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7. Januar 2010

Mein erstes Mal

Abgelegt unter: Allgemein — Campo-News @ 21:38


Vier Neuigkeiten und ein uralter Kommentar

 

1.

Die türkischen Bürger, die wir haben, werden türkische Wurzeln behalten wie die Menschen, die mal aus Polen hergekommen sind, polnische haben. (Körting) Dieser aktuelle Satz des derzeitige Berliner Innenminister Ehrhart Körting ist der dümmste Spruch, den ich in diesem Jahrtausend hörte und überhaupt habe ich so einen Quatsch noch nie vernommen. Dieser Satz fiel mir heute ein, als ich mit einem ehemaligen, langjährigen Fußballprofi von Borussia Dortmund sprach, der auch zu dieser Gruppe gehört, dessen Vorfahren sich aber – so wie es sein sollte – assimilierten und nicht einfach nur (bestenfalls) integrierten. Manch einer wird sich ja noch an mein 1998er Wahlkampfflugblatt erinnern, in dem ich einigen Unsinn über die Einbürgerungsfrage schrieb, aber die Reihung „Tilkowski, Kwiatkowski, Kapitulski, Schlebrowski, Ganowski, Dreschinski, Kutowski, Niepieklo, Michallek, Konietzka, Abramczik …“ auflistete. Wer also behauptet, diese Leute hätten polnische Wurzeln und würde sie behalten, so wie die Türken ihre türkischen, hat wohl abwechselt ein paar Bäder unterschiedlicher Temperatur genossen. Oder Genossen!? (Was sagt er eigentlich zu seinem Parteifreund Buschkowsky?)

 

2.

Heute sah ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Burkaträgerin live. Es war schon ein gewisser Schock, gebe ich zu. Von Dortmund zurück kommend, stieg ich in Schwerte aus („Ausstieg in Fahrtrichtung rechts“) und nahm sie erst dabei wahr. Zierlich, flink, ganz in schwarz – nur das Augenpaar war zu sehen. Vor dem Bahnhof sah ich noch, dass sie an zwei schwarzhaarigen Mädchen vorbeihuschte, von der eine, kurz nachdem sie die Person passierte, sich die Nase zu hielt.

 

3.

Ein Novum: Ein Bereicherer meiner Alltagskultur säuberte sich im Zug zwischen Schwerte und Dortmund-Hörde mit einem „Schweizer Messer“ die Fingernägel, während er die kalte Zigarette im Mundwinkel parkte. Sehr tief, sehr radikal schürfte und schabte er alles hervor, was hervorzuholen war. Dann nahm er einen anderen Teil der Gerätschaft und schnitt sich die Nägel ab. Er legte sie nun neben sich auf den Rand des Sitzes. Sehr lange Nägel waren es. „Hör mal auf, kannst du das nicht zu Hause machen?“, fragte sein Freund, dem es auch zuviel wurde. „Wollt ich auch grad sagen!“ nutzte ich die Gelegenheit. „Sie brauchen ja nicht hinzusehen“, sagte er mir. Aha!

 

4.

DIE WELT schlägt alles! Wohl zum ersten Mal bestand die Titelseite einer Zeitung (Printausgabe) lediglich aus einer Werbung! Ich konnte es gar nicht fassen! Wer kauft so etwas? Ich nicht! Die Zeit ist gekommen, da Werbung, Inhalt und Propaganda eine Einheit bilden. Die Einheitspartei des Qualitätsjournalismus.

 

5.

Zum ersten Mal nach fast fünf (!) Jahren, las ich meinen Kommentar, den ich unmittelbar nach der Benennung Angela Merkel zur Kanzlerkandidatin schrieb. Hier ein Auszug:

Die Union bestimmte gestern ihren Kanzlerkandidaten, der diesmal eine Kandidatin ist.

Sie sah richtig aus, sogar gut, als sie gestern ihre erste Rede nach der Kandidatur-Kürung hielt: Frisch frisiert, anders als sonst, und sogar mit lachenden Augen. Da es diese Äußerlichkeiten sind, die hier zuerst erwähnt werden, zeigt, worum der Unions-Wähler am meisten bangt. Ansonsten müssen wir noch warten, denn Inhaltliches werden wir erst mit der Vorstellung des Unionsprogramms Mitte Juli erfahren.

Was bisher an die Öffentlichkeit kommt, klingt prinzipiell nicht anders als das, was wir sieben Jahre lang hörten: Mehrwertsteuererhöhung, Gentest-Verbot, Türkeistreit undsoweiterundsofort.

Möglich also, dass die Gesamtgemengelage sich nur unwesentlich verschiebt, vielleicht sogar beschert sie uns ein schwarz-grünes Bündnis. Die deutsche Politik hat bisher noch alles geschafft, was sie sich nicht vorgenommen hat.

Frau Merkel will nun dem Volke dienen. Das hört sich gut an. „Mehr Gerechtigkeit“, brüllt das Volk, „mehr Freibier, mehr Volksmusik im Fernsehen, mehr Drogen, mehr Kindergeld, mehr Wohlfahrt, mehr Geiz ist geil.“ Wer dem Volk dienen will, braucht flinke Beine, denn wo immer das Volk eine Begehrlichkeit ausmacht, wird es sie volkstümlich formuliert einbringen. Gibt es eine Partei, die sich darüber definiert, dass sie dem Volk sagt, was sie von ihm hält?

1 Kommentar »

  1. WEN INTERESSIERT DAS? http://www.huffingtonpost.de/mister-matthew/burka-schule-experiment_b_9905824.html?1463045991

    Kommentar von Campo-News — 12. Mai 2016 @ 18:54

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