßlied geheult,
    das aus früherer Zeit, und er schreit.
    Und sein Hut ist verbeult.
    Schreit: “Rasch, holt die Sensen sonst ist es zu spät.
    Schlaxx sie toxxx, noch ehe der Hahn dreimal kräht.”
    Doch wer hört schon auf einen alten Hut
    und ist auf der Hut? Und ist auf der Hut?

    *vorzensiert, denn der originale linke Ton wird ja von den Linken heutzutage nicht gemocht, weil sie keine Linken, sondern Esoteriker, Dritte-Welt-Ideologen und Irrationale sind. Bild -

    Rat an einen jungen Spezialisten Lyrics Franz Josef Degenhardt

    Aber wenn du mich fragst, Junge,
    soll ich fliegen in die Press-Armee?
    Kann ich dir nur raten, Junge,
    wenn du stark genug bist, geh.

    Stark genug sein, das ist wichtig.
    Unterschätz die andern nie,
    denn die waschen die Gehirne.
    Das Geschäft verstehen sie.

    Lern mit ihren Waffen kämpfen,
    wir gebrauchen sie einmal.
    Lerne ihre Schwächen kennen.
    Schwäche ihre Kampfmoral.

    Und es gibt schon viel Press-Soldaten,
    die sind das gehorchen satt.
    Sagt was vorgeht, diskutiere,
    welche Ursachen das hat.

    Und wenn der Press-Soldat weiß, wer ihn
    und das eigne Volk unterdrückt,
    um im Überfluss zu leben,
    ist der Feind schon halb besiegt.

    Also wenn du mich fragst, Junge,
    soll ich gehen in die Press-Armee?
    Kann ich dir nur raten, Junge,
    wenn du stark genug bist, geh.

    Kommentar von Campo-News — 7. Oktober 2017 @ 11:00

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